Die Auswärtige Presse e.V.

Internationale Journalistenvereinigung Hamburg
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Leiser Dialog

April 28, 2017 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Deutschland, Freizeit und Hobby, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Literarisches, Lyrik, Redaktionelle Beiträge Kommentare deaktiviert für Leiser Dialog

von Maren Schönfeld

Jugendstilfassade des Barkenhoffs, Foto: Walter Nitschke (c) anSICHTEN Verlag Bremen, 1999

Jugendstilfassade des Barkenhoffs, Foto: Walter Nitschke (c) anSICHTEN Verlag Bremen, 1999

Mit dem Betreten des Raumes setzt schlagartig Stille ein. Wie auf einer Zeitreise finde ich mich vor seinem Schreibtisch, eher ein Sekretär, sehe Tintenfass, Füllhalter und Briefpapier, einen Stapel Briefe, der auf Beantwortung wartet. Nur ein Stuhl, sonst keine Möbel in dem kleinen Zimmer. Den Sekretär vor eines der Erkerfenster gerückt, ein Raum für das Sehen nach außen, ins Grün, und nach innen. Kein Gegenstand, kein Zierrat lenkt ab.

Im August angekommen und wegen seines Aufzugs Aufsehen erregt: Von den Russlandreisen hatte er die Kleidung mitgebracht, trug das Hemd über der Hose. Nach der intensiven Nähe zu Lou wartete nun Stille auf ihn. (mehr …)

Vom Sachbuch zur Faction: Die Autorin Brigitte Cleve

Januar 09, 2017 Von: Maren Schönfeld Kategorie: DAP aktuell, Freizeit und Hobby, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Lifestyle, Literarisches, Redaktionelle Beiträge Kommentare deaktiviert für Vom Sachbuch zur Faction: Die Autorin Brigitte Cleve

von Maren Schönfeld

Brigitte Cleve

Brigitte Cleve

„Was sollte es denn heute noch für eine Rolle spielen, welche Ängste sie als Vierjährige geplagt hatten? Ja, sie hatte mit ihrer Mutter erst eine schreckliche Reise machen müssen und war dann in einer fremden, von Flüchtlingen überquellenden Stadt angekommen, in der weder die Mienen noch die Worte der Menschen Freundlichkeit widerspiegelten. Das war aber nicht nur ihr so ergangen. Und davon soll man Jahrzehnte später Schlafstörungen bekommen?“ Diese Gedanken gehen der 72jährigen Lina, Hauptperson des Romans „Meerraben“ (Print: ihleo verlag Husum, 2. Auflage 2016; E-Book: Martin Bühler Publishing, Bredstedt 2015) von Brigitte Cleve, durch den Kopf. Schauplatz des Romans ist Flensburg, und er basiert auf tatsächlichen Begebenheiten. Faction heißt laut (mehr …)

Eine andere Einsamkeit – Hochsensibilität als Romanthema

Dezember 26, 2016 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Buchrezension, DAP aktuell, Freizeit und Hobby, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Literarisches, Medizin, Gesundheit, Redaktionelle Beiträge Kommentare deaktiviert für Eine andere Einsamkeit – Hochsensibilität als Romanthema

von Maren Schönfeld

(c) Kadera Verlag

(c) Kadera Verlag

Während ich das Gefühl habe, dass unsere Welt immer lauter wird, immer voller mit Informationen und Nachrichten, stolpere ich über ein Buch, dessen Thema das genaue Gegenteil ist: Die Stille. Nicht die Stille in der Natur oder in der Nacht, sondern die Stille als ein Grundbedürfnis des Menschen. Es ist kein kontemplatives Sachbuch mit Anleitung zur Meditation, sondern ein Roman aus dem Hier und Jetzt, über eine Frau, die schon in ihrer Kindheit an dem Zuviel ihres Umfelds leidet. Als ihre Schwester geboren wird, melden die Eltern die dreijährige Xenia im Kindergarten an. Das Kind erlebt diesen Ort als die „Große Qual“ (S. 13), dessen Lärmmischung aus Geschirrgeklapper, Geschmatze, Geschrei und als Krönung der immer wieder erklingenden „Vogelhochzeit“ kaum auszuhalten ist. Ihre Versuche, sich innerhalb dieser Struktur zurückzuziehen, in Ecken zu verschwinden und allein zu spielen, scheitern an dem Eingewöhnungsprogramm der Erzieher. Xenia fühlt sich verkehrt, und dieses Gefühl soll ihr prägendes werden. Denn es wird nicht besser. (mehr …)

se Weisswörst änd se Brezl, Bäibie*

November 07, 2016 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Buchrezension, DAP aktuell, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Literarisches, Lyrik, Politik, Redaktionelle Beiträge, Soziales Kommentare deaktiviert für se Weisswörst änd se Brezl, Bäibie*

