Störtebeker: In der Hand des Henkers

Von Renato Diekmann
Simon von Utrecht will Störtebekers Kopf. Der Oberbefehlshaber der Hamburger Flotte muss den Anführer der Vitalienbrüder zur Strecke bringen. Um jeden Preis. Brennende HansekoggeDenn vor den Toren der Hanse tobt ein Handelskrieg. Billiges Bier und billiger Hering aus Holland überschwemmen den Markt in Flandern und England und verderben die Preise. Klaus Störtebeker, Goedeke Michels und Magister Wigbold sind derweil auf Kaperfahrt, stören den Handel der Westsee, plündern eine Hansekogge nach der anderen, und reizen die hanseatischen Pfeffersäcke bis aufs Blut. Allen massiven Drohungen der Hanse zum Trotz, finden die Freibeuter Unterschlupf in Friesland und erhalten von den dort ansässigen Fürsten sogar Kaperbriefe, die sie zum Schaden der Flucht v.d.Feuer 1Hanse gezielt einsetzen. Die Verbindung auf Gegenseitigkeit zahlt sich aus: Die Piraten haben einen Markt, um ihre Beute loszuschlagen, und gleichzeitig einen sicheren Ankerplatz für das Winterquartier. Im Gegenzug erhält der jeweilige Regionalfürst einen Teil der Beute – und Waffenhilfe. Zählt man die Mannschaften von Störtebeker, Goedeke und Wigbold zusammen, kommt man auf 1.400 gut ausgebildete, furchtlose und im Kampf erprobte bewaffnete Männer. Sie kosten dem Fürsten keinen einzigen Heller für Unterkunft, Ausrüstung und Verpflegung. Flucht v.d.Feuer 2Der Hanse sind Fürsten und Piratengesindel ein Dorn im Auge. Und so wird beschlossen, das Übel auszumerzen und den Friesen einen Denkzettel zu verpassen. Mit 11 Koggen und 950 schwer bewaffneten Knechten nehmen sie im Frühjahr 1400 Kurs auf Ostfriesland. Sie fallen in die Gebiete der Fürsten ein, richten gnadenlos hin und metzeln alles nieder, was ihnen in die Quere kommt. Schlösser und Burgen werden gebranntschatzt, ganze Dörfer zerstört. Mit Gewalt zwingen sie die Fürsten in einen Vertrag, in dem geschrieben steht, dass jeder mit dem Tode bestraft wird, der dabei erwischt wird, einen Piraten Unterschlupf zu gewähren.
Kaperfahrt1Zu dieser Zeit zieht es Klaus Störtebeker von hoher See zu seiner großen Liebe, Orka tom Broke, nach Marienhafe. Die Heirat bleibt der Hanse nicht verborgen. Mit Hilfe der Gräfin van Dooren schmiedet Simon von Utrecht mit dem holländischen Herrscherhaus ein Komplott. Kurz darauf locken die Holländer Störtebeker nach Helgoland, wo er gegen Geld die Insel bewacht – und in einen Hinterhalt gerät. Denn nun weiß die Hanse, wo sie Störtebeker aufspüren und festnehmen kann.
Aber auch Störtebeker hat Freunde, etwa den Glöckner von St. Kaperfahrt2Nikolai in der Hansestadt Hamburg. Wann immer Schiffe gegen Störtebeker in See stechen, lässt „Buckel-Jann“ Störtebeker eine Nachricht zukommen. Trotz dieser Warnungen wird die Piratenbande um den „Wolf der Meere“ immer weiter in die Enge getrieben. Dem Ersten werden die Daumenschrauben angezogen, dem Zweiten das Halseisen umgelegt, der Dritte wird öffentlich gerichtet. Zu allem Unglück verrät der sonst so verschwiegene Pater Anselm, der Klaus und Orka vermählte, den Ort der Trauung und überführt somit Marienhafe des Vertragsbruchs. Auch „Buckel-Jann“ wird wegen seiner Kontakte zu Störtebeker überführt und zur öffentlichen Abschreckung am Torhaus aufgehängt. Selbst Störtebekers treue Weggefährten, Goedeke Michels und Magister Wigbold, sind nicht zur Stelle, als dem Freibeuter Gefahr droht. Für sie ist der Helgoland-Vertrag von Anfang an suspekt, und so gehen sie lieber auf Kaperfahrt vor Norwegen, stehen Klaus also nicht zur Seite, als der am 22. April 1401 in der Seeschlacht nach erbittertem Kampf in Ketten gelegt und durch Simon von Utrecht nach Hamburg verschleppt wird, wo er mit 30 Gefährten durch den Scharfrichter Rosenfeld im Oktober auf dem Grasbrook durch Enthauptung fällt.

Die diesjährige Episode entführt die Besucher der wunderschönen Naturbühne in Ralswiek auf Rügen abermals in das spannende Abenteuer des legendären Freibeuters und seiner Vitalienbrüder. Vom 24. Juni bis 9. September können die Zuschauer vor der einzigartigen Kulisse am Großen Jasmunder Bodden hautnah miterleben, wie Störtebekers letzte Stunde schlägt. Trotzt seines bitteren Endes suhlt sich die Inszenierung weder in Tragik noch Humorlosigkeit. Sie ist gespickt mit spritzigen Dialogen, glänzt mit einfallsreichen Kostümen Grfäin van Doorenund bewährten Schauspielern wie Sascha Gluth (Störtebeker), Dietmar Lahaine (Goedeke Michels), Manfred Reddemann (Simon von Utrecht) oder Ben Hecker als Hamburger Bürgermeister Marquard Schreye. Neu dabei: die rassige Schönheit Gerit Kling aus Potsdam in der Rolle der raffinierten Gräfin van Dooren, einer listigen Komplizin des Simon von Utrecht. Für klangvolle Momente sorgt Wolfgang Lippert mit rührseligen Balladen, und Publikumsliebling Mircea Krishan überzeugt als Hochwürden Liebespaar Störtebeker mit Julia tom BrokeAugustus mit Witz und trockenem Humor. Weiderholt besetzt von Intendant Peter Hick und Regisseur Holger Mahlich sind Ingrid van Bergen als Foelke tom Broke und ihre liebreizende Tochter Orka tom Broke, gespielt von der hübschen Julia Horvath, die Störtebeker vollends den Kopf verdreht. Bei den Störtebeker Festspielen unter freiem Ostseehimmel fehlen weder versenkbare Koggen, spektakuläre Stunts, pyrotechnische Spezialeffekte und das beeindruckende Bühnenbild noch das neu konzipierte Feuerwerk, das dem Theatererlebnis in Ralswiek jeden Abend ein glanzvolles Ende beschert.

Infos & Karten: www.stoertebeker.de oder Hotline 03838 / 311 00

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