Auf Mozarts Spuren

Das Genie wird 250 Jahre alt

Von Uta Buhr
Salzburg
Theresa verläßt leicht irritiert das Haus in der Getreidegasse 9 zu Salzburg. Hier wurde   am 27. Januar 1776  Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart geboren. Die Musikerin hatte gehofft, das sattsam bekannte Bild des Genies als ewiges Kind  würde zu seinem 250. Geburtstag endlich korrigiert: „Der Wolfgang war schon früh erwachsen. Er hat bereits  in sehr jungen Mozart live Wunderkind -WienJahren die ganze Familie ernährt!“ Und nun sieht sie sich mit kitschig bemalten Decken, einem Kinderbettchen mit herziger Wolferl-Puppe und ähnlich infantilem Schnickschnack konfrontiert. Konzipiert wurde die Installation von Robert Wilson. „Aber die Kids haben Spaß daran“, verteidigt ein Lehrer den exentrischen Theatermann aus Texas. „Und sie interessieren sich brennend für die Instrumente, auf denen der Bub‘ selbst gespielt hat.“ Aus seiner Sicht ist dies ein guter Zugang zu Mozart und seiner Musik.
Es „mozartet“ sehr  an der Salzach, und die Stadt zeigt sich zu Beginn des Jubeljahres von ihrer besten Seite. Kein Schnürlregen trübt heute die Festfreude. Die Luft ist klar, und die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel. Touristenschwärme  drängen sich durch die engen Gassen und stehen geduldig Schlange vor dem Tanzmeisterhaus am Makartplatz. Hier verbrachte das Wunderkind, das sich im Alter von fünf Jahren selbst das Geigenspielen lehrte und mit leichter Hand unsterbliche Melodien schuf, einen Teil seiner Jugend. In der Neuen Residenz  am  Mozart-Platz 1 lässt man den Komponisten  mit einem kräftigen „Viva! Mozart“ hochleben.Mozarteum - Wien Dieses interaktive Event trifft den Nerv der Besucher. Es macht sie unter anderem mit der menschlichen Seite Mozarts im Kreise seiner Familie und Freunde visuell und virtuell vertraut. Auch Spielleidenschaft und Putzsucht, die ihn häufig an den Rand des finanziellen Ruins brachten, werden nicht verschwiegen. Mozart live Fest - Wien

