Sonniges Städtchen am Wasser gebaut

Von Uta Buhr
„Willkommen in der Landeshauptstadt Schwerin“, verkündet die Lautsprecherstimme auf dem zur Zeit zweigleisigen Bahnhof. Dieser befindet sich gerade in einer aufwändigen Umbauphase, um dem Anspruch der Metropole von Mecklenburg-Vorpommern gerecht zu werden.

„Wir sind mächtig stolz, das Rennen gegen Rostock als Hauptstadt unseres Bundeslandes gemacht zu haben, obwohl unsere Rivalin über doppelt so viele Einwohner zählt“, frohlockt eine Wahl-Schwerinerin. Sie sitzt auf den Stufen vor dem Pfaffenteich und genießt den Blick über das spiegelglatte Gewässer, um das sich wie auf einer Perlenschnur aufgereiht elegante Bürgerhäuser und Stadtpalais gruppieren.

Ein Fährboot gleitet an der plätschernden Fontäne inmitten des Teiches vorbei und nimmt Kurs auf das Westufer. Diese Idylle wird jäh gestört durch eine muntere Touristenschar aus Hamburg: „Fast wie unsere Binnenalster“, finden die jungen Leute. Das hören die Einheimischen gern, die ihre Stadt auch gern als Hamburgs kleine Schwester bezeichnen. Das KfZ-Zeichen HH wird häufig mit „heimliche Hauptstadt“ übersetzt. Hamburg liegt dem Herzen der Schweriner halt näher als Berlin, auch räumlich. Das Auto kann der Hanseat getrost zu Hause lassen. Denn in gut einer Stunde bringt ihn der Regionalexpress bequem ans Ziel.

Ein großer Vorteil ist die Fußgängigkeit der Stadt. Die Distanzen zwischen den verschiedenen Sehenswürdigkeiten sind kurz. Vom historischen Schlachtermarkt gleich hinter dem Rathaus sind es nur wenige Schritte bis zum Schweriner See, der das märchenhafte Schloss mit seinen vielen Türmen, Türmchen und Zinnen umspült. Die vergoldete Kuppel blitzt in der Mittagssonne auf und entlockt den Ausflüglern auf einem der schmucken Schiffe der Weißen Flotte bewundernde Ausrufe. Lang war der Weg von der slawischen „Inselburg in einem Süßwassersee“,

von welcher der arabische Handelsherr Ibrahim ibn Jacub im Jahre 973 seinen staunenden Landsleuten berichtete, bis zur Vollendung dieses Bauwerks im historistischen Stil. Maßgeblich beteiligt an der Ausführung war der Architekt Georg Adolph Demmler, ein Schüler Karl Friedrich Schinkels, dessen 200. Geburtstag Schwerin in diesem Jahr mit einer Vielzahl von Veranstaltungen begeht. Der Sohn aus „krummem Bett“, wie Demmler wegen seiner unehelichen Geburt genannt wurde, hat wie kein anderer das Bild der Stadt geprägt. Kollegiengebäude, Marstall, Arsenal und nicht zuletzt die Rathausfassade im Tudorstil tragen unverkennbar seine Handschrift. Während einer Führung durch die Prunksäle des Schlosses – dieses „mecklenburgischen Chambord“ – begeget der Besucher Demmlers Porträt, das einen etwas skeptisch dreinblickenden Mann in den besten Jahren darstellt. Glänzende, Intarsienböden, Marmorsäulen, Mobiliar aus edlen Hölzern und Seidentapeten schmücken das Palais Seite an Seite mit vergoldeten Deckenverzierungen aus … Papiermaché! Das galt im 19. Jahrhundert als schick und bescherte der herzöglichen Manufakur reichen Geldsegen.

Auf dem Gang über Plätze und Straßen, durch Gassen und Gässchen, rund um den gotischen Dom mit dem kostbaren Kreuz in der Apsis, vorbei an barocken Giebelhäusern und der einem griechischen Tempel nachgebildeten ehemaligen Markthalle (heute Café), treffen wir den wohl berühmtesten Sohn Schwerins, das Petermännchen. Hier steht der liebenswerte Schlossgeist in Pluderhosen und rotem Wams in Fleisch und Blut vor den Besuchern und führt sie durch die bewegte Geschichte Schwerins. Inzwischen ist er bekannter als Heinrich der Löwe, der die Stadt 1160 neu begründete und dessen Wappentier allgegenwärtig ist. Der Schalk sitzt dem Petermännchen im Nacken wie weiland seinem Original, das vermutlich ein Hofnarr im Dienste der Herzöge von Mecklenburg war. Über das „Wallenstein“, das moderne, in Schiffsform erbaute gläserne Restaurant am Ufer des Sees, sagt er, können sich viele Schweriner immer noch nicht beruhigen. Dabei steht es hier schon seit Jahren und kommt wegen seiner Aussicht und guten Küche bei den Touristen gut an. Aber bei den Mecklenburgern dauert ja alles etwas länger. Schon Bismarck meinte, wenn die Welt unterginge, würde diese Katastrophe sich hier erst fünfzig, wenn nicht gar hundert Jahre später ereignen.

