Alles für die Bohne

Jetzt hat Hamburg auch ein Kaffeemuseum
Seminare über den Göttertrank für Fans und Profis
Von Ruth Vollmer- Rupprecht
Eigentlich braucht man nur der Nase nach zu gehen, wenn man in die stille Seitenstraße in Hamburg-Lokstedt einbiegt. Ein feiner Kaffeeduft ist es, der dem Besucher den Weg zu dem jüngsten Museum der Hansestadt Hamburg weist, und der Duft bestätigt es, sobald man das unscheinbare Gebäude im Hinterhof der Münsterstraße 23-25 betreten hat: Es ist ein Kaffee-Museum. Genauer eine Museums-Kaffee-Rösterei, denn hier wird vor Besucheraugen geröstet, und Zunge und Gaumen können anschließend das wundervolle Aroma aufnehmen, das der frisch gebrühte Kaffee verströmt. Er ist himmelweit von dem entfernt, was man gewöhnlich als Kaffee vorgesetzt bekommt und verdient wirklich die Bezeichnung „Göttertrank“, wie er früher besungen wurde. Der solches Wunder vollbringt, heißt Jens Burg, ist einer der letzten Hamburger Röster, aber schon mehr als das: Er ist der „Kaffeekönig von Eppendorf“, als solcher weit über die Grenzen der Hansestadt bekannt, ein wahrer „Kaffeekünstler“ und ein Hamburger Original dazu.

Deshalb findet auch viel Prominenz den Weg zu dem Stammhaus am Eppendorfer Weg, wo einmal alles begann und sich im Laufe von rund 80 langen Jahren zu einem Kaffee-Mekka entwickelt hat. Sogar ein Boris Becker kauft dort seinen Lieblingskaffee, den wohl ungewöhnlichsten und teuersten aus dem fast 70 Kaffeesorten umfassenden Angebot , den „Jamaica Blue Mountain“, der als der „Champagner“ unter den Edelkaffees gilt. 50 EUR für ein Pfündchen blätterte er gerne dafür hin.Jens Burgkaffe8 hat sich in die lange Geschichte der Kaffeestadt Hamburg mit einem eigenen Kapitel  eingeschrieben. In Hamburg stand das erste Cafehaus Deutschlands, 1677 an den Vorsetzen eröffnet, hier wurde 1887 die erste deutsche Kaffeebörse gegründet, die Hafenstadt entwickelte sich zu einem dem bedeutendsten Importplätze von Rohkaffee. Zu dem Ruf als „Kaffeestadt“ trugen auch die vielen Kaffee-Röstereien und Veredelungsbetriebe bei, deren Zahl leider im Laufe der letzten Jahrzehnte dramatisch sank. Jens Burg ist einer der letzten von ihnen. Aber einer, der durch seine Eigenwilligkeit und Ideenvielfalt – so entwickelte er als erster den Aroma – Tee und anschließend den aromatisierten Kaffee – vor allem aber durch sein fachliches Können und die Liebe zu dem vom Vater übernommenen Metier zum „Kaffeekönig von Eppendorf“ wurde.

Nun auch mit dem musealen Pendant in der unweiten Münsterstraße. Was sich nämlich bisher in dem Eppendorfer Stammgeschäft und den darüber liegenden Räumen angesammelt hatte, drohte die Wände zu sprengen. Jens Burg hat seit 40 Jahren nie eine Gelegenheit ausgelassen, Relikte aus der vergangenen Welt der deutschen Kaffeekultur aufzuspüren. Schloß eine Rösterei, eine Importfirma, ein Spezialgeschäft die Pforten, sicherte er sich das, was für ihn wertvoll war wie Säcke, Trommelröster, Pfannen, Reklameschilder und Blechdosen . Auf Flohmärkten ergatterte er Kannen, Kessel, Tassen und vor allem Kaffeemühlen – 900  sind es inzwischen geworden, und keine gleicht der anderen! 2 800 Exponate fanden nun in der Münsterstraße endlich ihren Platz und lassen die Besucher staunen. Schließlich stammen die ältesten Stücke aus dem 18.Jahrhundert! Viele entdecken amüsiert Omas Bauchkanne mit gehäkelter Kafeemütze und Opas Kaffeetasse mit Kaiser-Porträt wieder!  Und die alten Puppenläden, in denen die winzigen Kaffeebohnen auf das Einfüllen in ebenso winzige Tüten warten, rufen helles Entzücken bei den weiblichen Besuchern hervor.

Die kommen jetzt auch in Gruppen, denn Jens Burg bietet Führungen durch sein Museum an, in denen die Teilnehmer alles über den Kaffee erfahren können. Einschließlich Videovortrag und Proben von edelstem Kaffee – frisch geröstet in einer alten Maschine: Es ist jener Duft, der einem schon vor der Türe in die Nase stieg! Und den man auch daheim genießen möchte, was erfüllbar ist, denn natürlich wird auch im Museum Burgs Kaffee verkauft. Wer allerdings eigene Bohnen ernten will, muß schon ein paar Jahre warten. Aber ein kleines Kaffeebäumchen kann man getrost mitnehmen – für die Privatplantage auf dem Küchenfenster. Die letzte Ernte von Jens Burgs eigener „Hochlandplantage“ im ersten Stock des Stammhauses am Eppendorfer Weg erbrachte 127 Gramm! Das erzählt der grauhaarige Mann mit einem kleinen Schmunzeln, leger in Jeans gekleidet, immer mit der umgehängten Arbeitsschürze, denn er ist am liebsten beim Rösten. Kommt er so richtig ins Reden, verblüfft er die Zuhörer mit seinen erstaunlichen Kenntnissen und Erfahrungen. Vor allem versteht er es, sie noch mit „lütten Döntjes“ – wie der Hamburger sagt – zu würzen. Wie mit dem Histörchen von Beethoven, der exakt 60 Bohnen für jede Tasse seines geliebten Göttertranks abgezählt haben soll. Burg hat nachgewogen: “Es sind immer rund sechs Gramm!“

Daß nicht nur weibliche Besucher in die Münsterstraße kommen, liegt daran, daß Burg außer den Museumsführungen auch Kaffee-Seminare anbietet. Er hat zuammen mit seinem Mitarbeiter Stefan Graack ein Schulungsprogramm entwickelt, das Seminare für den Espresso-Fan wie für den Barista-Profi beinhaltet, die sehr gut angenommen werden. Denn es entwickelt sich eine neue Kaffeekultur in dem Land, über das es immer hieß: The Germans drink the best coffee in the world!

Informationen: Kaffeemuseum Burg, Münsterstr.23-25, 22529 Hamburg, Tel.:040 – 55 20 42 58, Fax: 040 – 55 20 42 61, Website: www.kaffeemuseum-burg.de

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