Café Overbeck in Essen

Eine unerwartet süße Begegnung im „Kranzler“ des Ruhrgebietes
Von Johanna Renate Wöhlke
In der Fußgängerzone in der Kettwiger Straße in Essen: das Café  OverbeckKöstliche Kuchen ziehen mich magisch an. Das wird seine Gründe haben. Einer davon könnte sein, dass ich aus einer ostpreußischen Familie stamme, in der immer gut und reichlich gekocht, gebraten und gebacken worden ist. Wer jemals Kontakt zu Ostpreußen hatte, weiß wovon ich rede. Fast bog sich die Tafel unter den angebotenen Köstlichkeiten, wenn gefeiert wurde. Dazu gehörten Kuchen und Torten – unvergesslich!

Die Kuchen meiner Mutter waren legendär und wenn sich Weihnachten näherte, häuften sich die Nachfragen der Hamburger Freundinnen nach ihrer Mohnrolle. So stand Mutter also am Heiligen Abend zu Bäckerszeiten in der Nacht auf, um ihre Mohnrollen rechtzeitig in den Ofen zu bekommen. Es waren ihre persönlichen Weihnachtsgeschenke. Gute Bäcker und Konditoren sind zwangsweise Nachtschwärmer. Das müsste eigentlich jeder im Sinn haben und würdigen, wenn er morgens oder im Laufe des Tages frische Brötchen und Kuchen isst. „Café Overbeck in Essen“ weiterlesen

Paracelsus in Brügge

Von Hans- Peter Kurr

Es heißt, daß in den Zeiten des Mittelalters der große Heiler Paracelsus kurze Zeit in Brügge gewohnt und gewirkt habe. Und mancher alte Bürger erzählt gern aus
diesen fernen Tagen die Fama von jenem Arzt und den zauberischen Wassertropfen.
Der berühmte Arzt schöpfte aus dem nahe beim Stadttor gelegenen Bruchteich eine Handvoll Wasser, goß es in ein gläsernes Schälchen und schaute,in sein Labor zurückgekehrt, mit einem Vergrößerungsglas auf jene Pfütze. Er entdeckte  -oh Wunder- etwas, das er mit bloßen Augen niemals hätte sehen können: Es wimmelte im Wasser des Teiches nur so von Tierchen, die eilig hin- und herschwammen, als sei eines vor dem anderen auf der Flucht. „Paracelsus in Brügge“ weiterlesen

Zwischen Moltke und Schlieffen

Vor 175 Jahren wurde »Weltmarschall« Alfred Graf von Waldersee in Potsdam geboren
Von Manuel Ruoff
WeltmarschallAlfred Heinrich Karl Ludwig Graf von Waldersee kam am 8. April 1832 in der preußischsten aller Städte zur Welt. Er entstammte einer alten holsteinischen Soldatenfamilie, und auch er ergriff diesen Beruf. 1850 wurde er Offizier, 1866, im Jahr des deutschen Bruderkrieges, Generalstabsoffizier. 1870 ging er als Militärattaché an die preußische Botschaft in Paris, wo er wichtige Informationen für den kurz darauf ausbrechenden Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 sammelte. Am Krieg selber nahm er als Flügeladjutant seines Königs und als Generalstabschef der Armee des Großherzogs von Mecklenburg teil. Nach dem deutsch-französischen Kräftemessen ging er wieder nach Paris, diesmal aber als Geschäftsträger. Es folgte ab 1873 das Kommando über das 10. Armeekorps in Hannover, bis ihn der Chef des Großen Generalstabs, Helmuth Graf von Moltke, 1882 als Generalquartiermeister zu seinem Stellvertreter machte und ihn dann systematisch zu seinem Nachfolger aufbaute.
Als 1888 mit dem neuen Kaiser ein neuer Generalstabschef kam, war dies planmäßig Waldersee. Moltkes Nachfolger war mit Wilhelm II. befreundet. Er besaß entsprechenden politischen Einfluß und gilt als erster bekannter und erfolgreicher „politischer“ Offizier. Seine Strategien für einen Präventivkrieg gegen die kontinentalen Flügelmächte Frankreich und Rußland brachten ihn in Gegensatz zum Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck, an dessen Sturz 1890 er mitwirkte. Die Erwartungen, daß er Regierungschef werden würde, erfüllten sich nicht. Statt dessen mußte er nach unerwarteten Differenzen mit Wilhelm II. bereits 1891 überraschend seinen Platz für Alfred Graf von Schlieffen räumen. „Zwischen Moltke und Schlieffen“ weiterlesen

