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	<title>Die Auswärtige Presse e.V. &#187; Gastartikel</title>
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	<description>Internationale Journalistenvereinigung Hamburg</description>
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		<title>60 Jahre DAP &#8211; Prominente Grußworte der Vorsitzenden der Hamburger Autorenvereinigung und des Hamburger Schriftstellerverbandes, Gino Leineweber und Reimer Eilers!</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Dec 2011 13:37:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wöhlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[DAP intern]]></category>
		<category><![CDATA[Gastartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[Eilers Dr. Reimer]]></category>
		<category><![CDATA[Leineweber Gino]]></category>
		<category><![CDATA[Wöhlke Johanna Renate]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 9. Dezember 2011 haben wir im Rahmen unserer jährlichen Weihnachtsfeier auch das Bestehen der DAP seit 60 Jahren gefeiert.Wir kooperieren mit der Hamburger Autorenvereinigung und dem Hamburger Schriftstellerverband und freuen uns deshalb besonders, an dieser Stelle die Grußworte ihrer Vorsitzenden für uns veröffentlichen zu können: Gino Leineweber und Dr. Reimer Eilers. Der Vorstand und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 9. Dezember 2011 haben wir im Rahmen unserer jährlichen Weihnachtsfeier auch das Bestehen der DAP seit 60 Jahren gefeiert.Wir kooperieren mit der Hamburger Autorenvereinigung und dem Hamburger Schriftstellerverband und freuen uns deshalb besonders, an dieser Stelle die Grußworte ihrer Vorsitzenden für uns veröffentlichen zu können: Gino Leineweber und Dr. Reimer Eilers. Der Vorstand und die Mitglieder danken beiden prominenten Vertretern der &#8220;schreibenden Zünfte&#8221; in Hamburg dafür, auch unsere Gäste gewesen zu sein!</p>
<div id="attachment_12084" class="wp-caption aligncenter" style="width: 450px"><a href="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2011/12/die-Drei.jpg"><img class="size-full wp-image-12084 " src="http://die-auswaertige-presse.de/wp-content/uploads/2011/12/die-Drei.jpg" alt="Die drei Vorsitzenden" width="440" height="178" /></a><p class="wp-caption-text">Die Präsidentin der DAP, Johanna Renate Wöhlke, dankt Reimer Eilers (links) und Gino Leineweber für ihre würdigenden und zukunftsweisenden Grußworte</p></div>
<p><strong>Grußwort des Vorsitzenden der Hamburger Autorenvereinigung, Gino Leineweber</strong></p>
<p>In diesen Tagen feiert Die Auswärtigen Presse e. V.  (DAP) ihr 60. Jubiläum. Die DAP ist somit fast doppelt so alt wie wir, die wir im Jahre 1977 das Licht der Welt erblickten.<span id="more-12076"></span></p>
<p>Der Altersunterschied war mir bisher allerdings nicht aufgefallen, und das spricht für die Aktivitäten der Jubilarin. Das Gründungsjahr der DAP fällt in eine Zeit, als Hamburg sich zum bedeutendsten Medienstandort Deutschlands entwickelte. Bis heute, auch wenn die Stellung Hamburgs im Bereich der Medien abgenommen hat, ist das Berufsbild des Journalisten in Hamburg gut aufgehoben.</p>
<p>Wie lange das allerdings noch so bleiben wird, steht in den Sternen, und diese Frage ist nicht auf Hamburg begrenzt. Schon lange wird über sinkende Auflagen, Anzeigenrückgang und Entlassungen bei Redaktionen gesprochen. Von Lokalredaktionen, die geschlossen wurden, oder Übernahmen, bei denen nach Marktbereinigungen die journalistische Vielfalt verlegerischen Monopolen weichen musste. Das gab es bereits bevor die Revolution durch das Internet begann, die allerdings  nun überaus greifbar geworden ist. Das Internet hat unsere Gesellschaft inzwischen fest im Griff. Daraus ergeben sich unglaubliche Möglichkeiten für die Verbreitung von Nachrichten und Artikeln, die andererseits jedoch das Berufsbild des Journalisten infrage stellen, wenn ein jeder seine eigene Sichtweise ins Netz stellen und für andere zugänglich machen kann. Die Herausforderungen für die Verlage und Journalisten sind somit nicht nur die Klärung der Frage, wie es gelingen kann, jungen Leute, den Nachwuchs, zum Lesen von Zeitungen und Zeitschriften, sei es in gedruckter Form oder im Internet, schmackhaft zu machen, sondern dem Qualitätsanspruch journalistischer Arbeit dem Wildwuchs von Informationen entgegenzustellen. Das ist die große Chance für sie, ihr bisheriges Alleinstellungsmerkmal durch qualitativ hochwertigen Journalismus zu erhalten.  Ob die Verlage dazu bereit sind, mag angesichts von Zeitungen, die in den „Leser-Journalismus“ flüchten, bezweifelt werden. In diesen Fällen kommt es darauf an, dass ein x-beliebiger Bürger (Leser) seine Smartphone-Kamera zum richtigen Zeitpunkt einsetzt, und aus der Nachbarschaft berichtet, natürlich unentgeltlich. Aber dazu benötigt man keinen Verlag, keine Zeitung mehr, weshalb man diesen Weg durchaus als das bezeichnen kann, was man „Ast absägen“ nennt.</p>