Mozart hegte Zeit seines Lebens eine starke Abneigung gegen seine Geburtsstadt: „Sie wissen, bester freünd, wie  mir Salzburg verhasst ist“, schrieb er im August 1778 an einen Freund. „Für uns ist das Schnee von gestern“, sagen viele Salzburger. Haben sie nicht über zwei Jahrhunderte Abbitte geleistet für die infame  Behandlung, die ihre Vorfahren dem größten Sohn einst zuteil werden ließen! Sogar ein Konfekt, die Mozartkugel, haben sie nach ihm benannt. Und natürlich gibt es inzwischen auch einen Mozartwein. Das ganze FestspielhausJahr über werden seine Werke gespielt. Und zudem kommen während der diesjährigen Salzburger Festspiele sämtliche zweiundzwanzig Mozart-Opern auf die Bühne.
St. Gilgen möchte sich von dem diesjährigen Jubiläumskuchen ebenfalls ein Stück abschneiden. Immerhin ist Mozart Österreichs erfolgreichster „Markenartikel“, der sich sehr lukrativ vermarkten läßt. Der beschauliche Ort am Westufer des Wolfgangsees nennt sich jetzt offiziell „Mozart-Dorf“, obwohl der Genius nie dort war. Aber die Mutter Anna Maria wuchs hier auf und das Nannerl, seine ebenfalls hochmusikalische Schwester, lebte mehrere Jahre in St. Gilgen. Ihr zu Ehren wird im Sommer das  Musical „Nannerl“ aus der Taufe gehoben. Und der clevere „Zuckerbäcker“ Franz Mayrhofer schuf eigens „Mozarts Reisetorte“, eine Kalorienbombe, die jede Sünde wert ist. Sie hätte sicherlich auch dem Schleckermäulchen Wolferl gemundet!Mozart live Torte
Amadeus, der Götterliebling, war von Kindesbeinen ans Reisen gewöhnt. Zuerst mit dem gestrengen Herrn Papa und  Lehrmeister Leopold, der seine begabten Kinder vor gut zahlendem Publikum in ganz Europa auftreten ließ. Später suchte er eine Anstellung in München, wo ein musikliebender Kurfürst regierte. Leider gab es keine Vakanz in seinem Orchester. Noch heute wird den Touristen in der Münchner Residenz jener schmucklose Raum gezeigt, in welchem der junge Mozart stundenlang auf den Fürsten wartete, um sein Gesuch abzugeben. „Die Herrschaften damals waren schön blöd“, grantelt ein weiblicher Mozartfan. „Wie konnte man einen Mozart nur ablehnen!“ Immerhin bestellte der Münchner Hof zwei Opern bei ihm:‚La Finta Giardiniera‘ und ‚Idomeneo.‘ “
Professor Dr. Herbert Lachmayer vom Da Ponte Institut in Wien hebt abwehrend die Hände:“Nein, der Film ‚Amadeus‘ ist reine Fiktion. Salieri hat Mozart nicht vergiftet. Beide waren Konkurrenten, aber keine Feinde. Mozart starb eindeutig am rheumatischen Fieber.“ ReliefDer vollendete Gentleman alter Wiener Schule kennt sich in Sachen Mozart aus wie kaum ein anderer. Mit seinem Expertenteam hat er die sensationelle Ausstellung zum Jubiläumsjahr in der „Albertina“ erarbeitet. Für die Gestaltung der Räume konnte die berühmte Architektin Zaha Hadid gewonnen werden. Vom 17. März bis 17. September 2006 wird die Mozartzeit in ihrem Spannungsfeld zwischen Rokoko, Klassizismus, Aufklärung und beginnender Romantik anschaulich präsentiert.

Das Haus Nummer 5 in der Domgasse im Schatten des Stephansdoms diente dem Komponisten und seiner Familie in den Jahren 1784 bis 1787 als Domizil. Auf der repräsentativen Beletage schrieb er die Opern „Cosí fan tutte“ und „Le nozze di Figaro“, wozu sein Librettist Lorenzo Da Ponte die Texte lieferte. Das ehemalige „Figarohaus“ wurde von Grund auf restauriert und in „Mozarthaus Vienna“ umbenannt. Mit viel Liebe zum Detail renovierte man die herrschaftlichen Räume. Der Rundgang beginnt im 3. Stockwerk, in welchem die Lebensumstände in Mozarts Wiener Jahren dargestellt werden, setzt sich fort in der 2. Etage, die den
Arbeitsbereich des Komponisten beleuchtet, und endet im ersten Stock, wo die Besucher in eine Mozart-Erlebniswelt eintauchen. Ab dem  30. Januar ist das Haus täglich von 10 – 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9 Euro.