Europa ist mehr als nur Kohle und Stahl

Vor 50 Jahren wurden die Römischen Verträge zur Gründung der EWG und der Europäischen Atomgemeinschaft (EAG) unterzeichnet
Von Manuel Ruoff
Europas Einigung hatte nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Gebieten Kohle und Stahl angefangen. 1951 hatten die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien und die drei Benelux-Staaten mit der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, Montanunion) einen Anfang gemacht. Der Versuch, die europäische Einigung auf den militärischen Bereich mit der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) auszudehnen, scheiterte 1954 an der französischen Nationalversammlung. Obwohl die Bundesrepublik in dieser Gemeinschaft eindeutig diskriminiert werden sollte, waren in Frankreich die Vorbehalte dagegen, auf dem sensiblen Gebiet der Verteidigung Kompetenzen an einen Zusammenschluß mit den Deutschen abzugeben, für viele zu groß. So wurde versucht, die Einigung zuerst einmal auf andere, zivile Gebiete auszudehnen.
Franzosen hatten die europäische Einigung mit dem Verhindern der EVG gestoppt, ein Franzose brachte die Entwicklung wieder in Gang: Jean Monnet. Der erste Präsident der Hohen Kommission der Montanunion verfolgte die Idee, die EGKS auf weitere Wirtschaftsbereiche auszudehnen, darunter auch auf den Bereich der friedlichen Nutzung der Atomenergie, der die Zukunft zu gehören schien. Einen Mitstreiter auf internationaler Bühne fand er in dem belgischen Außenminister Paul-Henri Spaak. Von dem damaligen Außenminister der international sehr wettbewerbsfähigen Niederländer, Jan Willem Beyen, kam als weiterer Impuls die Idee einer europäischen Zollunion. „Europa ist mehr als nur Kohle und Stahl“ weiterlesen

Die Bundesluftwaffe erhält ihre ersten Jäger

Vor 50 Jahren wurde die erste »Sabre«, eine Cl-13 Mark von »Canadair«, an die bundesdeutschen Luftstreitkräfte ausgeliefert
Von Manuel Ruoff
Zur Erstausstattung der Bundesluftwaffe gehörten neben Jagdbombern vom Typ „Thunderstreak“ und taktischen Aufklärern vom Typ „Thunderflash“ auch Jagdflugzeuge vom Typ „Sabre“.
Die vom US-amerikanischen Unternehmen „North American Aviation“ gebaute F-86 „Sabre“ hatte am 1. Oktober 1947 ihren Erstflug. Am 25. April 1948 durchbrach das Muster im Bahnneigungsflug, einem Sturzflug mit flachem Sturzwinkel und relativ geringer Abwärtskomponente, die Schallmauer. Das erste Serienflugzeug flog am 20. Mai 1948. Im selben Jahr erfolgte die Indienststellung bei der U.S. Air Force (USAF).
Im Koreakrieg (1950–1953) stellte sich der Jagdeinsitzer als das einzige Jagdflugzeug der westlichen Welt heraus, das der von „Mikojan-Gurewitsch“ hergestellten MiG-15 gewachsen war. Der sowjetische Jagdeinsitzer hatte weltweites Aufsehen erregt, als er im November 1950 von Basen jenseits der koreanischen Nordgrenze aus in der chinesischen Mandschurei in den Krieg eingegriffen und sich als sowohl den US-amerikanischen F-80 und F-84 wie auch der „Gloster Meteor“ der Briten überlegen erwiesen hatte. „Die Bundesluftwaffe erhält ihre ersten Jäger“ weiterlesen

Vor 25 Jahren starb Carl Orff in München

Von Manuel Ruoff

Carl Orff kam am 10. Juli 1895 in München zur Welt. Er entstammte einer alten bayerischen Offiziers- und Gelehrtenfamilie. Sein Elternhaus war sehr musikalisch. Sein Vater, wie seine beiden Großväter von Beruf Offizier, spielte Klavier und verschiedene Streichinstrumente und seine Mutter war gar ausgebildete Pianistin. Als Profi erkannte sie das musikalische Talent ihres Sohnes und förderte es entsprechend. Im Jahre 1912 verließ er vor dem Abitur das Gymnasium, um an der Münchner Akademie der Tonkunst zu studieren. Den Akademieunterricht empfand er jedoch als zu konservativ, und so bildete er sich im Selbststudium und mit Hilfe von Privatunterricht weiter fort.
Nach einer Tätigkeit als Kapellmeister an diversen Spielstätten und der Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Soldat arbeitete er ab 1919 als freischaffender Komponist in der Bayernmetropole. Mit der Gymnastiklehrerin, Graphikerin und Schriftstellerin Dorothee Günther gründete er 1924 die Günther-Schule. An dieser Ausbildungsstätte für Gymnastik, Rhythmik, Musik und Tanz entwickelte er das Orff-Schulwerk und die Orff-Instrumente.
Weder Aufstieg noch Fall der Nationalsozialisten unterbrachen oder beendeten gar Orffs Schaffen und Wirken. Olympia zeigt das beispielhaft. „Vor 25 Jahren starb Carl Orff in München“ weiterlesen