<p>Zur Feier des 60. Jubiläums der DAP wollen wir hoffen, dass es gelingt, dem Journalisten eine eigene Zukunft zu erhalten, und als Vorsitzender einer Literaturvereinigung weiß ich, wovon ich spreche, denn der Schriftsteller steht vor ähnlichen Herausforderungen, wie denen, ob Literaturverlage auf die modernen Zeiten des Internets und aufkommender E-Book-Faszination in ihrem Sinne reagieren. Somit sitzen wir alle in einem Boot.</p>
<p>Vereinigungen wie unsere sind es, die nicht unmaßgeblich die Entwicklung der Berufsstände begleiten, und dies in der Vergangenheit bereits getan haben. Insofern ist ein 60. Geburtstag ein Grund, sich über die Arbeit der Vergangenheit zu freuen und mit dem Errechten gleichzeitig zu versichern, wir werden uns weiterhin kümmern, um das, was unsere Mitglieder von uns erwarten.</p>
<p>Es ist aber auch ein Moment des Innehaltens,  eine Gelegenheit zu feiern, dass man da war, da ist und da sein wird, wenn es um die eigenen Belange und notwendigen Veränderungen geht.</p>
<p>Die Hamburger Autorenvereinigung feiert gern mit, denn viele Mitglieder der DAP sind auch Mitglieder bei uns, womit auch dokumentiert wird, was wir als Selbstverständnis ansehen, das journalistische und redaktionelle Arbeit Literatur ist. Insofern ein ganz herzlicher kollegialer Glückwunsch zum 60. Jahrestag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Grußwort des Vorsitzenden des Hamburger Schriftstellerverbandes, Dr. Reimer Eilers</strong></p>
<p>Journalisten und Schriftsteller haben mehr gemein als nur die Sprache. Wobei dieses „nur“ ja bereits ein Werkzeug kennzeichnet, dass sich größer und im besten Falle wirkmächtiger kaum denken lässt. Sicher doch, Sprache ist unser Werkzeug und zugleich unsere Lust. So genießen Schriftsteller gut geschriebene Artikel ebenso, wie Journalisten andererseits nicht nur um der Entspannung Willen zur Literatur greifen, sondern auch zur Auffrischung des eigenen kreativen Potentials.</p>
<p>Hamburg ist eine Pressestadt, und die Auswärtige Presse e.V.  - mit Sitz in Hamburg &#8211; ist die älteste freie Journalistenvereinigung in Deutschland. In diesem Jahr begehen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, das 60. Jubiläum Ihrer Vereinigung – eine Erfolgsgeschichte seit 1951.  Dazu gratuliert der Hamburger Landesverband des VS ganz herzlich.  Solche Dauer ist nicht selbstverständlich. Lassen wir einmal die Vorläuferorganisationen der Schriftsteller beiseite, dann sind wir fast eine Generation jünger. Den Verband deutscher Schriftsteller gibt es nämlich erst seit 1969, wir sind in gewissem Sinne ein Kind des politischen Aufbruchs im Zuge der damaligen Studentenbewegung.</p>
<p>Seit einigen Jahren gibt es Verbindungen zwischen uns. Das liegt zum einen an Kolleginnen wie der Präsidentin der „Auswärtigen Presse“, Johanna Renate Wöhlke, die journalistische und künstlerisch-literarische Talente in ihrer Person vereinigt. Zum andern gibt es eine beachtliche Schnittmenge gemeinsamer Interessen der beiden Verbände. So haben wir im vergangenen Jahr – zusammen auch mit der Hamburger Autorenvereinigung – ein gemeinsames Bildungsseminar zum Urheberrecht veranstaltet.</p>
<p>Es tut auch gut, Kollegen und Verbündete für unsere Interessen zu haben. Unter den Künsten sind es nämlich vor allem die Musik und vielleicht noch das Theater, denen die tonangebende Kaufmannschaft und andere kunstsinnige Hanseaten gewogen sind. Die Literatur – vor allem die heimische – hat es schwer in der Hansestadt. Das schöne Literaturhaus verdeckt und überstrahlt hier manchmal die Probleme.</p>
<p>Schon Heine, der Hamburg – und hier besonders seinem reichen Onkel von der Elbchaussee viel zu verdanken hat, blieb der Hansestadt zeitlebens in einer zwiespältigen Verachtung und Anerkennung verbunden. Vielleicht lag das auch an der schönen reichen Hamburger Cousine, die ihn nicht erhört hat; aber darüber wollen wir uns lieber freuen. Denn womöglich wären uns nachgeborenen Lesern andernfalls eine Menge wunderbarer Verse entgangen.</p>
<p>Darüber beispielsweise und über einen beeindruckenden Strauß weiterer Themen schreiben Sie als Mitglieder der „Auswärtigen Presse“. Dass es noch lange so bleibt und wir weiterhin in guter Verbindung bleiben, wünsche ich Ihnen und uns Schriftstellern – nicht zuletzt in unserem Interesse als Leser und kreative Konsumenten Ihrer Artikel.</p>
<p>Dr. Reimer Eilers</p>
<p>Vorsitzender VS Hamburg</p>
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<p>&nbsp;<br />
</p>
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		<title>Brandloch an der Elbe</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 11:27:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Woehlke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg im Fokus]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Eilers Dr. Reimer]]></category>

