Die Auswärtige Presse e.V.

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Artikel der Kategorie ‘Glosse’

Kultur in Blankenese nicht gefragt?

September 06, 2010 Von: Kurr Kategorie: Glosse, Kunst und Kultur Noch keine Kommentare →

Lässt sich die Mehrheit von einem Einzelnen bevormunden?
Ein Kommentar zum Verbot der Aufführrungen im “Römischen Garten”

Von Hans-Peter Kurr
Wir befinden uns in der Hansestadt Hamburg, der weltoffenen, und nicht im Reich der “sieben Schwaben”. Und dennoch – man traut seinen Sinnen nicht -  ist es einem einzelnen Bürger in Blankenese – mithilfe der Behörden – gelungen, sommerlichen Theaterabenden, produziert und veranstaltet durch das Hamburger Privattheater “N.N.” unter Dieter Seidel in “unserem Jahr 2010″ den Garaus zu machen….wegen Lärmbelästigung. (weiterlesen…)

Noch mal Schwein gehabt

September 02, 2010 Von: Woehlke Kategorie: Glosse 1 Kommentar →

erschienen im Hamburger Abendblatt am 2. September 2010

von Johanna R. Wöhlke

„Das Schwein ist  noch auf der Autobahn!“ Gerd sagt das mit einem lachenden Gesicht in die Runde. Das Schwein auf der Autobahn? Er meint doch nicht etwa irgendeinen Menschen, den er nun gar nicht mag und dem er diesen „Ehrentitel“ angedeihen lässt? Nein, Gerd meint ein richtiges Schwein, ein gebratenes, Teile davon.

Hier sitzen nämlich  viele Gäste und warten darauf, dass die Sommerkälte dieses Nachmittags durch innere Wärme vertrieben wird – angespornt durch heiße Getränke und stärkendes, heiß dampfendes Essen. Es ist nämlich Richtfest. Ein neues Haus wächst seiner Bestimmung entgegen.

Die Rede des Poliers auf dem Dach ist gehalten, die Korngläser kreisten in der fröhlichen Runde unter den Regenschirmen. Dann schnell an die gedeckten Tische im neuen Haus, durch Pfützen im Flur, an denen sich schon ein spielendes Kind vergnügt und mit Schäufelchen und kleinem Besen beim Hin- und Herplatschen in seinem Element zu sein scheint. (weiterlesen…)

Saubere Umwelt

September 01, 2010 Von: Buhr Kategorie: Glosse Noch keine Kommentare →

Von Uta Buhr

In meinem Stadtteil macht ein unbekannter junger Umweltschützer mit einer Serie apokalyptischer Darstellungen von sich reden. Kindlich unbeholfene Zeichnungen zieren die Stämme alter Kastanien, an denen allmorgendlich ein Heer von Berufstätigen vorbeizieht.

„Rettet die Seen und Flüsse“, steht in steilen Buchstaben auf Bild Nummer 1. Algen und tote Fische gemahnen an Umweltsünden. Weiter fordert das Kind, Meer und Wälder zu schützen. Visionen von kahlen Bäumen in einer verkarsteten Landschaft sowie verendende Robben schockieren den Betrachter. „Kernkraftwerke sind doof“, heißt es lakonisch unter Bild 3, das eine einsame Kuh vor klobigen Reaktoren zeigt. „Der hat recht“, meint ein Zehnjähriger gönnerhaft. „Sogar alles richtig geschrieben“, pflichtet ihm sein Freund zu. „Wälder auch korrekt getrennt.“

Vor der letzten Zeichnung mit dem Aufruf „Rettet das Ozonloch“ stehen die beiden allerdings ratlos. „Das hat er in den falschen Hals gekriegt. Das Ozonloch soll ja nicht gerettet, sondern geschlossen werden“, ereifert  sich der eine. „Und damit die Umweltverschmutzer nicht auf falsche Gedanken kommen, muss das weg“, beschließt der andere. Darstellung Nummer 4 wird vom Baum gelöst, zerrissen und einfach auf den Boden geworfen. Saubere Umwelt!

Golf und die Frage nach der Disziplin

August 26, 2010 Von: Woehlke Kategorie: Glosse Noch keine Kommentare →

erschienen im Hamburger Abendblatt am 26. August 2010

Von Johanna R. Wöhlke

Heute weiß ich: Ich verstehe nichts von Golf. Bis gestern dachte ich noch, ich hätte die wesentlichen Grundzüge des Spieles verstanden. Nun weiß ich: Ich wusste gar nichts! Reinhard ist schuld.  Er ist ein begeisterter Golfer und hat mir einiges erzählt. Das hat mich hellhörig gemacht und nun sehe ich alle Golfer in einem völlig neuen Licht. (weiterlesen…)

Wenn Frauen sich freuen

August 24, 2010 Von: Woehlke Kategorie: Glosse Noch keine Kommentare →

erschienen im Hamburger Abendblatt am 24. August 2010

Von Johanna R. Wöhlke

Dass Freundinnen zusammen einkaufen gehen, ist nichts Besonderes. Dabei geht es im Allgemeinen nett, freundlich, entspannt und überaus gelassen zu. Frauen können sich wunderbar miteinander freuen. Wer hat da eben gelacht? Egal – bei diesen beiden, von denen hier die Rede sein soll, ist und war das so. (weiterlesen…)

