Hommage an Konstantin, den ersten christlichen Kaiser Roms

Von Manuel Ruoff
„Zweitausend Jahre Geschichte blicken auf euch herab!“ Der Lateinlehrer aus Hannover bemüht sich vergeblich, seine Siebzehnjährigen für die monumentalen Kaiserthermen zu interessieren. Das ändert sich schlagartig, als der fränkische Tribun Mallobaudis in bestickter Tunika, das Schwert an der linken Seite, mit einem zackigen „Salve“ die Szene betritt. Gebieterisch fordert er die Anwesenden zu einem Gang durch die größte römische Bäderanlage außerhalb Roms auf. Und nun beginnt eine Zeitreise durch die wechselvolle Geschichte der einstigen Augusta Treverorum, gespickt mit pikanten Einzelheiten über Intrigen römischer Würdenträger und die listigen Finten der germanischen Untertanen.
Der traditionelle Rundgang beginnt an der Porta Nigra – dem Schwarzen Tor – der antiken nördlichen Stadtbefestigung. Das gigantische Amphitheater, die gut erhaltenen Barbarathermen und andere bedeutende Bauwerke legen auch heute noch Zeugnis ab von der Bedeutung Triers, das sich zu Zeiten Kaiser Konstantins (275 bis 337) stolz das „deutsche Rom“ nannte. Mit 70.000 Einwohnern war es nicht nur die größte Stadt nördlich der Alpen, sondern eine der wichtigsten Metropolen im gesamten Imperium Romanum.
In diesem Jahr feiert Trier  seine Erhebung zur Kaiserstadt unter Konstantin dem Großen vor 1 700 Jahren. Eingebunden sind die  Ausstellungen in die Feierlichkeiten zur „Kulturhauptstadt Europas 2007 – Luxemburg und Großregion“, wozu auch das Bundesland Rheinland-Pfalz gehört. Gleich drei Museen widmen sich in einem Zyklus dem Phänomen Flavius Valerius Constantinus. Konstantin wurde vermutlich am 27. Februar 280 in Nitsch im heutigen Serbien/Montenegro geboren und starb im Mai des Jahres 337 in Nikomedia (Izmir). Er war einer der blutigsten Kaiser Roms. Auf seinem Weg zur Alleinherrschaft über das römische Weltreich soll er buchstäblich „über Leichen gegangen“ sein. Man sagt ihm nach, er habe allein elf Mitglieder seiner eigenen Familie meucheln lassen. Dennoch, so lautet das Urteil vieler Historiker, war er ein großer Kaiser, der unser heutiges  Europa geprägt hat wie keiner vor ihm. Eine Reihe von Baudenkmälern und Kunstschätzen in Trier künden noch heute vom Regnum Konstantins und der Bedeutung „seiner“ Stadt. Die erhaltenen Römerbauten zählen bereits seit längerem zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Spurensuche beginnt unter dem Titel „Herrscher des Römischen Imperiums.“ Der Rundgang durch das  Rheinische Landesmuseum Trier gibt dem Besucher einen roten Faden an die Hand und macht ihn zunächst mit den Voraussetzungen und historischen Gegebenheiten vertraut, die Konstantin auf den Thron brachten. Objekte rund um die Schlacht an der Milvischen Brücke stehen im Mittelpunkt, darunter der Porträtkopf des Maxentius und der Silberschatz des Licinius. Die Niederlage des Maxentius markiert die Bekehrung Konstantins zum Christentum. Die Legende berichtet, vor dem Waffengang gegen seinen Schwager Maxentius sei ihm ein Kreuz erschienen und eine Stimme habe ihm befohlen „In hoc signo vinces“ – in diesem Zeichen siege. Der luxuriöse Lebensstil des Kaisers und seiner hohen Beamten wird durch wertvolle Schmuckstücke, Münzen und Gefäße dokumentiert. Prachtvolle, mit Edelsteinen besetzte Helme belegen die große Bedeutung des Militärs, dessen Schlagkraft Konstantin die Alleinherrschaft über das Weltreich sicherte. Nicht wenige Besucher halten den einer Krone ähnlichen Prunkhelm von Berkasovo für das schönste Stück der Ausstellung.
Konstantins strategisches Meisterstück war die Religionspolitik. Er förderte die Kirche, verbot aber die tradierten Bräuche nicht. Er ließ sich selbst als heidnischen Sonnengott Sol invictus darstellen – eine seinerzeit äußerst populäre Gottheit. Mythologische Darstellungen und christliche Inschriften finden sich in Ziermöbeln und frühchristlichen Sarkophagen wieder. Die  Metropolen der Spätantike nehmen einen bedeutenden Platz ein: Trier, Rom und Konstantinopel. Die Stadt Trier bildet den Mittelpunkt. Zahlreiche Exponate zeugen von der Vielfalt des Alltags und dem verschwenderischen Leben der Oberschicht jener Tage.
Welcher Rom-Tourist hat nicht schon den kolossalen marmornen Kopf Konstantins bestaunt? Dank Spitzentechnologie gelang jüngst eine originalgetreue Kopie, die den Abschluss dieser Ausstellung bildet.
„Tradition und Mythos“ am Beispiel Konstantins werden im Stadtmuseum Simeonstift anschaulich dargestellt: Der Kaiser als Liebling der Päpste und Garant ihrer Macht. Verschiedene Kirchenfürsten und weltliche Herrscher sahen sich als seine legitimen Nachfolger.

