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	<title>Die Auswärtige Presse e.V. &#187; Geschichte</title>
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	<description>Internationale Journalistenvereinigung Hamburg</description>
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		<title>Das Deutschlandlied und die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 18:27:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionelle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Bund knüpft gegen Heuss’ Widerstand an Weimar an Ein Briefwechsel machte vor 60 Jahren das Deutschlandlied zur Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland Der Aufbau der Bundesrepublik Deutschland orientierte sich unter Ausschluss dessen, was für den Untergang der Weimarer Republik verantwortlich gemacht wurde, weitgehend am Vorbild der ersten Republik. Das gilt grundsätzlich auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p><strong>Bund knüpft gegen Heuss’ Widerstand an Weimar an</strong></p>
<p>Ein Briefwechsel machte vor 60 Jahren das Deutschlandlied zur Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland</p>
<p>Der Aufbau der Bundesrepublik Deutschland orientierte sich unter Ausschluss dessen, was für den Untergang der Weimarer Republik verantwortlich gemacht wurde, weitgehend am Vorbild der ersten Republik. Das gilt grundsätzlich auch für die Staatssymbolik. Die Landesflagge wurde ebenso von Weimar übernommen wie das Staatswappen. Weimars Nationalhymne wurde auch die der Bundesrepublik, doch verlief hier die Übernahme weniger reibungslos. Vor allem dreierlei wurde dem Deutschlandlied von seinen Gegnern übel genommen. Da war zum ersten, dass die Nationalsozialisten im Gegensatz zum schwarz-rot-goldenen Dreifarb und dem rotbewehrten, schwarzen Adler auf goldenem Grund das Deutschlandlied – in Kombination mit ihrem Horst-Wessel-Lied – als Nationalsymbol beibehalten hatten. Da war zum zweiten, dass die in der ersten Strophe enthaltene geografische Verortung <span id="more-15103"></span>Deutschlands zwischen Maas und Memel sowie Etsch und Belt nicht mit den Grenzen der Bundesrepublik übereinstimmte. Und da war zum dritten, dass die ebenfalls im ersten Vers zu findenden Worte „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt“ von der Feindpropaganda gerne in der Weise interpretiert wurden, dass damit die Deutschen eine herausgehobene Stellung ihrer Nation gegenüber den anderen beanspruchten.</p>
<p>Der prominenteste Gegner einer Übernahme des Deutschlandliedes als Nationalhymne der Bundesrepublik war deren erster Präsident Theodor Heuss. Des Professors Argumentation in der Frage, welche Symbole sich die junge Republik geben solle, war in sich widersprüchlich. So setzte er sich für die Übernahme der Reichsflagge der Weimarer Republik mit dem Argument ein, dass „die schwarz-rot-goldene Flagge immerhin schon eine gewisse Geschichte gehabt hat“, und erteilte dem Versuch aus dem christlichen Lager, die Weimarer Farben mit dem christlichen Kreuzmotiv nach skandinavischem Muster zu verbinden, eine klare Absage:  „Ich habe das Gefühl, dass wir mit dem Versuch, aus dem gegebenen Farbenvorrat nun eine neue Flagge zu konstruieren, etwas in das Kunstgewerbliche hineingeraten sind.“ Andererseits unterstellte er jenen, die mit dem Deutschlandlied die Nationalhymne der Weimarer Republik übernehmen wollten, die ja auch „immerhin schon eine gewisse Geschichte gehabt hat“, „Traditionalismus“ und „restaurative Bedürfnisse, die trotz des ungeheuren Einbruchs in die deutsche Geschichte in dem Volk vorhanden sind“.</p>
<p>Man darf wohl davon ausgehen, dass die Mehrheit der Deutschen das Deutschlandlied als Nationalhymne wollte. Und es gab in der Nachkriegszeit immer wieder Deutsche, die dem Mehrheitswillen ihrer Landsleute Gehör verschafften. Kaum dass die Bundesrepublik gegründet und der erste Deutsche Bundestag gewählt war, gab es einen fraktionsübergreifenden Antrag, das „,Deutschlandlied‘ in seiner ursprünglichen Form“ als Bundeshymne anzuerkennen, der allerdings nach seinem Verweis an den Rechtsausschuss dort versickerte.</p>
<p>Da die Gegner des Deutschlandliedes insbesondere dessen erste Strophe kritisierten, gab es schon frühzeitig den Versuch, diesen mit einer Betonung der dritten Strophe entgegenzukommen. So hatte sich der spätere rheinland-pfälzische Kultusminister Albert Finck bereits am 9. August 1949 in der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ für die dritte Strophe als provisorisches Bundeslied ausgesprochen und am Ende einer Wahlveranstaltung seiner CDU in Lindau die Anwesenden aufgefordert, gemeinsam die dritte Strophe zu singen. Unter den Teilnehmern dieser Veranstaltung war neben Helmut Kohl auch Konrad Adenauer, der im darauffolgenden Jahr in Berlin analog vorging.</p>
<p>Bei einer Großveranstaltung im Titania-Palast am 18. April 1950 forderte der Bundeskanzler die Anwesenden auf, gemeinsam die dritte Strophe zu singen. Wie bei der SPD war auch bei den Westalliierten die Reaktion gespalten. Doch der Bundespräsident reagierte eindeutig negativ. Für ihn war der dritte Vers keine Lösung. Er bescheinigte diesem zwar eine „echte und sinnvolle Würde“, doch wandte er ein: „Ihn isoliert zu nehmen, wie manche vorschlagen, wird aber zu knapp.“ Deshalb ließ er bereits an dem der Veranstaltung folgenden Tag durch sein Amt klarstellen, dass das Absingen der dritten Strophe des Deutschlandliedes bei derartigen politischen Veranstaltungen wie der im Titania-Palast keine Entscheidung in der Frage der Nationalhymne für die Bundesrepublik bedeute und diese vielmehr nach deutschem Staatsrecht ihm zustehe.</p>
<p>Da ihm die dritte Strophe „zu knapp“ war, hätte Heuss die hinsichtlich ihrer musikalischen Qualität über jeden Zweifel erhabene Haydn-Melodie des Deutschlandliedes mit weiteren, neuen Strophen oder einem völlig neuen Text versehen können, so wie es beispielsweise Wladimir Putin mit der Sowjethymne getan hat. Doch auch dieses lehnte er ab, da die Folge ein „ewiger Sängerwettstreit der stärkeren Stimmen“ zwischen den Anhängern des alten und des neuen Textes wäre.</p>
<p>Heuss wollte das, was er in der Flaggenfrage abgelehnt hatte: ein Kunstprodukt, eine Neuschöpfung aus der Retorte. Er wollte den Weg der DDR gehen mit einem neuen Text und einer neuen Melodie und der Hoffnung, dass das Volk damit schon warm würde. Er orderte bei dem Dichter Rudolf Alexander Schröder einen Text und bat Carl Orff, diesen zu vertonen. Der Musikpädagoge und Komponist der „Carmina Burana“ antwortete sehr treffend. Er wies darauf hin, dass der Schröder-Text mit einer Nationalhymne so viel gemein habe wie eine Konzertarie mit einem Volkslied und es ihm schwer scheine, diesen „irgend geeignet zu vertonen“. Ihm zumindest scheine „diese Aufgabe unmöglich“. Er schlug vor, Schröders Text zu verwerfen, und verwies ansonsten auf seinen Frankfurter Kollegen Hermann Reutter als einen „ausgezeichneten, mit hymnischer Ausdruckskraft begabten Musiker“. Orff war klug genug zu wissen, wie schwer es war, mehr oder weniger auf Knopfdruck eine Melodie zu komponieren, die es mit jener Haydns aufnehmen konnte. Er warf deshalb vorsichtig die Frage auf, ob „sich nicht in unserer unsterblichen Klassik (Mozart oder Beethoven) ein Satz fände, der neben Haydn standhielte“.</p>
<p>Heuss hielt jedoch am Schröder-Text fest und beauftragte Reutter mit der Vertonung. Das Ergebnis war ein Stück, mehr Choral denn Nationalgesang. Am 31. Dezember 1950 ließ er die „Hymne an Deutschland“, so der Titel, seinem Volk im Anschluss an seine Silvesteransprache durch den Rundfunk präsentieren. Der Funke sprang nicht über. Der erfahrene Politiker der Weimarer Republik Carl Severing brachte es in seinem Schreiben an Heuss vom 8. Januar 1951 auf den Punkt, wenn er die Melodie als zu wenig lebhaft, warm und packend kritisierte und anschließend im Grunde in dieselbe Kerbe wie Carl Orff haute: „Dem Professor Heuss brauche ich nicht zu erzählen, dass man dramatische und lyrische Werke in der Tat ,auf Bestellung‘ schreiben kann und das nicht alle ,bestellten‘ Werke minderwertig zu sein brauchen. Aber eine Nationalhymne, die in das Volksbewusstsein eindringen soll, stellt höhere Anforderungen als zum Beispiel eine Festaufführung zur Einweihung des Suezkanals.“</p>
<p>Heuss’ Alternativvorschlag ließ sich ohne totalitäre Mittel nicht als Nationalhymne durchsetzen. Andererseits führte das Fehlen einer Nationalhymne für die Bundesrepublik auf internationalem Parkett zu immer kurioseren Peinlichkeiten. Im Ergebnis gab Heuss Adenauers Druck schließlich auf die denkbar formloseste Art nach. Mit Datum vom 29. April 1952 trug der Kanzler dem Präsidenten die „Bitte der Regierung“ vor, „das Hoffmann-Haydn’sche Lied als Nationalhymne anzuerkennen. Bei staatlichen Veranstaltungen soll die dritte Strophe gesungen werden.“ Drei Tage später antwortete das Staatsoberhaupt dem Regierungschef: „Da ich kein Freund von pathetischen Dramatisierungen bin und mit mir selbst im reinen bleiben will, muss ich nach meiner Natur auf eine ,feierliche Proklamation‘ verzichten. Wenn ich also der Bitte der Bundesregierung nachkomme, so geschieht das in der Anerkennung des Tatbestandes.“<br />
</p>
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		<title>Fünf Bäume in Israel</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 09:01:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tekook</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Buschow Rolf- Michael]]></category>

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		<description><![CDATA[ „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“ Von Michael Buschow Es gibt Menschen, über die immer wieder kontrovers diskutiert  wird. Eine dieser Personen ist Felix Graf von Luckner, bekannt als der „Seeteufel“, der mit seinem Segelschiff „Seeadler“ im Ersten Weltkrieg auf Kaperfahrt ging.Dieser Mann war genau aus dem Holz geschnitzt, das dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“</strong></p>
<p><em>Von Michael Buschow</em></p>
<div class="mceTemp">
<div id="attachment_15012" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-full wp-image-15012" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/05/Nationalfonds-0011.jpg" alt="" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Nationalfonds</p></div>
</div>
<div class="mceTemp">Es gibt Menschen, über die immer wieder kontrovers diskutiert  wird. Eine dieser Personen ist Felix Graf von Luckner, bekannt als der „Seeteufel“, der mit seinem Segelschiff „Seeadler“ im Ersten Weltkrieg auf Kaperfahrt ging.Dieser Mann war genau aus dem Holz geschnitzt, das dem nach Vorbildern dürstenden deutschen Volk  1918  Idole und Helden bot. Natürlich gefiel  sich Luckner auch in der Rolle des umjubelten, weitgereisten Gentleman-Seehelden und nicht zuletzt bestritt er seinen Lebensunterhalt dank seiner Popularität in Form von Büchern, Autogrammkarten und Vorträgen. Er als Prominenter mußte spätestens ab 1933  im sogenannten „Tausendjährigen Reich“ unweigerlich über kurz oder lang in direkte Berührung mit den braunen Machthabern kommen, die sich bekanntermaßen gerne mit „Helden“ aus Krieg, Sport und Kultur umgaben. Kaum ein Deutscher konnte sich dem NS-Staat entziehen. Es galt für viele sich anzupassen, nur um in Ruhe gelassen zu werden. Nein, ein „Heiliger“ war Felix Graf Luckner nicht, auch kein Widerstandskämpfer und man könnte ihm wie auch anderen die zeitweise Nähe zu Personen des NS-Regimes vorwerfen.  Aber sein ganzes Leben lang handelte er oft spontan, manchmal unüberlegt naiv und ohne auf negative Konsequenzen für sich zu achten.<span id="more-15007"></span></div>
<div class="mceTemp">Er war einfach so und blieb im Grunde immer der, der er einst war- ein einfacher und hilfsbereiter Matrose „vor dem Mast“ auf einem Windjammer- ein Kamerad.Ein für Luckner typisches wenn nicht gar bezeichnendes Ereignis fand Ende 1943 im zerbombten Berlin statt. Der Graf, mittlerweile bei den NS-Oberen in Ungnade gefallen (Sonder-Ehrengericht), spazierte nach einem Bombenangriff der Alliierten durch die Trümmerwüste der Reichshauptstadt, als ihn eine Frau direkt ansprach, sich als bisher versteckt lebende Jüdin (Rose –Röschen- Janson geb. Linhardt, geb. 16.10.1885 in Basel) zu erkennen gab und ihn mit den Worten: „Ich bin Jüdin, meine ganze Familie haben sie schon abgeholt, -jetzt bin ich an der Reihe“ * um Hilfe bat.Nach eigener Aussage gab der Graf dieser vor Angst schlotternden Frau einen von ihm gerade in den rauchenden Ruinen spontan aufgelesenen Ausweis auf den Namen Frieda Schäfer. Nicht nur das – er nahm die Frau und führte sie – „zu einer guten Bekannten, deren Wohnung die SS als eine Art Privatlokal beschlagnahmt hatte“*. (*Zitate aus dem Buch: Aus siebzig Lebensjahren-Koehler Verlag 1955). <!--more--></div>
<div class="mceTemp">Und hier, direkt unter den Augen der SS also, brachte  Graf Luckner die Jüdin, die sich nun Frieda Schäfer nannte als Küchenhilfe unter! Das bewahrte sie vor dem Konzentrationslager und rettete fraglos ihr Leben.Bei Luckners zweiter Nachkriegsreise in die USA 1949 während eines Vortrages in der deutschen St.Pauls Kirche in New York, überraschte ihn diese Frau, die 1948 einen GI  geheiratet hatte und  in die Staaten ausgewandert war mit einem persönlichen Dank an ihren Lebensretter. Luckner erhielt 1951 einen Brief von ihr  und 1959 schließlich, während der NBC-Fernsehsendung „This is your life“ traf der Graf ein letztes Mal auf Frieda Schäfer, die ihm vor dem Publikum und laufenden Kameras um den Hals fiel.</div>
<div id="attachment_15013" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-full wp-image-15013" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/05/Nationalfonds-0021.jpg" alt="" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Luckner</p></div>
<p>Mag sein, daß den damaligen Vorsitzenden des Direktoriums des Zentralrates der Juden in Deutschland Prof. Dr.med. Herbert Lewin diese „Anekdote“ aus Luckners Leben veranlasste, dem Grafen 1966 posthum fünf Bäume im „Thomas Mann Wald“ in Israel als Erinnerung zu pflanzen. Auf jeden Fall war sich Prof. Lewin bewußt, <em>wen</em> er in der Urkunde des Jüdischen Nationalfonds als „bewährten Freund Israels“ bezeichnete. Und sicher ist auch, daß in den Nachkriegsjahren nur wenigen Deutschen diese Ehrung verliehen wurde.</p>
<p>Man kann heute über Graf Luckner geteilter Meinung sein, aber historische Fakten und Dokumente lassen sich nicht verleugnen.</p>
<p>-Jüdischer Nationalfonds (Keren Kajemeth Lelsrael)-1901 auf Initiative von Theodor Herzl als vorbereitende Organisation für eine jüdische Heimstätte (Staat) in Palästina gegründet.</p>
<p>Ehrenhaine in Israel  wurden nach Martin Buber, Thomas Mann und Hermann Hesse benannt. Dort gepflanzte Bäume ehren Menschen, die Juden halfen zu überleben.</p>
<p>-Prof.Dr.med. Herbert Lewin (1899-1982), in den dreissiger Jahren Chefarzt d. Jüdischen Krankenhauses Berlin später des Israelitischen Krankenhauses Köln-Ehrenfeld. Häftling im</p>
<p>Konzentrationslager im Ghetto Lodz, Auschwitz-Birkenau, Oranienburg, Schwarzheide. Führte  im Mai 1945 im Auftrag Konrad Adenauers einen Rücktransport Kölner KZ-Häftlinge.</p>
<p>Nach 1945 Chefarzt der Städtischen Frauenklinik zu Offenbach</p>
<p>1963-1969 Vorsitzender des Direktoriums des Zentralrates der Juden in Deutschland</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;<br />