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		<description><![CDATA[Gedanken zur Bücherverbrennung am historischen Ort Vortrag von Dr. Reimer Eilers, VS Vorsitzender Hamburg, aus Anlass der Gedenkveranstaltung 2010 von Hamburger Autorenvereinigung und VS Verband der Schriftsteller zur Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 Der 15. Mai 1933 war in Hamburg ein für die Jahreszeit zu kühler Tag. Trotzdem versammelte sich am späteren Abend eine etwa [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gedanken zur Bücherverbrennung am historischen Ort</p>
<p><strong><em>Vortrag von Dr. Reimer Eilers, VS Vorsitzender Hamburg, aus Anlass der   Gedenkveranstaltung 2010 von Hamburger Autorenvereinigung und VS Verband   der Schriftsteller zur Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933</em></strong></p>
<p>Der 15. Mai 1933 war in Hamburg ein für die Jahreszeit zu kühler Tag. Trotzdem versammelte sich am späteren Abend eine etwa tausendköpfige Menge erwartungsvoll auf den Wiesen des Kaiser-Friedrich-Ufers. Denn wie formulierte der Reporter des &#8220;Hamburger Anzeigers&#8221; am nächsten Tag unnachahmlich zum Anlass: &#8220;Feuer zieht die Menschen an. Ob es ein Schadenfeuer ist, ein Freudenfeuer oder ein solches, wie es die Studenten Hamburgs gestern Abend am Kaiser-Friedrich-Ufer veranstalteten.&#8221;</p>
<p>So begann der Frühling der Nationalsozialisten: Allerorten brannten im Deutschen Reich am 1o. Mai des Jahres dreiunddreißig die Scheiterhaufen mit den Büchern deutscher Schriftsteller. Hamburg machte eine bloß scheinbare Ausnahme: Hier fand die Bücherverbrennung einige Tage später, am 15. Mai, eine Stunde vor Mitternacht statt. Das Feuer am Kaiser-Friedrich-Ufer, übermannshoch, zog seine Nahrung aus über zweitausend Büchern. Und die Studenten, von denen im &#8220;Hamburger Anzeiger&#8221; pauschal die Rede war, stellten sich als Mitglieder des Stahlhelms, der Burschenschaften und des SA-Sturms 6/76 dar.<span id="more-1969"></span></p>
<p>Als „schädlich und unerwünscht“ eingestuft, verboten und verbrannt wurden in Hamburg unter anderen die Bücher von Heinrich Heine, Carl von Ossietzky, Bertolt Brecht, Sigmund Freud, Egon Erwin Kisch, Jack London, Heinrich und Klaus Mann, Karl Marx, Kurt Tucholsky, Carl Zuckmayer, Lion Feuchtwanger, Marieluise Fleißer, Irmgard Keun, Else Lasker-Schüler, Willy Haas, Erich Kästner und Franz Werfel.</p>
<p>&#8220;Undeutsch und artfremd&#8221; sollten die verbrannten Bücher nach den geschriebenen und geschrienen Parolen der Nationalsozialisten sein, eben &#8220;zersetzendes Schrifttum&#8221;. Sie würden &#8220;die Jugend irreleiten und das Volk vergiften&#8221;, so weiter die Nazis. Reichsweit waren sogenannte Feuersprüche im Umlauf: &#8220;Gegen Dekadenz und moralischen Zerfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat!&#8221;</p>
<p>Tatsächlich wurden mit diesen Sprüchen die Werke der künstlerischen und moralischen Elite der Weimarer Republik ins Feuer geworden. Und in Wahrheit wies dieses Fanal nur auf den völligen geistigen Bankrott breiter Schichten der Gesellschaft am Ende der Republik und des Aufstiegs Adolf Hitlers zum Führer und Reichskanzler in Deutschland. Auch Hamburg – mit seiner langen republikanischen Tradition  als Freie und Hansestadt – reiht sich ein in den braunen Zug.</p>
<p>Der Direktor der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, Wilhelm Schuster, hatte bereits am 18. März 1933 in vorauseilendem Gehorsam erklärt: &#8220;Die Volksbücherei hat dem ganzen Volke zu dienen und alle für die Entwicklung wesentlichen und aufbauenden geistigen Strömungen zu umfassen. Da diese zuerst in der Literatur ihren Niederschlag finden, wird der Bücherbestand gleichsam zum Spiegel jeder neuen geistigen Bewegung. Eine Durchsicht der Anschaffungen der letzten beiden Jahre hat dies voll bestätigt, indem die Literatur der neuen Rechten bereits bei ihrem Erscheinen für die Bücherhalle angeschafft wurde und infolgedessen in weitestem Maße vorhanden ist.“</p>
<p>Und weiter – verbrämt, verschämt und doch grade besonders folgenreich – Direktor Schuster: „Der politische Umbruch erfordert eine Entlastung des vorhandenen Bücherbestandes von solchen Werken, die dem neuen Willen der Nation abträglich sein könnten.&#8221;</p>
<p>Soweit also Hamburgs oberster Bibliothekar im Jahr der Machtergreifung. Wie lange er gern in den Spiegel der neuen Bewegung guckte &#8211; bis zu den Nürnberger Rassegesetzen, bis zum 1. September 1939, bis zum Ende des nationalsozialistischen Krieges und der Konzentrationslager oder noch danach &#8211; weiß ich nicht. Erst einmal lieferten er und seinesgleichen das Brennmaterial, das dann die jungen Leute des Stahlhelms und der SA anzündeten. Heute sollte uns Bücherlesern und I-Pod-Nutzern gleichermaßen die Schrankenlosigkeit der Gewalt  klar sein: Die Scheiterhaufen des deutschen Geistes im Jahr der sogenannten Machtergreifung sind der Anfang des nationalsozialistischen Krieges, der sich in der ersten Phase gegen das eigene Volk richtete. Er führte folgerichtig in den Zweiten Weltkrieg und in Hamburg zu dem großen Brand und der Vernichtung der Stadt durch den alliierten Bombenkrieg im Jahr 1943.</p>
