Salz auf unserer Haut

Medizin-Aspekte
Ambulante Balneophototherapie ist wirksam und verträglich

Von Renato Diekmann
Während vielfach berichtet wurde, dass bei Schuppenflechte und Neurodermitis ein Salzwasserbad vor Bestrahlung wirksamer ist als eine Bestrahlung alleine, wird die optimale Salzkonzentration nach wie vor kontrovers diskutiert. Trotz der allgemeinen Akzeptanz und der weiten Verbreitung der Balneophototherapie in Deutschland war die Datenlage hinsichtlich kontrollierter Studien bisher unbefriedigend. Die fehlende Evidenzbasierung dieser Therapieoption führte im Jahre 2000 sogar zum Wegfall der Erstattungsfähigkeit der ambulanten Balneophototherapie durch die Krankenkasse, obwohl eine Studie der Universitätshautklinik Kiel gezeigt hatte, daß bei mindestens einem Viertel der Patienten mit Psoriasis und Neurodermitis eine vollständige Heilung erzielt worden war. In Krankenhäusern gehört die Balneophototherapie zur Standardbehandlung. Während die Kosten für den stationären Aufenthalt von den Kassen übernommen werden, hat der Bundesausschuss die Kostenübernahme für die ambulante Behandlung Ende 1999 eingestellt. Daher entschlossen sich der Deutsche Heilbäder Verband und der Berufsverband der Deutschen Dermatologen unabhängig voneinander, eine solche Studie in Auftrag zu geben.
Seit Jahrhunderten wissen wir, dass bestimmte klimatische Bedingungen eine günstige Wirkung auf chronische Hauterkrankungen haben. Insbesondere am Toten Meer, an der Nordsee und im Hochgebirge finden viele Betroffene Linderung und Besserung ihrer Krankheitsbeschwerden. Seit einigen Jahren wird diese „Klimakur“ in Fachkliniken „nachgestellt“, und zwar in Form von Solebädern und UV-Bestrahlung (Starksole/UVB und PUVA-Bad-Therapie). Die Bade- und Lichttherapie wird in der Regel mit über 30 Anwendungen durchgeführt. Zunächst erfolgt ein Vollbad in der hochprozentigen Meersalzsole. Anschließend erfolgt die sonnenähnliche Bestrahlung. Die Salzkristalle, die sich beim Baden auf der Haut gebildet haben, leiten das Licht an die erkrankten Hautpartien. Die ambulante Balneophototherapie ersetzt also in vielen Fällen eine stationäre Reha-Maßnahme. Auch aus Kostengründen ist für den Patienten eine ambulanten Versorgung durchaus angebracht. Eine Studie mit 180 niedergelassenen Hautärzten und Klinik-Ambulanzen mit insgesamt 575 Patienten zeigte, dass die ambulante Balneophototherapie zu zwei Dritteln von Psoriasis-Patienten und zu einem Drittel von Neurodermitis-Patienten in Anspruch genommen wird. Der Leiter der Studie Professor Dr. med. Christophers, Direktor der Universitätsklinik Kiel teilte seinerzeit mit: Bei Psoriasis-Patienten sei bei durchschnittlich 18 Behandlungen der Körperflächenbefall von 30% auf 5% zurückgegangen. Bei an Neurodermitis erkrankten Patienten konnte in 12 Behandlungen eine Reduktion von 40% auf 15% registriert werden.Professor Dr. med. Ralf Uwe Peter Bei 80% der Psoriatiker und bei 70% der Neurodermitiker trat eine deutliche Besserung schon nach 3 Wochen ein. Erste Auswertungen einer weiteren Studie unter der Leitung von Professor Dr. med. Ralf Uwe Peter, Direktor des Gefäß- und Hautzentrums Ulm-Blaustein. ergab zudem, dass die Chance eines Patienten mit PUVA-Bad Behandlung etwa fünffach höher ist, eine fünfzigprozentige Besserung seiner Psoriasis zu erfahren als die eines Patienten, der nur eine Trockenbehandlung erhält. Mit dieser Studie liegen auch die ersten Ergebnisse zur Wirksamkeit der Balneophototherapie mit einer Starksole und mit PUVA-Bad im Vergleich zur aktuellen von Krankenkassen ambulant erstatteten Trockenbehandlung vor. Unerwartet ergab sich der im Rahmen dieser Untersuchung nachgewiesene deutlich positive Effekt des Leitungswassers. Hier stellt sich die Frage nach der spezifischen Wirkung geringerer Salzkonzentrationen, wie sie in der Balneophototherapie durchaus zur Anwendung kommen. Diese Frage, so Professor Peter, wird sich nach Abschluss der Studie des Deutschen Heilbäder Verbandes beantworten lassen, da hier verschiednen Solekonzentrationen mit einander verglichen werden.