</p>
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		<title>Vor 75 Jahren: Groß-Hamburg Gesetz änderte Grenzen</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 21:25:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionelle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein letztes Mal vor dem Ende Vor 75 Jahren änderte das Groß-Hamburg-Gesetz Preußens Grenzen Am 1. April 1937 veränderten sich noch einmal Preußens Grenzen in nennenswerter Weise. Da die Grenzverschiebungen vor allem den Großraum Hamburg betrafen, trägt die entsprechende gesetzliche Grundlage  vom 26. Januar 1937 den Titel „Gesetz über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen“. Hamburg hatte im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein letztes Mal vor dem Ende</p>
<p>Vor 75 Jahren änderte das Groß-Hamburg-Gesetz Preußens Grenzen</p>
<p>Am 1. April 1937 veränderten sich noch einmal Preußens Grenzen in nennenswerter Weise. Da die Grenzverschiebungen vor allem den Großraum Hamburg betrafen, trägt die entsprechende gesetzliche Grundlage  vom 26. Januar 1937 den Titel „Gesetz über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen“.</p>
<p>Hamburg hatte im 19. Jahrhundert und vor allem nach der Reichs­einigung und dem Zollanschluss eine Blütezeit als „Deutschlands Tor zur Welt“ erlebt. Die Freie und Hansestadt war dabei über ihre politischen Grenzen hinausgewachsen. Bereits im Ersten Weltkrieg, aber vor allem in der nachfolgenden Weimarer Zeit hatte sich die Hamburger Politik und Verwaltung um eine Anpassung der politischen Grenzen bemüht, war dabei aber am preußischen Nachbarn und dem Föderalismus gescheitert.<span id="more-14768"></span></p>
<p>Zu einer Wende kam es erst nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten. Dieses lag zum einen an der Doppelfunktion Hermann Görings als preußischer Ministerpräsident und Beauftragter für den Vierjahresplan. Dieses führte dazu, dass sich der Landesfürst Preußens nicht auf das Betreiben preußischer Kirchturmpolitik beschränken konnte, sondern aus ureigenstem Interesse auch die Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft im Auge haben musste. Insofern musste es auch ihm ein Dorn im Auge sein, dass der Wirtschaftsgroßraum Hamburg durch die politische preußisch-hamburgische Grenze gespalten wurde.</p>
<p>Erleichtert wurde die Grenzverschiebung zudem durch den Zentralismus des Dritten Reiches, dem zufolge die übergeordneten Reichsinteressen Vorrang zu haben hatten vor den Partikularinteressen der Reichsländer. Nach dem Wechsel vom Deutschen Bund zum Deutschen Reich und der Umwandlung vom Kaiserreich zur Republik bewirkte die NS-Machtergreifung weitere Zentralisierungsschübe in Deutschland.</p>
<p>Und die Spitze dieses Zentralstaates stand in der Person Adolf Hitlers auch hinter dem Groß-Hamburg-Projekt. Wie es dazu kam, beschreibt Hamburgs Bürgermeister Carl Vincent Krogmann: „Eine Wende erfolgte, als Hitler die Modelle für die Hochbrücke und eine Landeanlage für Überseefahrgastschiffe vorgeführt wurden, die in der Nähe der Altonaer Grenze gebaut werden sollten. Hitler fragte, warum die Landeanlage nicht weiter westlich geplant sei. Ich erwiderte, das sei Altonaer Gebiet, darüber könne Hamburg nicht verfügen. So dürfen wir nicht denken, entgegnete Hitler, die Trennung von Altona und Hamburg sei ein Unsinn.“ Anderswo heißt es, dass Hitler die Unsinnigkeit der Trennung von Altona und Hamburg bewusst wurde, als er bei einer Fahrt auf dem Ausflugsschiff „Jan Molsen“ vom Hafen aus elbabwärts sich selber ein Bild davon machen konnte, wie sehr das preußische Altona und das selbstständige Hamburg mittlerweile zu einer Einheit verwachsen waren.</p>
<p>Es ist bezeichnend für den damals erreichten Stand der Zentralisierung in Deutschland, dass die preußisch-hamburgische Grenzveränderung nicht etwa durch ein preußisch-hamburgisches, sondern durch ein Reichsgesetz geschah. Unterschrieben wurde es von Hitler sowie dem Reichsinnen- und dem Reichsfinanzminister. Als vierte Unterschrift trug es zwar die des preußischen Ministerpräsidenten, aber in dessen Eigenschaft als Beauftragter für den Vierjahresplan.</p>
<p>Hamburgs Arrondierung durch das Groß-Hamburg-Gesetz führte zur Eingemeindung seiner bis dahin preußischen Nachbarstädte Altona, Harburg und Wandsbek sowie von 27 Gemeinden. Allerdings wurde auch vormals hamburgisches Territorium nun preußisch. Zu nennen ist hier vor allem Hamburgs alte Exklave an der Elbemündung Cuxhaven. Im Saldo vergrößerte sich Hamburgs Fläche von 415 auf 745 Quadratkilometer und die Einwohnerzahl stieg von 1,19 Millionen auf 1,68 Millionen.</p>
<p>Wie der Titel des dieser Arrondierung zugrunde liegenden Gesetzes bereits erahnen lässt, betraf es auch andere Gebietsbereinigungen. Das Ziel war es dabei insbesondere, historisch gewachsene, aber verwaltungstechnisch widersinnige Exklaven im norddeutschen Raum zu beseitigen. Der Artikel II über „andere Gebietsvereinigungen“ betraf außer Preußen auch die Flächenländer Mecklenburg und Oldenburg, begann aber mit einer Regelung bezüglich der Freien und Hansestadt Lübeck. Die einstige Königin der Hanse verlor ihre Reichsunmittelbarkeit. Sie wurde der preußischen Provinz Schleswig-Holstein zugeschlagen.</p>
<p>Heute sind die NS-Herrschaft und ihr Zentralismus ebenso Geschichte wie der preußische Staat, aber maßgebliche Bestimmungen des in der NS-Zeit beschlossenen und vor 75 Jahren in Kraft getretenen Groß-Hamburg-Gesetzes haben bis heute Bestand. Hamburg hat im Wesentlichen immer noch die durch das Groß-Hamburg-Gesetz erhaltenen Grenzen. Und Lübeck ist immer noch nicht nur geografisch, sondern auch politisch Bestandteil Schleswig-Holsteins.<br />
</p>
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		<title>Er führte die Lassalleaner in die SPD</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 21:18:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionelle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Und mit Wilhelm Liebknecht begründete der Sozialdemokrat Wilhelm Hasenclever die Parteizeitung »Vorwärts« Das Wissen darum, dass die SED 1946 aus der Vereinigung der „rechten“ SPD mit der „linken“ KPD in der Ostzone hervorgegangen ist, sollte zur Allgemeinbildung gehören. Schon weniger bekannt sein dürfte, dass die SPD ihrerseits selber aus einer Vereinigung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p>Und mit Wilhelm Liebknecht begründete der Sozialdemokrat Wilhelm Hasenclever die Parteizeitung »Vorwärts«</p>
<p>Das Wissen darum, dass die SED 1946 aus der Vereinigung der „rechten“ SPD mit der „linken“ KPD in der Ostzone hervorgegangen ist, sollte zur Allgemeinbildung gehören. Schon weniger bekannt sein dürfte, dass die SPD ihrerseits selber aus einer Vereinigung hervorgegangen ist. 1875 vereinigte sich der „rechte“ Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV), die Lassalleaner, mit der „linken“ Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), wie die SPD sich damals noch nannte. Ähnlich wie bei der Vereinigung von 1946 war auch nach der von 1875 die Spitze der neuen Partei erst einmal paritätisch besetzt. <span id="more-14761"></span>Vorsitzende wurden Georg Wilhelm Hartmann von der SDAP und der bisherige ADAV-Vorsitzende Wilhelm Hasenclever. Als ein Jahr nach der SDAP-Gründung mit dem „Vorwärts“ das noch heute erscheinende Zentralorgan der neuen Partei gegründet wurde, erhielt auch dieses eine paritätisch besetzte Spitze. Die SDAP war in der Chefredaktion durch Wilhelm Liebknecht vertreten, der ADAV abermals durch Hasenclever.</p>
<p>Wenn Hasenclever auch heute nicht mehr jedem ein Begriff sein mag, so ist sein Name doch untrennbar mit der Gründungsphase der SPD verbunden. Vor 175 Jahren, am 19. April 1837 kam der Sozialdemokrat im westfälischen Arnsberg zur Welt. Nach Mittlerer Reife und dem Erlernen des väterlichen Handwerks entdeckte der Sohn eines Lohgerbereibesitzers im örtlichen Turnverein seine Liebe zur Rhetorik. Er begann, als Re­dakteur der „Westfälischen Volkszeitung“ sein Brot zu verdienen. Bei dieser Arbeit lernte er die Ideen Ferdinand Lassalles kennen und wurde dessen Anhänger. Nachdem dieser 1864 in einem Duell getötet worden war, trat Hasenclever in den bis dahin von dem Arbeiterführer geleiteten ADAV ein. Dort stieg er schnell auf. Bereits eineinhalb Jahre nach seinem Eintritt in den Verein wurde er dessen Sekretär, 1869 zog er als dessen Kandidat in den Norddeutschen Reichstag ein und 1871 übernahm er die Vereinsleitung. Verständlicherweise widmete sich der Journalist in seiner Parteiarbeit vor allem als Redakteur und Herausgeber von Parteiorganen sowie als Redner und Schriftsteller der Agitation und Propaganda.</p>
<p>Der Druck durch die bismarck-sche Politik führte in der Amtszeit Hasenclevers als ADAV-Präsident und unter dessen tätiger Mithilfe zu einer zunehmenden Solidarisierung zwischen den beiden anfänglich miteinander um die Gunst der Arbeiter konkurrierenden Arbeiterparteien und 1875 dann zu deren Zusammenschluss. Hasenclever wurde neben seinem Reichstagsmandat einer der beiden Vorsitzenden und einer der beiden Zentralorgans-Chefredakteure der neuen Partei.</p>
<p>1888 brach bei Hasenclever eine Geisteskrankheit aus und er begab sich in die bei Berlin gelegene Heilanstalt Maison de la santé, in der mit ihm am 3. Juli 1889 einer der Gründungsväter der SPD verstarb.<br />
</p>
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		<title>Weibliches Pendant zum Alten Fritz</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 21:14:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionelle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Der jüngsten Schwester Friedrichs des Großen, Anna Amalia, wird die größte Ähnlichkeit mit ihrem Bruder nachgesagt Von allen Geschwistern soll Anna Amalia von Preußen Friedrich dem Großen am ähnlichsten gewesen sein. Gerne ließ sie sich von ihrem Bruder für die Musik begeistern. Bereits als 15-Jährige schreibt sie Friedrich: „Mein teurer Bruder, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p>Der jüngsten Schwester Friedrichs des Großen, Anna Amalia, wird die größte Ähnlichkeit mit ihrem Bruder nachgesagt</p>
<p>Von allen Geschwistern soll Anna Amalia von Preußen Friedrich dem Großen am ähnlichsten gewesen sein. Gerne ließ sie sich von ihrem Bruder für die Musik begeistern. Bereits als 15-Jährige schreibt sie Friedrich: „Mein teurer Bruder, Sie wissen, daß ich mich seit einiger Zeit ein bißchen mit der Musik beschäftige und ich brenne vor Lust mich darin zu perfektionieren. Hätten Sie die Güte, mir in dieser noblen Absicht zu helfen und mir einige nette Stücke zuzusenden, mit denen ich weiter üben könnte.“ <span id="more-14755"></span>Allerdings hatte Anna Amalia es als Mädchen noch schwerer, dieser Liebe nachzugehen, als die Prinzen, die es beim Soldatenkönig als Vater schon schwer genug hatten. Vor diesem Hintergrund brachte der Thronwechsel vom Vater zum Bruder im Jahre 1740 eine Erleichterung. Als 17-Jährige erhielt die am 9. November 1723 in Berlin geborene Prinzessin endlich mit ihrer älteren Schwester Luise Ulrike Cembalo-, Klavier- und Gesangsunterricht. Offenkundig unterrichtete sie dabei nicht nur der Domorganist Gottlieb Hayne, sondern auch ihr Bruder. Letzterer, ein leidenschaftlicher Flötenspieler, schenkte ihr in den 40er Jahren dann auch eine Flöte. Später kam bei Anna Amalia noch das Spiel auf der Violine und Orgel hinzu. Was dem Bruder die Flöte, wurden ihr schließlich Klavier und Orgel, die Lieblingsinstrumente.</p>
<p>Mit 21 Jahren begann sie mit dem Komponieren, mit 35 ließ sie sich von Johann Philipp Kirnberger, der als Schüler Johann Sebastian Bachs gilt, in die Kontrapunkttechnik einweisen. Als bedeutender denn ihre Kompositionen gilt jedoch die Musikaliensammlung (Amalien-Bibliothek), die sie der Nachwelt hinterlassen hat. Im Jahre des Thronwechsels von ihrem Vater zu ihrem Bruder fing sie mit deren Aufbau an. Thematische Schwerpunkte bildeten dabei neben dem von ihr geschätzten Johann Sebastian Bach auch sein Sohn Carl Philipp Emanuel sowie auch Georg Friedrich Händel, Johann Adolph Hasse und die Gebrüder Graun.</p>
<p>Es ist unklar, ob die Musik die einzige Liebe Anna Amalias war. Die von ihrem Bruder geplante Ehe mit dem damaligen schwedischen Thronfolger Adolph Friedrich blieb aus. Angeblich scheiterte sie an der Weigerung der calvinistischen Hohenzollernprinzessin zum Luthertum der Schweden zu konvertieren. Stattdessen heiratete der spätere Schwedenkönig Anna Amalias Schwester Luise Ulrike. Bei dieser Hochzeit des Jahres 1744 soll Anna Amalia Friedrich von der Trenck kennengelernt haben. Ob sie die Geliebte des berühmten Abenteurers war, wie es der ZDF-Zweiteiler von 2003 „Trenck – Zwei Herzen gegen die Krone“ mit Ben Becker in der Titelfigur und Anna Maria Lara in der Rolle der Preußenprinzessin darstellt und der für sein Aufschneiden berüchtigte Fried­rich von der Trenck andeutet, ist fraglich.</p>
<p>Sie heiratete jedenfalls weder Trenck noch irgendeinen anderen Mann. Wollte und sollte sie dennoch ihre soziale Stellung behalten, blieb ihr nur der Weg ins  Stift. Noch im Jahr der Hochzeit ihrer Schwester Luise Ulrike mit dem eigentlich für sie ausgesehenen Mann wurde die Calvinistin zur Koadjutorin des lutherischen Stiftes Quedlinburg gewählt. Nach dem Tode der Äbtissin Maria Elisabeth Herzogin von Holstein-Gottorp übernahm sie 1755 als deren Nachfolgerin die Regierung des Stifts.</p>
<p>Für Anna Amalia handelte es sich offenkundig um einen Versorgungsposten. So zog sie dem Stiftleben das Leben bei Hofe vor. Nichtsdestotrotz soll sie ihren Amtspflichten gewissenhaft nachgekommen sein. Insbesondere ihre Personalpolitik und die Einschränkung der unzähligen Fest- und Bußtage wird gelobt.</p>
<p>Abgesehen von ihrer Liebe zur Musik und ihren Gesichtszügen sollen Anna Amalia und Friedrich sich auch in ihrer Schrulligkeit sowie auch dem bitteren Sarkasmus im Alter geähnelt haben. Vor 225 Jahren, am 30. März 1787, starb Anna Amalia in Berlin.<br />
</p>
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		<title>Wie Marokko französische Kolonie wurde</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Apr 2012 20:34:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionelle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Vergebens versuchte das Deutsche Reich, dem afrikanischen Staat seine Unabhängigkeit zu bewahren Der Anfang vom Ende der marokkanischen Unabhängigkeit begann damit, dass Frankreich an der ihm gegenüberliegenden Küste des Mittelmeeres Brückenköpfe bildete, diese immer mehr ausbaute und schließlich als Herr über Algerien zum Nachbarn Marokkos wurde. 1830 besetzten französische Truppen Algier, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p>Vergebens versuchte das Deutsche Reich, dem afrikanischen Staat seine Unabhängigkeit zu bewahren</p>
<p>Der Anfang vom Ende der marokkanischen Unabhängigkeit begann damit, dass Frankreich an der ihm gegenüberliegenden Küste des Mittelmeeres Brückenköpfe bildete, diese immer mehr ausbaute und schließlich als Herr über Algerien zum Nachbarn Marokkos wurde. 1830 besetzten französische Truppen Algier, Oran und Beleb el-Anab.</p>
