Geheime Tricks für mehr Gehalt

Von Johanna Renate Wöhlke
Als wenn das so einfach wäre: Einen guten Ratgeber über geheime Tricks für mehr Gehalt lesen und schon ist die Gehaltserhöhung auf dem Konto. Aber so einfach ist das nicht. So einfach macht es sich Martin Wehrle aus Jork bei Hamburg mit seinem Buch „Geheime Tricks für mehr Gehalt“ nicht und auch nicht seinen Lesern. Er nimmt sie an der Hand und macht ihnen auf 223 Seiten Lust darauf, Zusammenhänge zu verstehen und Selbstbewusstsein zu entwickeln und einzusetzen, denn ohne geht es nicht.

„Geheime Tricks für mehr Gehalt“ ist in diesem Jahr im Econ Verlag erschienen und wurde schnell erfolgreich auf Bestsellerlisten. Martin Wehrle, erst 33 Jahre alt, konnte in vielen Fernsehauftritten und Rundfunkinterviews beweisen, was hinter seinem viel versprechenden Buchtitel steckt.
Geheime Tricks - Wehrle Martin

Martin Wehrle will mit seinem Buch Arbeitnehmern bei Gehaltsverhandlungen helfen.

Foto: A.Doerenbruch

Jemandem, der so selbstbewusst aus dem Nähkästchen der Chefetagen plaudert, hören die Leser zu.  Von jemandem, der von sich sagt: „Hier schreibt ein Spion von der Front“, erhofft sich der Leser Einblicke, die für ihn zu guten Ausblicken werden können.

Diese Hoffnung ist berechtigt, denn Martin Wehrle weiß, worüber er schreibt. Er war schon früh Chef und hat Gehaltsverhandlungen vom Chefsessel aus geführt. Dabei wuchs bei ihm das Bewusstsein darüber, dass bei Gehaltsverhandlungen zwei ungleiche Partner in den Ring steigen: Der Chef, geübt in Gesprächen mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten. Ausserdem geschult in Seminaren über freie Rede, Verhandlungstaktik und Mitarbeiterführung.

Auf der anderen Seite der Mitarbeiter, der erst seinen inneren Schweinehund überwinden muss, wahrscheinlich auch noch ein schlechtes Gewissen hat, sich nicht recht traut, seinen ganzen Mut zusammen nehmen muss und dazu noch von Sätzen wie „Über Geld spricht man nicht“, geprägt ist – für Wehrle Gründe, den Arbeitnehmer besser mit Selbstbewusstsein und Argumenten auszurüsten.

Dabei geht er von Verhandlungspartnern und nicht Gegnern aus und fragt: „Was passiert bei einer Gehaltsverhandlung? Nüchtern betrachtet treffen sich zwei Geschäftsleute…Der eine vergibt Arbeit und will möglichst wenig zahlen. Der andere nimmt Arbeit an und will möglichst viel dafür bekommen. Diese unterschiedlichen Interessen machen eine Verhandlung nötig. Das ist die natürlichste Sache der Welt.“

So entpuppen sich die geheimen Tricks als wertvolle Tipps und Hintergrundinformationen gepaart mit praktischen Übungen, Frage- und Gesprächsbeispielen, einer Cheftypologie mit den jeweiligen Verhaltens- und Abwehrstrategien und viel Psychologie.

So erläutert Wehrle auch Typen von Fragen, die Chefs stellen können und beleuchtet sie von allen Seiten. Besonders brisantes Beispiel: Der Chef fragt: „Würden Sie unsere Firma denn verlassen, wenn ich Ihre Gehaltsforderung ablehne?“ Wehrle zeigt einen Weg aus dieser geschlossenen Frage, bei der nur mit Ja oder Nein geantwortet werden kann. Er empfiehlt seinen Lesern, eine solche Frage durch aktives Zuhören positiv umzuformulieren und dem Chef mit einer geschickten Gegenfrage zu antworten: „Es geht Ihnen darum, wie wichtig mir eine Gehaltserhöhung ist?“ Der Chef wird nicken und der Arbeitnehmer kann fortsetzen: „Dann kann ich Ihnen sagen: sehr wichtig, damit ich eine konkrete Perspektive habe und meine hohe Motivation weiter ausbauen kann.“

Trotz einer perfekten Vorbereitung auf ein Gehaltsgespräch bleibt die Brisanz dieser Frage des Chefs für den Arbeitnehmer bestehen. Darauf reagiert auch Wehrle in den Seminaren und Gehalts-Coachings, die er inzwischen durchführt: „Ich mache in all meinen Seminaren klar: Wer mehr Gehalt will, muss notfalls bereit sein, es woanders zu holen. Bei einem Arbeitsplatzwechsel sind übrigens die größten Gehaltssprünge drin.“

Inzwischen wird Wehrle auch von Chefs für Gehalts-Coachings engagiert – allerdings nicht für die Chefs selbst, sondern für deren Kunden und Mandanten, als Kundenevent, überwiegend von Banken und Versicherungen. Das spricht für Gelassenheit im Umgang miteinander, aber auch dafür, dass Wehrle in seinem Buch fair bleibt. Man hat sich arrangiert. Martin Wehrle und seine Zielgruppe kann das freuen.

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