Salzarme Kost – ein Risikofaktor

Gewichtsnormalisierung, regelmäßige körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, Aufgabe des Rauchens und Einschränkung des Alkoholkonsums stehen bei der Blutdrucksenkung im Vordergrund. Keine Berechtigung besteht nach Ansicht von Experten darüber hinaus zu allgemeinen Empfehlungen an die gesunde Bevölkerung, sich salzarm zu ernähren. Wer sich salzarm ernährt, hat ein um 28 Prozent erhöhtes Sterblichkeitsrisiko – so das Fazit der amerikanischen NHANES II-Studie, die Professor Dr. med. Karl-Ludwig Resch,Dr. med. Karl-Ludwig Resch Direktor des Forschungsinstituts für Balneologie und Kurortwissenschaften im vogtländischen Bad Elster, bei einem Pressegespräch im Rahmen der 112. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Inne Medizin Wiesbaden vorgestellt hat. Darin wurde bei zwei Gruppen das Risiko der Sterblichkeit und insbesondere der Herz-Kreislaufsterblichkeit ermittelt. Die erste ernährte sich salzarm (bis 5,8 Gramm), die zweite mit einem üblichen Salzkonsum von mehr als 5,8 Gramm täglich. Nach Professor Resch ergab sich eine deutliche Übersterblichkeit bei Studienteilnehmern mit salzarmer Ernährung. So war die Todesrate infolge kardiovaskulärer Erkrankungen bei Probanden unter salzarmer Kost signifikant höher und auch die Gesamtsterblichkeit war um etwa 30 Prozent erhöht. „Dieses Ergebnis war unabhängig vom Körpergewicht, vom Ausmaß der Bewegung der Probanden, vom Raucherstatus sowie von den Blutwettwerten und vom Blutdruck“, erklärte der Mediziner. Resch zufolge bestätigen die Daten einmal mehr, dass die Diskussion um den Nutzen und die Risiken des Salzkonsum speziell im Hinblick auf den Blutdruck und die kardiovaskulären Konsequenzen weder wissenschaftlich begründet noch evidenzbasiert geführt werden. „Denn es gibt bislang keine wissenschaftliche Untersuchung, die klar belegt, dass eine Salzrestriktion der Entstehung eines Bluthochdrucks entggegn wirkt“, so Resch.

Neue Behandlungsoption bei                                                                metabolischen Knochenerkrankungen