<p>Dass Marokko erst 1912 Kolonie wurde, was für ein afrikanisches Land schon bemerkenswert spät ist, lag zum einen am Deutschen Reich, das sich lange für die marokkanische Unabhängigkeit einsetzte, und zum anderen an der Zerstrittenheit zwischen den an Nordafrika interessierten Kolonialmächten. Noch 1880 garantierten die Vereinigten sowie ein Dutzend europäische Staaten, darunter die Großmächte, die Souveränität Marokkos.<span id="more-14736"></span></p>
<p>1899 beendeten jedoch Großbritannien und Frankreich ihre Kolonialrivalitäten in Nordafrika, die schließlich in der sogenannten Faschoda-Krise kulminiert waren, mit dem Sudanvertrag. In ihm erkannte London Nordwestafrika mit Marokko als französische Interessensphäre an. Diese französisch-britische Aufteilung der Interessensphären wurde 1904 durch die Entente cordiale (herzliches Einverständnis) bestätigt. Auf die gegenseitige Neutralisierung Frankreichs und Englands konnte Marokko nun nicht mehr setzen.</p>
<p>Es blieb nur noch die Freundschaft Deutschlands. So wie Frankreichs Präsident François Mitterrand nach dem Mauerfall durch seinen Besuch in der DDR im Dezember 1989 diese aufwertete und deutlich machte, dass sein Land am Fortbestand dieses Staates interessiert war, besuchte der Deutsche Kaiser Wilhelm II. im März 1905 das Sultanat Marokko. Während Deutschland mit seiner wettbewerbsfähigen Industrie außer auf Marokkos Souveränität auch auf die ebenfalls in der Madrider Konvention beschlossene Chancengleichheit der Vertragsunterzeichner auf dem marokkanischen Markt pochte, versuchte das protektionistische Frankreich, Marokko mehr oder weniger offen zu kolonialisieren, um dessen Markt exklusiv für sich zu haben. Angesichts dieses Bruchs der Madrider Konvention durch die Republik setzte das Reich nach jener von Madrid eine erneute internationale Konferenz durch, die von Algeciras. Dort standen 1906 Marokko und Deutschland England und Frankreich gegenüber. Das Ergebnis war ein Kompromiss. Die durch die Madrider Konvention international garantierte Souveränität Marokkos wurde wie die Handelsfreiheit bestätigt. Dafür erhielt Frankreich Privilegien.</p>
<p>Diese reichten Paris jedoch nicht. So kam es schon kurz darauf in Marokko zu Unruhen, wobei ähnlich wie heute in Syrien der Verdacht besteht, dass das Ausland dahintersteckte, in diesem Falle Frankreich. Und mit der selben Begründung, mit der heute westliche Politiker eine Intervention in Syrien fordern, nämlich mit der Verhinderung eines Bürgerkrieges, intervenierte damals in Marokko ein französisches Expeditionskorps. Während allerdings heute selbst die radikalsten Befürworter einer Intervention in Syrien nicht auf die Idee kämen zu behaupten, dessen Präsident wünsche dieses, legitimierte Frankreich seine Intervention in Marokko mit einem angeb­lichen Hilferuf des Sultans. Im Frühjahr 1911 marschierten französische Truppen in die marokkanische Hauptstadt Fès und in Rabat ein.</p>
<p>Die Deutschen leisteten Widerstand und zeigten nun ihrerseits militärisch Präsenz in Marokko. Im Sommer des Jahres 1911 reagierten sie mit der Entsendung ihres Kanonenbootes „Panther“ nach Agadir. Dieser sogenannte Panthersprung nach Agadir gilt heute gemeinhin als Auslöser der sogenannten zweiten Marokkokrise. Dass er eine Reaktion auf eine französische Intervention war, wird meist verschwiegen.</p>
<p>Ähnlich wie Russland und China die Westmächte beim „Regime Change“ (Regimewechsel) in Libyen ließ damals Deutschland das von Großbritannien unterstützte Frankreich bei der Entmachtung des marokkanisches Sultans zugunsten eines französischen Kolonialregimes gewähren. Daran änderte auch nichts der gerne als Säbelrasseln und Kanonenbootpolitik kritisierte „Panthersprung nach Agadir“.</p>
<p>Im Herbst 1911 lässt sich das Reich sein Einverständnis zur Einrichtung des Protektorates Französisch-Marokko für eine Vergrößerung seines Schutzgebietes Kamerun abkaufen. Von der deutschen Schutzmacht alleingelassen, sieht sich der marokkanische Sultan gezwungen, am 30. März des Folgejahres im marokkanisch-französischen Vertrag von Fès zugunsten Frankreichs auf seine Souveränität zu verzichten.<br />
</p>
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		<title>Janukowitsch steht Putin im Wege</title>
		<link>http://die-auswaertige-presse.de/2012/03/janukowitsch-steht-putin-im-wege/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 11:58:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Rosenthal- Kappi Manuela]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Manuela Rosenthal-Kappi Kiew setzt auf Annäherung an die EU: Absage an Zoll- und Eurasische Union Wladimir Putins Rückkehr ins Präsidentenamt gilt schon jetzt, wenige Tage vor der Wahl, als sicher. Vieles deutet darauf hin, dass er eine Wiedervereinigungspolitik ehemaliger Sowjetrepubliken mit Russland vorantreiben wird. Mit der Ukraine kann er jedoch vorerst nicht rechnen. Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Manuela Rosenthal-Kappi</em></p>
<p><strong>Kiew setzt auf Annäherung an die EU: Absage an Zoll- und Eurasische Union</strong></p>
<p>Wladimir Putins Rückkehr ins Präsidentenamt gilt schon jetzt, wenige Tage vor der Wahl, als sicher. Vieles deutet darauf hin, dass er eine Wiedervereinigungspolitik ehemaliger Sowjetrepubliken mit Russland vorantreiben wird. Mit der Ukraine kann er jedoch vorerst nicht rechnen. Der bislang als „pro-russisch“ geltende Viktor Janukowitsch wehrt sich standhaft gegen russische Einflussnahme.</p>
<p>Kürzlich kündigte Kiew an, ab 2013 neue Steuern für Einrichtungen der auf der Krim stationierten russischen Schwarzmeerflotte erheben zu wollen. Im Gasstreit 2009 hatte das Thema „Schwarzmeerflotte“ Janukowitsch als Druckmittel schon einmal geholfen. Damals hatte Kiew gedroht, den Pachtvertrag nicht zu verlängern, wenn Moskau den Gaspreis nicht senken würde. Gazprom senkte den Preis, dafür wurde in einem Abkommen festgehalten, dass die Schwarzmeerflotte bis 2042 auf ukrainischem Territorium in Sewastopol bleiben darf.<span id="more-14021"></span></p>
<p>Diesmal könnte das Druckmittel von gestern wirkungslos bleiben, denn seit Jahren hat Russland in Sewastopol nichts investiert. Die Stationierung der Flotte dürfte eher einen symbolischen geostrategischen Hintergrund haben. Die von Noch-Präsident Dmitrij Medwedjew angeschobene Modernisierung des Militärs wird unter einem Präsidenten Putin ganz andere Dimensionen erreichen: Putin wird nicht nur den Großmachtanspruch Russlands erneuern, sondern auch eine aktive Wiedervereinigungspolitik ehemaliger Sowjetrepubliken betreiben. Erste Anzeichen sprechen dafür:</p>
<p>Putin hat eine „beispiellose“ Aufrüstung angekündigt. In den kommenden zehn Jahren will er umgerechnet 580 Milliarden Euro für mehr als 400 Interkontinentalraketen und über 600 Kampfflugzeuge, Dutzende U-Boote und tausende Panzer ausgeben. Die Rüstungs-</p>
<p>industrie soll nicht nur dem geplanten Raketenabwehrsystem von USA und Nato etwas entgegensetzen, sondern auch Motor für die Entwicklung weiterer Wirtschaftsbranchen werden. Geplant ist auch, die strategischen Nuklearkräfte zu erhalten. Vizeregierungschef Dmitrij Rogosin spricht davon, die russischen „Waffen der Zukunft“ könnten die des Westens überholen. Ob die maroden russischen Industrieanlagen dazu in der Lage sind, sei dahingestellt.</p>
<p>Seit Jahren bedrängt Putin die Ukraine, der Dreier-Zollunion von Russland, Weißrussland und Kasachstan beizutreten, der sich die Ukraine bislang − aufgrund ihres Strebens nach einer Freihandelszone mit der Europäischen Union − verschlossen hat. Putin schwebt eine Eurasische Union vor, der sich alle ehemaligen Sowjetrepubliken, mit Ausnahme der Baltischen Staaten, anschließen sollen.</p>
<p>Sollte der durch Russlands Gnaden und durch die Unterstützung ukrainischer Oligarchen aus dem Donezbecken an die Macht gelangte Janukowitsch sich weiter querstellen, könnte ihm Unheil drohen: Der Kreml könnte ihn loswerden wollen. Wie er im Falle eines aufmüpfig gewordenen Dikators vorgeht, zeigt das Beispiel des weißrussischen Präsidenten Alex-ander Lukaschenko, dessen Emanzipationsversuche sämtlich scheiterten. Als er sich mit Mos-kau anlegte, wurde ihm kurzerhand der Geldhahn zugedreht. In einer gnadenlosen Fernsehkampagne wurde Lukaschenko zugesetzt. Weil er als letzter Diktator Europas gilt, half der Westen ihm nicht. Einen Ausweg aus der Isolation fand er nicht. Ende 2011 gab Lukaschenko endlich nach und verkaufte die begehrten Pipelines an Russland.</p>
<p>Viktor Janukowitsch will aber noch nicht klein beigeben und strebt weiter die Unabhängigkeit von Russland an. In letzter Zeit setzt er erneut auf eine verstärkte Annäherung an den Westen. Seine Anhänger verübeln ihm das und werfen ihm vor, sich wie sein einstiger Gegner Viktor Juschtschenko, der aus der Orangenen Revolution als Präsident hervorgegangen war, bei der EU anzubiedern. Innenpolitisch gerät Janukowitsch unter Druck, weil sein Vorgehen gegen Oppositionelle immer mehr diktatorische Züge annimmt. Vor allem weniger im Rampenlicht Stehende werden nach und nach verhaftet. Beobachter sagen der Ukraine bereits eine neue Revolution voraus, die aber im Gegensatz zur Orangenen eine nicht von außen gesteuerte sein werde.</p>
<p>Das harsche Vorgehen gegen seine vielleicht gefährlichste Gegnerin Julia Timoschenko könnte Janukowitsch in die Isolation führen. Der Westen hat in den vergangenen Wochen immer wieder Druck auf Janukowitsch ausgeübt, bis er schließlich zuließ, dass Ärzte aus Deutschland und Kanada Timoschenko untersuchten. Viele rechnen mit ihrer baldigen Freilassung.</p>
<p>Derweil wendet Russland gegenüber der Ukraine die „Zuckerbrot und Peitsche“-Methode an. Während in Moskau Stanislaw Goworuchin, Regisseur, Duma-Abgeordneter und zurzeit Leiter von Putins Wahlstab, Gerüchte über eine mögliche Annektion der Krim durch Russland − die natürlich nur mit der Ukraine möglich sei − streut, verhandeln Gazprom-Vertreter mit ukrainischen Kollegen über einen zehnprozentigen Preisnachlass für russisches Gas. Daran, dass weitere erhebliche Preisnachlässe drin sind, wenn Kiew bereit ist, den Russen die Kontrolle über die ukrainischen Pipelines zu übertragen, ließen sie keinen Zweifel.</p>
<p>Ähnlich wie Weißrussland ist die Ukraine für den Kreml von äußerster Wichtigkeit zur Untermauerung seines Großmachtstatus. Die geopolitische Lage im Osten Europas verändert sich. Moskau verliert in bislang sicher geglaubten Interessensgebieten wie Transnistrien und Südossetien an Einfluss. In beiden, nur von Russland anerkannten Staaten waren die vom Kreml favorisierten Kandidaten unterlegen.<br />
</p>
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		<title>Friedrich II. oder Friedrich der Große?</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 14:23:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionelle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Bundesfinanzministerium würdigt den 300. Geburtstag des Alten Fritz mit einer Zehn-Euro-Münze und einer 55-Cent Briefmarke Das Bundesministerium der Finanzen würdigt den 300. Geburtstag des dritten preußischen Königs Friedrich der Große mit der Herausgabe eines 55-Cent-Sonderpostwertzeichens und einer Zehn-Euro-Gedenkmünze. Das Briefmarkenmotiv zeigt Friedrich den Großen, wie er auf einem der bekanntesten Gemälde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p><strong>Bundesfinanzministerium würdigt den 300. Geburtstag des Alten Fritz mit einer Zehn-Euro-Münze und einer 55-Cent Briefmarke</strong></p>
<p>Das Bundesministerium der Finanzen würdigt den 300. Geburtstag des dritten preußischen Königs Friedrich der Große mit der Herausgabe eines 55-Cent-Sonderpostwertzeichens und einer Zehn-Euro-Gedenkmünze.</p>
<p>Das Briefmarkenmotiv zeigt Friedrich den Großen, wie er auf einem der bekanntesten Gemälde des zeitgenössischen Malers Anton Graff aus dem Jahr 1781 dargestellt ist. Bei der Präsentation von Briefmarke und Münze im Berliner Bode-Museum lobte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Hartmut Koschyk: „Der Grafiker Gerhard Lienemeyer aus Offenbach am Main hat es mit den grafischen Darstellungsmitteln unserer Tage verstanden, das eindrucksvolle Antlitz des<span id="more-13946"></span> Gemäldes auf kleinstem Format voll zur Geltung zu bringen. So wird dem Betrachter der Marke bewusst, dass es sich bei dieser aus der Vergangenheit verklärten Persönlichkeit letztlich um einen Menschen handelt, dessen Gedanken und Sorgen sich in seinem Gesicht wiederzufinden scheinen.“ Die Marke, deren Auflage sieben Millionen beträgt, kann in den Verkaufsstellen der Deutschen Post erworben werden.</p>
<p>Die Gedenkmünze zeigt das einzige authentische Porträt aus seiner Regierungszeit, angefertigt von dem Hofmaler Johann Georg Ziesenis. Der Münchner Künstler Erich Ott hat es als Vorlage für die Gestaltung der Münze genommen. Ott gilt als einer der langjährigsten und erfolgreichsten deutschen Münzgestalter. Seine erste Arbeit war vor 35 Jahren die Fünf-Mark-Gedenkmünze auf den Mathematiker Friedrich Gauss. Von den bisherigen 57 deutschen Zehn-Euro-Gedenkmünzen hat er acht und von den bisher acht Zwei-Euro-Sondermünzen zwei gestaltet, darunter auch die jüngst erschienene Neuschwanstein-Münze (siehe Seite 10). Die Münze, deren glatter Rand in vertiefter Prägung die Inschrift „Mich meinen Mitbürgern nützlich erweisen“ besitzt, kann bei den Filialen der Deutschen Bundesbank, bei der Verkaufsstelle für Sammlermünzen der Bundesrepublik Deutschland sowie vielen Banken und Sparkassen erworben werden.</p>
<p>Bei der Präsentation im Bode-Museum verwies der Direktor des dortigen Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, Bernd Kluge, in seiner Rede darauf, dass Friedrich der Große mit der neuen Sondermünze nun vor Wolfgang von Goethe und Max Planck liegt, die es beide bislang „nur“ auf je drei deutsche Nachkriegsgedenkmünzen gebracht haben. Auch ist der König der einzige Neuzeit-Herrscher unter den so Geehrten, denn die Kaiser Karl der Große und Friedrich Barbarossa sind dem Mittelalter zuzurechnen.</p>
<p>Erst mit dieser neuen Münze hat die Bundesrepublik endlich mit der DDR gleichgezogen, denn der mitteldeutsche Staat hatte bereits zwei, wenn auch mit Einschränkungen: „Auf den beiden … DDR-Münzen erscheinen als Stellvertreter Friedrichs seine beiden bekanntesten Bauwerke, Schloss Sanssouci und das Neue Palais. Ganz so ungeniert sollte die Friedrich-Rehabilitierung des sozialistischen deutschen Staates denn doch nicht ausfallen. Die Bundesrepublik feierte ihn direkter in der populären Darstellung des Alten Fritz.“</p>
<p>Leider ließ der 1949 in Cottbus geborene Münzfachmann in seiner ansonsten sehr aufschlussreichen Rede unerwähnt, dass auf der aktuellen Münze zum 300. Geburtstag von „Friedrich II.“ die Rede ist, während es auf der Fünf-D-Mark-Münze zum 200. Todestag 1986 noch „Friedrich der Große“ geheißen hatte. Dafür verwies der kluge Kluge jedoch auf einen interessanten Unterschied zwischen der aktuellen Sondermünze und dem aktuellen Sonderwertzeichen, wobei es dem Leser überlassen sei, ob er diesen als Inkonsequenz oder Ausdruck von gelebtem Pluralismus wertet: „Auf der Münze heißt es neutral distanzierend ,Friedrich II.‘, auf der Briefmarke zustimmend ,Friedrich der Große‘.“   Manuel Ruoff<br />
</p>