von Maren Schönfeld

Buchcover

Buchcover

Nach 30 Jahren hochdeutscher Dichtung, in der er sich vor allem durch eine sehr eigenwillige Art des Enjambements einen Namen machte, hat Anton G. Leitner nun seinen ersten Gedichtband in bairischer Mundart vorgelegt. Neben Fitzgerald Kusz mit Gedichten in fränkischer Mundart, häufig in der jährlich erscheinenden Zeitschrift DAS GEDICHT aus dem Anton G. Leitner Verlag vertreten, kenne ich eher plattdeutsch-hochdeutsche Bücher, was sicherlich an meinem nördlich gelegenen Wohnort liegt. Hat Kusz mir schon immer viel Freude bereitet, habe ich an Schnablgwax diebisches Vergnügen. Gar nicht so einfach für eine Hamburger Deern, das bairische Kauderwelsch auseinander zu tüdeln! Im Zuge dieser Bemühungen fange ich also an, laut zu lesen. Laut lesen, das ist ohnehin sehr gut bei Gedichten, und die mundartlichen Versionen laden förmlich dazu ein. Zwar gibt es auch Aufnahmen des Autors, jetzt sogar als Hörbuch, aber Spaß bringt es doch, es selbst zu versuchen. Oft kann man durch lautes Lesen hinter die Bedeutung der wirklich schräg aussehenden Wörter mit vielen Doppelmitlauten kommen. Schaut man dann auf die hochdeutsche Übersetzung, merkt man schnell, dass hier nicht einfach eine Handreichung zum Verständnis vorliegt, sondern dass Leitner auch in der hochdeutschen Variante seine satirische Komponente zu halten vermag. So wird aus „seina Oidn“ seine „Angetraute“ („Da Mezzgamoasda mediddiad“, S. 22/23) und „Gscheid (mehr …)

Nichts ist mir zu klein: Fragmente in Farben und Eisen

September 12, 2016 Von: Maren Schönfeld Kategorie: DAP aktuell, Deutschland, Freizeit und Hobby, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Lifestyle, Redaktionelle Beiträge Kommentare deaktiviert für Nichts ist mir zu klein: Fragmente in Farben und Eisen

von Maren Schönfeld

Wächter (Uwe Jaensch)

Wächter (Uwe Jaensch)

Wenn Uwe Jaensch über einen Schrottplatz geht und zum Beispiel eine alte Zange findet, dann sieht er keine alte Zange – sondern er sieht eine Skulptur, in die er diese Zange integriert, vielleicht als gehörnten Kopf. Der Eisenwerker enthebt banale und alltägliche Gegenstände ihrer ursprünglichen Bestimmung und führt sie zu neuen Identitäten. So entstehen Wächter, Meerjungfrauen, Schiffe und Figuren wie Don Quichotte und Sancho Panza. Der Arbeitsprozess besteht aus schweißen, trennen, schleifen und nach Erwärmung verformen. Dabei tilgt der Künstler keine Abnutzungsspuren, sondern lässt diese in der Skulptur die spezifische Oberflächenstruktur bilden. So sieht der Betrachter im ersten Hinschauen eine Figur, im zweiten identifiziert er die Zange, im weitergehenden Betrachten findet er die neue Bedeutung der Skulptur. So gelingt es Uwe Jaensch, mit geringen Mitteln ein Höchstmaß an Umdeutung zu erreichen. (mehr …)

AnGEDICHTet im Kunstforum der GEDOK Hamburg

Juli 21, 2016 Von: Maren Schönfeld Kategorie: DAP aktuell, Freizeit und Hobby, Gesellschaft, Hamburg im Fokus, Kunst und Kultur, Literarisches, Lyrik, Redaktionelle Beiträge Kommentare deaktiviert für AnGEDICHTet im Kunstforum der GEDOK Hamburg

von Maren Schönfeld

Fotos: Günther von der Kammer

Künstlerinnen und Autorinnen der Ausstellung

Künstlerinnen und Autorinnen der Ausstellung

Im Juni 2015 war ich in Zwickau bei einer Tagung der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, über die ich in diesem Magazin einen Artikel veröffentlichte. Das Thema hieß „Spiel-Arten der Lyrik“, und wir gaben und nahmen Einblick in die Arbeitsweise der verschiedenen Kolleginnen und Kollegen. Dass dabei das Zusammenwirken von Bildern und Literatur sowie von Musik und Literatur als naheliegend, beinahe selbstverständlich genommen wurde, überrascht diejenigen, die mittendrin im kreativen Prozess stehen, nicht. Aber was ist eigentlich der kreative Prozess, woher kommt die Inspiration? (mehr …)

Balancieren lernen mit einem Buch?

Mai 16, 2016 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Buchrezension, Freizeit und Hobby, Gesellschaft, Lifestyle, Literarisches, Medizin, Gesundheit, Redaktionelle Beiträge Kommentare deaktiviert für Balancieren lernen mit einem Buch?

von Maren Schönfeld

Buchcover

Buchcover

Das ist meine erste Frage, nachdem ich den Buchtitel gelesen habe. Aber mir wird schnell klar: Das ist gar kein Buch! Jedenfalls keins, das man einmal durchliest und ins Regal stellt. Nicht mal eins, das man gemütlich bei Tee und Keksen, mehr oder weniger konzentriert, nach Belieben konsumiert. Nein: Das Buch fordert mich heraus. Schon auf Seite 18 lädt es mich ein, im Wohnzimmer zu balancieren, und auf Seite 21 finde ich mich schreibend wieder! Ich merke bald: Diese Seiten können mein Leben verändern, mit diesem Buch kann ich etwas, kann ich mich verändern. Und zwar nicht im Sinne viel gepriesener Selbstoptimierung zur Erzielung höherer Leistungen – wäre vielleicht auch als Nebenfaktor möglich –, sondern um in meine Balance zu kommen.

