Wachstumsmotor Automobilindustrie Ostdeutschland

Von Renato Diekmann

Die Anfänge der ostdeutschen Automobilindustrie gehen auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. In den für damalige Verhältnisse bereits hoch entwickelten Industrieregionen im Raum Berlin, Sachsen und Thüringen finden sich die Ursprünge der ostdeutschen Automobilproduktion und der damit verbundenen Zulieferindustrie. Bereits die Automobilbauer Horch, Audi, DKW und Wanderer schlossen sich 1932 zur „Auto-Union AG“ mit Sitz in Sachen zusammen. Hier wurde der erste frontgetriebene PKW der Welt produziert und kann als ein herausragendes Beispiel für die Innovations- und Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Automobilindustrie vor dem Zweiten Weltkrieg angesehen werden.

Auch heute profitiert Ostdeutschland wieder verstärkt vom Wachstumsmotor Automobilindustrie und Zulieferer, die in den neuen Bundesländern systematisch zu einer prof. gottschalkbesonders leistungsfähigen Wertschöpfungsgemeinschaft zusammengewachsen ist.
„Ansiedlungen von BMW und DaimlerChrysler, Porsche und Audi, Opel, VW und Mitsubishi bestätigen dies eindrucksvoll“, betonte der Präsident der Automobilindustrie, Professor Dr. Bernd Gottschalk. „So hat sich in den letzten fünf Jahren der Umsatz der Automobilindustrie in den neuen Bundessländern um 55 Prozent auf gut 12 Mrd. Euro erhöht und die Zahl der Zulieferer auf über 900 Betriebe verdoppelt. Damit beschäftigt diese dr.stolpeSchlüsselindustrie in Ostdeutschland rund 140.000 Mitarbeiter. Sie sind nicht nur hervorragend qualifiziert, sondern zeichnen sich auch durch besondere Flexibilität aus – Arbeit wird geleistet, bulmahnwenn Arbeit da ist“, so Professor Gottschalk.

Auf dem Automobiltag Ostdeutschland in Dresden diskutierten Politiker und Vertreter der Automobilindustrie Mitte Juli das Thema Wachstumspotenziale der Automobilindustrie in den neuen Bundesländern, darunter Wolfgang Clement, Bundesminister für Wirtschaft und  Arbeit, Bundesverkehrsminister Dr. Manfred Stolpe, Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn und VDA-Präsident Professor Gottschalk.

clementWolfgang Clement lobte die hoch motivierten Menschen in Ostdeutschland. Zusätzliche Impulse erhoffte sich Clement von einer verstärkten länderübergreifenden Kooperation von Produzenten, Zulieferern, Dienstleistern, Forschungs- und Ausbildungsrichtlinien.
„Die Standorte Zwickau und Chemnitz, Dresden, Leipzig, Eisenach und Ludwigsfelde stehen für Effektivität und internationale Wettbewerbsfähigkeit und bilden ein gut entwickeltes Netz von Zulieferunternehmen“, sagte Dr. Stolpe. „Diese Branche ist das beste Beispiel für den Erfolg von Netzwerken und verdient die besondere Förderung durch die Politik.“ Und Edelgard Bulmahn betonte, dass mit über 3.300 Patentanmeldungen die deutsche Automobilindustrie weit vor Japan und den USA liege. Diese Position gelte es auszubauen.

Nachdem das Gesamturteil zur ostdeutschen Automobilindustrie durchaus positiv ausfällt, stellt sich die Frage, ob und wie sich die in den letzten 15 Jahren neu entstandenen Unternehmen im internationalen Wettbewerb entwickeln und behaupten werden – auch und nicht zuletzt angesichts der EU-Osterweiterung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Frage nach der technologischen Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Automobilindustrie. Sind die Hersteller und Zulieferer der ostdeutschen Automobilindustrie nur verlängerte Werkbänke westdeutscher und ausländischer Unternehmen oder haben sie inzwischen eigene Kompetenzen im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation aufgebaut?
Diese Erwägungen bieten reichlich Raum für weitere Untersuchungen, schlussfolgern das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Max-Planck-Institut zur Erforschung von Wirtschaftssystemen im Schlusswort ihrer Studie „Die Automobilindustrie in den neuen Bundesländern“, die pünktlich zum Automobiltag Ostdeutschland erstellt wurde.

Infos: www.bmwa.bund.de und www.vda.de

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