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		<title>Deutscher »Sparmansperg« für Griechenland</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 14:02:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Nachdem Joseph von Armansperg Bayerns Finanzen saniert hatte, wurde er als Regierungschef nach Griechenland geschickt Bereits im 19. Jahrhundert wurde der Versuch unternommen, mit deutscher Ordnung, Gründlichkeit und Sparsamkeit Griechenland zu sanieren, denn schon damals war es ein „verwahrlostes Land“, wie Roswitha von Bary-Armansperg in der „Neuen Deutschen Biographie“ zu berichten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p><strong>Nachdem Joseph von Armansperg Bayerns Finanzen saniert hatte, wurde er als Regierungschef nach Griechenland geschickt</strong></p>
<p>Bereits im 19. Jahrhundert wurde der Versuch unternommen, mit deutscher Ordnung, Gründlichkeit und Sparsamkeit Griechenland zu sanieren, denn schon damals war es ein „verwahrlostes Land“, wie Roswitha von Bary-Armansperg in der „Neuen Deutschen Biographie“ zu berichten weiß. An der Spitze dieses Versuchs stand Joseph Ludwig Graf von Armansperg, der ebenso wie der damalige König Griechenlands, Otto I., aus Deutschland stammte.<span id="more-13929"></span></p>
<p>Der am 28. Februar 1787 im niederbayerischen Kötzting geborene Urenkel des bayerischen Staatskanzlers Franz Xaver Josef von Unertl war nach einem Jurastudium in Landshut 1808 in den bayerischen Staatsdienst eingetreten. Während der Befreiungskriege war er ab 1813 als Verwaltungsbeamter der bayerischen Besatzungsmacht in Frankreich tätig. Dabei lernte er das fortschrittliche Verwaltungssystem der westlichen Kontinentalmacht kennen und schätzen.</p>
<p>Nach den Freiheitskriegen machte Armansperg in der bayerischen Verwaltung Karriere. Seine Politikerkarriere begann nach der Regierungsübernahme Ludwig I. im Jahre 1825. Für die Sanierung der Staatsfinanzen griff dieser ambitionierte König auf Armansperg zurück, der sich bereits ab 1820 an der Spitze des Obersten Rechnungshofes als Finanzfachmann ausgewiesen hatte. Noch im Jahre seiner Regierungsübernahme holte der Monarch Armansperg in die sogenannte Ersparungskommission. Zwei Jahre später berief er ihn an die Spitze nicht nur des Finanz-, sondern auch des Innenministeriums. Noch im selben Jahr konnte Armansperg vor dem Landtag verkünden, dass der Staatshaushalt in jenem Jahr erstmals seit langer Zeit kein Defizit auswies. „Sparmannsberg“ wurde deshalb sein Ministerium ebenso scherzhaft wie vielsagend genannt.</p>
<p>Des Weiteren bemühte der liberale Minister sich, Verwaltungsinstitutionen aus der vormals französischen linksrheinischen Bayerischen Pfalz in das rechtsrheinische Mutterland zu übertragen. Mit seinem fortschrittlichen Kampf gegen die Patrimonial­gerichtsbarkeit und die Wieder­errichtung der in der napoleonischen Zeit aufgelösten Klöster brachte er jedoch Adel und Kirche, sprich den ersten und den zweiten Stand, gegen sich auf. Diese setzten durch, dass er das Innenministerium verlor und nun neben dem Finanz- das Außenministerium erhielt.</p>
<p>Auch als Chef des Außenresorts setzte Armans­perg liberale Akzente. So setzte er sich für den Abbau von Zollmauern und die Schaffung eines gemeinsamen deutschen Marktes ein. Die Zollvereinspolitik des bayerischen Außenministers widersprach jedoch den Interessen Wiens, da die österreichische Regierung die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Staates als zu gering erachtete, als dass er sich an einem gemeinsamen deutschen Markt hätte beteiligen können. So wurde die kleindeutsche Einigung Deutschlands durch die Zollvereinspolitik quasi auf wirtschaftlichem Gebiete vorweggenommen.</p>
<p>Doch auch ideologische Gründe belasteten das bayerisch-österreichische Verhältnis. An der Spitze der süddeutschen Mittelmacht stand mit Armans­perg ein Liberaler, an der Spitze der süddeutschen Großmacht mit Klemens Wenzel Lothar von Metternich ein Reaktionär. Zur Kompensation suchte Armansperg Rückhalt bei Frankreich.</p>
<p>Das Ende dieser liberalen, frankreichfreundlichen Politik kam, nachdem in der westdeutschen Großmacht 1830 die Julirevolution ausgebrochen war. Verschreckt von der Revolution suchte der Bayernkönig die Nähe Österreichs und ließ Armansperg fallen.</p>
<p>Der geschasste Liberale zog sich auf seine Güter zurück, wurde jedoch schon kurze Zeit später als Regierungschef Griechenlands reaktiviert. Auf der Londoner Konferenz einigten sich die drei nichtdeutschen Großmächte 1832 auf die Schaffung eines griechischen Königreiches mit dem Bayernprinzen Otto als König. Da der 1815 geborene Wittelsbacher zu dem Zeitpunkt noch unmündig war, wurde ein Regentschaftsrat eingesetzt. Zu dessen Chef wurde bezeichnenderweise ein deutscher Finanzexperte mit Sparerfahrung berufen, Joseph von Armansperg.</p>
<p>Wie schon als bayerischer suchte er nun auch als griechischer Regierungspolitiker Rück­halt im liberalen Westen. Aufgrund der geografischen Lage war es diesmal allerdings weniger Frankreich als Großbritannien, an das er Anlehnung suchte.</p>
<p>Eine Wiederholung seines Erfolges in Bayern blieb Armansperg jedoch in Griechenland versagt, was nicht unbedingt an ihm liegen muss. Interessanterweise wurde dem Bayern wie heute der Griechenlandpolitik der Bundesregierung vorgeworfen, allzu sehr nach heimischer Schablone zu arbeiten. Karl Theodor von Heigel verweist allerdings zur Verteidigung des Deutschen darauf, dass „in diesen Jahren eine rein griechische, auf nationalen Formen beruhende Regierung gar nicht möglich war, sondern erst vorbereitet werden musste“. Die Situation in Hellas war also ähnlich wie heute.</p>
<p>1837 wurde der erfolglose griechische Regierungschef von seinem mittlerweile mündigen König entlassen. Armansperg zog sich wie weiland 1831 auf seine bayerischen Güter zurück, diesmal allerdings endgültig. Er starb am 3. April 1853 in Bayerns Hauptstadt München. Manuel Ruoff<br />
</p>
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		<title>Terra Incognita &#8211; Sibirien rüstet touristisch auf</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Mar 2012 21:28:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausland]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Buhr]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Artikel erschien bereits in folgenden Objekten: Deutsches Ärzteblatt, Magazin für Psychologie (gehört zum Verlag Deutsches Ärzteblatt), Rhein-Neckar-Zeitung, PAZ, Schleswig-Holstein-am-Sonntag, Pfälzer Anzeigenblatt, Von  Uta Buhr Ein Himmel voller Sterne wölbt sich über der Taiga. Ihr Licht lässt das Wasser des Sees silbern aufblitzen. Aus der Tiefe des Waldes dringen Tierlaute an unser Ohr. Plötzlich raschelt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Artikel erschien bereits in folgenden Objekten: Deutsches Ärzteblatt, Magazin für Psychologie (gehört zum Verlag Deutsches Ärzteblatt), Rhein-Neckar-Zeitung, PAZ,</p>
<p>Schleswig-Holstein-am-Sonntag, Pfälzer Anzeigenblatt,</p>
<p><em>Von  Uta Buhr</em></p>
<div id="attachment_13855" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3438.jpg"><img class="size-medium wp-image-13855" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3438-300x225.jpg" alt=" " width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Der rundum &quot;geliftete&quot; Kreml von Tobolsk</p></div>
<p>Ein Himmel voller Sterne wölbt sich über der Taiga. Ihr Licht lässt das Wasser des Sees silbern aufblitzen. Aus der Tiefe des Waldes dringen Tierlaute an unser Ohr. Plötzlich raschelt es im Unterholz und ein Elch mit mächtigem Geweih betritt die Lichtung, nimmt Witterung auf und verschwindet im Dickicht des Waldes. Romantik pur im Herzen Sibiriens! Mit dem Hubschrauber sind wir vor Stunden aus Tjumen aufgebrochen, um im Angel- und Jagdparadies Kunjaks einen Kurzurlaub fernab jeglicher Zivilisation zu verbringen. Bereits der Flug macht mit der unendlichen Weite des Landes vertraut. Schier endlose Birkenwälder, unterbrochen von spiegelnden Teichen und Tümpeln, prägen die Landschaft, die nahtlos in einen dichten Nadelwald übergeht.  Hier wurde ein kleines Feriendorf erbaut.  Rund um einen<span id="more-13842"></span> idyllisch gelegenen See gruppiert sich eine Reihe einfacher Holzhütten. Die sanitären Anlagen befinden sich außerhalb des Wohnbereichs und sind gewöhnungsbedürftig. Das gibt auch Victor Pupyshev, einer  der Initiatoren des Projektes, zu. Natürlich muss noch nachgerüstet werden, sagt er. Aber das Konzept ist stimmig und dürfte in Zukunft auch Menschen aus Deutschland anlocken, die auf Öko-Tourismus stehen.</p>
<div id="attachment_13859" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3460.jpg"><img class="size-medium wp-image-13859" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3460-300x225.jpg" alt=" " width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Einfach, aber superökologisch - Angler- und Jägerparadies Kunjaks</p></div>
<p>Einiges spricht dafür, dass gerade Angler und Jäger in Kunjaks ihr Eldorado entdecken werden. Die Gewässer der Umgebung sind makellos sauber, der See vor der Haustür randvoll  mit Fischen. Einige besonders stramme Exemplare werden abends am Lagerfeuer gegrillt und, mit Pilzen und Beeren des Waldes gefüllt, aus der „Faust“ gegessen. Während die mit bestem Wodka gefüllten Gläser kreisen, die Scheite knacken und ein vielstimmiges Nastrovje durch die Nacht hallt, wird gar manche Schauergeschichte zum Besten gegeben. Vor der Tür einer Kate in der unmittelbaren Nachbarschaft soll doch tatsächlich unlängst ein über zwei Meter hoher Braunbär mit weit aufgerissenem Maul gestanden haben. „Man musste ihn leider erschießen“ erklärt Victor lakonisch. Armer Bruno! Mit Bären oder Wölfen  &#8211; von beiden Spezies gibt es hier genug – hatten wir in unserem sibirischen Öko-Paradies keinerlei Probleme. Wohl aber mit Myriaden blutrünstiger Mücken, die uns auf Schritt bis in die Hütten verfolgten und deren Stachel sogar unsere Jeans durchbohrten.</p>
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<div id="attachment_13862" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3379.jpg"><img class="size-medium wp-image-13862" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3379-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Weiß wie Schnee erstrahlt die Erlöserkirche von Tjumen</p></div>
<p>In Tjumen, dem „Tor nach Sibirien“ brummt es rund um die Uhr. Des Volkes wahrer Himmel ist der Rummelplatz im Zentrum der Stadt, ein Mini-Disneyland mit schreiend bunten Plastikschwänen auf einem künstlichen See und einer Reihe von Pommesbuden, aus denen Ohren betäubende Musik schallt. Ringsum Gebäude aus der sozialistischen Ära -  in Zement gegossene Monotonie. Doch die 1586 von Kaufleuten gegründete Stadt hat auch manch schöne Ansicht zu bieten. Blendend weiß erstrahlt die Erlöserkirche in der gleißenden Mittagssonne. Und auch die Zeilen mit kunstvollem Schnitzwerk verzierter pastellfarbener Häuser aus dem 19. Jahrhundert erfreuen das Auge. Störend ist allerdings das Gewirr von Oberleitungen, das sich kreuz und quer durch die ganze Stadt zieht.  Als Highlight auf unserer Route durch die Region  erweist sich Tobolsk mit seinem imposanten Kreml (Festung). Die Stadt erhielt unlängst ein gründliches Facelifting. Historische Gebäude und elegante Stadtpalais wurden gründlich gereinigt und von Grund auf restauriert. Und diese Maßnahme war keinem Geringeren als Russlands altem und neuen Präsidenten Wladimir Putin zu verdanken. Als er vor einigen Jahren auf einer Reise durch sein Reich hier  vorbeischaute, zeigte er sich gar nicht amüsiert  über den Zustand der einstmals prächtigen Gebäude. „Da müsst ihr was tun“, soll er nur kurz gesagt haben. Und so geschah es auch mit schnell bewilligten Geldern aus der Staatskasse. Sibirien ist dank seiner sprudelnden Öl- und Gasquellen ein reiches Land. Nur leider, murren die Einheimischen hinter vorgehaltener Hand, muss gar zuviel von diesen Einnahmen nach Moskau abgeführt werden. In Tobolsk vollzog sich übrigens eine der dramatischsten Episoden der russischen Geschichte. Nach der Oktoberrevolution wurde die Familie des letzten Zaren Nikolaus II. kurzerhand im Gouverneurspalast interniert, bevor die Bolschewiki sie 1918 in Jekatarinburg ermordeten. Jeder ihrer Schritte wurde von den neuen  Machthabern überwacht, berichtet Stadtführerin Inna in perfektem Deutsch. Nur an seinem Schreibtisch war der Zar unbeaufsichtigt. Da konnte er in aller Ruhe sein Tagebuch verfassen. Heute heißt es „bitte freundlich lächeln“, wenn sich Touristen aus aller Welt hinter diesem erlesenen Möbelstück ablichten lassen.</p>
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<div id="attachment_13866" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3415.jpg"><img class="size-medium wp-image-13866" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3415-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Jurgewna Smirnova hütet das Erbe von Rasputin in seinem Wohnhaus in Pokrowkoje</p></div>
<p>Inzwischen sind die Romanows weitgehend rehabilitiert und in manchen russisch-orthodoxen Kirchen und Klöstern auf modernen Ikonen zu bewundern. Wer sich mit dem Leben der Zarenfamilie befasst, kommt an ihrem Dämon, dem Wanderpropheten Grigori Jefimowitsch Rasputin,  nicht vorbei. Manche verfluchten, viele verehren ihn noch heute. Zur zweiten Kategorie zählt seine Biografin  Jurgewna Smirnowa. Auf dass Rasputin, dem berühmtesten Sibirjaken aller Zeiten, endlich Gerechtigkeit widerfahre, setzte sich die unerschrockene Dame bereits in der der Sowjetzeit ein. In Pokrowskoje, dem Heimatdorf des Zarengünstlings, betreut sie sein ehemaliges Wohnhaus, das sie zu einem sehr sehenswerten Museum umfunktionierte, in welchem sie sämtliche Erinnerungsstücke wie ihren Augapfel hütet.  Natürlich war der Name Rasputin unter den Kommunisten tabu, erzählt die agile Blondine, während sie ihre Gäste durch ihre Sammlung führt und sämtliche Fotos und Gegenstände akribisch erklärt. Höchste Ehren erfuhr das Haus, als Zar Nikolaus  einst persönlich hier erschien, um Rasputin zu bitten, seinen Sohn, den Zarewitsch, von seiner Bluterkrankheit zu heilen. Ein  großer Gedenkstein vor dem Anwesen weist auf den hohen Besuch hin. Zum Schluss überrascht Frau Smirnowa uns noch mit einer Sensation. Neueste Erkenntnisse aus jüngst frei gegebenen Dokumenten sollen belegen, dass nicht etwa -wie bislang vermutet &#8211; einer der Vettern des Zaren,  sondern ein führendes Mitglied des britischen Geheimdienstes Rasputin 1916 in St. Petersburg ermordete. So eine Art Vorgänger von 007 James Bond mit der Lizenz zum Töten, wie einer aus der Gruppe hinter vorgehaltener Hand witzelt.</p>
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<p>Sibirien ist reich an schönen alten Bauernhöfen, die in letzter Zeit aufwendig  restauriert  wurden. Die Stuben und Küchen mit  ihren knarrenden Holzfußböden, riesigen Kachelöfen und altem Mobiliar rufen lebhafte Erinnerungen an Erzählungen großer russischer Schriftsteller wie Leo Tolstoi und Fjodor Dostojewski hervor. Die in ihre farbenfrohen Trachten gekleideten Dorfbewohner empfangen die Touristen nach Landessitte gleich am Tor mit Brot und Salz. Zu den Klängen von Akkordeon und Balalaika wird bis spät in den Abend gesungen und getanzt. Diese Museumsdörfer erfreuen sich auch bei den Besuchern aus anderen Teilen Russlands – besonders bei den  Moskowitern – wachsender  Beliebtheit. Hier erfahren sie zu ihrem Erstaunen, dass die sibirischen Bauern immer freie Bauern waren, die selbst über ihre Ländereien bestimmen konnten. Der Arm der Obrigkeit reichte wohl nicht bis in die entlegenen Gebiete des Riesenreiches.</p>
