Wo die heißen Quellen sprudeln

Kururlaub in Ungarn rund um das Jahr

Von Uta Buhr

Die rheinische Frohnatur mit dem ansteckenden Lachen strahlt mit der Sonne um die Wette, die goldene Kringel auf die träge dahinfließende Donau malt. Hier im 5-Sterne-Hotel „Danubius Thermal Hotel“ auf der Margareteninsel hat sie sich nach eigenen Worten „generalüberholen“ lassen: „Neben der vitalisierenden Kur im Heilwasser habe ich mir eine Verschönerung meiner Frontzähne gegönnt. Und für ein kleines Lifting wurde es auch höchste Zeit.“ Der Schönheitschirurg sei ein Künstler, schwärmt sie weiter. Und das Beste – alles ist in Ungarn viel günstiger als daheim.

Drei Wochen hat sie inmitten der größten Parklandschaft Budapests verbracht. Die Parliamenteinundzwanzigtägige „All inclusive Heilkur“ hat sie Euro 1.596,– gekostet (im Doppelzimmer Euro 1.281,– pro Person. Die Preise gelten bis einschließlich 27.2.04). Ihr gefällt die unmittelbare Nähe zur Donaumetropole, in der sie sich fast jeden Tag nach ihren Anwendungen und sonstigen Behandlungen umgetan hat. Was für eine Stadt, in der insgesamt 123 warme Heilquellen aus dem Boden zischen und der man nachsagt, jeder Budapester habe neben seiner Stammkneipe auch noch sein Stammbad. Da ist der herrliche Badetempel in reinstem Jugendstil im Hotel Gellért in Buda sowie die palastartige Anlage des eleganten Széchenyi Heil- und Freibades.

gleich neben dem Heldenplatz auf der Pester Seite. Hier badet man auch in der kühlen Jahreszeit im Freien. Ein gewohnter Anblick sind die auf dem Wasser schwimmenden schwarz-weißen Schachbretter, deren Spieler nur mit den Schultern aus dem Wasser herausragen. Der nahe gelegene Zoo ist übrigens der einzige

auf der ganzen Welt, in dem die Flusspferde sich vermehren. Normalerweise verweigern die empfindsamen Riesen in der Gefangenschaft jeglichen Nachwuchs. Dieses Phänomen führt man auf das heilsame Nass zurück, in welchem die Tiere leben und sich „pudel“wohl fühlen. Vielleicht spielt ja auch die prickelnde Atmosphäre dieser sinnenfrohen Stadt eine gewisse Rolle, die nach dem Fall des eisernen Vorhangs wie Phönix aus der Asche zu neuem pulsierenden Leben erwacht ist. Unzählige Restaurants und Cafés -darunter das legendäre „Café Gerbeaud“ am Vörösmarty tér mit seinen hundert Kuchenspezialiäten – Oper, Konzerte und virtuose Zigeunerkapellen locken Menschen von nah und fern ins Zentrum.

Frau S. aus Düsseldorf ist begeistert und plant bereits, nächstes Jahr einen weiteren „Kurlaub“ in Ungarn zu verbringen. Dann wird sie allerdings etwas weiter gen Westen reisen, denn auch dort – wie ja eigentlich im ganzen Land – gibt es hübsche Orte und Bäder. Das stimmt. Überall im Reich der Magyaren brodelt, blubbert und sprudelt es aus der Erde. „Immer wenn wir nach Erdöl, dem schwarzen Gold, bohrten, stießen wir auf Heilwasser“, erzählt István, ein freundlicher junger Mann aus Szentendre, der auf’s Haar dem Klischee des glutäugigen Ungarn entspricht. Die anfängliche Enttäuschung hat sich inzwischen in Begeisterung verwandelt, denn das „weiße Gold“ in unzähligen Wannen und Therapiebecken zahlt sich auch aus.
Immer mehr Deutsche machen sich die günstigen Preise zunutze und genießen Rundum-Kuren mit Heilmassagen, Moorpackungen, Elektro-, Hydro- und Ozontherapien. In vielen Hotels werden die Pakete noch durch Angebote von Augenspezialisten, Zahnärzten und Schönheitschirurgen ergänzt, die, wie eingangs erwähnt, zu erstaunlich günstigen Tarifen arbeiten. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Wellness- und Verwöhnwoche im romantischen Schlosshotel „Szidonia“ im westungarischen Röjtökmuzsaj? Dieser anmutige, stilvoll eingerichtete Herrensitz aus dem 18. Jahrhundert mit plätschernden Brunnen wurde während der Zeit des real existierenden Sozialismus in ein Kinderheim umfunktioniert. Heute erstrahlt er mit spiegelblanken Fußböden, eleganten Tapeten und Kaffeemaschinen aus echtem Herender Porzellan in altem Glanz. Ganz neu sind eine herrliche Badelandschaft mit Kneipp-Rondellen, Jacuzzi und angeschlossener Kosmetikabteilung. Eine Wellness-Oase vom Allerfeinsten! Das 5-Nächte-Verwöhnangebot, das eine Gratis-Massage, Solarium und Schlankheitsprogramm mit einbezieht, ist ab Euro 257,– p.P. zu buchen (gültig bis 31.3.04).Kulturelle Höhepunkte in Reichweite sind die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erwählte Abtei von Pannonhalma

sowie die Stadt Sopron mit ihrem bezaubernden mittelalterlichen Kern. Sämtliche Straßen und Plätze sind sowohl in ungarisch als auch in deutsch ausgezeichnet.

