Die Auswärtige Presse e.V.

Internationale Journalistenvereinigung Hamburg
Subscribe

Marx, Čechov… und Freud?

Januar 25, 2012 Von: Tekook Kategorie: Kunst und Kultur Noch keine Kommentare →

von Götz Egloff, Fotos: Hans Jörg Michel

Kommentar zur europäischen Erstaufführung von
„Ratgeber für den intelligenten Homosexuellen zu Kapitalismus und Sozialismus mit Schlüssel zur Heiligen Schrift“ von Tony Kushner
in der Inszenierung von Burkhard C. Kosminski am Nationaltheater Mannheim, 21. Januar 2012, Dramaturgie: Ingoh Brux. In Kooperation mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut Heidelberg.

In einer Zeit, die voll von Antworten auf nicht gestellte Fragen ist, haben wir es mit einem Abend zu tun, der die richtigen Fragen stellt. Was ein Menschenleben im real existierenden Kapitalismus wert ist, ist nur eine davon.Wir werden Zeuge eines Panoptikums allzu menschlicher Abgründe am Beispiel einer amerikanischen Großfamilie italienischer Herkunft. Ihre anarcho-kommunistischen Wurzeln reichen bis in die heutige Zeit und bilden eine Genealogie für die komplexe Gemengelage aus ideologischen, religiösen, sexuellen und ethischen Fragestellungen, die die Familienmitglieder umtreiben. Grundlegende Fragen nach Identität und Zugehörigkeit werden verhandelt. Der Entfremdungstopos wird in aktuelle postmoderne Lebenszusammenhänge transferiert; das Oszillieren zwischen Festhalten an und Aufgabe der transgenerationalen Vermächtnisse wird überlagert von radikaler Weltbefragung und unbändiger Lebensgier der Figuren (Brux).

(weiterlesen …)

Allergieprävention

September 24, 2011 Von: Tekook Kategorie: Medizin, Gesundheit Noch keine Kommentare →

Kongressbericht zum Kongress 2011 der Pädiatrischen Klinik der Charité, Berlin, und der SymbioPharm, Herborn: „Atopisches Ekzem, Darmflora und Immunsystem. Allergieprävention bei Säuglingen und Kleinkindern.“ Darmstadt, 17.09.2011

 von Götz Egloff

Das Kongresszentrum Darmstadt bot am 17.09.2011 einer illustren Runde namhafter Allergieforscher und –forscherinnen optimale Bedingungen, die neuesten Befunde zu Atopischem Ekzem (´Neurodermitis´), Darmflora und damit verbundenen immunologischen Fragestellungen vorzustellen. Unter der Moderation von Dr. Stephanie Grabhorn, Frankfurt, gelang es, die besondere Bedeutung sowohl präventiver als auch kurativer Maßnahmen im Rahmen probiotischer Interventionen herauszustellen.

Chronisch-entzündliche Erkrankungen entstehen aus einer Gen-Umwelt-Interaktion. Diese bestimmt den Phänotyp, also das Erscheinungsbild der Erkrankung im Rahmen ihrer phänotypischen Plastizität und Variabilität. Besondere Aufmerksamkeit ist somit der Epigenetik zu widmen, die multifaktorielle Erkrankungen in ihrem  Zusammenspiel von genetischen und Umwelteinflussfaktoren betrachtet. Für die Entstehung komplexer Erkrankungen ist vieles bislang noch unverstanden, daher stellt sie ein innovatives Forschungsfeld dar. Das Epigenom zu untersuchen im Gegensatz zum Genom, der DNA-Sequenz, bedeutet in der Konsequenz sich mit physiologischen, morphologischen und psychologischen Fragestellungen des Phänotyps der Erkrankung zu beschäftigen. Psyche und Gesellschaft können somit  Eintritt in die Naturwissenschaften finden – eine Bewegung, die in den Neurowissenschaften bereits interdisziplinär vollzogen wird. (weiterlesen …)

Psyche ist kein Objekt

September 21, 2011 Von: Tekook Kategorie: Medizin, Gesundheit Noch keine Kommentare →

Kongressbericht zum Jaspers-Kongress der Universität Heidelberg: ´100 years of Karl Jaspers´ „General Psychopathology“´ Heidelberg, 15.-16.09.2011

 von Götz Egloff

Im Rahmen der diesjährigen 625-Jahr-Feier der Universität Heidelberg konnte ein weiteres Jubiläum gefeiert werden, das für Philosophie und Psychiatrie von maßgeblicher Bedeutung ist: das Verfassen und Veröffentlichen der „Allgemeinen Psychopathologie“ (1913) durch Karl Jaspers (1883-1969). Dieser hatte als junger wissenschaftlicher Assistent an der Psychiatrischen Klinik Heidelberg ein Standardwerk geschrieben, das eine existenzphilosophische Grundlegung für Anthropologie und Psychiatrie darstellt, die weltweit wirkte und noch heute Geltung beanspruchen kann. (weiterlesen …)

