Diabetiker dürfen schlemmen

Von Renato Diekmann

Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) sind die Volkskrankheit Nummer eins und inzwischen epidemisch verbreitet. Der ungesunde Lebenswandel, vor allem durch Alkohol, Nikotin, falsche Ernährung und Bewegungsmangel, lösen lebensbedrohliche Krankheiten aus. Nur noch ein Viertel der deutschen Bevölkerung hat ein wünschenswertes Gewicht, die restlichen 60 Millionen Menschen leben gesundheitsgefährdet. Von Übergewicht und Fettleibigkeit sind besonders Kinder und Jugendliche betroffen. Sind sie bereits adipös, haben sie nur noch eine 50%ige Chance, im Laufe ihres Lebens noch einmal normalgewichtig zu werden. Und nicht selten wird bei ihnen Diabetes festgestellt. Auch Gefäßveränderungen wie Arteriosklerose nehmen bedenklich zu. Schlechte Cholesterinwerte, viel zu hoher Blutdruck und Herzinfarkt sind im Laufe ihres Lebens 4-mal häufiger, aber auch Krebserkrankungen kommen doppelt so oft vor wie bei Normalgewichtigen. Besonders verbreitet ist der Diabetes mellitus Typ 2, der inzwischen bei 8 Millionen Deutschen diagnostiziert wurde – mit steigender Tendenz. Besonders Krankheiten, an denen man nicht stirbt, nehmen überhand: Dazu gehören Rückenleiden, Verschleiß an tragenden Gelenken, Krampfadern, Inkontinenz und Hautkrankheiten. Zudem leiden Übergewichtige meist unter den psychosozialen Folgen wie Minderung des Selbstwertgefühls, sozialer Rückzug, Depressivität, Partnerprobleme, vermindertes Einkommen und drohender Arbeitsplatzverlust bzw. Arbeitslosigkeit.  Messgerät
Prävention- und effektive Therapiemaßnahmen bei der Behandlung von übergewichtigen Menschen sind unabdingbar. Prävention muss bereits im Elternhaus beginnen und in Kindergarten, Schule und Betrieb kontinuierlich fortgesetzt werden. Sie umfasst die Ernährung, die Bewegung, den Alkohol und den Stress. Wichtigste Maßnahmen sind die rigorose Ernährungsumstellung sowie regelmäßige körperliche Bewegung und – wegen drohender Folgeerkrankungen – die ärztliche Betreuung und Versorgung. Dazu gehört bei Diabetikern die vierteljährliche Untersuchung beim Arzt und die dreimal am Tag selbst durchzuführende Blutzuckerkontrolle mit modernen (codierungsfreien) Blutzuckermess-Geräten – siehe hierzu Übersicht aktuelle Blutdruckmessgeräte unter www.diabeticus.de

Mit einem modernen Blutzuckermessgerät lebt auch Elke Schiller, erkrankt an Typ 1 Diabetes, der nicht zwangsläufig mit Übergewicht, falscher Ernährung und Bewegungsmangel einhergehen muss. Schillers Bauchspeicheldrüse produziert durch eine Fehlreaktion des körpereigenen Abwehrsystems kein Insulin. Mehrmals täglich muss sie ihren Blutzuckerwert messen und sich das Hormon Insulin spritzen. Trotz ihrer chronischen Krankheit ist Elke Schiller schlank und sportlich sehr aktiv. Die Diabetikerin fährt eines der härtesten Schlittenhunderennen Europas. Meistens findet ein derartiges Rennen in einer anspruchsvollen Bergregion statt, wo Mensch und Tier viele steile Abhänge bewältigen müssen – 150 Kilometer durch Eis und Schnee sind keine Seltenheit. Die extremen Renn- und Wetterbedingungen machen der Sportlerin und ihren Huskies demzufolge schwer zu schaffen. Elke Schiller
Elke Schiller lebt seit über dreißig Jahren mit der Krankheit. Sie stand noch nie zwischen ihr und dem Sport. Im Gegenteil: Er gibt ihr trotz des Diabetes körperliches und seelisches Gleichgewicht. Das neueste Blutzuckermessgerät führt sie bei all ihren Rennen stets am Körper bei sich: Contour sei besonders schnell, sagt sie. Bei Minus 30 Grad Kälte sehr wichtig, denn sie muss es nicht codieren, und bereits nach fünf Sekunden hat sie den Wert, für den sie nur ganz wenig Blut benötigt. Mit den heutigen therapeutischen Möglichkeiten gibt es für Elke Schiller kaum ein Problem, das nicht lösbar ist.

