»Getrennt marschieren, vereint schlagen«

Die Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866 entschied den Deutschen Krieg und beendete den deutschen Dualismus
Von Manuel Ruoff
Der Krieg von 1866 ist nicht aus Notwehr gegen die Bedrohung der eigenen Existenz entsprungen, auch nicht hervorgerufen durch die öffentliche Meinung und die Stimmung des Volkes; es war ein im Kabinett als notwendig erkannter, längst beabsichtigter und ruhig vorbereiteter Kampf nicht für Ländererwerb, Gebietserweiterung oder materiellen Gewinn, sondern für ideelles Gut – für Machtstellung. Dem besiegten Österreich wurde kein Fußbreit seines Territoriums abgefordert, aber es mußte auf die Hegemonie in Deutschland verzichten.“
Der „große Schweiger“, Preußens Generalstabschef Helmuth von Moltke hat es auf den Punkt gebracht. Der Deutsche Krieg war kein moderner Krieg zwischen Völkern, sondern ein klassischer Kabinettskrieg (vergleiche PAZ vom 22. Mai 2004). Folgerichtig wurde in diesem Krieg im Gegensatz zum Dritten Einigungskrieg ein halbes Jahrzehnt später auch nicht das in den Befreiungskriegen gestiftete Eiserne Kreuz verliehen. Viele empfanden es sogar als einen Anachronismus, daß im Zeitalter des Nationalismus noch einmal Deutsche auf Deutsche schossen. „»Getrennt marschieren, vereint schlagen«“ weiterlesen

Vor 70 Jahren: Die Welt zu Gast in Berlin

Von Manuel Ruoff
Sieben Jahrzehnte vor der jüngsten Fußballweltmeisterschaft hat in Deutschland schon einmal ein internationales Sportfest stattgefunden, von dem das Image des Gastgebers profitierte.
Bereits 1916 hatte die Hauptstadt des Deutschen Reiches die Olympischen Sommerspiele ausrichten sollen. Doch der Krieg kam dazwischen. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Deutschland dann ähnlich wie nach dem Zweiten erst einmal das Schicksal eines Parias zu ertragen gehabt. 1936 war es jedoch schließlich soweit. Berlin wurde Austragungsort der elften Olympischen Sommerspiele der Neuzeit. Mit 3961 Teilnehmern aus 49 Staaten dieser Welt waren es die bis dahin größten Spiele.
Mit dem Fackellauf, der heutzutage wie selbstverständlich zu den Spielen gehört, wurde damals eine Tradition begründet. Das Olympische Feuer war bereits 1928 bei den Spielen in Amsterdam eingeführt worden, aber der heute damit verbundene Pathos ist eine Erfindung der Deutschen beziehungsweise des Generalsekretärs des Organisationskomitees der Spiele, Carl Diem, der schon die ausgefallenen Spiele von 1916 geplant hatte. Nach seiner Idee wurde eine Olympische Fackel in Griechenland entzündet und in dem bis dahin größten Staffellauf von 3331 Fackelläufern über 3187 Kilometer durch sieben Länder zur Eröffnungsveranstaltung in das Berliner Olympiastadion getragen, wo der letzte Läufer mit der Flamme aus Olympia das Olympische Feuer in der Schale über dem Marathontor entzündete. „Vor 70 Jahren: Die Welt zu Gast in Berlin“ weiterlesen