Mozartdenkmal SalzburgMindestens 626 Werke hat Mozart in seinem kurzen, nur fünfunddreißig Jahre währendes Leben komponiert. Dabei schrieb er 1788 in nur sechs Wochen die großen Sinfonien in C-Dur, g-Moll und Es-Dur. Und die B-Dur-Sonate für Violine und Klavier will er am 8. April 1781 sogar in nur einer Stunde komponiert haben!
Mozartdenkmal Wien
„Mozart hatte es als freischaffender Künstler in Wien nicht leicht“,  erklärt Rainer-Maria Lefèvre vom Wiener Tourismusverband. „In den Salons der Hofburg hat er zwar als Sechsjähriger vor einer begeisterten Maria Theresia musiziert. Aber später fiel er in Ungnade.“  Die Regentin warnte ihren Sohn, den späteren Joseph II., gar vor den Mozarts, „dem fahrenden Volk, das zu nichts nütze ist.“ Doch nicht genug der Demütigungen. Im „Deutschen Haus“, der ehemaligen Residenz  des Deutschen Ordens, empfing Mozart ein paar Jahre danach den berüchtigten Fußtritt vom Grafen Arco, weil er sich erdreistet hatte, die Stellung bei seinem Dienstherrn Erzbischof Colloredo aufzukündigen. „Er beschrieb dies in einem Brief drastisch als einen Tritt in den A….“, lacht unser Cicerone und enführt uns zu guter Letzt auf den Biedermeierfriedhof St. Marx. GrabmalDas  stets mit Blumen geschmückte, von einem steinernen Engel bewachte Mozart-Grab aber ist leer. Denn die sterblichen Überreste des Genies wurden 1791 mit anderen Toten in einem Schachtgrab verscharrt und sind seitdem verschollen. Trotzdem existieren laut Auskunft des Wissenschaftlers Dr. Leisinger vom Salzburger Mozarteum gleich zwei Mozart-Köpfe: “Mit Sicherheit gehörte keiner davon dem Wolfgang“, lächelt er amüsiert. „Ebenso wenig wie die konservierten Haare, die aus den Schöpfen verschiedener Personen stammen.“
DAS "BÄSLE" VOR DEM "KLEINEN GOLDENEN SAAL" IN  AUGSBURGAuch Augsburg ehrt den berühmten Sohn des hier geborenen Vaters Leopold. Wolfgang hielt sich gern in der alten Reichsstadt auf. Hier verliebte er sich der junge Heißsporn auch in sein „Bäsle“Anna Maria Thekla.  Deren mit Reifrock und Spitzenhäubchen aufgeputzte Nachfolgerin begleitet ihre Gäste zu den künstlerischen Wirkungsstätten des Cousins. Wir folgen ihr zur Pfarrkirche St. Jakob, in den prächtigen Kleinen Goldenen Saal und machen schließlich Rast in einem lauschigen Garten. Da gibt das Bäsle ein paar Kostproben aus Wolfgangs  berühmten Briefen an sie zum besten: „Sie meynen gar, ich sei crepirt? Meinen Sie es nicht, ich bitte Sie, DER GARTEN DES CAFÈ REBER MIT MOZART-BRUNNENdenn gemeint und geschissen ist zweyerlei!“ Und in dieser Tonart setzt sich die Lesung fort…
Vom Mozart-Boom profitiert ebenfalls das nahe Bad Reichenhall. Denn in seinen Mauern amüsierte sich der Wunderknabe „ein paar Tägchen“ mit einer braven Bürgerstochter. Schon vor Jahren nutzte der Konditor Reber diese Wahlverwandtschaft und kreierte eine köstliche, inzwischen weltweit geschätzte Mozartkugel aus zartbitterer Schokolade, grünen Pistazien und Haselnußnugat.  Im „Café Reber“ in der Ludwigstraße 10 schwelgen die Gäste in einer Farborgie: Das in knalligem Rot gehaltene Intérieur wird gekrönt von einem strahlend goldenen Konzertflügel. Dahinter prangt ein Porträt von Mozart, gerahmt von  zierlichen Geigen aus Pappmaché.

Mozart - Autograf

Kontaktadressen:
Salzburg Information, Auerspergstraße 6, A-5020 Salzburg, Tel. 0043/662- 889 87-0,         www.salzburg.info
Wien Tourismus Verband, Obere Augartenstraße 40, A-1025 Wien, Tel. 0043/1-211 14,    www.wien.info

Tourismusverband München-Oberbayern e.V., Bodenseestraße 113, 81243- München, Tel. 089/82 92 18 – 0, www.oberbayern.de
Anreise: Air Berlin ab Hamburg-Salzburg ab Euro 19,99, Hapag-Lloyd Express (hlx) Hamburg-Wien ab Euro 29,–
Veranstaltungen: Salzburg – Salzburger Festspiele 23.7. – 31.8.06 (Tel. 0043/662/8045-500, www.salzburgfestival.at (Aufführung sämtlicher Mozart-Opern). Außerdem 30 Sonderkonzerte unter dem Titel „Best of Mozart“
Wien:  u.a. Mozart-Filme Open Air auf dem Rathausplatz vom 1.7. – 3.9.06
„Klangbogen Wien“ vom 20.7. – 20.8.06
Eine Reihe von Mozart-Konzerten auch in Augsburg und Bad Reichenhall (Auskunft Tourismusverband München-Oberbayern s. oben)

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