ASS nach Herzinfarkt und Schlaganfall?

Von Renato Diekmann

Ohne es zu wissen, haben in Deutschland zwölf Millionen Menschen zwischen 35 und 65 Jahren ein hohes Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko, das häufig „hausgemacht“ ist. Kommen hoher Blutdruck, Übergewicht, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder erbliche Vorbelastungen erschwerend hinzu, ist die Wahrscheinlichkeit, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, besonders hoch. In der BRD erleiden jedes Jahr fast 300.000 Menschen einen Infarkt, mehr als die Hälfte davon enden tödlich. Auch Schlaganfälle sind weit verbreitet und werden oft unterschätzt. Etwa 200.000 Patienten erleben jährlich den plötzlich „Infarkt“ im Gehirn – rund 57 Prozent sterben innerhalb eines Jahres an den Folgen.Prof.  Predel
„Die Zahlen bestätigen, wie wichtig die Aufklärung über Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist“, betonte Dr. Hans-Georg Predel, Professor am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Deutsche Sporthochschule Köln. Jeder sollte sein persönliches Risiko kennen und über Vorsorge und Früherkennung informiert sein. Die Aktion HerzProtect habe hierzu einen wichtigen Beitrag geleistet („HerzProtect“ ist eine gemeinsame Initiative der Bayer Vital GmbH und ihrer Partner, der World Heart Federation, der Deutschen Sporthochschule Köln und der medizinischen Fachzeitschrift Medical Tribune).
Viele Menschen, warnen die Experten, gehen wie selbstverständlich davon aus „Mich erwischt es ja nicht!“. Bis es einen tatsächlich trifft, spürt man meist keinerlei Einschränkungen. „Gut, früher hat man die zehn Treppenstufen zügiger bewältigt, aber man wird ja schließlich nicht jünger…“ Doch auf einmal ist es da: Beklemmende Atemnot, ein unerträgliches Brennen in der Brust oder rätselhafte „Sprachlosigkeit“. Deutliche Warnzeichen: Hier stimmt etwas nicht! Blutdruckmessung
Atherosklerose (Gefäßverkalkung) ist die häufigste Urasche des Herzinfarktes bzw. Schlaganfalls. Obwohl die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen seit Jahren bekannt sind, existiert bislang keine effektive Strategie zur ihrer Bekämpfung, bedauerte Predel. „Im Gegenteil: Sämtliche Prognosen weisen auf eine weitere Zunahme der Risikofaktoren hin. Dicke Deutsche sind Europameister! Alarmierende zwei Drittel der Deutschen bewegen sind zu wenig und ernähren sich schlecht“, fasste Predel zusammen. „Zur effektiven Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall ist eine Umstellung der Lebensweise lebensnotwendig, gegebenenfalls unterstützt durch die Einnahme blutverdünnender Medikamente, z. B. mit Acetylsalicylsäure.“
Kleine Dosen Acetylsalicylsäure (ASS) haben zahlreiche günstige Effekte. So kann niedrig dosierte ASS z. B. im Rahmen einer Sekundärprophylaxe die Inzidenz eines erneuten Herzinfarkts oder Schlaganfalls um etwa ein Viertel senken. In England und den USA nehmen 6 bis 9% der gesunden über 60jährigen Personen regelmäßig niedrig dosierte ASS ein.Walking
Professor Klaus-Jürgen Steffens vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn weist darauf hin, dass der Wirkstoff bei vielen Patienten auf Dauer jedoch Magenbeschwerden bereite. Der Wirkstoff allein genüge also nicht. Es komme auch auf die Arzneiform an. „Das Problem Magenbeschwerden wurde z. B. bei Aspirin protect einfach und überzeugend reduziert“, erklärte Steffens, denn die Tablette verfüge über einen spezielle Ummantelung, die resistent gegen Magensäure sei. Dadurch löse sie sich erst im Dünndarm auf, die empfindliche Magenschleimhaut werde geschont und damit die Magenverträglichkeit verbessert.