Maschineller Münzschlucker

August 19, 2010 Von: Woehlke Kategorie: Glosse Noch keine Kommentare →

erschienen im Hamburger Abendblatt am 19. August 2010

von Johanna R. Wöhlke

Manchmal verlaufen Bankbesuche ganz anders als geplant. Das gilt wahrscheinlich für Besuche auf der Geldbank genauso wie für Besuche auf der Parkbank. In beiden Fällen wird das Leben so seine ganz besonderen Überraschungen bereit halten, nehme ich an. In beiden Fällen werden die Überraschungen so ihre Tücken haben. (weiterlesen…)

Schlafen ist schön

August 16, 2010 Von: Woehlke Kategorie: Glosse Noch keine Kommentare →

erschienen im Hamburger Abendblatt am 16. August 2010

Von Johanna Renate Wöhlke

Ich erinnere mich noch heute daran, dass meine Mutter abends beim Fernsehen immer einschlief. Das geschah mit schöner Regelmäßigkeit. Kaum hatte sie sich nach der Arbeit des Tages gemütlich hingesetzt und eine Weile lang zugeschaut, fielen ihr die Augen zu und sie sackte gemütlich in der Sofaecke zusammen und schlief.

Diese Art von Schlaf soll der erholsamste sein: einfach so wegsacken und schlafen können, wenn er einen übermannt. Aber das geht leider nicht immer. Der mittägliche viertelstündige Büroschlaf wird zwar von den Schlafforschern empfohlen, aber wer sitzt schon im Büro an seinem Schreibtisch, setzt sich zur Mittagszeit gemütlich zurück und verkündet: „So, jetzt  mach ich mal ein kleines Nickerchen!“ (weiterlesen…)

Rezidivierende Beklopptitis

August 12, 2010 Von: Woehlke Kategorie: Glosse Noch keine Kommentare →

erschienen im Hamburger Abendblatt am 12. August 2010

Von Johanna R. Wöhlke

Mein Gegenüber ist kaum zu bremsen: „Der hat doch die akute chronisch rezidivierende Beklopptitis!“, so macht er seinem Ärger Luft. Was ist geschehen? Ich will an dieser Stelle natürlich keine neue Krankheit verlautbaren, aber nun ist sie ja in der Welt, die „ akute chronisch rezidivierende Beklopptitis“.

Da hat sich jemand offensichtlich so über einen Mitmenschen geärgert, dass es ihm das Blut zum Kochen gebracht hat. Auf der anderen Seite hat er seine ganze Bildung und seine ganze Selbstbeherrschung aufgebracht. Er hat seine Kenntnis der Fremdwörter bemüht und sich darauf besonnen, was rezidivierend bedeutet, nämlich in Zeitabständen wiederkommend. (weiterlesen…)

Word Art

August 11, 2010 Von: Tekook Kategorie: Glosse, Lifestyle Noch keine Kommentare →

Von Dr. Wolf Tekook

Seit den Zeiten der Scholastik zählt  die kunstvolle Gestaltung von Geschriebenem zur hohen Schule der Buch- und Briefgestaltung. Hingebungsvoll verzierten die Mönche des Mittelalters die von ihnen gefertigten Bibelabschriften: Stehende oder hängende Einzüge der Kapitelanfänge, penibel dekorierte und stark vergrößerte Buchstaben wurden in monatelanger Arbeit mit Tusche auf das Papier aufgebracht, allegorische Figuren umrahmten die heiligen Texte.

Valerius Maximus, gedruckt in Mainz von Peter Schöffer, 18. Juli 1471 (aus Wikipedia)

Mit der Erfindung des Buchdrucks (nahezu zeitgleich, aber unabhängig voneinander durch Aldus Manutius und Gutenberg) wurden die Verzierungen standardisierter, aber blieben dennoch vielfältig. Unter Sammlern hochgeschätzt sind die Inkunabeln (Wiegedruck) des ausgehenden 15. Jahrhunderts, bei denen die von den Mönchen entwickelten Techniken mit Hilfe von Lettern nachgeahmt wurden – siehe das nebenstehende Bildbeispiel. Noch bis die Anfänge des 20. Jahrhunderts – genannt sei die Art Deco- Periode – wurde viel Wert auf eine aufwändige Gestaltung gedruckter Texte gelegt.

Die darauf folgende Sachlichkeit setzte auf Aussage statt auf Dekoration; der immer weiter perfektionierte und mechanisierte Buchdruck favorisierte Schnelligkeit und Kostengünstigkeit vor Schönheit und Dekoration. Als die ersten Taschenbücher aufkamen, wurde nochmals zugunsten günstiger Preise gespart: Kleinere, schmucklose Schriften, enge Zeilenabstände. (weiterlesen…)

Schöner telefonieren

August 11, 2010 Von: Woehlke Kategorie: Glosse 3 Kommentare →

erschienen im Hamburger Abendblatt am 11. August 2010

von Johanna R. Wöhlke

„Heute ist ein blöder Tag!“ Was ist denn das für eine Aussage? Könnte ich meine Gesprächspartnerin am anderen Ende der Telefonleitung sehen, wahrscheinlich nähme ich ihr ärgerliches Gesicht wahr – einer dieser Augenblicke, froh darüber zu sein, dass nicht alle Telefone der Welt serienmäßig mit Kameras ausgestattet sind, denen man sich nicht entziehen kann. (weiterlesen…)