<p>Der Aufschrei gegen den barbarischen Kehraus des Regimes unterblieb. Aber schon ein Jahrhundert zuvor hatte Heinich Heine darauf mit einem prophetischen Vers geantwortet. &#8220;Das war ein Vorspiel nur; dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.&#8221;</p>
<p>Wir haben Heine erst gehört, als sich seine Worte buchstäblich erfüllt hatten. Deshalb lesen wir zum Gedenken. Aber wir lesen auch aus Verantwortung und Freude darüber, dass die Werke der verfemten Schriftsteller Feuer und Verbote überdauert haben und nicht vergessen sind. Stellvertretend für alle nenne ich hier weiterhin Irmgard Keun und Anna Seghers, Oskar Maria Graf und Joseph Roth.</p>
<p>Viele Jahre in der bundesdeutschen Nachkriegszeit dauerte es – nämlich bis 1985 &#8211; als endlich ein Gedenkplatz am Brandloch auf dem Kaiser-Friedrich-Ufer mit einer Lesung aus den verbrannten Büchern der geächteten Schriftstellerinnen und Autoren eröffnet wurde. Vermutlich ist es kein Zufall, dass in eben diesem Jahr auch zum ersten Mal ein deutscher Bundespräsident – Richard von Weizsäcker – den Tag des Kriegsendes in einer großen Rede vor dem Budestag als Tag der Befreiung bezeichnet hat. Die Verblendung eines ganzen Volkes – das wissen wir – löst sich nicht so einfach an dem Tag auf, an dem der Schleier fortgezogen wird. Zumal dann nicht, wenn allzu viele Betroffene auch Beteiligte waren, auf die eine oder andere Weise verstrickt in das Nazi-Unrecht. Und sei es nur durch Schweigen, Weggucken – oder auch grade ein neugieriges Hinschauen seinerzeit auf das Hamburger Brandloch.</p>
<p>Auf den Tafeln der Hamburger Gedenkstätte zur Erinnerung an die Bücherverbrennung findet sich auch der Name des großen Hamburger Dichters Hans Henny Jahnn, der nach dem Krieg die Freie Akademie der Künste begründete. Laut seinem eigenen brieflichen Zeugnis vom Juni 1933 sind seine Bücher damals nicht verbrannt worden. Diese Auskunft findet sich auch an verschiedenen Stellen der biographischen Literatur. Auch wenn es damit fraglich ist, ob Jahnns Name zu Recht mit dem konkreten Ereignis der Hamburger Bücherverbrennung verbunden wird, schmälert das nicht seine Haltung und Werk, wir bezeugen mit der Frage nach den geschichtlichen Fakten nur unseren Respekt vor Jahnn und allen betroffenen Autoren.</p>
<p>Ein anderer Hamburger Autor &#8211; Heinz Liepmann &#8211; schrieb 1933 einen Reportage-Roman, den er selber als ein Pamphlet bezeichnete und der den Alltag unter den neuen Machthabern beleuchten sollte. Hier zieht sich unter anderem ein Bogen von der Bücherverbrennung zur Gleichschaltung des Schriftstellerverbands 1933, ein Bezug, dem gerade wir als Hamburger Autoren uns stellen.</p>
<p>Heinz Liepmann  wurde 1905 in Osnabrück geboren. Er war unter anderem Mitarbeiter der „Frankfurter Zeitung“ und arbeitete als Dramaturg an den Hamburger Kammerspielen. Als Theaterkritiker lieferte er nach der Machtergreifung ein seltenes Beispiel für Zivilcourage. In einem Brief an die Intendanz des Altonaer Stadttheaters gab er unter öffentlichem Protest die Pressekarte für eine Premiere zurück. Seine Begründung: „Da ich mich infolge der mittelalterlichen Kulturschande, der Judenverfolgung, die am Freitag, den 31. März, in Ihrem Hause stattgefunden hat, außer Stande sehe, sie mit der Würde der von mir vertretenen fünfzehn deutschen Zeitungen in Einklang zu bringen.“</p>
<p>Unter der Überschrift „Jüdische Unverschämtheit. Herr Liepmann provoziert das Deutschtum“ nahm das Presseamt der Stadt Altona dazu Stellung. Aus dem originalen Zitat wird der damalige Ungeist wenige Wochen vor der Bücherverbrennung  deutlich und zeigt, wie der Boden dazu bereitet wurde.</p>
<p>Das damalige Nazi-Presseamt schreibt: „Für die ‚Struensee’-Premiere des Altonaer Theaters hatte sich Herr Justin Steinfeld Karten bestellt. Dieser Steinfeld, eine prononziert jüdische Erscheinung mit gekräuseltem Negerhaar, ist kommunistischer Schriftsteller; ein Volksverräter vom Schlage der ‚Weltbühne’ und des ‚Tagebuch’; seinerzeit Leiter eines kommunistischen Schauspielerkollektivs. Die Intendanz des Theaters war der richtigen Auffassung, dass dieser Mann in einem deutschen Theater nichts zu suchen habe und hatte deswegen die Karten nicht bewilligt.“</p>
<p>„Das nennt Herr Liepmann mittelalterliche Kulturschande! Über diese Frechheit bleibt einem die Sprache weg. Herr Liepmann wird mit seiner Verleumdung wie andere seiner Rasse die Brunnen in Deutschland vergiften. Es wird dafür Sorge getragen, dass diese Gefahr nicht akut wird.“</p>