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<div id="attachment_13869" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3434.jpg"><img class="size-medium wp-image-13869" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3434-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Zu Gast bei Flora Abba, der gestrengen Tartarin</p></div>
<p>Die Sonne ist gerade aufgegangen. Doch das Thermometer zeigt an diesem Julitag bereits 26 Grad Celsius an. Über Stock und Stein, holperige Feldwege und schlecht geteerte Straßen fahren wir in Richtung Osten, um ein Tartarendorf zu besuchen. Obgleich die Tartaren gläubige Muslime sind, leben sie sehr harmonisch mit ihren  größtenteils russisch-orhodoxen Mitbürgern zusammen. Konflikte hat es bislang noch nicht gegeben, beteuert Reiseleiterin Inna. In einer Stunde sind wir am Ziel, erklärt  unser Fahrer Igor nach einer kurzen Teepause. „In einer sibirischen Stunde“, fügt er verschmitzt hinzu. Denn in diesem gigantischen, zehn Millionen Quadratkilometer  großen Land, das schon fast ein Erdteil für sich ist, gehen auch die Uhren etwas anders als sonst wo auf der Welt. Endlich erreichen wir das Dorf, in dem Flora Abba, die gestrenge Matriarchin eines alten Tartarenclans, uns in die Moschee zu Tisch bittet. Wir Frauen werden höflich, aber sehr bestimmt gebeten, unsere Köpfe mit einem Tuch zu bedecken. Auf dicken Teppichen im Schneidersitz kauernd, genießen wir Pelmeni, leckere gefüllte Teigtaschen, und von Honig triefendes Gebäck. Dazu wird Wasser und Fruchtsaft gereicht. Hier sind die Sitten strenger als bei anderen Tartaren, erzählt mein Nachbar. Bei manchen Muslimen stehe sogar die Wodkaflasche für jeden sichtbar mitten auf dem Tisch. Denn der Prophet Mohammed habe den Gläubigen lediglich den Genuss von Wein verboten. Und Wodka gab es zu seinen Lebzeiten noch nicht. Ein Narr, der Schlechtes dabei denkt!</p>
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<p><strong>Allgemeine Auskünfte</strong>:</p>
<p>Russisches Fremdenverkehrsbüro, Eisenacher Straße 11 in 10777 Berlin, Telefon: 030-78 600 041,  <a href="http://www.russlandinfo.de/">www.russlandinfo.de</a>  oder Vostok Reisen GmbH &amp; Co. KG., Weinbergsweg 2, 10119 Berlin, Telefon: 030 – 30 871 028, <a href="http://www.vostok.de/">www.vostok.de</a></p>
<p><strong> </strong></p>
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		<title>Königsbergs alte Stadthalle wird 100</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2012 13:59:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Rosenthal]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Manuela Rosenthal-Kappi Museum für Geschichte und Kunst plant umfangreiche Ausstellung In diesem Jahr wird die alte Stadthalle in Königsberg 100 Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums plant das dort untergebrachte Staatliche Museum für Geschichte und Kunst des Königsberger Gebiets eine Ausstellung. Die Stadthalle wurde 1911 von Oberbürgermeister Siegfried Körte initiiert und von dem Berliner Architekten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Manuela Rosenthal-Kappi</p>
<p><strong>Museum für Geschichte und Kunst plant umfangreiche Ausstellung</strong></p>
<div id="attachment_13815" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/PAZ5_13-Stadthalle-Kopie.jpg"><img class="size-medium wp-image-13815" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/03/PAZ5_13-Stadthalle-Kopie-300x164.jpg" alt=" " width="300" height="164" /></a><p class="wp-caption-text">Die Stadthaalle</p></div>
<p>In diesem Jahr wird die alte Stadthalle in Königsberg 100 Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums plant das dort untergebrachte Staatliche Museum für Geschichte und Kunst des Königsberger Gebiets eine Ausstellung. Die Stadthalle wurde 1911 von Oberbürgermeister Siegfried Körte initiiert und von dem Berliner Architekten Richard Seel erbaut. Einst besaß der damals moderne Bau die größten Konzert- und Veranstaltungssäle Königsbergs. 1600 Zuschauer fanden in ihnen Platz. Das 1912<span id="more-13812"></span> eingeweihte Gebäude wurde am 26. April 1944 bei den Luftangriffen auf Königsberg schwer beschädigt. Im Garten vor dem Schlossteich befand sich einst ein Restaurant und ein Café. Erst in den Jahren 1981 bis 1986 begannen die Sowjets mit dem Wiederaufbau. Im Jahre 1991 wurde das Museum für Geschichte und Kunst hier untergebracht. Äußerlich hat das Gebäude nicht viel von seinem ursprünglichen Aussehen einbüßen müssen. Im Inneren kam es jedoch zu großen Veränderungen, weil die Räume an die Bedürfnisse des Museums angepasst wurden.</p>
<p>Um ein möglichst genaues Bild der ehemaligen Pracht entstehen zu lassen, bittet der Vizedirektor des Museums Anatolij Walujew die Leser der PAZ um Mithilfe. Für eine geplante Jubiläumsausstellung werden Fotos und Dokumente gesucht, die etwas mit der Stadthalle zu tun haben. Vielleicht gibt es jemanden, der selbst oder dessen Verwandte in der Stadthalle gearbeitet haben oder etwas mit ihrem Bau zu tun hatten. Oder es besitzt noch jemand persönliche Fotografien, Eintrittskarten, Ankündigungen, Zeitungsartikel, die Speisekarte des Cafés oder ähnliches. Der engagierte Historiker und Archäologe Walujew freut sich über jede Information. Ziel ist es, dass die Ausstellung über das Haus so ausführlich wie möglich informiert.</p>
<p>Das Museum steht bereits in Verbindung mit der Stadtgemeinschaft Königsberg in Duisburg, von der es Fotos der Stadthalle in elektronischer Form übermittelt bekam. Wer etwas zum Gelingen der Ausstellung beitragen möchte, kann sich entweder per E-Mail direkt an Anatolij Walujew wenden (anvaluev@mail.ru) oder per Post oder elektronisch an die PAZ.<br />
</p>
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		<title>Ein Parteiloser war der erste Bildungsminister der Bundesrepublik Deutschland</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2012 13:52:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff SPD-Linke, Bildungsföderalismus und fehlende Hausmacht beendeten Hans Leussinks Ausflug nach Bonn In der ersten Reformeuphorie der Ära Willy Brandt war er dessen Minister für die Bildung, einem der liebsten Steckenpferde der studentenbewegten SPD-Linken. Und trotzdem war Hans Leussink ein Fachmann, ein „Technokrat“, der auf Vernunft statt auf Ideologie setzte. Staat statt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p>SPD-Linke, Bildungsföderalismus und fehlende Hausmacht beendeten Hans Leussinks Ausflug nach Bonn</p>
<p>In der ersten Reformeuphorie der Ära Willy Brandt war er dessen Minister für die Bildung, einem der liebsten Steckenpferde der studentenbewegten SPD-Linken. Und trotzdem war Hans Leussink ein Fachmann, ein „Technokrat“, der auf Vernunft statt auf Ideologie setzte.</p>
<p>Staat statt Markt lautet die Formel der Linken. Folglich wurde in der Bundesrepublik nach dem Wechsel von den bürgerlichen Nachkriegsregierungen über die Große Koalition zur SPD-geführten Regierung Brandt der Staatsapparat aufgebläht. Besonderer Aufmerksamkeit und finanzieller Förderung erfreute sich dabei der Bildungssektor.<span id="more-13807"></span></p>
<p>Der ideologische Hintergrund war dabei die linke These, dass von Natur aus alle gleich seien und erst die Umwelt Ungleichheit bringe. Diese Ansicht führt von eine Strafjustiz, die in Verbrechern statt Tätern Opfer der Gesellschaft sieht, über Gender Mainstreaming bis zum Versuch im Stalinismus, die mendelschen Regeln zu widerlegen. Da nicht die Erbanlagen, sondern die Sozialisation entscheidend sei, kommt von daher der Bildungspolitik in der linken Ideologie größte Bedeutung zu.</p>
<p>So hieß es nach der Regierungsübernahme der sozialliberalen Koalition in der Regierungserklärung vom 28. Oktober 1969: „Bildungspolitik, Bildung und Ausbildung, Wissenschaft und Forschung stehen an der Spitze der Reformen, die es bei uns vorzunehmen gilt. Wir haben die Verantwortung, soweit sie von der Bundesregierung zu tragen ist, im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft zusammengefasst.“ Das war ein Kratzen an dem im Grundgesetz festgeschriebenen bundesdeutschen Dogma des Bildungsföderalismus. An die Spitze des neugebildeten Bundesministeriums wurde Hans Leussink berufen. Der erste Bundesbildungsminister steht wie kein anderer Bundesminister für die bundesdeutsche Bildungsexplosion mit ihren fetten Jahren und ihrer Fülle an Planstellen für Jungakademiker, von denen Studenten späterer Jahrgänge, denen eine Zukunft im akademischen Proletariat drohte, nur träumen konnten. Inzwischen versucht zwar die Linke, mit der „Bildungsrepublik Deutschland“ die damaligen Zeiten zurückzuholen, aber heute fehlt dazu das Geld. Das war damals nach „Wirtschaftswunder“ und jahrzehntelanger bürgerlicher Regierung noch anders. So war Minister Leussink eine Erhöhung des Bildungs- und Forschungsetats um 43 Prozent vergönnt.</p>
<p>Nichtsdestoweniger entsprach Leussink nicht dem Idealbild der damals dominierenden linken Bildungspolitiker. Er war weder Soziologe, Politologe, Sozialpädagoge oder sonst ein …oge, noch nicht einmal Ideologe, was ihm die SPD-Linke besonders übel nahm. Leussink war auch kein Berufspolitiker mit SPD-Parteibuch, sondern ein parteiloser Seiteneinsteiger, der schon lange vor dem Linksruck der Republik in seinem erlernten Beruf Karriere gemacht hatte.</p>
<p>Bis zu seinem Ausflug in die Bonner Bundespolitik war die Berufslaufbahn des am 2. Februar 1912 im preußischen Schüttorf, Kreis Bentheim zur Welt gekommenen Architektensohnes eine bunte Mischung aus Tätigkeiten in Wissenschaft und Industrie. Nach einem Bauingenieurstudium an der Technischen Hochschule in Dresden wechseln Tätigkeiten am Institut für Technische Mechanik an der Bergakademie im sächsischen Freiberg, an einem ebendort ansässigen Ingenieurbüro und am Erdbau-Institut der Technischen Hochschule München.</p>
<p>Nach dem Krieg sammelte er Erfahrungen als Selbständiger. So betrieb er ab 1946 ein Architektur- und Ingenieurbüro in seiner Geburtsstadt. 1950 gründete er das Erdbaulaboratorium Essen. Er spezialisierte sich auf Großprojekte und wirkte unter anderem beim Bau des Assuan-Staudamms mit.</p>
<p>Nach der Habilitation folgte er 1954 einem Ruf als Professor für Grundbau, Tunnelbau und Baubetrieb an der Technischen Hochschule Karlsruhe. 1956 wurde er Dekan der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen, 1958 Rektor der TH Karlsruhe.</p>
<p>1960 bis 1962 war Leussink Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz und 1962 wurde er Vorsitzender des neu gegründeten Ausschusses für Universitäten und Forschung beim Europarat. 1965 wurde er Präsident des Wissenschaftsrates, dem er seit 1962 angehörte. Leussink war also kein Kind der sogenannten Studentenbewegung, das erst infolge des Linksruckes der Republik nach oben geschwemmt worden wäre. Vielmehr war er schon zu Zeiten der Adenauer- und Ehrhard-Regierungen an der Bildungspolitik beteiligt gewesen, wenn auch nicht auf der Seite der Politiker, sondern der Wissenschaftler.</p>
<p>Heute wissen wir, dass Leussink ab 1937 NSDAP-Mitglied gewesen war, und an Planungen für den Autobahnbau soll er auch beteiligt gewesen sein, was das linke Feindbild komplett macht. Der Vorsitzende der Bundes-Assistenten-Konferenz Tilman Westphalen bescheinigte ihm 1970 das „konzentrierte Miss­trauen aller Wissenschaftler unter 35“. Das erinnert an den 68er-Spruch „Trau keinem über 30!“ Westphalen musste jedoch die Altersgrenze heraufsetzen, war er selber damals doch schon 34. Leussink, der wie manch anderer politischer Quereinsteiger dem Irrglauben anhing, dass sich Vernunft schon durchsetzen werde, sah seine Aufgabe und sein Ziel darin, die Funktions- und Leistungsfähigkeit des Bildungssektors zu verbessern. Dass brachte ihm von Seiten der SPD-Linken das Verdikt „Technokrat“ ein. Für sie war Sinn und Zweck der Bildungsreform nicht die Ergebnisverbesserung. Ihr bildungsreformerisches Credo lautete stattdessen mehr Chancengleichheit und Emanzipation. Wer denkt da nicht an aktuelle Frauenförder- und Integrationspläne?</p>
<p>Doch nicht nur die Linke machte Leussink das Leben schwer, sondern auch die Bundesländer. Stieß er mit seinem Appell an die Vernunft bei den SPD-Bildungspolitikern auf Ideologie, so bei den Länderpolitikern auf Ressortegoismen. Leussink besaß mit der Bildung zwar ein Ressort, das damals wahnsinnig angesagt war, doch stand er als Parteiloser den SPD-Bildungs- und den Länderpolitikern ohne Hausmacht gegenüber. So scheiterte Leussink mit seinem Versuch eines Hochschulrahmengesetzes. Erst setzte der linke SPD-Flügel 1970 im Bundestag seine Wünsche in dem Gesetzesentwurf durch und dann scheiterte dieser 1971 im Bundesrat.</p>
<p>Der einzige, auf den der Bildungsminister sich stützen konnte, war sein Freund und Kabinettskollege an der Spitze des Finanzressorts Alex Möller. Diesem hatte Leussink bis zu einem gewissen Grade auch seine Berufung in die Bundesregierung zu verdanken. Da Möller als zuständiger Minister das explosionsartige Anwachsen der Ausgaben des Bundes nicht mehr verantworten zu können glaubte, weil er die Stabilität der Finanzen in Gefahr sah, reichte er allerdings schon am 12. Mai 1971 ein Rücktrittsgesuch beim Bundeskanzler ein, das dieser auch annahm. Bereits wenige Monate später, im Herbst des Jahres 1971, strich Möllers Nachfolger als Bundesfinanzminister, Karl Schiller, Leussink 460 Millionen D-Mark Planungsreserve, ohne dass es im Kabinett Widerspruch gegeben hätte. Nach diesem eklatanten Beispiel seiner Machtlosigkeit zog der Bildungsminister die Konsequenzen und trat am 15. März 1972 von seinem Amt zurück.</p>
<p>Leussink fiel nicht ins Bodenlose. Er kehrte in den Wissenschaftsbetrieb zurück, aus dem er 1969 gekommen war und arbeitete zudem in diversen wissenschaftlichen und unternehmerischen Gremien mit. Als „Stiftologe“ wurde er deshalb auch scherzhaft bezeichnet. Am 16. Februar 2008 starb Hans Leussink in Karlsruhe.      Manuel Ruoff<br />
</p>
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		<title>Festhalten an »Kaliningrad«</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2012 13:49:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionelle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Westerwelle lehnt Vorschlag des Bundestagsabgeordneten Mayer ab Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den Vorschlag des Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer abgelehnt, dass das Generalkonsulat in Königsberg auch den Namen Königsberg trägt. Zur Begründung seines Vorschlages hatte der CSU-Abgeordnete in einem Schreiben an den Minister vom 25. Oktober vergangenen Jahres angeführt: „Gerade im Zusammenhang mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p>Westerwelle lehnt Vorschlag des Bundestagsabgeordneten Mayer ab</p>
<p>Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den Vorschlag des Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer abgelehnt, dass das Generalkonsulat in Königsberg auch den Namen Königsberg trägt. Zur Begründung seines Vorschlages hatte der CSU-Abgeordnete in einem Schreiben an den Minister vom 25. Oktober vergangenen Jahres angeführt: „Gerade im Zusammenhang mit der deutschen Benennung der deutschen Vertretungen in Breslau, Oppeln und Hermannstadt wäre es nur folgerichtig, auch das Generalkonsulat in Kaliningrad unter dem Namen Königsberg zu präsentieren.“<span id="more-13804"></span></p>
