Die Auswärtige Presse e.V.

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Artikel der Kategorie ‘Buchrezension’

Geschichte unter dem Vergrößerungsglas

Dezember 10, 2010 Von: Tekook Kategorie: Buchrezension, Geschichte 1 Kommentar →


Nahverkehr und Nationalsozialismus

Die Hamburger Hochbahn AG im “Dritten Reich”

von Dr. Wolf Tekook

Geschichte – dazu gehören Zeittafeln, in denen die Entwicklung der Menschheit oder einzelner Staaten nachzulesen ist. Kriege werden beschrieben und analysiert, wechselnde Herrschaftsverhältnisse aufgezeichnet, der Übergang von einer Staatsform in die andere.

Geschichte – das ist aber auch die exemplarische Darstellung einer Ära anhand der Entwicklung eines Mikrokosmos, mit detaillierter Darstellung der beteiligten Personen und deren Entscheidungen. Der Autor des hier vorgestellten Buches, Christoph Strupp, ist diesen Weg gegangen, als er die Chronik der Hamburger Hochbahn AG ab dem Jahre 1906 bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb.

Mit vielen Faksimiles und historischen Aufnahmen bebildert findet der Leser in diesem Buch unvermittelt exemplarische Darstellungen des Lebens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Einzelschicksale ebenso wie die Behandlung von Bevölkerungsgruppen. Die wirtschaftlichen Ziele der Hochbahn, deren Realisierung oder deren Scheitern aufgrund von Fehleinschätzung oder politischer Vorgabe, der Konkurrenzkampf und die Werbemethoden, später die Ausgrenzung von Juden und Zwangsarbeitern oder in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs die Nutzung von Straßenbahnen als rollende Gemüsestände, Gütertransportmittel oder Schutträumeinheiten – all dies findet sich in der überraschend spannenden Analyse.

Als Zeitzeugen kommen zu Wort die wechselnde Vorstände der Firma, aber auch die einfachen Arbeiter, die in der Betriebszeitschrift charmant unbeholfen reimten, wie der Zugführer Schmidt mit seinem Werbegedicht aus dem Jahre 1935: (weiterlesen …)

Kulturmarken 2011

Oktober 10, 2010 Von: Tekook Kategorie: Buchrezension, Kunst und Kultur 2 Kommentare →


Jahrbuch für Kulturmarketing und Kultusponsoring

Von Dr. Wolf Tekook

Kultur ist schön, Kultur ist wichtig, Kultur ist unverzichtbar! Ob sich Politiker in Sonntagsreden aus dem Fenster lehnen oder die Lenker der Wirtschaft auf ihre Investitionen im Kultursektor berufen: Sie alle halten das Fähnchen der Kulturförderung hoch. Mögen auch die Städtischen Bühnen in mittleren Großstädten in Serie geschlossen werden, weil die große rote Zahl am Ende des städtischen Etats dies vorgibt, die Kultur, sie lebe hoch!

Das hier vorgestellte Jahrbuch Kulturmarken 2011 nennt viele Autoren, die sich dem schwierigen Thema in zwei Schwerpunkten nähern:

  • Kulturinvestitionen
  • Markenentwicklung in der Kultur

Bei den Kulturinvestitionen wird der Public Private Partnership ein hoher Rang eingeräumt. Die öffentliche Hand (Bund, Länder und Kommunen) schließt Verträge mit privaten Unternehmen, die langfristig etwa ein Museum finanzieren und dafür selbst Vorteile genießen können. (weiterlesen …)

Sandkasten- Sozialismus

September 26, 2010 Von: Tekook Kategorie: Buchrezension, Politik 2 Kommentare →


Lenin kam nur bis Lüdenscheid – Meine kleine deutsche Revolution von Richard David Precht

Von Dr. Wolf Tekook

Wer das Licht der Welt im Jahre 1964 erblickte, von dem sollte man annehmen, dass er sich die 68er- Jahre und den damit verbundenen Umbau nicht nur der Bundesrepublik lediglich nachträglich und aus Sekundärquellen erschloss. Anders bei Richard David Precht: Der Schriftsteller und Philosoph wuchs in einer linksorientierten und politisch hochaktiven Familie auf. So lesen sich seine unter dem Titel Lenin kam nur bis Lüdenscheid veröffentlichten Kindheitserinnerungen wie eine Geschichte des Umbruchs in Deutschland.