Die Bisphosphonate haben die Behandlung metabolischer Knochenerkrankungen revolutioniert und ihre Entwicklung ist keineswegs stehen geblieben. Seit einigen Jahren sind täglich bzw. wöchentlich (in jüngster Zeit sogar monatlich) oral applizierte Bisphosphonate Therapie der 1. Wahl. Die Einnahme der Tabletten ist jedoch an feste Regeln gebunden und daher häufig sehr unbequem. Man darf sie weder kauen noch lutschen, und sie müssen immer morgens auf nüchternem Magen mit viel Leitungswasser geschluckt werden, denn Biphosphonate werden nur mit viel Leitungswasser aus dem Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn aufgenommen. Bei unsachgemäßer Einnahme besteht zudem die Gefahr, dass sich die Schleimhaut der Speiseröhre entzündet. Nach der Einnahme kommt erschwerend hinzu, dass die Patienten bis zu 60 Minuten in aufrechter Körperhaltung weiter nüchtern bleiben müssen. Weil dieses Einnahmeritual viel zu kompliziert ist, brechen viele die Therapie vorzeitig ab. Nun steht uns auch ein intravenös zu verabreichendes Bisphosphonat zur Verfügung, das einmal jährlich gegeben wird und in Deutschland für Patienten mit Morbus Paget zugelassen ist. Die Zulassung für Osteoporose wird Ende 2007 erwartet. Bisphosphonate sind ein etabliertes Therapieprinzip in der Behandlung metabolischer Erkrankungen des Knochens und gelten mittlerweile als Goldstandard. Zoledronsäure (Aclasta®) ist unter den verfügbaren Bisphosphonaten in vitro die wirkstärkste Substanz. Offensichtlich ist sie nicht nur wegen ihres sehr schnellen Wirkeintrittes, der Wirkungsstärke und der Wirkungsdauer anderen Bisphosphonaten überlegen. In einer randomisierten, doppelblinden Vergleichsstudie mit 349 behandelten Patienten wurde die Einzelinfusion von 5 mg Zoledronsäure mit einer oralen Therapie (30 mg Risedronat einmal täglich für drei Monate) verglichen. Mit Zoledronsäure hatte sich bereits nach zwei Monaten bei neun von zehn Patienten der Knochenumbau normalisiert. Der früh einsetzende Therapieerfolg bestätigte sich zudem in ersten Daten der Studie zur Schnelligkeit des Wirkeintritts bei 128 Patientinnen mit postmenopausaler Osteoporose, die Zoledronsäure versus Alendronat 70 mg wöchentlich als Gabe erhalten haben. Dabei zeigte sich unter Zoledronsäure eine deutlich schnellere Reduktion der Knochenresorption im Vergleich zu Alendronat. Selbst die Nebenwirkungsraten waren in beiden Studien vergleichbar. Häufigste Nebenwirkungen unter Zoledronsäure sind grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, die erfahrungsgemäß nach drei Tagen abklingen.

Wirksamkeit 1
Wirksamkeit 2

Nach sechs Monaten hatte fast jeder Patient von der Behandlung mit Zoledronsäure profitiert“, schlussfolgerte Professor Andreas A. Kurth, Leitender Oberarzt an der Orthopädischen Universitätsklinik, Stiftung Friedrichsheim in Frankfurt am Main. „Die Substanz wird rasch über die Blutbahn in den Knochen aufgenommen, bleibt dort ein Jahr lang gebunden, hemmt den Knochenabbau und erhöht die Knochendichte“, berichtete Professor Franz Josef Jakob, Leiter für Experimentelle und Klinische Osteologie an der Universität Würzburg. Zoledronsäure wirkte unabhängig von Alter, Geschlecht und Rasse. Hinsichtlich der Abnahme der Schmerzstärke und Schmerzbeeinflussung über die 6 Monate zeigte Zoledronsäure gegenüber Risedronat im Vergleich zu den Ausgangswerten zudem eine signifikante Verbesserung „Da der Patient im Gegensatz zu den oralen Bisphosphonaten keine komplexen Einnahmevorschriften zu beachten hat, kommt es bei der einmal jährlich notwendigen 15-minütigen Infusion von 5 mg Zoledronsäure auch nicht zu möglichen Wirkverlusten aufgrund falscher Einnahme der Medikation. Außerdem hebt sich die Zoledronsäure durch die hohe Bioverfügbarkeit von 100 Prozent und durch eine hohe Knochenaffinität deutlich ab. Damit entfaltet die Substanz ihre Wirkung dort, wo sie benötigt wird – direkt am Knochen. Das bedeutet eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität für den Patienten und erhöht dessen Compliance“, so die Experten. Ob und inwieweit Zoledronsäure 5 mg Infusionslösung (Aclasta®) in der Behandlung verschiedener metabolischer Knochenerkrankungen wirkt und verträglich ist, wird das Ergebnis der von Novartis durchgeführten multinationalen HORIZON-Studie mit weit über 12.000 Patienten in über 400 Studienzentren aus fünf Kontinenten zeigen, mit deren Auswertung dieses Jahr zu rechnen ist.

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