<p>Einen knappen Monat später, mit Datum vom 21. November, antwortete Westerwelle Mayer in einem kurzen Schreiben abschlägig. Nach dem Dank für das Schreiben seines Parlamentskollegen beteuert er, dass sein Ministerium der Benennung der Auslandsvertretungen große Aufmerksamkeit widme und mit „Blick auf eventuelle sprachliche Entwicklungen in den jeweiligen Gastländern &#8230; die Namen regelmäßig überprüft“.</p>
<p>Dann kommt Westerwelle zur Begründung seiner Ablehnung: „Der Fall des Deutschen General-konsulats Kaliningrad unterscheidet sich insofern von den anderen von Ihnen angeführten Beispielen, als hier die damalige Sowjetunion den früheren Namen Königsberg offiziell in Kaliningrad umbenannt hat. Aus historischer Sicht soll diese Entscheidung respektiert und der Name Generalkonsulat Kaliningrad beibehalten werden.“</p>
<p>Mayers erklärte hierzu gegenüber der <em>PAZ</em>: „Die deutsche Minderheit in Königsberg/ Kaliningrad  und Umgebung ist vergleichsweise groß. Nicht zuletzt deswegen ist es sehr angebracht, dass ein Generalkonsulat die Interessen der ursprünglich deutschen Bevölkerung vertritt und Ansprechpartner vor Ort ist. Wie in Breslau, Oppeln oder Herrmannstadt hielte ich es für richtig und konsequent, auch den deutschen Namen in der Bezeichnung des Generalkonsulates zu führen. Es ist für mich nicht nachzuvollziehen, dass der Bundesminister des Äußeren diese Parallelen nicht anerkennt und das Führen beider Namen ablehnt.“</p>
<p>Mayer hatte Westerwelle den Vorschlag in seiner „Funktion als Mitglied im Präsidium des Bundes der Vertriebenen und als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter des Bundeswahlkreises Altötting/Mühldorf am Inn, in dem Deutschlands größte ,Vertriebenenstadt‘ Waldkraiburg liegt“, unterbreitet. Manuel Ruoff<br />
</p>
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		<title>Bereicherung der Gewaltenteilung durch Volkswahl</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2012 13:46:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionelle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Bei der Wahl des Bundespräsidenten gibt die politische Klasse dem politischen System der Bundesrepublik gerne einen volksnahen Anstrich. Großzügig verzichten die Politiker auf das Exklusivrecht, alleine zu bestimmen, wer an der Spitze des Staates steht, wohl in der Absicht, dem Erwählten dadurch die Aufgabe zu erleichtern, die Rolle des Landesvaters zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p>Bei der Wahl des Bundespräsidenten gibt die politische Klasse dem politischen System der Bundesrepublik gerne einen volksnahen Anstrich. Großzügig verzichten die Politiker auf das Exklusivrecht, alleine zu bestimmen, wer an der Spitze des Staates steht, wohl in der Absicht, dem Erwählten dadurch die Aufgabe zu erleichtern, die Rolle des Landesvaters zu spielen.<span id="more-13799"></span></p>
<p>So findet man in der Bundesversammlung neben Politikern auch Prominente wie Sportler und Künstler. Bei allem Respekt, aber diese zur Schau getragene Volkstümlichkeit erinnert an die Volkskammer der DDR. Da gab es auch solche Typen wie beispielsweise die Olympiasiegerin Heike Drechsler. Die konnten die SED-Bonzen getrost ins Parlament schicken. Bei denen konnte man sicher sein, dass sie richtig abstimmen und das Risiko, dass sie etwas Falsches sagen, war gering, da in der Volkskammer ohnehin wenig geredet wurde. Hauptsache sie stimmten richtig ab. Dass sie das taten, davon ging man aus, sonst hätte man sie ja nicht in die Kammer geschickt. Und die Gefahr, dass sie es sich als Ergebnis einer kontroversen Debatte anders überlegen, bestand auch nicht, denn die Volkskammer war zum Abnicken da und nicht für den Entscheidungsfindungsprozess.</p>
<p>All das kritisieren wir zu Recht an der Vor-„Wende“-Volkskammer. Und wo ist der Unterschied zur Bundesversammlung? Ohne Aussprache wird dort nur abgestimmt. Und dass ein Prominenter einmal nicht für die Partei beziehungsweise Fraktion stimmt, der er seinen Sitz in der Bundesversammlung zu verdanken hat, kann zwar einmal vorkommen – Missgeschicke passieren überall –, bleibt aber die absolute Ausnahme.</p>
<p>Und eine weitere Parallele gibt es: Beide Gremien sind keine legitime Alternative zum Volk als dem rechtmäßigen Souverän. Da hilft auch kein Hinweis, dass das deutsche Volk doch Paul von Hindenburg zum Präsidenten gewählt habe, der wiederum Adolf Hitler zum Kanzler ernannt habe. Schließlich hat Hindenburg mit Hitler nicht irgendeinen politischen Exoten mit der Regierungsbildung betraut, sondern den Vorsitzenden der stärksten im Reichstag vertretenen Fraktion. Mit analoger Logik könnte man also den Deutschen auch das Recht auf Parlamentswahlen verwehren.</p>
<p>Und auch das Argument, dass ein vom Volk gewählter Präsident eine ähnliche Autorität wie der Reichspräsident haben müsste, ist zweischneidig, hat Reichspräsident Friedrich Ebert sich dieser Autorität doch ausgiebigst zum Schutze der Republik bedient.</p>
<p>Abgesehen von diesen historischen Argumenten würde das System der Gewaltenteilung durch einen zusätzlichen Faktor, der im Schloss Bellevue sitzt, eine wertvolle Bereicherung erfahren.<br />
</p>
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		<title>»Mehr August als Friedrich!«</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 20:07:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionelle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Vor 80 Jahren starb mit Friedrich August III. Sachsens letzter und volkstümlichster König „Dass Persönlichkeiten bedeutend, aber wenig populär sind, wissen die Chronisten des Öfteren zu vermelden; Sachsens letzter König war populär – aber unbedeutend.“ Da Walter Fellmann, von dem diese Worte stammen, schwerlich zu widersprechen ist, sind es denn auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p><strong>Vor 80 Jahren starb mit Friedrich August III. Sachsens letzter und volkstümlichster König</strong></p>
<p>„Dass Persönlichkeiten bedeutend, aber wenig populär sind, wissen die Chronisten des Öfteren zu vermelden; Sachsens letzter König war populär – aber unbedeutend.“ Da Walter Fellmann, von dem diese Worte stammen, schwerlich zu widersprechen ist, sind es denn auch weniger die Taten als seine Liebenswürdigkeiten und die Beweise seiner Beliebtheit, die der Rede wert sind.</p>
<p>„Mehr August als Friedrich!“ So charakterisierte Kaiser Wilhelm II. seinen Bundesfürsten. In der Tat war Friedrich August III. kein Fried­rich der Große, der mit Strenge und unter Aufbietung aller Kräfte des ihm anvertrauten Staates selbigen zur Großmacht gemacht hätte.<span id="more-13225"></span> Bei „August“ denken wir an den „dummen August“. Und in der Tat gibt es eine sehr kritische in diese Richtung gehende Charakterisierung durch den Reichskanzler von 1900 bis 1909, Bernhard von Bülow. Demnach gab nicht nur Fried­rich Augusts „gar zu ausgesprochen sächsische Mundart, sondern die Unbeholfenheit seines Wesens und die läppische Art seiner Fragen und Bemerkungen einen so komischen Anstrich …, dass es schwer war, ihm gegenüber den Ernst zu bewahren, der sich für den Reichskanzler im Verkehr mit den Bundesfürsten geziemt“. Nun ist allerdings Bülow auch ein sehr strenger Kritiker des Sachsenkönigs, und bei August denken wir natürlich auch an die Sachsenkönige gleichen Namens. Die haben zwar nicht wie Friedrich der Große ihr Land zur Großmacht gemacht, aber dumm waren sie deshalb noch lange nicht.</p>
<p>Kurioserweise war Friedrich August jedoch in einer Beziehung noch preußischer als der prominenteste der Preußenkönige. Im Gegensatz zu Friedrich dem Großen verspürte der Sachse von Anfang an eine Vorliebe fürs Militär.</p>
<p>Abgesehen hiervon sind seine übrigen Leidenschaften eher bürgerlich, geradezu bescheiden. Er liebte die Natur mit ihren Wäldern und Bergen, vertrieb sich gerne die Zeit mit Skat und Kegeln. Auch sein Kunstgeschmack war einfach und bodenständig. Er „galt nicht gerade für kunstsachverständig. Seine Vorliebe beschränkte sich auf Bilder, wo im morgendlichen Walde Hirsche röhrten. Wenn man dann noch den Hauch des Hirsches als kleinen Nebel sah und das Tier recht viele Enden an seinem Geweih hatte, so war das für den König Kunst“, weiß mit Ludwig Rehm der Sohn einer seiner Erzieher zu berichten. Wie der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. und dessen über Preußen hinaus so beliebte Luise war auch der Sachse ein Familienmensch mit einem starken Hang zu einem bürgerlich-bescheidenen Lebensstil. Anders als Friedrich Wilhelm war es ihm allerdings nicht vergönnt, eine Lebenspartnerin zu finden, welche diesen Lebensstil mit ihm teilte. Seine Luise, Erzherzogin von Österreich und Tochter des letzten Großherzogs von Tos­kana, die er 1891 in Wien geheiratet hatte, machte sich 1902 auf und davon. Dieses harte Schicksal brachte dem verlassenen und 1903 geschiedenen Alleinerziehenden von sechs Kindern zusätzliche Sympathiepunkte.</p>
<p>1904 starb Friedrich Augusts unbeliebter Vater, König Georg von Sachsen. Die Unbeliebtheit seines Vorgängers erleichterte es dem am 25. Mai 1865 in Dresden geborenen Wettiner, sich mit seiner Regentschaft positiv abzuheben. Seine staatsmännischen Leistungen halten sich in Grenzen. Die wohl be­deu­tend­ste war die Reform des re­ak­tio­när­sten/un­de­mo­kra­tisch­sten Wahlrechts des ganzen Deutschen Reiches. Des Weiteren ist lobend hervorzuheben, dass der Sachsenkönig seine Bescheidenheit auf seinen Staat übertrug. Er sanierte die aus den Fugen geratenen Staatsfinanzen durch Sparen, auch dieses neben der Affinität zum Militär eine durchaus preußische Eigenschaft. Trotz seiner Militär-Affinität verzichtete der König allerdings nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges auf die Übernahme eines Kommandos. Das hätte nicht seiner Vorstellung von der Aufgabe eines regierenden Landesfürsten entsprochen.</p>
<p>Wenn man es denn will, kann man Friedrich Augusts Zurück­haltung in der Regierungsausübung durchaus als fortschrittlich, nämlich als freiwillige Beschränkung auf die Tätigkeit eines nur repräsentativen Monarchen, interpretieren. Jedenfalls haben die Sachsen ihrem Friedrich August diese Zurückhaltung nicht übel genommen. Der Novemberrevolution setzte er keinen Widerstand entgegen. Die ihm loyalen Truppen verpflichtete er zur Gewaltlosigkeit, so dass in Sachsen der Übergang unblutig, geradezu fließend vonstattenging. Angeblich mit den Worten „Macht Euch Euren Dregg alleene!“ überließ er den Revolutionären das Feld und zog sich auf sein schlesisches Schloss Sibyllenort zurück. Und seinen ihm auch nach der Revolution zujubelnden Sachsen soll er zugerufen haben: „Na, ihr seid mir scheene Rebubliganer.“ Selbst wenn diese Worte nicht authentisch sein sollten, so spricht es doch alleine schon für Friedrich August, dass man sie ihm zutraut.</p>
<p>Einen letzten großen Beweis seiner Beliebtheit bot seine Bestattung in Dresden am 23. Februar 1932, fünf Tage nachdem er in Sibyllenort einem Gehirnschlag erlegen war. Über eine halbe Millionen Menschen, weitaus mehr als Sachsens Hauptstadt damals Einwohner hatte, beteiligten sich am Trauerzug zur Familiengruft der Katholischen Hofkirche, wo der König seine letzte Ruhestätte fand.</p>
<p>Wenn es im Deutschen Reich zur Novemberrevolution kam, geschah dieses bestimmt nicht, weil das Volk Friedrich August III. überdrüssig geworden wäre. Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie der Archivar und Historiker Hellmut Kretzschmar, der sogar meinte: „Friedrich August wäre berufen gewesen, den Übergang zu einer modernen verbürgerlichten Form der Monarchie vorzubereiten.“</p>
<p>Manuel Ruoff<br />
</p>
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		<title>Mann der Rohre</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 20:02:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Beim Wort „Mannesmann“ stellen sich die Assoziationen „feindliche Übernahme durch Vodafone“ und „Rohre“ ein. Für ersteres kann Reinhard Mannesmann nichts, dafür lebte der am 13. Mai 1856 in Remscheid geborene und ebenda am 20. Februar 1922 verstorbene Preuße zu früh. Aber für letzteres, die Rohre, ist er dafür umso mehr verantwortlich. Schon frühzeitig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p>Beim Wort „Mannesmann“ stellen sich die Assoziationen „feindliche Übernahme durch Vodafone“ und „Rohre“ ein. Für ersteres kann Reinhard Mannesmann nichts, dafür lebte der am 13. Mai 1856 in Remscheid geborene und ebenda am 20. Februar 1922 verstorbene Preuße zu früh. Aber für letzteres, die Rohre, ist er dafür umso mehr verantwortlich. Schon frühzeitig hatte der gleichnamige Vater und Werkzeugfabrikant den Jungen während der Ferien im Familienbetrieb in die Fabrikationsabläufe eingewiesen. <span id="more-13220"></span>Dem Abitur folgte ein Studium des Maschinenbaus und der Chemie in Hannover, Heidelberg und Berlin. Die Saat fiel auf fruchtbaren Boden. Bereits 1878 erhielt Reinhard Mannesmann mit seinem Bruder Max sein erstes Patent für einen Fernsprecher-Schallverstärker. So fragte der Vater denn auch seine Söhne um technischen Rat, als er im Rahmen der Diversifikation in die Produktion von Gewehrläufen einsteigen wollte. Getreu dem Motto, dass der Krieg der Vater aller Dinge sei, entwickelten die Brüder darüber das nach ihnen benannte Mannesmann-Verfahren zur Produktion nahtloser Rohre. Da die bis dahin üblichen Exemplare mit Naht bevorzugt an dieser Schwachstelle zum Platzen neigten, eröffnete das neue Herstellungsverfahren ungeahnte neue Einsatzmöglichkeiten. Die Mannesmanns profitierten davon nicht nur durch die Vergabe von Lizenzen, sondern stiegen auch selber in die Rohrproduktion ein. Mit den Lizenzgebühren und fremdem Kapital gründeten sie 1890 die Deutsch-Österreichische Mannesmannröhren-Werke AG, aus der schließlich über Umwege die Mannesmann AG wurde. Es war eine Perle der bundesdeutschen Industrie – bis zur Übernahme und anschließenden Zerschlagung durch die britische Vodafone im Jahr 2000.<br />
</p>
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		<title>Ludwig Windthorst: Er war Bismarck »für den Hass da«</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 19:57:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Ruoff Dr. Manuel]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr. Manuel Ruoff Vor 200 Jahren kam mit Ludwig Windthorst der »genialste Parlamentarier, den Deutschland je besaß« zur Welt Hass ist aber ein ebenso großer Sporn zum Leben wie Liebe. Mein Leben erhalten und verschönern zwei Dinge: Meine Frau und Windthorst. Die eine ist für die Liebe da, der andere für den Hass.“ Dieses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Dr. Manuel Ruoff</em></p>
<p><strong>Vor 200 Jahren kam mit Ludwig Windthorst der »genialste Parlamentarier, den Deutschland je besaß« zur Welt</strong></p>