<p>Die neuen Machthaber ließen es nicht bei Ankündigungen, noch 1933 kam er vorübergehend ins KZ Wittmar.  Heinz Liepmann stand dann 1933 auf der ersten Ausbürgerungsliste der Nazis und emigrierte über Holland, Frankreich, England in die USA, wo er bis 1947 Redakteur der New York Times war. Dann kehrte er nach Hamburg zurück, wo er bis 1961 lebte. Gestorben ist er 1966 in Agarone in der Schweiz.</p>
<p>Seine 1933 in rasender Eile geschriebene Reportage „Das Vaterland. Ein Tatsachenroman aus dem heutigen Deutschland“ konnte er nur in Holland publizieren, und zwar noch im selben Jahr bei Van Kampen &amp; Zoon in Amsterdam. Hier ein Auszug aus dem von Liepmann selbst sogenannten Tatsachenroman, den Schriftstellerverband betreffend:</p>
<p>„Im Schutzverband deutscher Schriftsteller war Hochbetrieb. Früher erschienen von den Mitgliedern des deutschen Nordwestgaus in den monatlichen Versammlungen immer nur dreißig oder vierzig, aber heute waren beinahe hundert gekommen. Es fehlten eigentlich nur diejenigen, die im Zuchthaus oder Konzentrationslager waren oder die fürchten mussten hinein zu kommen, wenn sie sich sehen ließen.“</p>
<p>„Es erhob sich plötzlich ein unscheinbarer alter Herr, ein Lehrer, wie es sich bald herumsprach, und erklärte, dass er nun Vorsitzender der Schriftsteller sei. Und nun höre es auf im deutschen Schrifttum mit dem demokratischen und pazifistischen Gewinsel. In Deutschland würden in Zukunft nur noch Bücher deutschblütiger und nationaler Autoren erscheinen.“</p>
<p>Jetzt war das Brandloch auch in den Köpfen der dichtenden Zunft angelangt. Wie es bei uns in Hamburg und anderswo weiter ging, ist bekannt.<br />
</p>
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		<title>Flammende Ignoranz</title>
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		<pubDate>Wed, 26 May 2010 17:14:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tekook</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg im Fokus]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Leineweber Gino]]></category>

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		<description><![CDATA[Vortrag von Gino Leineweber aus Anlass der Gedenkveranstaltung 2010 von Hamburger Autorenvereinigung und VS Verband der Schriftsteller zur Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 Fahrenheit 451, das ist die Temperatur, bei der Papier Feuer fängt und Bücher sich entzünden, und das ist der Titel eines Romans des amerikanischen Schriftstellers Ray Bradbury. In diesem Buch beschreibt er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Vortrag von Gino Leineweber aus Anlass der  Gedenkveranstaltung 2010 von Hamburger Autorenvereinigung und VS Verband  der Schriftsteller zur Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933</em></strong></p>
<p>Fahrenheit 451, das ist die Temperatur, bei der Papier Feuer fängt  und Bücher sich entzünden, und das ist der Titel eines Romans des  amerikanischen Schriftstellers Ray Bradbury. In diesem Buch beschreibt  er eine Gesellschaft, in der Bücher verboten sind. Eine als Feuerwehr  getarnte Institution, rückt immer dann aus, wenn Bücher gefunden werden,  verbrennt sie und verhaftet die Besitzer.</p>
<p>Die Bevölkerung im Roman ist von allem fernzuhalten, was der  Gesellschaftsstruktur schaden könnte. Insbesondere von Büchern. Sie  bieten andere Ansichten, und erlauben in andere Welten einzutauchen.<span id="more-1802"></span></p>
<p>Was für den normalen Leser, für den freien Menschen, der Hauptgrund  ist, sich mit Büchern zu beschäftigen, nämlich seinen Horizont zu  erweitern, ist für diejenigen, die ihrer eigenen Weltsicht zur  kollektiven Wahrheit verhelfen wollen, ein Gräuel. So hat es und gibt es  in allen Zeiten die Zensur. Eine unerträgliche Situation für jeden  Schriftsteller, für jede Schriftstellerin, mit Forderungen konfrontiert  zu werden, Teile einer Novelle oder eines Gedichts entfernen zu müssen,  um veröffentlicht zu werden oder denen gar ein totales  Veröffentlichungsverbot droht. Ein beeindruckendes Zeugnis, wie sich  Schriftsteller in unterdrückten Gesellschaften fühlen, lieferte Osip  Mandelstam im Jahre 1934 mit seinem gegen Stalin gerichteten  Epigramm  und den Eingangsversen:</p>
<p>&#8220;Wir Lebenden spüren den Boden nicht mehr, / Wir reden, dass uns auf  zehn Schritt keiner hört&#8230;&#8221;</p>
<p>Ohne Bücher gibt es keine Bildung. Bücher regen das Denken an, sie  erweitern unsere Vorstellungen. Das Denken der Dichter und Verfasser  ergänzt, unterstützt und verändert unser eigenes Denken und damit die  Welt, in der wir leben. Denjenigen, die ihre eigenen Vorstellungen, ihr  eigenes Denken als allgemeingültig betrachten, und daraus Gefolgschaft  herleiten, ist anderes Denken suspekt und muss, aus ihrer engen  Sichtweise heraus, unterdrückt werden.</p>
