Zwischen Moltke und Schlieffen

Vor 175 Jahren wurde »Weltmarschall« Alfred Graf von Waldersee in Potsdam geboren
Von Manuel Ruoff
WeltmarschallAlfred Heinrich Karl Ludwig Graf von Waldersee kam am 8. April 1832 in der preußischsten aller Städte zur Welt. Er entstammte einer alten holsteinischen Soldatenfamilie, und auch er ergriff diesen Beruf. 1850 wurde er Offizier, 1866, im Jahr des deutschen Bruderkrieges, Generalstabsoffizier. 1870 ging er als Militärattaché an die preußische Botschaft in Paris, wo er wichtige Informationen für den kurz darauf ausbrechenden Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 sammelte. Am Krieg selber nahm er als Flügeladjutant seines Königs und als Generalstabschef der Armee des Großherzogs von Mecklenburg teil. Nach dem deutsch-französischen Kräftemessen ging er wieder nach Paris, diesmal aber als Geschäftsträger. Es folgte ab 1873 das Kommando über das 10. Armeekorps in Hannover, bis ihn der Chef des Großen Generalstabs, Helmuth Graf von Moltke, 1882 als Generalquartiermeister zu seinem Stellvertreter machte und ihn dann systematisch zu seinem Nachfolger aufbaute.
Als 1888 mit dem neuen Kaiser ein neuer Generalstabschef kam, war dies planmäßig Waldersee. Moltkes Nachfolger war mit Wilhelm II. befreundet. Er besaß entsprechenden politischen Einfluß und gilt als erster bekannter und erfolgreicher „politischer“ Offizier. Seine Strategien für einen Präventivkrieg gegen die kontinentalen Flügelmächte Frankreich und Rußland brachten ihn in Gegensatz zum Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck, an dessen Sturz 1890 er mitwirkte. Die Erwartungen, daß er Regierungschef werden würde, erfüllten sich nicht. Statt dessen mußte er nach unerwarteten Differenzen mit Wilhelm II. bereits 1891 überraschend seinen Platz für Alfred Graf von Schlieffen räumen.
Es folgten vergleichsweise unwichtige Funktionen in Altona und Hannover als Kommandeur des 9. Armeekorps beziehungsweise Generalinspekteur der 3. Armeeinspektion. 1900/01 machte er noch einmal von sich reden, als er kurzzeitig den Oberbefehl über die europäischen Interventionstruppen zur Niederschlagung des Boxeraufstandes in China innehatte. Vier Jahre später, am 5. März 1904, starb der wegen dieses internationalen Kommandos auch als „Weltmarschall“ bezeichnete preußische Generalfeldmarschall an seinem letzten Einsatzort Hannover.

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