Honig-Schnuller zerstören Milchzähne

Von Renato Diekmann

Dank intensiver Aufklärung und prophylaktischer Maßnahmen wird in den letzten Jahren bei den meisten jugendlichen Patienten ein deutlicher Rückgang der Karies an den bleibenden Zähnen beobachtet. Im Milchgebiss ist der Kariesrückgang allerdings noch viel zu gering.
Dr. HandtmannBei einem Teil der Kleinkinder ist der Kariesbefall sogar besonders stark ausgeprägt, berichtete       Dr. Susanne Handtmann, Oberärztin am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Tübingen. Vor allem stelle die frühkindliche Karies „Early Childhood Caries“ bzw. das „Nursing bottle syndrom“ noch immer ein großes Problem dar. Die Ursache sei hauptsächlich durch fehlerhafte Ernährung mit zucker- und säurehaltigen Getränken in Nuckelflaschen zu suchen. Auch der in Honig oder Nutella getunkte Schnuller, der nuckelnde Babys und Kleinkinder über viele Stunden beruhigen soll, verursache erheblich Schäden und zerstöre die Milchzähne.

Neben der Ernährung spielen die orale Mikroflora, wie z. B. der Streptokokkus mutans (Leitkeim der Zahnkaries) und die Speichelzusammensetzung eine wichtige Rolle. Auch werden Vorschädigungen in Form einer mangelhaften Mineralisation des Schmelzes diskutiert, so die Experten.
IZZ Presseforum AuditoriumIn Deutschland geht man von einer Kariesprävalenz von 3 bis 7 Prozent der 3-Jährigen und von 20 bis 30 Prozent der 4- bis 5-Järhigen aus, die zudem mit einem niedrigen Sanierungsgrad einhergehen. Bei der frühkindlichen Karies ist typisch, dass zunächst die gingivalen (Zahnfleisch bedingten) und buccalen (Zahnflächen bedingten) Bereiche der Oberkieferfrontzähne demineralisiert werden. Anschließend findet oft eine schnelle Zerstörung der gesamten Zahnkronen statt. Häufig betroffen sind auch die Milchmolaren (Backenzähne) im Oberkiefer, die Unterkieferfrontzähne dagegen seltener.
Dr. Handtmann ReferentinEines der Hauptprobleme von Karies stellt die mangelnde Mitarbeit der Eltern und die Schwierigkeit der zahnärztlichen Behandlung von Kleinkindern dar, berichtete Dr. Susanne Handtmann auf dem 13. Presseforum des Informationszentrums Zahngesundheit Baden-Württemberg (IZZ) in der Uniklinik Tübingen und lieferte den Fachjournalisten auch gleich die Begründung, denn oftmals fehle es an der frühzeitigen Mundhygiene und Entfernung der weichen Beläge (Plaque) beim Kleinkind.
Aufgrund der altersbedingten eingeschränkten Kooperationsfähigkeit können umfangreiche restaurative Maßnahmen durch die zahnärztlichen Spezialisten häufig nur in Vollnarkose durchgeführt werden. Außerdem sind die Milchzähne oftmals so stark zerstört, dass sie gezogen werden müssen.

Die Aufgaben des Milchgebisses bestehen im Wesentlichen in der Sicherstellung der Kaufunktion, Platzhalter für die bleibenden Zähne, Erhaltung der vertikalen Abstützung des Ober- und Unterkiefers bis zum Durchbruch der bleibenden Zähne.
Die möglichen Folgen unbehandelter Michzahnkaries sind vielfältig. Dazu gehören Zahnschmerzen, Eiterungen, Fistel- und Abszessbildungen sowie Schmelzschädigungen der bleibenden Zahnkeime.
Clausen & Fuchs IZZ-Team im GesprächDurch den vorzeitigen Milchzahnverlust können Nachbarzähne außerdem kippen, wandern und schief wachsen. Häufig treten dann Lücken zutage. Einengungen vor allen nach frühzeitigem Verlust der 2. Milchmolaren sind ebenso vorprogrammiert wie Zahn- und Kieferfehlstellungen durch den Verlust der Stützzonen.

Da der anatomische Aufbau der Milchzähne durch einen dünneren Schmelzmantel und einen geringeren Mineralgehalt des Schmelzes gekennzeichnet ist, kann sich die Karies an Milchzähnen schneller ausbreiten. Aus diesem Grunde müssen die prophylaktischen Maßnahmen insbesondere bei Kleinkindern noch verbessert werden.
Prophylaktische Maßnahmen:

1. Aufklärung der werdenden Mutter

Intensivierung der Mundhygiene bereits in der Schwangerschaft, Sanierung der Zähne zur Reduktion der kariogenen Keime

Übertragung des Streptokokkus mutans (des Leitkeim der Zahnkaries) vermeiden bzw. minimieren durch regelmäßige Mundhygiene der Eltern.

2. Maßnahmen beim Kleinkind

Frühzeitige Mundhygiene beim Kleinkind mit Entfernung der weichen Beläge (Plaque)

Spätestens ab dem 30. Lebensmonat Vorstellung beim Zahnarzt zur Früherkennungsuntersuchung

3. Ernährungslenkung

Zuckerkonsum reduzieren ggfs. Zuckeraustauschstoffe verwenden
Kauzwingende Nahrung (Vollkornprodukte) zu sich nehmen
Keine gesüßten Tees in Nuckelflaschen verwenden
Schnuller nicht mit Honig, Marmelade oder Nutella bestreichen

4. Fluoridierungsmaßnahmen

Frühzeitige lokale Anwendung von Fluoriden in Zahnpasten, bereits ab dem 1. Zahn und ab dem 3. Lebensjahr zusätzliche Verwendung von fluoridiertem Speisesalz, ggfs. fluoridhaltige Lacke oder Spüllösungen etc. aber nur nach eingehender Untersuchung des behandelnden Zahnarztes

Systemische Anwendung von Tabletten, nur wenn keine lokale Fluoridierung oder fluoridiertes Speisesalz verwendet wird. Die Dosierung richtet sich nach dem örtlichen Trinkwasserfluoridgehalt. Nach den Empfehlungen der Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) wird wegen der Gefahr einer Dentalfluorose die lokale Fluoridierung bevorzugt.

Infos: www.zahnprophylaxe.de

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