<p>Aber sie sind unwissend, ignorant, wenn sie meinen, sie könnten das  Denken anderer steuern, denn: „Die Gedanken sind frei&#8230;“, und das nicht  erst, seit es in einem Volkslied verbreitet wird. Schon in den  Schriften des 12. Jahrhunderts von Walther von der Vogelweide findet man  diese Wahrheit, denn um nichts anderes handelt es sich. Wenn aber das  Denken frei ist, dann sind es auch die Vorstellungen, und die Zensur  zeigt sich als das was sie ist, als Ignoranz.</p>
<p>Das gilt vielleicht in noch größerem Maße für das Verbrennen von  Büchern. In diesen Fällen sind die Gedanken der Verfasser bereits  bekannt. Hier will man nicht nur verhindern, dass Gedanken und  Vorstellungen neu in die Welt gelangen, sondern will sie zerstören. Man  glaubt, wenn man ihre Bücher verbrennt, würden auch die Gedanken der  Intellektuellen verbrannt, würden auch die Vorstellungen, die Welten,  über die geschrieben wurde, die Visionen, die Beschreibungen von Elend  und Leid, von Glück und Gewinn und die Gefühle verbrannt, die zu all dem  geführt haben. Wie dumm, wie ignorant.</p>
<p>Wir gedenken heute einer Bücherverbrennung, die, initiiert und von  langer Hand vorbereitet, von den braunen Machthabern um Hitler, im  Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“, stattfand, willig  durchgeführt von deutschen Professoren und Studenten, die alles, was dem  Denken der Nationalsozialisten widersprach, was undeutsch war, aus den  Bibliotheken ins Freie trugen und begeistert anzündeten. Flammende  Ignoranz einer Gruppe von Menschen, die es eigentlich hätte besser  wissen müssen.</p>
<p>Aber das war weder die erste, noch die letzte Bücherverbrennung. Auch  nicht in Deutschland. In gebotener Kürze und ohne Anspruch auf  Vollständigkeit einige Ereignisse, die das belegen:</p>
<p>Im 4. Jahrhundert wurde unchristliche  <em>Zauberliteratur</em> verbrannt. 1242 kam es zur Talmudverbrennung in Paris, bei der sämtliche  in Frankreich, England, Portugal und Spanien entdeckten jüdischen  Bücher konfisziert und vernichtet wurden.</p>
<p>Verbrannt wurden 1415 die Werke des böhmischen Reformators Jan Hus  und Ende des 15. Jahrhunderts Bücher in Florenz, unter anderem Boccacios  <em>Decamerone</em> und alle Werke Ovids.</p>
<p>1501 wurde mit einer Päpstlichen Bulle der Scheiterhaufen für  papstfeindliche Schriften angeordnet, und auf einem solchen landeten  1561 in Yucatán alle Texte der Mayas.</p>
<p>1650 begründete die Verbrennung religiöser Schriften in Boston eine  lange Tradition von Bücherverbrennungen in den USA, und in Frankreich  ließ 1793 Robespierre alle religiösen Schriften sowie Bücher über die  französischen Könige verbrennen.</p>
<p>Eine Spitzenstellung in dieser Aufzählung nimmt der US-Amerikaner  Anthony Comstock ein, der von 1844–1915 lebte, und sich puritanischer  Weltanschauung verschrieben hatte. Er ließ etwa 120 Tonnen Bücher  verbrennen. Seine 1873 gegründete <em>New York Society for the  Suppression of Vice</em> (Gesellschaft zur Bekämpfung des Lasters),  fügte nach seinem Tod weitere 80 Tonnen Literatur hinzu, von Autoren wie  beispielsweise John Dos Passos oder Ernest Hemingway.</p>
<p>In den Anfangstagen des Ersten Weltkriegs wurden, als  Vergeltungsmaßnahme gegen den Angriff deutscher Truppen, mit der  Universitätsbibliothek der Katholischen Universität Löwen, unersetzliche  mittelalterliche Handschriften niedergebrannt.</p>
<p>Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, wurden in  mehreren Bundesstaaten unter dem Absingen patriotischer Lieder wahllos  aus den Bücherregalen herausgegriffene deutsche Bücher den Flammen  übergeben.</p>
<p>1953 erzwang der amerikanische Senator Joseph McCarthy im Zuge seiner  „Kommunistenhatz“ in den USA die Beschlagnahme und teilweise  Verbrennung inkriminierter Literatur aus den Bibliotheken der United  States Information Agency.</p>
<p>Im Rahmen des Bürgerkriegs in Sri Lanka wurden im Mai 1981 mehr als  97.000 Bücher der tamilischen Jaffna Public Library ein Opfer der  Flammen.</p>
<p>Ganz gezielt wurden auch einzelne Bücher verbrannt:</p>
<p>Augusto Pinochet ließ 1986 ungefähr 15.000 Exemplare des  regimekritischen Buches <em>Das Abenteuer des Miguel Littín – Illegal in  Chile</em> von Gabriel García Márquez verbrennen. Zwei Jahre später  verbrannten Muslime Salman Rushdies Roman <em>Die satanischen Verse</em>.  2001 wurden in Pittsburgh, während eines „book burning“-Gottesdienstes  J. K. Rowlings <em>Harry Potter</em> als Zauberliteratur verbrannt. Im  selben Jahr in Indonesien Khalil Gibrans Gedichtband <em>Der Prophet</em>.  Und natürlich wurde auch die <em>Bibel</em> verbrannt, beispielsweise  erst kürzlich, im Jahre 2002, in Tiflis, und vor laufender Kamera traf  es zehntausende „protestantischer” Bibeln.</p>