Gegen Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes kann jeder etwas tun: Bewegen Sie sich regelmäßig dreimal pro Woche mindestens 45 Minuten lang. Walking, Radfahren, Wandern oder Schwimmen sind ideal für die körperliche Fitness. Essen Sie regelmäßig Obst, Gemüse, Salat, Rohkost und Vollkornprodukte. Meiden Sie Pommes- und Würstchenbuden, Fett-Whopper und Hamburger, Fastfood und Fertiggerichte. Beim Thema Getränke gilt: viel Wasser, wenig Alkohol. Da abgefüllte Fruchtsäfte ebenfalls Kalorienbomben sind, ist Vorsicht geboten. Vor allem Alkohol in jeder Form hemmt den Gewichts- und Fettabbau über viele Stunden. Wer also abends mehr als ein Glas davon konsumiert, wird über Nacht kaum Fettgewebe abbauen können, auch wenn er sich tagsüber gesund ernährt hat und körperlich aktiv war.
Dass wir dick werden, ist eigentlich nicht die Schuld unseres Magens, sondern die des Gehirns. Denn hier spielt sich alles ab, was den Körper in Gang hält. Hier werden Informationen über Nährstoffbedarf, Durst, Hunger und Sättigung verarbeitet, Signale an andere Körperregionen geschickt und Impulse für bestimmte Verhaltensweisen ausgelöst, schreibt Dr. Detlef Pape, Internist und Ernährungsmediziner aus Nordrhein-Westfalen, Autor mehrerer Patientenratgeber zum Thema Ernährung und Abnehmen. Dr. Detlef Pape
Heute essen wir in den meisten Fällen nicht aufgrund einer Mangelsituation, sondern weil wir wieder das schöne Gefühl erleben möchten, das mit der Nahrungsaufnahme verbunden ist. Häufig soll es uns helfen, Ärger mit dem Partner zu vertreiben, schlechte Laune wegzuessen, Stress im Büro zu vergessen oder Langweile zu lindern. Und geradezu paradox ist es, wenn wir essen, um uns wegen überflüssiger Pfunde zu trösten.
Übergewicht und Bewegungsmangel beeinträchtigen nämlich die Anzahl und die Funktionsfähigkeit der Insulin-Rezeptoren sehr negativ, erklärt der Ernährungsmediziner Dr. Pape. Als Folge können die Muskeln weniger Glukose (Zucker) zur Energieverwertung aufnehmen. Zusätzlich verfetten die Muskelzellen innerlich, was ihre Funktionsfähigkeit weiter einschränkt. Nehmen wir aber ab und bewegen uns parallel dazu, steigt auch die Anzahl der Insulin-Rezeptoren wieder an. Auf diesem Weg kann auch ein gestörter Insulin-Stoffwechsel zurück ins Gleichgewicht kommen – und die Glukoseverwertung in der Muskelzelle nimmt zu.

Auch Diabetiker dürfen schlemmen. Eine gesunde ausgewogene Ernährung ist die Basis für Gesundheit und Wohlbefinden. Der Körper erhält eine Menge Nährstoffe, die wichtig sind, in Übermaßen aber schädigen können. Das gilt natürlich gleichermaßen für Menschen mit und ohne Diabetes. Viele Menschen verbinden mit Diabetes leider die Vorstellung, Abschied vom Schlemmen nehmen zu müssen, um eine Diät einzuhalten. Schon der Begriff Diät wird von vielen Menschen mit Enthaltsamkeit und Verboten gleichgesetzt. Glücklicherweise gibt es in der modernen Diabetestherapie keine strickten Verbote mehr. Vorbei sind die Zeiten, als man Menschen mit Diabetes die Freude am Essen verdarb und süße Produkte am liebsten ganz verbieten wollte. Gefragt ist heute eine gesunde Lebensweise. Und so ist die Ernährung bei Diabetes eine ausgewogene Mischkost, die jedem Menschen empfohlen werden kann.

Schreibe einen Kommentar