Gemälde, Zeichnungen, Handschriften, Skulpturen und Filme belegen den Einfluss Konstantins auf die Zeitläufte. Beeindruckend ist  Peter Paul Rubens’ Konstantinzyklus, den er im 17. Jahrhundert  für den französischen König Ludwig XIII. schuf. Das Simeonstift zeigt einen fünf Meter hohen Bildteppich aus dem zwölfteiligen Oeuvre, das die Doppelhochzeit Konstantins mit Fausta und seiner Halbschwester Constantia mit seinem Mitregenten Licinius darstellt.
Die Silvesterlegende wird akribisch behandelt. Danach wurde Konstantin von der Lepra befallen, durch ein Wunder geheilt und später von Bischof Silvester getauft. Die „Konstantinische Schenkung“ und der Bau der Laterans- und Peterskirche in Rom sollen sein großzügiges Dankeschön an den Heiligen Stuhl gewesen sein. Beides ist in zahlreichen Gemälden und Zeichnungen festgehalten. Auf kostbaren  Ikonen, Votivtafeln und Kreuzreliquiaren erscheint Konstantin als Heiliger der Ostkirche. Spätere europäische Herrscher instrumentalisierten den Kaiser und  ließen sich gern als „Constantinus Novus“ feiern, unter ihnen Hohenzollernkönig Friedrich Wilhelm IV. im 19. und Benito Mussolini, der „Duce“, Mitte des 20. Jahrhunderts. Filmausschnitte dokumentieren Mussolinis Marsch auf Rom am Jahrestag der Schlacht an der Milvischen Brücke.
Das Bischöfliche Stadt- und Diözesanmuseu m Trier zeigt unter dem Titel „Der Kaiser und die Christen“ die enorme Bedeutung Konstantins für den Klerus und die Verbreitung des Christentums. Als erster förderte der Kaiser den Bau von Gotteshäusern und schlug damit ein neues Kapitel in der Architekturgeschichte des Abendlandes auf. In der Ausstellung sind Modelle aller unter Konstantin errichteten Kirchenbauten zu sehen. Das besondere Augenmerk richtet sich auf Bedeutung und Größe des ersten Trierer Doms. Des weiteren werden die Bilderwelten frühchristlicher Sarkophage thematisiert. Herausragend sind die „Polychromen Fragmente“ – Teile eines Sarkophages – die noch Reste der ursprünglichen Bemalung aufweisen. Grabinschriften aus den Vatikanischen Museen zu Rom sowie Tonlampen und Goldglasböden behandeln den Übergang von heidnischen Bestattungsritualen zu christlichen Grablegungen. Bei Grabungen unter dem Trierer Dom traten Fußböden einer frühen Kirchenanlage sowie die Reste eines römischen Wohnhauses zutage, das mit einem prachtvollen Deckengemälde ausgestattet war. Das in 15 Felder aufgeteilte Kunstwerk stellt zwei männliche Porträts und Büsten weiblicher Figuren dar, die mit Perlen, Diademen und kunstvollen Frisuren herausgeputzt sind. Experten bewerten das Gemälde als einmaligen Fund spätantiker Dekorationskunst.
„Trier – eine Stadt wird christlich“, heißt der Schlusspunkt dieser Ausstellung. Mit frühchristlichen Mosaiken, architektonischen Schmuckelementen und Gegenständen des persönlichen Gebrauchs wird am Beispiel Triers demonstriert, wie die Annahme des christlichen Glaubens eine Stadt veränderte.
Die Hommage an Kaiser Konstantin den Großen in den drei einzigartig  dokumentierten und kommentierten  Ausstellungen läuft noch bis zum 4. November ds. Js.
Auskunft: Konstantin-Ausstellungsgesellschaft mbH., Tel. 0651-20 17 07-0,
Fax: -20 17 07 -9 – Kombiticket für 3 Museen Euro 12,–, Schüler u. Studenten Euro 10,–,
Familienkarte (2 Erw. m. bis zu 4 Kindern) Euro 20,–
Tipp: „3 Tage auf den Spuren Kaiser Konstantins“ und andere Pakete ab Euro 128,– p. P./DZ mit Kombiticket für die 3 Museen, Weinprobe, römischem Festmahl usw. unter
Tourist-Information Trier, Abt. Hotelreservierung, An der Porta Nigra,   54290 Trier,
Tel. 0651-97 808-16, Fax -97 808-69

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