„Das Moller Florilegium“

Hamburgs kostbarstes Blumenbuch neu verlegt
Von Johanna Renate Wöhlke

Wenn vor den Eingangsstufen zum alten Lichthof der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek der rote Teppich ausgelegt wird, muss es sich um etwas ganz Besonderes handeln. Umso schöner, wenn der rote Teppich für ein einzigartiges Stück Hamburger Kultur ausgerollt wird, in dem etwas Altes Verschollenes in neuer Form wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, das Moller Florilegium: Hans Simon Holtzbeckers gemaltes Blumenalbum des Barockgartens des Hamburger Bürgermeisters Barthold Moller. Der renommierte Münchner Kunstbuchverlag Hirmer stellte ihn in seinem neuen Buch „Das Moller Florilegium“ in der Staats- und Universitätsbibliothek vor. Hirmer_und_Kleidt

Barthold Moller lebte von 1605 bis 1667 und beauftragte den Maler Hans Simon Holtzbecker damit, seinen Garten zu malen. Das geschah um das Jahr 1660 herum. Ein Barockgarten damals mitten in Hamburg? Ein prächtiger Barockgarten, gemalt nach der Natur – so schön, dass diese Arbeit am Ende fünf Bände umfasste! Alle fünf Bände gerieten in Vergessenheit und galten als verschollen. Drei Bände mit 598 Blumenbildern auf 269 großformatigen Pergamenten tauchten wieder auf, zwei blieben verschollen.

Verleger Albert Hirmer (links) und Hirmer Geschäftsführer Jürgen Kleidt mit ihrem neuen Kunstband, dem Moller Florilegium.

Dietrich Roth, promovierter Botaniker und ehemaliger Bibliotheksdirektor an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg – er leitete die späteren zwei Ankäufe des Moller Florilegiums seitens der Staatsbibliothek: „Hans Simon Holtzbeckers Florilegien, Zeugnisse herausragender künstlerischer Begabung, genauer Beobachtung und immensen Fleißes, sind eine Quelle von großer Bedeutung für die Geschichte der Blumenmalerei und der Gartenkunst sowie für die historische Botanik und die Einführung von Zierpflanzen in Deutschland“, und er fügt hinzu: „Von keinem der drei nunmehr bekannten Bände hatte die Fachwelt bis dahin Notiz genommen.“

TulpenKultursenatorin Karin von Welck erinnerte sich während ihrer Ansprache in der Staats- und Universitätsbibliothek mit Freude an die Zeit, als sie noch Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder war und die Information erhielt, dass ein Band des Moller Florilegiums wieder aufgetaucht war und  1999 bei Christie`s in London versteigert werden sollte – spannende Hintergrundgeschichten um die „Auferstehung“ eines Gartens und den erfolgreichen Versuch, das Buch für Hamburg zu ersteigern.

Damals eine heißbegehrte und bewunderte Rarität: die Tulpe

Es kostete 1,5 Millionen Mark und gleichzeitig wurde bekannt, dass auch ein zweiter Band aufgetaucht war. Auch er konnte mit finanzieller Unterstützung der Hermann Reemtsma-Stiftung, der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und der Kulturstiftung der Länder, des Bundes und der Freien und Hansestadt Hamburg, der Hamburger Sparkasse und privater Geldgeber erworben werden. Damals nannte Bürgermeister Ortwin Runde das Moller Florilegium ein „anschauliches Zeugnis der hochentwickelten Hamburger Gartenkultur des 17.Jahrhunderts“ und lobte die gemeinschaftlichen Anstrengungen von öffentlichen und privaten Geldgebern, ohne deren gemeinschaftliche Anstrengung die Rückkehr dieses bibliophilen Kunstschatzes nicht möglich gewesen wäre.

Karin von Welck fiel es nicht schwer, dem im Lichthof der Staatsbibliothek versammelten Auditorium ein Lachen zu entlocken, als sie ihre Gedanken von damals schilderte. Auch die bezogen sich auf Geld und darauf, wie denn wohl der Erwerb weiterer kostspieliger Bücher hätte organisiert werden können, sollten sie auftauchen. Diese Gedanken mussten nicht zu Ende gedacht werden: Der dritte Band befindet sich noch immer in einer amerikanischen Privatsammlung, der vierte und fünfte blieben verschollen.

Das „Moller Florilegium der Neuzeit“ ist nun der hervorragend bebilderte Hirmer-Band mit 336 Seiten, 182 großen Farbtafeln und 85 Abbildungen in einer Größe von 24 mal 35 Zentimetern – der nicht dafür gemacht ist, wie die beiden Originale von der Staatsbibliothek im klimatisierten Glaskasten aufbewahrt zu werden, sondern dafür, einem breiten Publikum diese Hamburger Gartenkultur des Barock nahe zu bringen. Unterstützt wurde auch dieses große verlegerische Unterfangen von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, der Hermann Reemtsma Stiftung und der Kulturstiftung der Länder. Dem heutigen Betrachter dieser Bücher, ihrer Bilder und ihrer Geschichte könnte sich ein leises Bedauern aufdrängen: Schade, dass es in Hamburg heute keine Bürgermeistergärten mehr gibt!

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