Auf dem kulturellen Sektor hat Schwerin die Nase ganz vorn. Die Schlossfestspiele 2004 werfen ihre Schatten voraus. Musikfreunde können sich schon jetzt auf eine einzigartige Inszenierung von Verdis „Ein Maskenball“ freuen, die diesmal den See und das angestrahlte Schloss voll mit einbezieht. Premiere ist am 18. Juni (Karten unter der Rufnummer 0385/53 00 123).
Nach der Oper in den „Tempel der Kunst“ am Alten Garten, lautet der Slogan. Das Museum ist sehr stolz auf seinen Mix aus hochkarätigen Werken flämischer und niederländischer Meister – darunter auch Rembrandt und Rubens – sowie zahlreichen Exponaten moderner Kunst. Große Aufmerksamkeit erregt immer wieder das Oeuvre von Marcel Duchamp. Von seiner bärtigen Mona Lisa und den witzigen Ready-Mades sind selbst Kinder begeistert.

Wenn die lauen Lüfte wehen, wenn alles grünt und blüht, entfaltet Schwerin ein fast südländisches Flair. Die Straßencafés sind bis in die Abendstunden brechend voll.
Auf dem Schweriner See blähen sich weiße Segel in der sanften Brise, gleiten Ausflugsdampfer in Richtung Kaninchenwerder. Am Zip-
pendorfer Strand am südlichen Ufer aalen sich die ersten Sonnenanbeter im weißen Sand. Ganz Verwegene nehmen bereits ein Fußbad.

Wir haben die Stadt eingehend besichtigt und mehrmals umrundet, keuchend den Turm des Doms bestiegen, den Blick über die atemberaubende Seenlandschaft schweifen lassen und dem Glockenspiel an der Rückseite des Rathauses mit der mecklenburgischen Nationalhymne „Von Herrn Pasturn sien Kauh“ gelauscht. Jetzt treibt es uns in die unberührte Natur, vorbei an der historischen Schleifmühle am Faulen See, in der Stararchitekt Demmler einst die Steine für seine Bauvorhaben am Schloss schneiden ließ.  Nur 10 km vor den Mauern Schwerins erstreckt sich ein 27-Loch-Golfplatz, angelegt vom kanadischen Investor Bruce Johnson. Hier tummelt sich alles, was dem Golfsport fröntvom Anfänger bis zum angehenden Profi. (www.winstongolf.de)

Der rührige Mann aus Toronto beschäftigt ein ganzes Dorf auf der Anlage, zu der an der Peripherie noch die Aufzucht von Rindern gehört, die die leckeren, garantiert BSE-freien Steaks im gemütlichen Club-Restaurant liefern. Luxuriös ausgestattete Ferienwohnungen rund um das Green sind bereits ab 60 Euro pro Tag zu haben. Dieses herrliche Fleckchen Erde in und um das Dörfchen Vorbeck hat erst kürzlich einen sensationellen Fund freigegeben: eine bronzezeitliche Feuerstätte. Noch in diesem Jahr soll diese dem Publikum zugänglich gemacht werden.

Doch zurück nach Schwerin. Damit sich diese zauberhafte Stadt dem Besucher voll erschließt, sollte er schon ein paar Tage einplanen. Eine Reihe guter Hotels
der verschiedenen Kategorien laden zum Verweilen ein. Die Preise sind durchweg moderat, der Service gut. Auch kulinarisch ist hier etwas los. Man denke nur an die frischen Fische aus dem See direkt auf den Tisch. Sehr zu empfehen ist das Hotel-Restaurant Weinhaus Wöhler in der Puschkinstraße 26. Küche und Keller sind von erster Qualiät. Ein Abend im Kellergewölbe am lodernden Kamin bei einem guten Tropfen wird zum unvergesslichen Erlebnis.

Auskunft:
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Tourist-Information
Am Markt 14/Rathaus
19055 Schwerin
Telefon 0385/592 52 12
www.schwerin.com

Anreise:
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Mit dem PkW: Von der A 24 auf dieA 241 Richtung
Schwerin-Wismar
Mit der Bahn: Der RE fährt von Hamburg-Hbf. direkt NR_09s
zum Schweriner Hauptbahnhof

Arrangements:
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Hotel Crowne Plaza****plus
(direkt am Ostorfer Ufer gelegen)
Bleicher Ufer 23
19053 Schwerin
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Telefon: 0385/57 55 – 0
E-Mail: Crowne-Plaza-Schwerin@t-online.de

Österliches Schwerin vom 9. – 12. April
2 Ü/DZ, Cocktail, Schlemmerfrühstück,
3-Gang-Menü, Nutzung des Fitnessbereiches
Euro 170 p.P.

Frühlingserwachen bis 15. April
Euro 39 p.P. Ü/DZ inkl. Schlemmerfrühstück
sowie Nutzung des Fitnessbereiches
(mind. 3 Nächte

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