Sopron schrieb 1989 Geschichte, als im Sommer die Grenze nach Österreich geöffnet wurde und Tausende von DDR-Bürgern in die Freiheit strömten.

1989 Sopron

Ein weiteres lohnendes Ziel ist das Heil-und Wellness-Bad Sárvár am Ufer des Flusses Raab. Der Ort ist reich an Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Er wird dominiert von der Nádasdy-Burg, einem imposanten mittelalterlichen Bauwerk mit weißem Säulenportikus und schönem Innenhof.

Nur einen Steinwurf entfernt entstand ein Erlebnisbad erster Güte für Menschen jedes Alters.

Kinder erwartet hier u.a. ein Abenteuerbecken mit Piratenschiff und Wasserburg.              Am 1. Dezember eröffnet das 4-Sterne-Hotel Sárvár seine Pforten mit attraktiven Einführungsangeboten:          Die einwöchige Heilkur ist ab Euro 287,– und die Wellness-Beauty-Woche ab Euro 349,– buchbar.


Auf unserem Weg in Richtung Plattensee streifen wir das Heilbad Bük, eine der bedeutendsten Thermalstationen Westungarns. Hier sprudelt das alkalikalkhaltige Wasser aus einer Tiefe von 1282 Metern aus dem Boden. Auf Grund seines hohen Gehaltes an Eisen, Kalzium und Magnesium eignet es sich gut für Bade- und Trinkkuren. Heilanzeigen: Sämtliche Leiden des modernen Menschen wie etwa Erkrankungen des Bewegungsapparates, Erschöpfungszustände und Managerkrankheit. Gleich neben dem „Danubis Thermal und Sporthotel“, das natürlich modernste Therapieeinrichtungen bietet, befindet sich der Birdland Golf und Country Club, in dem sich passionierte Golfspieler und Anfänger gern entspannen.

Das Originellste und vielleicht auch Schönste während unseres Streifzuges durch das Bäderland Ungarn haben wir uns bis zum Schluss aufgespart: Héviz am Südwestrand des Balaton mit seinem           50.000 qm großen Heilsee.   Die leicht gekräuselte Oberfläche von Europas schönster Badewanne

schimmert silbern inmitten herbstlich verfärbter Wälder. Dieses an den Rändern mit Seerosen und Lotusblüten gesäumte Gewässer ist selbst für das mit Heilquellen überreich gesegnete Ungarn eine Sensation. Denn das warme, leicht radioaktive alkalische Wasser enthält neben Kaliumsalzen auch Schwefel und Hydrogenkarbonat. Alles Substanzen, die erheblich zur Linderung von Gelenkschmerzen, Stoffwechsel- beschwerden und Frauenleiden beitragen. Auch völlig gesunde Menschen genießen die Badekur in diesem auf der Welt einzigartigen See, dessen Temperatur selbst im kältesten Winter nie unter 24 Grad sinkt und dessen Wasser sich alle 28 Stunden von Grund auf erneuert. Wo sich im Sommer ein bunter Reifen an den anderen drängt – hier schwimmt man nicht, sondern lässt sich in den warmen Fluten treiben – ragt zu dieser Jahreszeit nur hier und da ein Kopf aus dem Wasser. „Der Winter ist eine Saison für Genießer“, findet ein Badearzt im „Thermal Hotel Héviz“. Eine traumhafte Vorstellung, sich in diesem wohltemperierten Nass zu aalen, wenn der erste Schnee fällt. Da schweift dann der Blick über die wie mit Puderzucker bestreuten sanften Hügel am Ufer. Das Ensemble hübscher, aus Holz erbauter Badehäuser (im Winter sind die Kabinen beheizt), allesamt mit spitzen roten Türmen, rufen Erinnerungen an k&k-Zeiten seligen Angedenkens wach. „Ich muss Sie leider enttäuschen. Es ist nicht bekannt, dass die stets auf ihre Gesundheit und Schönheit bedachte Kaiserin Sisi Héviz jemals besucht hat“, bedauert eine Alteingesessene. Dafür aber waren die Römer in der Antike schon hier, um ihre in blutigen Schlachten erworbenen Blessuren an den heilenden Wassern zu kurieren. Denn sie wussten bereit: „In balneus salus – im Bade liegt Heilung.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Auskunft:

Ungarisches Tourismusamt
Neue Promenade 5
10178 Berlin

Telefon: 030/24 31 46-0
Fax:   030/24 31 46 13
www.ungarn-tourismus.de

Anreise: Direktflüge mit der ungarischen Luftlinie Malév, die regelmäßig                                           von Hamburg, Berlin, München usw. nach Budapest fliegt

Schreibe einen Kommentar