Der »größte Erfinder aller Zeiten«

Vor 90 Jahren starb der Vater des starren Luftschiffes, Ferdinand Graf von Zeppelin, in Berlin
Von Manuel Ruoff
Der „größte Deutsche des 20. Jahrhunderts“ und „größte Erfinder aller Zeiten“, wie ihn sein Zeitgenosse Kaiser Wilhelm II. genannt hat, besaß beste Voraussetzungen, gesellschaftliche Karriere zu machen. Seine Familie war sowohl reich als auch adelig und verfügte zudem über gute Kontakte zum Herrscherhaus.
Ferdinand_von_ZeppelinFerdinand Adolf Heinrich August Graf von Zeppelin kam am 8. Juli 1838 im württembergischen Konstanz zur Welt. Schon früh interessierte er sich für Technik. Insofern entsprach es seinen Neigungen, daß er nach einer Privatausbildung seine Schülerlaufbahn an einer Polytechnischen Schule in der Landeshauptstadt Stuttgart beendete. Danach konnte er seinen technischen Interessen vorerst nicht weiter nachgehen. Der Vater bestand darauf, daß sein Sohn wie er die Offizierslaufbahn einschlug. So besuchte er die Kriegsschule in Ludwigsburg. Nach der zweijährigen Ausbildung ließ er sich jedoch beurlauben, um an der Universität Tübingen ein naturwissenschaftlich-technisches Studium aufzunehmen.
Diese Beurlaubung endete jedoch, als es 1859 zum Krieg Sardiniens und Frankreichs gegen Österreich kam. Das österreichfreundliche Württemberg begann zu mobilisieren und Zeppelin wurde eingezogen. Er wählte ein Ingenieurkorps bei Ulm, denn dort konnte er noch am ehesten innerhalb der Armee seine Interessen weiterverfolgen. Nachdem der Krieg zwischen den Vereinigten und den Konföderierten Staaten von Amerika ausgebrochen war, nahm er 1863 an diesem als neutraler Beobachter teil, um moderne Formen der Kriegsführung kennenzulernen. Dabei lernte er auch den Ballon als Mittel der Feindaufklärung kennen und unternahm seine erste Ballonfahrt. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 erlebte er erneut die militärischen Möglichkeiten, die der Ballon bot. So beobachtete er französische Aufklärungsflüge und Verbindungsflüge zwischen dem von den Deutschen eingeschlossenen Paris und dem noch französisch beherrschten Hinterland. „Der »größte Erfinder aller Zeiten«“ weiterlesen

Kampf um »ein paar eisige Felsen«

Vor 25 Jahren, am 2. April 1982, begann mit der argentinischen Eroberung der gleichnamigen Inseln der Falklandkrieg

Von Manuel Ruoff

Nicht nur dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan erschien es als ein kaum faßbarer Antagonismus, daß in der Hochzeit des Kalten Krieges zwischen der freien Welt und dem sozialistischen Lager zwei dem Westen zuzurechnende Staaten einen konventionellen Kabinettskrieg führen. Möglich war dieser Krieg wohl auch nur deshalb, weil weder die argentinische noch die britische Regierung sich hatten vorstellen können, daß die jeweils andere Seite wegen ein „paar eisiger Felsen“, wie Reagan das Streitobjekt ebenso plastisch wie geringschätzig nannte, zu militärischer Gewalt greifen würde – und beide es trotzdem taten, um von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken.
Obwohl die von den Briten Falklands und den Argentiniern Malwinen genannte Inselgruppe vor der Küste Argentiniens liegt und von Argentinien seit der Erlangung seiner Unabhängigkeit im Jahre 1810 beansprucht wird, befinden sich die Inseln seit der Besetzung durch die Briten im Jahre 1833 in deren Hand. Auf die Forderungen der argentinischen Regierung reagierte die britische lustlos. Sie konnte sich ein militärisches Vorgehen der unterlegenen Macht nicht vorstellen und sah deshalb keinen Grund, auf die Ansprüche einzugehen. Die argentinische Regierung wiederum interpretierte die britische Lustlosigkeit als Desinteresse an den Inseln und konnte sich nicht vorstellen, daß die Engländer nach dem Zeitalter der Entkolonialisierung noch um eine rund 13000 Kilometer entfernte „Kolonie“ kämpfen würden. Die Argentinier schlugen deshalb zu. „Kampf um »ein paar eisige Felsen«“ weiterlesen