Sein Herangehen an das Thema aus der Kindesperspektive und die Subjektivität der Schilderung birgt einige Reize: Wenn Precht über seine Schwärmerei für die Fußballmannschaft Dynamo Kiew (aus der guten und friedliebenden Sowjetunion) reflektiert, vermischt sich jugendlicher Hang zur Schwärmerei mit im Elternhaus erworbener politischer Ausrichtung. In der Beschreibung der von der Mutter ausgewählten unmodernen Second- Hand- Kleidung und den Reaktionen darauf im Schulalltag werden die Nöte eines Pubertierenden glaubhaft sichtbar. (weiterlesen …)

Der Herrscher zweier Horizonte

September 13, 2010 Von: Kurr Kategorie: Buchrezension, Mitglieder in der Presse Noch keine Kommentare →

Hans-Peter Kurrs Buch “Der Herrscher der zwei Horizonte”, bisher vom Leipziger MDG-Verlag betreut, wurde vom Aachener Verlag Shaker-media übernommen und ist nun unter der ISB-Nummer 978 – 3 – 86858 – 581 – O im Handel erhältlich.
Die Schrift erzählt das Leben der sechsten Tochter der Nofretete und des aegyptischen Pharaos der 18. Dynastie ,Ech – n aton. (weiterlesen …)

Ein Buch unseres Mitgliedes Anna Bardi

August 26, 2010 Von: Woehlke Kategorie: Buchrezension, Hamburg im Fokus, Mitglieder in der Presse 2 Kommentare →

Von Johanna R. Wöhlke

Literarische Spaziergänge auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

Hamburger Autoren erinnern an tote Kollegen

Herausgegeben von Anna Bardi

Es liegt schon einige Tage auf meinem Schreibtisch: „Literarische Spaziergänge auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Hamburger Autoren erinnern an tote Kollegen. Herausgegeben von Anna Bardi“. Es liegt da in sanftem, abgedunkeltem Hellgrün, weiße Schrift und rote Schrift, ein Bild mit einer Parkbank inmitten eines grünen Gartens auf der Titelseite, überzeugend schon dieses Cover – ein Buch, einladend zu einem Spaziergang, zu mehreren Spaziergängen – über einen Friedhof.

Ich erinnere mich an den Ohlsdorfer Friedhof  als einen Park, in dem fast wie zufällig auch noch Menschen ihre letzte Ruhestätte finden.  Es gab dort vor vielen Jahren eine Beerdigungsfeier im Winter, der ich beiwohnte. Ein entferntes Familienmitglied wurde zu Grabe getragen. Ich hatte es nicht einmal gekannt. Die Kälte des Winters in den Gliedern zu spüren, macht solche Wege noch kälter, bis in die Seele hinein. (weiterlesen …)

USA – Die unvollendete Geschichte einer Supermacht

August 16, 2010 Von: Tekook Kategorie: Buchrezension, Politik Noch keine Kommentare →

Von Dr. Wolf Tekook

Die Arena Bibliothek des Wissens tritt mit dem Anspruch auf, gut lesbare und faktenreiche Bücher zu enthalten. Der hier besprochene Band USA – die unvollendete Geschichte einer Supermacht wird diesem Anspruch voll gerecht. Der Autor Peter W. Schroeder ist seit 30 Jahren als White House Korrespondent für deutsche und österreichische Tageszeitungen in Washington tätig und bringt in komprimierter, sehr gut lesbarer Form die Geschichte des nordamerikanischen Staates näher.

Beginnend mit den steinzeitlichen Ureinwanderern vor zirka 10.000 Jahren bis zur Jetztzeit nimmt Schroeder den Leser auf eine spannende Reise mit. Was das Buch bemerkenswert macht ist, dass die problematischen Bereiche der Supermacht nicht übergangen werden. Kolonialismus, Imperialismus und Sklavenhaltung werden sachlich und dennoch wertend beschrieben. Eine Textprobe über die Einverleibung von Hawaii: (weiterlesen …)

Postmoderne Hausfrauen

Juli 29, 2010 Von: Tekook Kategorie: Buchrezension, Kunst und Kultur Noch keine Kommentare →