Aber der Reihe nach: Alexandra Bischoff stellt in diesem kurzweiligen, verständlichen und eloquent geschriebenen Buch Elemente aus (mehr …)

Mit Katharinas Traumkuchen in der guten Bücherstube

Mai 14, 2016 Von: Maren Schönfeld Kategorie: DAP aktuell, Deutschland, Freizeit und Hobby, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Lifestyle, Literarisches, Redaktionelle Beiträge, Reisen, Restaurants Kommentare deaktiviert für Mit Katharinas Traumkuchen in der guten Bücherstube

von Maren Schönfeld

Kuchen-Buffet

Kuchen-Buffet

Endlich ist der große Tag gekommen: Künstlercafé & Wortwerke in Husum nimmt den Betrieb auf! Mitten in der Altstadt, in der kleinen, pittoresken Straße Neustadt, erwartet uns ein klein scheinendes, altes Haus mit liebevoll dekoriertem Schaufenster. Zwei Steinstufen hoch durch die Eingangstür, Wärme und der Duft gebackenen Kuchens und Kaffees hüllt uns ein und lässt den kalten Nordwind, der uns beim Aussteigen aus dem Auto in Empfang genommen hatte, schnell vergessen sein. Mein erster Blick fällt auf das Kuchenbuffet, auf dem Napoleon und Zar Nicolei in Form von Gebäck vertreten sind. Gleich rechts am ersten Tisch sitzt eine Damenrunde, hinter ihr steht das erste Bücherregal mit Kinder- und Jugend-literatur und – selten genug in einer Buchhandlung – einer Auswahl Kurzgeschichten. Weiter im hinteren Teil des (mehr …)

Aschenputtel reloaded: Das Mittwochszimmer

April 24, 2016 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Buchrezension, DAP aktuell, Freizeit und Hobby, Gesellschaft, Hamburg im Fokus, Humor, Kunst und Kultur, Lifestyle, Literarisches, Redaktionelle Beiträge Kommentare deaktiviert für Aschenputtel reloaded: Das Mittwochszimmer

Coverbild

Coverbild

von Maren Schönfeld

Zwei Mädchen kommen in der Silvesternacht 1954/1955 zur Welt, und nur der Name Cornelia eint sie. Ansonsten gehören sie in verschiedene Welten, was zu der Zeit noch enorm schwerwiegt. Die eine Cornelia wird in eine „anständige“ Familie geboren, ein hässliches Kind. Die andere, still und niedlich, ist als uneheliches Kind des Fräulein Hertz, wie die ledige Mutter im Krankenhaus angesprochen wird, eine „Schande“. Schon in den ersten Lebenstagen der Cornelias bekommen Leser*innen einen Eindruck der damaligen Verhältnisse, und bis Seite 20 hofft man mit einem lachenden und einem weinenden Auge, dass dieses Aschenputtel doch noch irgendwie das große Los ziehen wird – auch wenn sie dafür die denkbar schlechtesten Voraussetzungen hat. Ein kleiner Hinweis auf eine mögliche Wende ist nur der leibliche Vater, den Fräulein Hertz beim Fasching traf und der „das Gesicht eines Prinzen aus tausendundeiner Nacht“ (S. 21) hatte, was (mehr …)

Allein mit der seltenen Krankheit EDS

Februar 23, 2016 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Buchrezension, Gesellschaft, Literarisches, Medizin, Gesundheit, Redaktionelle Beiträge Kommentare deaktiviert für Allein mit der seltenen Krankheit EDS

Cover

Cover

von Maren Schönfeld

Karina Sturm legt mit diesem Erfahrungsbericht mit Tagebucheinschüben eines der ersten, wenn nicht gar das erste deutschsprachige Buch aus Betroffenensicht über das Ehlers-Danlos-Syndrom, Halswirbelsäuleninstabilität und die damit verbundenen Probleme vor. Sie schildert ihre schier endlosen Versuche, auf klassischem Wege und schließlich auch unter Einsatz ihrer eigenen Ersparnisse zu einer Diagnose und anschließenden Therapie zu kommen. Dieser Weg des Resignierens und immer wieder Aufstehens führt sie schließlich bis in die USA. Kaum zu glauben, dass die Autorin erst Ende Zwanzig ist und bereits vier Jahre ihres jungen Lebens in den Kampf investiert hat, und zwar nicht nur für sich allein. Sie hat sich vielmehr zum Ziel gesetzt, nicht nachzulassen, bis ihre seltene Krankheit sehr viel bekannter wird, und „zwar so lange bis in (mehr …)