<p>Witzig (wenn es nicht so traurig wäre) erscheint der Erlass eines  türkischen Landrats vom 30. März 2005 wonach in der südtürkischen  Provinz Isparta, alle Bücher des späteren Nobelpreisträgers Orhan Pamuk  aus den öffentlichen Büchereien zu entfernen und zu verbrennen seien.  Die Bücherverbrennung fiel jedoch aus, da sich in den Buchregalen kein  einziges Werk des schon vorher stark angefeindeten Autors befand.</p>
<p>Die Brandstifter glauben, sie müssten die Bücher beseitigen, um ihre  eigene Macht, ihre eigene Sichtweise, ihren eigenen Anspruch auf die  Welt, wie sie ihrer Meinung nach sein sollte, nicht zu gefährden. Sie  beschimpfen die Schriftsteller und Schriftstellerinnen oder deren Bücher  als blasphemisch, ketzerisch, unmoralisch, aufrührerisch,  hochverräterisch oder undeutsch, wie bei dem Anlass, an den wir heute  erinnern. Die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 war innerhalb der  vielen Verbrechen der Nationalsozialisten nicht einmal das Schlimmste.  Aber es symbolisiert in besonderer Weise die Ignoranz mit der man damals  kulturelles Gedankengut missbrauchte, und das Ereignis hat dazu  beigetragen, dass im deutschen Volk ab 1933 die Vorstellung als Wahrheit  angesehen wurde, es gäbe unterschiedliche Arten von Menschen, wertvolle  und wertlose, und es trug damit zum Holocaust bei. Das Handeln der  Anhänger Hitlers, insbesondere der „Deutschen Studentenschaft&#8221;, kann  deshalb nicht isoliert nur als Ignoranz betrachtet werden, sondern, und  das ist das gefährliche, als Fanal zur Vernichtung verschiedener  Weltanschauungen und schließlich der Menschen dahinter.</p>
<p>An dieser Aktion, am 10. Mai 1933, lässt sich deutlich erkennen, dass  der Geist, der die Flammen gegen die Literatur entfacht, nicht nur der  Literatur schadet, sondern weit darüber hinausgeht. Die  Bücherverbrennung von 1933 ist weitgehend vergessen, und dass es sich  bei der &#8220;Aktion wider den undeutschen Geist&#8221; um eine mehrwöchige  Kampagne handelte, in deren Verlauf die geistes- und  innovationsfeindlichen Repressionen der entstehenden NS-Diktatur  anfingen, ihre eigentliche Wirksamkeit zu entfalten, ist weitgehend  unbekannt. Deshalb ist es wichtig, immer wieder auf dieses Ereignis  hinzuweisen. Einem Ereignis, das, trotz vieler gleichartiger,  unvergleichlich in seinen Auswirkungen war.</p>
<p>Im Roman von Ray Bradbury sorgen die geheimen Bücherfreunde für das  Scheitern der Diktatur. So wie sich dort die Liebe zu Literatur und  damit zur Philosophie, der Liebe zur Weisheit, durchgesetzt hat, so wird  sie sich immer und überall durchsetzen, denn diese Hinwendung ist im  Charakter der Menschen angelegt, selbst wenn sie durch das Alltagsleben  überlagert zu sein scheint. Die Wahrheit ist nämlich, dass die Gedanken  frei sind, und daran ändert auch das Verbrennen von Büchern nichts. Möge  niemand mehr unter der Ignoranz von Menschen leiden, die diese Wahrheit  nicht verstehen.<br />
</p>
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		<title>Sufismus und Frieden</title>
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		<pubDate>Wed, 26 May 2010 17:12:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tekook</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg im Fokus]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Leineweber Gino]]></category>

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		<description><![CDATA[Bericht des Schriftstellers und Vorsitzenden der Hamburger Autorenvereinigung, Gino Leineweber, von einem internationalen Schriftstellerkongresses in Islamabad, Pakistan. Als ich die Einladung bekam, wollte ich es erst nicht wahrhaben. Ein Treffen von Schriftstellern und Intellektuellen in Islamabad. In der Hauptstadt Pakistans, dem Land, das im Focus der Öffentlichkeit mit Terrorismus und instabilen politischen und sozialen Verhältnissen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Bericht des Schriftstellers und Vorsitzenden der  Hamburger Autorenvereinigung, Gino Leineweber, von einem internationalen  Schriftstellerkongresses in Islamabad, Pakistan.</em></strong></p>
<p>Als ich die Einladung bekam, wollte ich es erst nicht wahrhaben. Ein  Treffen von Schriftstellern und Intellektuellen in Islamabad. In der  Hauptstadt Pakistans, dem Land, das im Focus der Öffentlichkeit mit  Terrorismus und instabilen politischen und sozialen Verhältnissen  verbunden wird. Ein Land, in dem man vor Anschlägen nicht sicher ist,  und in der Tat wurde die Konferenz aus Sicherheitsgründen zweimal  verschoben, von Oktober auf November 2009 und schließlich auf die Zeit  vom 14. bis 16. März 2010. Zwei andere Schriftsteller aus Deutschland,  die ebenfalls eingeladen waren, sagten aus unterschiedlichen Gründen ab.  Ich aber folgte der Einladung.</p>