Zum frühen Tod von Maria Kwiatkowsky

Juli 13, 2011 Von: Tekook Kategorie: Kunst und Kultur 3 Kommentare →

Von Götz Egloff

Wie die Volksbühne Berlin am Freitag, 8. Juli 2011 mitteilte, ist Ensemblemitglied Maria Kwiatkowsky im Alter von 26 Jahren am 4. Juli 2011 unerwartet verstorben. Betroffenheit bei denen, die sie kannten, mochten oder einfach nur Zeuge ihrer Kunst wurden.

Ein Schauspiel-Talent, das in ihrer energetisch aufgeladenen Art sowohl als wilder Rabauke als auch als verletzliches Mädchen auftreten konnte. Unlängst in Nach Moskau! von Czechov und im Lehrstück von Brecht unter der Regie von Frank Castorf zu sehen, brillierte sie in mitunter verwegenem Spiel neben Kathrin Angerer, Bernhard Schütz, Milan Peschel und anderen Größen des deutschsprachigen Gegenwarts-Theaters. Castorf hatte mit diesen Abenden zu alter Form zurückgefunden und die oft verschmähte Volksbühnen-Inszenierungspraxis der letzten Jahre inhaltlich wiederbelebt, ja neudefiniert.

Die Programmatik der Volksbühne wurde formal meist konsequent durchgehalten, inhaltlich geriet sie nicht nur durch personelle Veränderungen in schwieriges Fahrwasser. Maria Kwiatkowsky war da nicht nur ein schauspielerischer Glücksfall. Als potentielles Enfant terrible erschien sie als theatraler Antreiber, dem jeder Bremsschuh fremd war. Manchen Extrem-Talenten ist in eben diesem Extrem kein langes Agieren vergönnt. Vermutlich brauchen sie sich zu schnell auf. Die Unwiderruflichkeit mancher Tatsachen ist so bedauerlich wie real, so wie es der frühe Tod von Maria Kwiatkowsky ist.

Bezogenheit als gefährdetes Kulturgut

Februar 27, 2011 Von: Tekook Kategorie: Pressemitteilungen, Wissenschaft Noch keine Kommentare →

Pressemitteilung zur 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) vom 25.-27.03.2011 in Berlin

Die Krise der westlichen Welt-Gesellschaft lässt sich als Krise der Bezogenheit verstehen: zwischenmenschlich, ökologisch, politisch-ökonomisch, als Krise der Verantwortlichkeit gegenüber den Kindern und zukünftigen Generationen. Die „flüchtige Moderne“ (Z. Baumann) fordert den „flexiblen Menschen“ (R. Sennett), der leicht Bindungen eingeht und wieder aufgibt und seine Identität jederzeit marktgerecht kreiert, was schließlich zu narzisstischer Erschöpfung (A. Ehrenberg) führt. (weiterlesen …)

Langzyklus

Februar 13, 2011 Von: Tekook Kategorie: Buchrezension, Medizin, Gesundheit Noch keine Kommentare →

Rezension zum Buch „Langzyklus“ von Inka Wiegratz und Herbert Kuhl, Thieme Verlag, Stuttgart, 2010

von Götz Egloff

„Weniger Menstruationen – weniger Menstruationsbeschwerden – weniger zyklusabhängige Erkrankungen“ trägt das kurze, aber dichte Lehrbuch der beiden Frankfurter Gynäkologen und Universitätsforscher im Untertitel. Dieser Leitgedanke ist Programm des Werks, das sich einerseits an Gynäkologen, Psychiater und Internisten richtet, sowie an akademisch vorgebildete Frauen, die eine Optimierung des Zyklus und eine Reduzierung damit einhergehender Beschwerden oder assoziierter Erkrankungen wünschen. Und das sind nicht wenige.

Zum 50. Geburtstag der Pille, die – es kann nicht oft genug betont werden – eine revolutionäre Entdeckung und Erfindung darstellt, erscheint es sehr angebracht, dem oralen Kontrazeptivum nicht nur die gebührende Aufmerksamkeit zu zollen, sondern auch neue Wege der Darreichungsform gründlich vorzustellen, die sich bei immer mehr Frauen immer größerer Beliebtheit erfreuen. Doch allein das ist nicht Selbstzweck des Buches. Es geht um mehr: Menstruationsbeschwerden, in der Praxis häufiger als allgemein angenommen anzutreffen, stellen für viele Frauen nicht nur ein lästiges Übel, sondern in Zeiten wachsenden Gesundheitsbewusstseins folgerichtig eine möglicherweise zu vermeidende Belastung dar, der mittels „off-label-use“ bereits seit längerem entgegengetreten wird. So wird zu Anlässen wie Reisen, Festtagen oder besonderen beruflichen Verpflichtungen die Pille oft „durchgenommen“, die Hormonentzugsblutung somit aus nachvollziehbaren Gründen verschoben. (weiterlesen …)