<p>Hass ist aber ein ebenso großer Sporn zum Leben wie Liebe. Mein Leben erhalten und verschönern zwei Dinge: Meine Frau und Windthorst. Die eine ist für die Liebe da, der andere für den Hass.“ Dieses bemerkenswerte Wort sprach Otto von Bismarck während des Kulturkampfes, als die Beziehung zwischen den beiden Politikern auf ihrem Tiefpunkt war. Doch auch schon vor dieser Neuauflage des Machtkampfes zwischen Papst und Kaiser, zwischen Rom und Reich, ja selbst zu einer Zeit, als die beiden noch in unterschiedlichen Staaten lebten und politisch aktiv waren, war ihre Beziehung gestört.<span id="more-13214"></span> So verzieh Windthorst Bismarck nie, dass der Preuße 1853 zum Sturz des damaligen liberalen Kabinetts Hannovers beigetragen hatte, dem er als Justizminister angehört hatte. Es war eben nicht nur die Konfession, die den Katholiken vom Protestanten trennte. Vielmehr setzte der überzeugte Hannoveraner auf Rechtsstaat und Parlamentarismus sowie eine föderalistische großdeutsche Lösung der nationalen Frage.</p>
<p>Wie in ihren Ansichten unterschieden sich die beiden auch rein äußerlich. Glich Bismarck einem Recken, war bei Windthorst das Gegenteil der Fall. Der laut Golo Mann genialste Parlamentarier, den Deutschland je besaß, sah sich gezwungen, im Reichstag von seinem Platz aus zu sprechen, weil er hinter dem Rednerpult nicht zu sehen gewesen wäre. Es spricht für Windthorst, dass er seine äußerliche Deformation mit Selbstironie zu tragen wusste.</p>
<p>Erschwert wurde sein Dasein auch durch die Erfahrung, fast nie der dominierenden Mehrheit, aber dafür umso häufiger mehr oder weniger diskriminierten Minderheiten anzugehören. Das fing schon in der Schulzeit an, wo er der einzige Vertreter seines Geschlechts an einer Mädchenschule war. Der am 17. Januar 1812 auf dem Gut Kaldenhof bei Osterkappeln geborene Niedersachse identifizierte sich zwar mit dem Königreich Hannover, in dem er aufwuchs sowie nach Schule und Studium als Jurist Karriere machte, aber nichtsdestotrotz gehörte er auch dort als Katholik einer Minderheit an. 1866 verlor er als Folge des Deutschen Krieges mit der Annexion Hannovers durch Preußen seinen Heimatstaat und gehörte nun als überzeugter Hannoveraner einer – zudem von der Staatsmacht kritisch beäugten – politischen Minderheit an.</p>
<p>Aus seinem durch die Annexion neuen Verhältnis zur (neuen) Staatsmacht zog Windthorst Konsequenzen. Der Kronoberanwalt (Oberstaatsanwalt) schied aus dem Staatsdienst aus. Und obwohl das Verhältnis des liberalen Windthorst zum weniger liberalen Georg V. während dessen Regierungszeit und seiner eigenen Zeit als dessen Justizminister von 1851 bis 1853 sowie von 1862 bis 1865 nicht frei von Spannungen geblieben war, übernahm er nun die Vertretung von dessen Interessen gegenüber Preußen bei den Abfindungsverhandlungen.</p>
<p>Wenn Windthorst also auch berufliche Konsequenzen aus der Annexion zog, so zog er sich doch im Gegensatz zu der Mehrheit der anderen überzeugten Hannoveraner nicht aus der Politik zurück. Vielmehr ließ er sich ab 1867 sowohl in das Abgeordnetenhaus Preußens als auch in den Reichstag des Norddeutschen Bundes beziehungsweise des Deutschen Reiches wählen, wobei der großdeutsch Gesinnte der kleindeutschen Lösung unter preußischer Führung ähnlich kritisch gegenüberstand wie Preußen selbst.</p>
<p>Wie schon als Politiker des Königreiches Hannover definierte sich Windthorst in der Anfangszeit auch als Parlamentarier Preußens und des Reiches nicht primär über seinen katholischen Glauben. Vielmehr hatte für ihn das Streben nach Unabhängigkeit von Preußen Priorität. Eine Veränderung bewirkte hier die Gründung des Zentrums Ende 1870 und der beginnende Kulturkampf. Anfang 1871 trat Windthorst der Partei des politischen Katholizismus bei. Schnell entwickelte er sich zu einem ihrer führenden Repräsentanten und zu einem der profiliertesten Gegenspieler Bismarcks im Parlament, zumindest im Kulturkampf, aber auch darüber hinaus.</p>
<p>Gefährlich wurde Windthorst Bismarck nicht nur als Rhetoriker, sondern auch als Integrator. Bewundernd stellte der Preuße fest: „Es gibt nicht zwei Seelen in der Zentrumspartei, sondern sieben Geistesrichtungen, die in allen Farben des politischen Regenbogens schillern, von der äußersten Rechten bis zur radikalen Linken. Ich für meinen Teil bewundere die Kunstfertigkeit, mit welcher der Kutscher des Zentrums all diese auseinanderstrebenden Geister so elegant zu lenken versteht.“ In der Tat hat Windthorst das Seinige zur Entwicklung des Zentrums zur ersten deutschen Volkspartei beigetragen. Aufgrund seiner eigenen leidvollen Erfahrungen galt Windt­horsts Solidarität jedoch nicht nur seinen Parteifreunden, sondern auch den anderen von Bismarck als Reichsfeinde bekämpften Minderheiten. Windthorst musste damit in Bismarcks Augen zum Reichsfeind par excellence werden.</p>
<p>Bismarck und der Papst beendeten schließlich den Kirchenkampf über Windthorsts und des Zentrums Kopf hinweg. Diese Schlappe ändert jedoch nichts daran, dass der am 14. März 1891 in Berlin verstorbene Preuße wider Willen bis heute zu den bedeutendsten Vertretern des politischen Katholizismus zählt und nach wie vor seine Bewunderer hat.<br />
</p>
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		<title>Bacardi feiert 150jähriges Jubiläum</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Feb 2012 22:55:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausland]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Lifestyle]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Fischer Angelika]]></category>

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		<description><![CDATA[erschienen in der PAZ vom 4. Februar 2012 Von Angelika Fischer Politik im Zeichen der Fledermaus: Bacardi feiert 150jähriges Jubiläum Größtes Familienunternehmen der Spirituosenbranche/ Geheimer Kampf gegen Castro Der Name Bacardi steht weltweit nicht nur für eine Rummarke, sondern für karibisches Lebensgefühl: Sommer, Sonne, Strand und Meer, dazu ein tropischer Cocktail&#8230; Diese Werbebotschaft zieht bis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>erschienen in der PAZ vom 4. Februar 2012</p>
<p><em>Von Angelika Fischer</em></p>
<p>Politik im Zeichen der Fledermaus: Bacardi feiert 150jähriges Jubiläum</p>
<p>Größtes Familienunternehmen der Spirituosenbranche/ Geheimer Kampf gegen Castro</p>
<div id="attachment_13038" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/RIMG0192.jpg"><img class="size-medium wp-image-13038 " src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/RIMG0192-300x225.jpg" alt=" " width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">In Cataño auf Puerto Rico steht die größte Rumfabrik der Welt. Das Besucherzentrum informiert über die Geschichte und die Produkte des Konzerns</p></div>
<p>Der Name Bacardi steht weltweit nicht nur für eine Rummarke, sondern für karibisches Lebensgefühl: Sommer, Sonne, Strand und Meer, dazu ein tropischer Cocktail&#8230; Diese Werbebotschaft zieht bis heute und hat Bacardi zum meistverkauften Rum der Welt gemacht. Allerdings steht der Name auch für ein starkes politisches Engagement.<br />
Vor genau 150 Jahren, am 4. Februar 1862,  wurde die Brennerei in Santiago de Cuba gegründet von Facundo Bacardi y Mazó und hat sich bis heute zum größten Familienunternehmen der Spirituosenbranche und „Global Player“ entwickelt. Der Firmensitz befindet sich seit 1992 auf den Bermudas, Chairman ist seit 2005 Facundo L. Bacardi, ein direkter Nachfahre des Firmengründers.<span id="more-13034"></span><br />
Facundo Bacardi y Mazó ist Katalane und stammt vom Land. Geboren 1814 unweit von Barcelona als eines von acht Kindern, träumt er wie viele seiner Generation von einem besseren Leben in Amerika. Kuba ist damals dank seiner Zuckerproduktion eine der reichsten überseeischen Kolonien Spaniens und verspricht Einwanderern Glück und Wohlstand. Facundo ist gerade einmal 16 Jahre alt, als er 1830 mit seinen beiden älteren Brüdern nach Kuba auswandert. Sie gründen in Santiago einen Krämerladen, der jedoch nicht wie erwartet läuft. Nach zehn Jahren kehren die beiden Brüder gescheitert und enttäuscht zurück, Facundo hingegen bleibt und eröffnet allein einen Wein- und Spirituosenhandel, der mehr schlecht als recht  floriert. 1843 heiratet er seine Frau Amalia Moreau, die ihm nicht nur sechs Kinder schenkt, sondern auch 10.000 Pesos mit in die Ehe bringt – nicht etwa als Mitgift, sondern als Darlehen: Der Schuldschein ist bis heute erhalten!<br />
Doch erst das Erbe der kinderlosen Patentante seines ältesten Sohnes, einer wohlhabenden Kreolin, versetzt Facundo in die Lage, eine pleite gegangene Rumbrennerei zu erwerben und sie 1862 unter eigenem Namen ins Handelsregister eintragen zu lassen. Zwar hat Facundo keine Erfahrung mit dem Brennen von Rum, doch sein Ziel ist ehrgeizig: Er will den billigen Schnaps der Arbeiter und Seeleute so veredeln, dass er sich in punkto Milde und Geschmack mit den hochprozentigen Getränken der feinen Kreise messen kann: französischem Cognac und spanischem Brandy. Nach vielem Experimentieren mit der Rezeptur, der Destillation und der Reifung in Eichenholzfässern gelingt schließlich der qualitative Durchbruch. Die Nachfrage nach dem „Rum mit der Fledermaus“ steigt nicht nur in den besseren Kreisen, sondern auch in den Läden und Kneipen der Insel.</p>
<div id="attachment_13041" class="wp-caption alignleft" style="width: 430px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/RIMG0198.jpg"><img class=" wp-image-13041  " src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/RIMG0198.jpg" alt=" " width="420" height="315" /></a><p class="wp-caption-text">Im Foyer des Besucherzentrums grüßt als Wahrzeichen des Unternehmens die überlebensgroße Fledermaus</p></div>
<p>Die Idee mit der Fledermaus als Firmenlogo stammt der Familienlegende nach von Doña Amalia. Unter dem Dach der Rumbrennerei lebte eine Fledermauskolonie, deren Anwesenheit sie als gutes Omen interpretiert, da die Tiere in der Karibik als Glücksbringer gelten. Sie besteht darauf, die Tiere nicht zu verjagen und macht den Vorschlag, eine Fledermaus auf das Flaschenetikett zu malen als Wiedererkennungszeichen für die vielen Analphabeten, die damals rund zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen. So wird die Fledermaus zum Wahrzeichen und setzt von Kuba aus langsam, aber stetig zum Flug über die ganze Welt an.<br />
Als erstes Zeichen internationaler Anerkennung gibt es für Bacardi eine Goldmedaille bei der Weltausstellung 1877 in Spanien. Das bringt zwar Ruhm, aber noch lange nicht das große Geld. Als Patriarch Don Facundo 1886 stirbt, hinterlässt er, rein finanziell gesehen,  kein bedeutendes Erbe. Doch hat er den Grundstein gelegt, auf dem seine Kinder und Kindeskinder das weltweit größte im Familienbesitz befindliche Spirituosenunternehmen aufbauen können.<br />
Entscheidende Erfolgsfaktoren in den folgenden Jahren und Jahrzehnten sind Kubas Unabhängigkeit von Spanien und das politische Heranrücken an die USA um die Wende zum 20. Jahrhundert, was neue Absatzmärkte erschließt. Nach 1910 in Barcelona, errichtet Bacardi 1916 eine Abfüllanlage in New York und wird zum ersten international tätigen Unternehmen Kubas. In den 20er Jahren kurbelt die Prohibition in den USA Kubas Wirtschaft an: Zum einen blüht der Schmuggel, zum anderen entdecken reiche US-Amerikaner die Insel als Paradies für Alkohol und Glücksspiel direkt vor ihrer Haustür. Bacardi steuert weiter auf internationalem Kurs: 1934 wird nicht nur eine Destillerie in Mexiko gebaut, sondern auch ein Werk in Cataño auf Puerto Rico, um die drastischen Einfuhrzölle in die USA zu umgehen.<br />
Nach der kubanischen Revolution 1959 und der entschädigungslosen Enteignung 1960 durch Fidel Castro erweisen sich die internationalen Niederlassungen des Unternehmens als überlebenswichtige Standbeine. Der in die USA emigrierten Familie gelingt es, ihre internationalen Markenrechte zu behalten und ihren Wachstumskurs erfolgreich fortzusetzen. Durch den Zukauf zahlreicher weiterer Marken wird aus dem einstigen Rumfabrikanten ein internationaler Spirituosenkonzern und „Global Player“.<br />
Sich politisch zu engagieren, hat in der Familie Bacardi eine lange Tradition. Emilio Bacardi y Moreau, der älteste Sohn des Firmengründers, kämpft zum Ende des 19. Jahrhunderts gegen die spanische Kolonialherrschaft. Dafür wird er zunächst von der Insel verbannt und nach seiner Rückkehr zum ersten frei gewählten Bürgermeister von Santiago de Cuba.<br />
Auch den Kampf der Castro- Revolutionäre gegen das korrupte Batista- Regime unterstützen die Bacardis zunächst. Als sich jedoch ein kommunistischer, pro- sowjetischer Kurs abzeichnet, gehen sie auf Distanz, werden enteignet und emigrieren. Seitdem bekämpft die Familie Bacardi das kubanische Regime politisch und wirtschaftlich mit allen Mitteln.<br />
In den 90er Jahren bringt Bacardi durch intensive Lobbyarbeit den „Helms- Burton Act“ durch den US- Kongress, ein umfassendes Handelsembargo gegen Kuba. Der Senator Jesse Helms und der Abgeordnete des Repräsentantenhauses Dan Burton, auf deren Entwurf das Gesetz basiert, erhielten zuvor Wahlkampfgelder von Bacardi, deren Hausanwälte auch die Gesetzesvorlage formulierten. Deshalb wird es auch spöttisch „Bacardi- Gesetz“ genannt.<br />
Nach Recherchen des Journalisten Hernando Calvo Ospina flossen bereits in den 60er Jahren erhebliche Summen vom damaligen Bacardi- Chef José Pepín Bosch an die CIA zur Finanzierung von Anschlägen auf Castro. Ospinas 2002 unter dem Titel „Im Zeichen der Fledermaus“ erschienenes Buch liefert dafür hinreichend Anhaltspunkte. Bacardi bezeichnete diese zwar als Fälschungen, doch ist es nie zu einem Prozess gegen das  Buch oder einzelne Passagen gekommen. Das gibt zumindest zu denken, geht doch die Armada der Bacardi- Anwälte sonst kaum einem Rechtsstreit aus dem Weg.<br />
Fotos: Angelika Fischer<br />
</p>
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		<title>Gefahr von Rechts bleibt vorhanden</title>
		<link>http://die-auswaertige-presse.de/2012/02/gefahr-von-rechts-bleibt-vorhanden/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 14:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg im Fokus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wöhlke Johanna Renate]]></category>

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		<description><![CDATA[erschienen in gekürzter Form im Hamburger Abendblatt am 30. Januar 2012 Von Johanna R. Wöhlke Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus Die „Initiative Gedenken in Süderelbe“ lud zu Erinnerungsgang und Diskussion ein. Referent: Dr. Manfred Murck, Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungschutz „Wir gedenken der Frauen aus dem KZ-Außenlager Neugraben und der wenigen mutigen Menschen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>erschienen in gekürzter Form im Hamburger Abendblatt am 30. Januar 2012</p>
<p>Von Johanna R. Wöhlke</p>
<p><strong>Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus</strong><br />
Die „Initiative Gedenken in Süderelbe“ lud zu Erinnerungsgang und Diskussion ein.<br />
Referent: Dr. Manfred Murck, Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungschutz</p>
<div id="attachment_13026" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/Vor-dem-Gedenkstein-klein.jpg"><img class="size-medium wp-image-13026" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/Vor-dem-Gedenkstein-klein-300x180.jpg" alt=" " width="300" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Vor dem Gedenkstein</p></div>