<p>Das Motto der Konferenz war Sufismus und Frieden (Sufism and Peace).  Über Sufismus hatte ich vor vielen Jahren gelesen, und wusste, dass der  Sufismus eine Vielheit mystischer Traditionen umfasst, die den Islam als  ihre höchste Wahrheit betrachten. Die Lehre wird als eine Offenbarung  der esoterischen Wahrheit des Islams gesehen. Alle Teilnehmer hatten zum  Thema einen Vortrag zu halten, der später in einer Anthologie  veröffentlicht werden sollte. So wie im Jahre 1995, in dem bereits eine  Konferenz mit demselben Titel stattfand. Sie war von <em>Benazir Bhutto</em>,  der im Dezember 2007 ermordeten pakistanischen Politikerin, die 1995  Premierministerin war, initiiert worden. Die Idee zu einer zweiten  Konferenz stammt ebenfalls von ihr, und der Vorsitzende der PAL  (Pakistan Academy of Letters), der Pakistanischen  Schriftstellervereinigung, <em>Fahkar Zaman</em>, der 1995  Kultusminister unter <em>Benazir Bhutto</em> war, verwirklichte jetzt  die Vision der großen Dame der pakistanischen Politik. Wie wichtig diese  Konferenz nicht nur für die PAL war, zeigt das große Medieninteresse,  dass während der gesamten Dauer der Tagung zu beobachten war  und  besonders der Besuch des Pakistanischen Präsidenten, <em>Asif Ali  Zardari</em>, des Witwers Benazir Bhuttos und des Bildungsministers  Pakistans, <em>Sardar Assef Ahmed Ali</em>.<span id="more-1799"></span></p>
<p>Die Konferenz war ein beeindruckendes Treffen von 80 Schriftstellern  und Intellektuellen aus 35 Ländern sowie 200 pakistanischen Kollegen. Es  gab die unterschiedlichsten Vorträge zum Thema, aber alle bewegten sich  auf hohem Niveau, und im Anschluss an die einzelnen Sitzungen gab es  einen interessanten internationalen Gedankenaustausch.</p>
<p>Meine Erwartungen, durch die Teilnahme an dieser Konferenz neue  Erfahrungen zu sammeln, anregende Gespräche zu führen und  außergewöhnliche  Kollegen kennenzulernen, erfüllten sich. Etwas anderes  kam hinzu. Ich lernte viel über die Kultur des Landes, über die Stadt  Islamabad und die heutige Situation Pakistans. Das hat nicht zuletzt  auch mit dem Sufismus zu tun. Seine Ideen und Vorstellungen nehmen einen  bedeutenden Raum in der Kultur des Landes ein. Die großen Meister des  Sufismus sind Teil der pakistanischen Kultur. An Hunderten von Schreinen  in ganz Pakistan werden sie verehrt. Die bunten, mit Musik untermalten  Heiligenfeste ziehen regelmäßig eine Vielzahl von Besuchern an. Deshalb  leidet die Bevölkerung des Landes besonders darunter, Opfer  terroristischer Anschläge zu sein, die auf eine fundamentalistische  Richtung des Islam zurückzuführen ist. Ein Sieg der Taliban würde die  Islamische Republik Pakistan ins religiöse Mittelalter zurückführen und  eine absolute Änderung der Gesellschaftsstruktur des Landes bedeuten.  Aber nicht nur die Taliban lehnen den Sufismus ab. Musik, Tanz und die  unorthodoxen Sinnsprüche, die Teil des Sufismus sind, und den mystischen  Aspekt in den Islam weben, sind in den Augen vieler moderner Muslims  Teufelswerk. Der Sufismus hätte wenig mit dem Islam zu tun, heißt es bei  Ihnen, und so ist es kein Wunder, dass es viele islamische Staaten  gibt, in denen er nicht praktiziert werden darf, wie beispielsweise und  nicht besonders verwunderlich, im Iran. Aber auch, und das ist schon  verwunderlich, in der Türkei. Ich traf während der Konferenz auf einen  türkischen Professor, der in Istanbul Sufismus unterrichtet, und mir  berichtete, die Ausübung der Lehre indes sei verboten.</p>
<p>Pakistan hat sich mir, aufgrund vieler Gespräche mit den  pakistanischen Teilnehmern der Konferenz, als ein Land präsentiert,  dessen kulturelles Selbstverständnis durchaus tolerante und liberale  Aspekte umfasst. Besonders letzteres meine ich nicht im Sinne unserer  westlichen Demokratien. Es gibt viele Bereiche, in denen das  gesellschaftliche Leben und Handeln, die Ein- und Ansichten nicht mit  unseren übereinstimmen. Dabei will ich gern einräumen, dass  Schriftsteller nicht repräsentativ sind, um ein gültiges Meinungsbild  der Gesellschaft zu erzeugen. Aber wenn die Schriftsteller eines Landes  gehört werden, und das werden sie anscheinend in Pakistan, dann  verbreitet sich ihr Gedankengut. Das hat sich mir nicht islamisch  fundamentalistisch gezeigt.</p>
<p>Besonders beeindruckend in diesem Zusammenhang war der Vortrag des  pakistanischen Präsidenten, der, weder im Lande selbst noch im Ausland,  unumstritten, sich ausdrücklich dem Sufismus verbunden fühlt, und in  einer Tagung wie dieser eine große Chance sah, die kulturelle  Entwicklung des Landes zu fördern. Das habe ich allerdings nicht so  verstanden, hin zur westlichen Kultur, und ich glaube auch nicht, dass  wir dies erwarten dürfen oder sollten, denn dass unsere Kultur von  manchen von uns im Westen als das Zentrum der Welt angesehen wird, heißt  nicht, dass dies auch tatsächlich so ist.</p>
<p>Die Tagung in Islamabad wird mir unvergessen bleiben, und ich bin  außerordentlich dankbar dafür, eingeladen worden zu sein, und hoffe,  dass die Kontakte mit dem einen oder der anderen über die Tagung hinaus  bestehen bleiben.<br />
</p>
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