Die Schrecken der Postmoderne

Dezember 20, 2010 Von: Tekook Kategorie: Kunst und Kultur 1 Kommentar →

Bret Easton Ellis seit 25 Jahren Enfant terrible der Gegenwartsliteratur

Von Götz Egloff

Westliche Gesellschaften stolpern von einer Krise in die nächste, während Politiker zwischen Rat- und Hilflosigkeit alle möglichen Regelungs- oder Entregelungsversuche starten, um angeblich das Gemeinwohl zu reanimieren. Doch nichts von alledem scheint zu greifen. Warum nicht? Womöglich, weil wir es in der Politik mit einer „Mischung aus tödlicher Wirklichkeit und simulativer Evozierung und Bewältigung von Pseudorealitäten“ zu tun haben (H. Vester, Soziologie der Postmoderne, 1993)? Dabei stellt sich sogleich die Frage, wie Realität(en) von Pseudorealität(en) letztendlich zu unterscheiden wäre(n), und ob dies überhaupt möglich ist.

Bret Easton Ellis hat die in der Literatur gängige Frage nach dem „Wer bin ich?“ neu (mit-)definiert.

Das Thema Identitätssuche, das z.B. an Jack Kerouac (“On the Road”) erinnert, dort jedoch noch existenzielle Fragen aufwirft, gewinnt im gesellschaftlichen Gefüge von Hybridität und Hyperrealität, in der sich der Protagonist des 1985 erschienenen Romans „Less Than Zero“ („Unter Null“) von Ellis im Los Angeles der achtziger Jahre befindet, die Dimension einer Außer-Kraft-Setzung nicht nur des Orientierungssinnes. (weiterlesen …)

Zur Abschaffung der psychosomatischen Gynäkologie

Dezember 18, 2010 Von: Tekook Kategorie: Medizin, Gesundheit Noch keine Kommentare →

Von Götz Egloff

Seit nun annähernd zwei Jahren gelten für frauenärztliche Praxen die sogenannten „Regelleistungsvolumina“, die es Gynäkologen und Gynäkologinnen nahezu verunmöglicht, psychosomatische Beratungen angemessen abzurechnen. Dies stellt einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Verunglimpfung der sprechenden Medizin dar, in diesem Fall geradezu die Abschaffung der psychosomatisch orientierten Frauenheilkunde, die über rein technische Diagnostik und Behandlung hinausgeht. Die Zersplitterung medizinischer Fächer wird damit weiter vorangetrieben, so wünschenswert auch die Stärkung hausärztlicher Richtlinienkompetenz ist. (weiterlesen …)

Zur Notwendigkeit gelingender Beziehungen

Dezember 06, 2010 Von: Tekook Kategorie: Wissenschaft Noch keine Kommentare →

Vorankündigung zur 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) vom 25.-27.03.2011 in Berlin

von Götz Egloff

Welche gesellschaftlichen Bedingungen und historischen Entwicklungen ermöglichen oder verhindern das In-Beziehung-Treten von Menschen? Die 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) möchte unter dem Titel „Wurzeln und Barrieren von Bezogenheit“ in größtmöglicher interdisziplinärer Weise Beiträge zu dieser Fragestellung zusammenführen, ist doch das Gelingen von Beziehungen die Grundvoraussetzung für ein menschlich-konstruktives Miteinander. (weiterlesen …)

Anorexie, Bulimie, Hysterie?

Dezember 03, 2010 Von: Tekook Kategorie: Medizin, Gesundheit Noch keine Kommentare →

Von Götz Egloff; Foto: Dmitry Ersler

Was im Titel auf den ersten Blick wie eine Verniedlichung klingen mag, soll eine Klarstellung im öffentlichen Diskurs sein. Vorab: alle drei hier genannten psychischen Störungen sind behandlungsbedürftige Syndrome. Sie gehören in die Hand von Psychotherapeuten. Unbehandelt chronifizieren sie fast immer, teilweise mit verheerenden Folgen. Aber selbst mit psychotherapeutischer Behandlung sind die Prognosen teilweise mäßig: bei der Anorexie je nach Schwere unterschiedlich, bei der Bulimie im Mittelfeld, bei der Hysterie recht gut. Hysterie? Die gibt´s noch? Ja, die gibt´s noch, und zwar häufiger als gedacht: eine unbemerkte Störung, die viel leiser daher kommt als ihr Name suggeriert.

Was hat es mit der Hysterie auf sich? (weiterlesen …)