<p>„Wir gedenken der Frauen aus dem KZ-Außenlager Neugraben und der wenigen mutigen Menschen, die ihnen geholfen haben.“ Mit diesen Worten begann Pastorin Bettina von Thun von der Michaelisgemeinde in Neugraben ihre Rede an der Gedenktafel vor dem Bürgeramt Neugraben.</p>
<p>Etwa dreißig Neugrabener hatten sich auf Einladung der Initiative „Gedenken in Süderelbe“ wie in jedem Jahr  dort eingefunden, um am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ein Gebinde abzulegen, der immer am 27. Januar begangen wird, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945.<span id="more-13018"></span></p>
<p>Hinter ihnen lag an diesem Vormittag schon eine Stunde Weges in der Kälte des an diesem Freitagmorgen unerwartet eingebrochenen Winters im Schnee und Frost zu drei Stationen im Neugrabener Zentrum. Die Frauen des Lagers mussten  dort selbst im Winter in leichten Sommeroveralls arbeiten, den ganzen Tag ohne Essen und Wasser. Sie wurden unter den unmenschlichsten Bedingungen beim Siedlungsbau eingesetzt.</p>
<p>Von einigen Neugrabenern aber erfuhren sie Hilfe: einen Teller Suppe, Kleidung, Wolle, Kartoffeln, dicken süßen Brei, Schuhe für die erfrorenen Füße, gute Worte, einen Gang zur Toilette, um nicht die Notdurft zwischen Bäumen und Büschen zu verrichten, wie es sonst geschah. Das alles geschah mit Angst vor den Wächtern und der körperlichen und psychischen Belastung der schweren Zwangsarbeit: „Wieviel Stunden wir arbeiteten, wussten wir nicht; am Vorabend gingen wir zu Fuß nach Neugraben. Abends bekamen wir einen Schöpflöffel Suppe &#8211; nach menschlichem Gutachten ungenießbar &#8211; welche wir mit unseren Tränen salzten und eine Schnitte Brot – womöglich steinhart“, erinnert sich Helena B. in ihren Aufzeichnungen.</p>
<p>Die Teilnehmer des Rundganges hörten an allen Stationen Texte aus dem Leben der Frauen, die sie selbst danach aufgeschrieben hatten und in denen sie ihre schrecklichen Erlebnisse beschreiben, aber gleichzeitig auch erzählen, wie ihnen von einigen wenigen geholfen wurde.</p>
<p>Eine andere Gefangene, Helena B. schrieb: „Einen Lichtpunkt während meiner zweieinhalbjährigen Konzentration der Nazi- Deutschen will ich hinzufügen, was lebenswichtig für uns war in der irdischen Hölle von der SS Zeit: im November – Dezember bis anfangs Jänner – bis wir nach Tiefstack gingen – hatten wir einen Polier, Hermann Rose, Harburg – als Aufsichtsperson, der unter größter Gefahr für ihn – uns im Regen in die Bude schickte und nur, wenn er von der Ferne einen SS sah, zu uns sagte „schnell an die Arbeit!“ Hermann war ein älterer Herr; sehr oft morgens brachte er uns warmen Kaffee und manchmal auch etwas Brot &#8211; er hatte ja auch nur seine Zuteilung. Ich persönlich versprach ihm: Falls ich vielleicht doch überlebe diese Hölle, so werde ich ihn zu uns einladen, und es geschah vom ersten Geld der Wiedergutmachung, kaufte ich bei der Zim-Schiffsgesellschaft ein Billet für beide Reisen: hin und zurück und sandte es ihm ein. Er war bei uns in Israel 3 Monate&#8230;“</p>
<p>Weitere Namen hilfsbereiter Menschen sind Familie Storm, die ein Gemüsegeschäft betrieb; ein altes Ehepaar am Scheideholzweg; die beiden Mitarbeiter Rose und Stankowitz der Firma Prien und deren Baubaracken.</p>
<div id="attachment_13021" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/Gruppenbild-klein.jpg"><img class="size-medium wp-image-13021" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/Gruppenbild-klein-300x241.jpg" alt="" width="300" height="241" /></a><p class="wp-caption-text">:Pastorin Bettina von Thun und Andreas Winter ( Vorsitzender des Pfarrgemeinderates der katholischen Heilig Kreuz Gemeinde) sowie Eberhard Reinhard ( Mitglied des Pfarrgemeinderates der katholischen Heilig Kreuz Gemeinde) hatten Dr. Manfred Murck als Referenten für ihre Veranstaltung gewinnen können.</p></div>
<p>Dem morgendlichen Rundgang schloss sich eine Abendveranstaltung im Gemeindehaus der Michaeliskirche an. Zum Thema &#8220;Wehrhafte Demokratie. Was können wir als Bürgerinnen und Bürger gegen die Gefahr von Rechts tun?“ hatte die Initiative „Gedenken in Süderelbe“ zu einem Vortrag und Gespräch mit Dr. Manfred Murck, dem Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, Hamburg, eingeladen.</p>
<p>Um es vorweg zu nehmen: Aus den geplanten zwei Stunden wurden drei und auch danach waren noch nicht alle Fragen beantwortet.  Murck erläuterte zuerst  die Entstehungsgeschichte des Verfassungsschutzes seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland und seine verfassungsmäßige Basis. Sie beruht auf dem Prinzip der wehrhaften Demokratie des Grundgesetzes und dem darauf basierenden Prinzip, dass die Liberalität der Verfassung und des Staates nicht von innen heraus ausgehöhlt und zerstört werden darf. Wer in seinen Bestrebungen und Aktivitäten gegen das Grundgesetz und seine Werte agiert, darf vom Verfassungsschutz  beobachtet werden, um Informationen zu sammeln, mehr nicht.</p>
<p>So wurden zum Beispiel schon 1952 die Sozialistische Reichstpartei verboten, die sich als Nachfolgeorganisation der NSDAP verstand. Im Jahre 1956 folgte mit dem Verbot der KPD das zweite Parteienverbot der Bundesrepublik auf der Basis des Prinzips der wehrhaften Demokratie. In diesen und vergleichbaren Fällen können die Informationen des Verfassungsschutzes dazu beitragen, Gerichtsentscheidungen zu stützen.</p>
<p>Mit Bedauern diskutierten die Teilnehmer die Tatsache, dass nach der Zeit des Hitler-Regimes das rechtsradikale Gedankengut nicht verschwunden ist, in Deutschland und Europa gleichermaßen. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung werden diesem Gedankengut zugerechnet, zehn Prozent einem relativ geschlossenen rechtsextremem Weltbild. Murck: „Die Gedanken und Köpfe waren ja nicht weg.“ Die Hoffnung darauf wurde 1964 mit der Gründung der NPD zerschlagen, die zuerst nennenswerte Wahlerfolge hatte, dann aber doch wieder aus „der Taktung der Republik verschwand“.</p>
<p>Das was zu Beginn der Nachkriegszeit mit „Neonazis“ beschrieben werden konnte, Menschen also, die sich bewusst in der Nachfolge der NSDAP sahen, wechselte im Laufe der Jahre, so Murck, in die Fraktion der „ewig Gestrigen“ und „Revisionisten“ und bezog Jugendliche mit ein, die keine Erfahrung mit der Geschichte des Nationalsozialismus hatten. Hier waren wie auch bis heute junge Männer die Träger des aktiven Teils dieser Gruppierungen. Man schätzt, dass um die 2o Prozent der jungen Männer anfällig für extrem rechtes Gedankengut sind, deren politische Kultur und soziale Grundierung die der Verlierer ist aber auch im bürgerlichen Lager Unterstützung findet, ohne dass dies zu öffentlichen Aktionen führt.</p>
<p>Die liberale Auslegung des Versammlungsrechtes gibt diesen Gruppen Spielräume, sich zu treffen. Sie haben ihre Organisationsformen verlegt, agieren nicht mehr in Vereinen und Parteien, sondern sogenannten „Kameradschaften“. Die Vernetzung durch die Möglichkeiten der modernen Technik fördert dies. Das Internet macht klassische Strukturen überflüssig. Murck: „Die Leugnung des Holocaust steht unter Strafe. Aber das Versammlungsrecht erlaubt das Aufmarschieren. Das nutzen diese Gruppierungen für sich aus.“ War es bei den Nazis und Neonazis unter anderem die Idee des „Volkes ohne Raum“, so ist es bei diesen modernen Gruppierungen die Idee des „unseren Raum freihalten von Fremdem“, die ihren Aktivitäten zugrunde liegt.</p>
<p>Die Weiterentwicklung rechtsextremen Gedankengutes ist demnach nicht aufzuhalten, eine bittere Erkenntnis dieses Abends. Die „moderne“ Ausprägung in der Form sogenannter „ Autonomer Nationalisten“, die einem „arischen Herrenmenschentum“ das Wort reden, prägt das Bild. Hier spielen Faktoren hinein wie bestimmte Musik als Radikalisierungsmechanismus oder martialische Auftritte, die mit Fremdenhass gepaart sind, der sich zunehmend auch antiislamisch zeigt.</p>
<p>Murck: „Gewalttaten bewegen sich im Promillebereich, sind aber natürlich öffentlichkeitswirksam.“ Der Hamburger Verfassungsschutz legt in seinem jährlichen Bericht für alle offen, welche Gruppen von ihm beobachtet werden. Dazu gehören seit den Ereignissen des 11. September auch Aktivitäten radikaler Islamisten, die die Scharia als Rechtsgrundlage ihrer Aktivitäten hier behaupten.</p>
<p>Fazit eines in all seinen Fragen und Antworten nur anzureißenden Abends: Die Makroebene der Gesellschaft reagiert nur sehr träge und zähflüssig und muss darauf setzen, dass dies ein Generationenwerk ist und bleibt. Murck: „Ich glaube an diese Demokratie. Einfache Lösungen bleiben immer attraktiv, aber treffen nicht die komplexe Wirklichkeit.“</p>
<p>Fotos: Wöhlke<br />
</p>
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		<title>Die Flut in Hamburg 1962</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 13:40:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellungen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg im Fokus]]></category>
		<category><![CDATA[Buhr Uta]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Artikel erschien bereits  am 4. Februar in der PAZ Von Uta Buhr LAND UNTER IN HAMBURG – DIE AUSSTELLUNG  „DIE FLUT HAMBURG 1962“  IN DER BALLINSTADT Es war eine Naturkatastrophe biblischen Ausmaßes, die Hamburg  im Februar vor fünfzig Jahren heimsuchte. Ausgelöst wurde die Sturmflut vom Orkan „Vincinette“, der vom Nordpolarmeer über Island in Richtung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Artikel erschien bereits  am 4. Februar in der PAZ</p>
<p>Von Uta Buhr</p>
<p>LAND UNTER IN HAMBURG – DIE AUSSTELLUNG  „DIE FLUT HAMBURG 1962“  IN DER BALLINSTADT</p>
<div id="attachment_13006" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/IMG_4217.jpg"><img class="size-medium wp-image-13006" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/IMG_4217-300x225.jpg" alt=" " width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Rettungsaktion in Wilhelmsburg</p></div>
<p>Es war eine Naturkatastrophe biblischen Ausmaßes, die Hamburg  im Februar vor fünfzig Jahren heimsuchte. Ausgelöst wurde die Sturmflut vom Orkan „Vincinette“, der vom Nordpolarmeer über Island in Richtung Deutsche Bucht raste und die tief gelegenen südlichen Stadtteile der Hansestadt in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 mit voller Wucht traf. Insgesamt 340 Menschen ertranken in den sintflutartigen Wassermassen. Unter dem Titel „Die Flut Hamburg 1962“ erinnert das Auswanderermuseum in der Ballinstadt auf der Veddel mit einer Ausstellung an dieses tragische Ereignis, das als „Jahrhundertflut“ in die Annalen der Hansestadt einging.<span id="more-13002"></span></p>
<p>Im Haus 1 der Ballinstadt, einem schlichten roten Backsteingebäude, hat sich bereits am frühen  Morgen eine Schulklasse aus Harburg eingefunden. Mit Verwunderung betrachten die Sechzehnjährigen die im typischen Stil der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eingerichtete Zimmerecke gegenüber dem Eingang. Neben zwei plüschigen Cocktailsesseln in rosa und hellblauen Bonbonfarben erweckt ein klobiges Radio ihr Interesse, aus dem gerade das Schluchzen einer Frau zu hören ist, die von den furchtbaren<br />
Ereignissen der vergangenen Nacht berichtet, unterbrochen von den schrillen Sirenentönen der Einsatzwagen und einer Warnung der Polizei, auf etwaige Plünderer würde ohne Vorwarnung geschossen. Eine Reportage im O-Ton  aus jenen Tagen, als Hamburg in den eiskalten Fluten der Elbe versank. Die Kinder schauen ihren Lehrer betroffen an, der die Sturmflut mit dem Tsunami in Südostasien vergleicht, an den sich alle noch erinnern können.</p>
<p>An den Wänden  prangen riesige Schwarz-Weiß Fotos, die das Drama in chronologischer Folge dokumentieren: Während ein Bild in schwere Decken gehüllte Menschen mit vor Angst verzerrten Gesichtern auf einem Schlauchboot zeigt, ist auf dem nächsten ein Haus zu sehen, von dem nur noch das obere Stockwerk aus den dunklen Fluten ragt. Ergänzt wird das Schreckensszenario durch eine Reihe von Gegenständen aus jener Zeit, die bei der Bekämpfung der Katastrophe eingesetzt wurden – Rettungswagen, altertümlich anmutende Wasserpumpen, hoch aufgetürmte Sandsäcke, Schlauchboote und medizinisches Gerät. Audio- und Videoeinspielungen runden das Bild der dramatischen Ereignisse im Winter des Jahres 1962 ab.</p>
<div id="attachment_13009" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/IMG_4211.jpg"><img class="size-medium wp-image-13009" src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2012/02/IMG_4211-300x225.jpg" alt=" " width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Umfassende Innformationen</p></div>
<p>Im angrenzenden Raum melden sich Zeitzeugen auf großflächigen Tafeln zu<br />
Worte. Erschütternd ist der Bericht des seinerzeit einunddreißigjährigen Ewerführers Harry Braun, der seit 1960 bei der Feuerwehr tätig war. Eindringlich schildert er, wie er und seine Kollegen versuchten, Frau und Kinder des Neßsander Vogelwarts zu retten. Doch der Sturm hatte das Wasser so aufgewühlt, dass ihr Schlauchboot die Insel nicht erreichen konnte. Die Helfer<br />
mussten tatenlos zusehen, wie das Haus der Familie in den Fluten versank. Ein traumatisches Erlebnis, das Harry Braun bis heute nicht vergessen hat. Weitere Einsätze folgten, bei denen der junge Mann sein Leben erneut aufs Spiel setzte. Er war auch unter den 100.000 Menschen, die zehn Tage später an der Trauerfeier auf dem Rathausmarkt teilnahmen. Eine Auszeichnung  für seinen Einsatz aber lehnte er ab. Hanseaten nehmen keine Orden an. Lisa Hoffmann,<br />
eine Bewohnerin der Veddel, dem neben Wilhelmsburg  am heftigsten betroffenen Stadtteil, erinnert sich ebenfalls mit Grauen an die schrecklichen Tage, als die Flut ihr Viertel gänzlich unter Wasser setzte.<br />
Vollgelaufene Keller und Autos, die wie Streichholzschachteln auf dem Wasser trieben, waren vielleicht noch das kleinere Übel, verglichen mit den Toten und jenen Menschen, deren ganzes Hab und Gut von den Wassermassen verschlungen wurde.</p>
<p>Ein alter Herr aus Wilhelmsburg zeigt sich tief bewegt von der Ausstellung:<br />
„Genau so war es“, sagt er. „ Manche  Menschen haben in den elbnahen Vororten und Dörfern  auf den Dächern ihrer Häuser gestanden und auf Rettung durch einen Hubschrauber gehofft.“ Ihr Mann, so berichtet eine Frau in einer<br />
Rundfunkaufzeichnung,  habe  seine Unterhose an einem Besenstiel befestigt und diesen hin und hergeschwungen, um auf sich und die Seinen aufmerksam zu machen. Sämtliche Zeitzeugen aber sind sich in einem einig: Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung sei überwältigend gewesen, viele Bürger hätten Flutopfer freiwillig in ihren Häusern und Wohnungen aufgenommen und versorgt, um schon einmal die schlimmste Not zu lindern. Plünderungen habe es äußerst selten gegeben. „Und einem typischen Hanseaten sind wohl alle, die dabei waren, bis heute dankbar“, nimmt der Wilhelmsburger den Faden wieder auf.  „Wenn unser damaliger Innensenator und späterer Bundeskanzler Helmuth Schmidt nicht so beherzt und unbürokratisch  eingegriffen hätte“, sagt er zum Abschied“, wäre alles mit Sicherheit  noch viel schlimmer gekommen.“</p>
<p>Die Ausstellung „Die Flut Hamburg 1962“ in der Ballinstadt auf der Veddel läuft bis zum 29. Februar 2012<br />
Öffnungszeiten täglich von 10 bis 16.30 Uhr<br />
Eintrittspreis: 12 €<br />
Info: www.ballinstadt.de<br />
</p>
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