ASS schädigt die Magenschleimhaut und führt zu Schleimhauterosionen und Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt, schreibt Benedikt Holzer in http://www.infomed.org/screen/1997/s87.htm: Mit Hilfe von magensaftresistenten oder gepufferten Formen wird versucht, dies zu verhindern. In etlichen Studien wurde geprüft, ob solche speziellen Formen weniger hospitalisationsbedürftige Blutungen aus dem oberen Magen-Darmtrakt verursachen…
Die gute Verträglichkeit eines Medikamentes in der Langzeitbehandlung ist für Patienten aber besonders wichtig, weil es die Therapietreue fördert. Eine von Bayer Healthcare/Bayer Vital in Köln Ende April 2007 vorgestellte Studie belegt einen Vorteil von Aspirin protect. Von mehr als 2.700 Patienten erhielten 40 Prozent das besagte Medikament als Erstmedikation, die restlichen 60 Prozent wurden – meist wegen Magenbeschwerden – von einem Präparat mit nicht magensaftresistenter Acetylsalicylsäure auf das magensaftresistente Präparat umgestellt. Die Probanden wurden zu Beginn der Studie sowie in dreimonatigen Abständen untersucht. Dabei wurden Symptome wie Magenbeschwerden, Sodbrennen, Völlegefühl und Übelkeit abgefragt. Schon nach dreimonatiger Einnahme verringerten sich bei 50 Prozent der Probanden die Symptome deutlich. Am Ende der zweijährigen Beobachtungsstudie gaben 80 Prozent der Patienten sogar an, dass das magensaftresistente Präparat besser verträglich sei als ihre vorherigen Medikamente, erklärte die Referentin Brigitte Havertz, Apothekerin bei Bayer Vital GmbH in Köln. Brigitte Havertz
Die Meinungen der Experten gehen hier allerdings auseinander: Unabhängig von der galenischen Form erhöhen auch kleine Dosen von ASS das Risiko, eine klinisch relevante Blutung aus dem oberen Magen-Darmtrakt zu erleiden, um etwa das Dreifache. Die Annahme, dass spezielle galenische Formen von ASS weniger häufig unerwünschte Wirkungen verursachen als gewöhnliche ASS, ist nach Meinung der Autoren falsch, schlussfolgert Benedikt Holzer in infomed.de und fügt hinzu: Obwohl magensaftresistente Formen bei endoskopischer Beurteilung weniger mikroskopische Blutungen und Erosionen verursachen, ist das relative Risiko, eine Blutung aus dem oberen Magen-Darmtrakt zu erleiden, nicht geringer als bei der Einnahme von gewöhnlicher ASS. Es lohnt sich deshalb nicht, teure magensaftresistente oder gepufferte Formen zu verschreiben…
Einer US-Studie zufolge ist ein Aspirin pro Tag für einen Mann mittleren Alters sogar fast genauso gefährlich wie Autofahren, schreibt die Berliner Morgenpost am 9. Mai 2007. Durch regelmäßiges Einnehmen der Schmerztablette ergebe sich für 50-jährige Männer ein zusätzliches Todesrisiko von 10,4 Fällen pro 100.000 Menschen im Jahr, berichteten Forscher des Tufts-New England Medical Center in Boston. Menschen täten sich schwer damit, Gefahrenpotenziale realistisch einzuschätzen, erläuterten die Wissenschaftler. Deshalb müsse der Gesetzgeber bei Arzneizulassungen die tatsächlichen statischen Risiken gegen die Chancen abwägen. Laut Statistik ist Autofahren mit einem Risiko von elf Todesfällen auf 100.000 Einwohner verbunden.

Kontaktadressen bei Herzinfarkt & Schlaganfall:

info@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

info@schlaganfall-hilfe.de
www.schlaganfall-hilfe.de

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