Der innere Schweinehund

Von Johanna Renate Wöhlke
So sind wir Menschen: Wir wünschen uns das Unmögliche und wenn wir es nicht bekommen können, schreiben wir ganz einfach eine Geschichte darüber. So ist es zum Beispiel auch mit der Eier legenden Wollmilchsau. Dieses Tier wird es nie geben. Es soll aber doch tolle Tiere geben, deren Existenz zwar auf der Wiese und im Stall nicht nachzuweisen ist, die aber doch da sind. Ich schwöre! Ich schwöre bei meinem weichen, kuscheligen Federbett, dass es ihn gibt: den inneren Schweinehund! Er drängt sich immer dann unaufhaltsam in unser Leben, wenn wir ihn gar nicht gebrauchen können. Zum Beispiel morgens beim Aufstehen im November und Dezember. Das sind sowieso die besten Monate für den inneren Schweinehund. Da macht er uns so richtig zu schaffen. Draußen noch dunkel, auch wenn es schon halb acht Uhr morgens ist – da hat er leichtes Spiel mit uns. “Bleib doch noch ein bisschen liegen“, säuselt er uns ins Ohr. So überzeugend argumentiert sonst keiner auf der Welt. Dann zieht er uns die Bettdecke über den Körper bis an die Ohren und erzählt uns das Märchen vom gemütlichen Noch-einmal-umdrehen. Er denkt auch gar nicht daran, uns zu verlassen, wenn wir aufgestanden sind und schon mit der Zahnbürste im Mund vor dem Spiegel stehen. Im Gegenteil! Da wird er erst recht aktiv, dirigiert uns zum Fenster, um in den trüben und verregneten Tag zu schauen und wartet auf seinen Triumpf, denn er weiß: Wir sind alle sehr tierlieb und gehen gerne mit ihm ins Bett…

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