Die Bundesluftwaffe erhält ihre ersten Jäger

Vor 50 Jahren wurde die erste »Sabre«, eine Cl-13 Mark von »Canadair«, an die bundesdeutschen Luftstreitkräfte ausgeliefert
Von Manuel Ruoff
Zur Erstausstattung der Bundesluftwaffe gehörten neben Jagdbombern vom Typ „Thunderstreak“ und taktischen Aufklärern vom Typ „Thunderflash“ auch Jagdflugzeuge vom Typ „Sabre“.
Die vom US-amerikanischen Unternehmen „North American Aviation“ gebaute F-86 „Sabre“ hatte am 1. Oktober 1947 ihren Erstflug. Am 25. April 1948 durchbrach das Muster im Bahnneigungsflug, einem Sturzflug mit flachem Sturzwinkel und relativ geringer Abwärtskomponente, die Schallmauer. Das erste Serienflugzeug flog am 20. Mai 1948. Im selben Jahr erfolgte die Indienststellung bei der U.S. Air Force (USAF).
Im Koreakrieg (1950–1953) stellte sich der Jagdeinsitzer als das einzige Jagdflugzeug der westlichen Welt heraus, das der von „Mikojan-Gurewitsch“ hergestellten MiG-15 gewachsen war. Der sowjetische Jagdeinsitzer hatte weltweites Aufsehen erregt, als er im November 1950 von Basen jenseits der koreanischen Nordgrenze aus in der chinesischen Mandschurei in den Krieg eingegriffen und sich als sowohl den US-amerikanischen F-80 und F-84 wie auch der „Gloster Meteor“ der Briten überlegen erwiesen hatte. Der von der USAF deshalb nachgeschobene Jagdeinsitzer „Sabre“ lieferte der MiG-15 die ersten großen Luftschlachten unter Düsenmaschinen und brachte die Wende. F86_Sabre_Dresden
Die „Sabre“ war mit ihren 1093 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit, ihrer Steigleistung von 2450 Metern in der Minute und ihrer Dienstgipfelhöhe von 15100 Metern der leichteren MiG zwar von den Leistungsdaten her unterlegen, doch wußte sie dieses durch bessere Flugeigenschaften und ihr Radarvisier zu kompensieren. Eine bessere Ausbildung der US-Piloten als jene der Russen, Chinesen und Koreaner an den Steuerknüppeln der MiG kam hinzu. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Beim Waffenstillstand von 1953 standen 78 abgeschossenen F-86 792 vom Himmel geholten MiG-15 gegenüber. Die daraus resultierende Luftüberlegenheit ermöglichte es den US-Amerikanern, ihre den MiG unterlegenen Flugzeuge gegen Bodenziele einzusetzen, während die Bodentruppen des sozialistischen Lagers auf Unterstützung aus der Luft verzichten mußten. In der Folge dieses klaren Erfolgs wurde die „Sabre“ zum Standardjäger der westlichen WeltF86_Sabre_Dresden.
Wie die MiG-15 und so viele andere Innovation der Supermächte fußte auch die F-86 auf Kriegsbeute. Die Idee der gepfeilten Tragflächen stammte aus dem eroberten Deutschland. Für die „Sabre“ wurde das Tragflügelprofil der deutschen Messerschmitt Me 262 verwendet. Über Kanada kam diese also teilweise deutsche Entwicklung auch nach Deutschland. Wie die Australier und die Japaner fertigten auch die Kanadier die F-86 in Lizenz. Die Cl-13 Mark 5 von „Canadair“ war eine F-86F mit einem „Orenda“-Triebwerk von „Avro Canada“. Am 30. Juli 1953 fand der Erstflug statt. Nach dem Ende des Koreakrieges hatte Kanada wie auch andere Nato-Staaten Überschüsse an Waffen, die teilweise der seinerzeit noch recht armen Bundesrepublik für deren 1956 gegründete Bundeswehr überlassen wurden. Hierzu zählten auch 75 Exemplare der Cl-13 Mark 5.
Am 18. Februar 1957 wurde die erste Maschine der Bundesluftwaffe übergeben, die letzte wurde im Winter 1958/59 übernommen. Vor der Auslieferung wurden die Maschinen bei „Scottish Aviation“ im britischen Renfrew vollständig überholt. Das Gros der gebrauchten Flugzeuge ging an die Waffenschule der Luftwaffe (WaSLw) 10 in Oldenburg, das allerdings von 1959 bis 1962 schon wieder ausgemustert wurde.
Die Jagdgeschwader erhielten hingegen 255 Maschinen des leistungsstärkeren Typs Cl-13 (B) Mark 6. Die „Orlanda“-Triebwerke der Mark 6 entwickelten mit 3300 Kilopond über 400 Kilopond mehr Schub als die Mark 5, und trotzdem war die Mark 6 leichter als die Mark 5. Das erste Einsatzgeschwader, das die „Sabre“ erhielt, war das Jagdgeschwader (JG) 71, gefolgt vom JG 72 und dem JG 73. Das JG 71 verlegte im April 1963 nach Wittmundhafen und übernahm dort die F-104G „Starfighter“. Das JG 72 wechselte ab 1966 zur G-91 „Gina“. Und das JG 73 wurde in ein leichtes Kampfgeschwader, das LeKG 42, umgewandelt.
Von den ausrangierten „Sabres“ wurden 90 an Pakistan, 74 an Venezuela und 50 an Portugal abgegeben.

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