Rezension zum Buch                                                      

Verzweifelte Hausfrauen? Erscheinungsformen der Macht in DESPERATE HOUSEWIVES

von Julia Langner. Mit einem Vorwort von Kay Kirchmann

Tectum, Marburg, 2009

Von Götz Egloff

Da gibt es also Hausfrauen. Und die Soziologie. Und die Psychologie. Und Macht. Die Medienwissenschaften. Und Fernsehserien… Eine davon, die Erfolgsserie DESPERATE HOUSEWIVES, nimmt Julia Langner, Universität Erlangen-Nürnberg, in ihrem Buch unter die Lupe und bündelt viele der genannten Schlagwörter in einer Tour-de-Force durch die verschiedenen Disziplinen. Nach einer gelungenen Einführung in die Historie des Machttopos mit Ausflügen zu Hobbes, Nietzsche, Foucault, Plessner, sowie in die psychologische Forschung von McCleland, führt die Autorin die Leser mittels eines, sozusagen Close Viewing in die beziehungsverstrickten Welten der Protagonistinnen Bree, Lynette, Gabrielle und Susan ein und zeigt auf, auf welche Art sich zeitgenössische Frauenbilder in einem aktuellen Fernsehformat darstellen. Und gibt damit Einblick, inwiefern sich diese im Lauf der Zeiten verändert oder eben nicht verändert haben. In jedem Fall ist dies höchst spannend.

Was sich verändert hat, das wird deutlich, sind die medialen Verarbeitungsmuster gesellschaftlicher Themen. Einst – und teilweise zurecht – vielgeschmähte Fernsehserien werden mittlerweile zum Reflektionsort gesellschaftlicher Zusammenhänge, zum Ort gesellschaftlicher Selbstbefragung (s. Kay Kirchmann im Vorwort). (weiterlesen …)

Hommage an Jim Knopf zum 50. Geburtstag

Juni 26, 2010 Von: Knoke Kategorie: Buchrezension, Kunst und Kultur 2 Kommentare →

Von Josef Wilhelm Knoke

Thienemann Verlag

„Eine Insel mit zwei Bergen, und dem tiefen, weiten Meer,…“, wer kennt es nicht, dieses Lied aus der Fernsehserie „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer.“ Ich war damals ein elfjähriger Internatsschüler; Fernsehen gab es bei uns nur Sonntags, und auf diese Fernsehserie der Augsburger Puppenkiste habe ich mich damals die ganze Woche gefreut! Das Buch, welches die Grundlage bildete für die Fernsehserie, erschien vor genau 50 Jahren.

Ein Jahr nach Erscheinen erhielt der Autor, Michael Ende, bereits den Deutschen Jugendliteraturpreis dafür, mit der Begründung, die Geschichte sei „randvoll von köstlichen Einfällen und atemberaubenden, fantastischen Abenteuern.“ Der Autor lebte damals auf Ibiza und war ziemlich abgebrannt. Auf Ibiza kamen ihm die Ideen, die er in dem Buch verwirklichte. Das weiss ich allerdings erst seit kurzem von einer guten Freundin, Uta, die auf Ibiza lebt. Eine Insel mit zwei Bergen, das ist die Ibiza vorgelagerte Insel Es Vedra, das Lummerland aus dem Buch. Sie ist wirklich winzig und hat zwei Bergspitzen. Und die danebenliegende, noch kleinere Insel  Es Vedranell entspricht der im Ozean mit dem Netz für Jim Knopf  und Li Si eingefangenen Insel.

Wie war die Welt doch noch schön in Ordnung damals, zwar nicht überall, aber auf der Insel Lummerland. Die war so klein, dass nur ein Leuchtturm darauf passte, der zugleich klein und groß war. Wie aber kam es zu Jim Knopf? Das war so: auf der Insel Lummerland  kam eines Tages versehentlich ein Paket an, denn eigentlich sollte es nach Kummerland. Es war adressiert an Frau Malzahn. Die kannte allerdings niemand auf Lummerland. Aber weil das Paket mit Luftlöchern versehen war und man Geräusche hörte, beschlossen Lukas, der Lokomotivführer, (weiterlesen …)

Jenseits von Schanghai

Juni 24, 2010 Von: Tekook Kategorie: Buchrezension, Kunst und Kultur Noch keine Kommentare →


Eugen Flegler: Chinabilder 1936 bis 1938

Von Dr. Wolf Tekook

Wer die Fotos in diesem soeben erschienenen Bildband mit der futuristischen Skyline des heutigen Shanghai vergleicht, fühlt sich weit mehr als nur drei Generationen in die Vergangenheit versetzt:

Da flanieren Chinesinnen im traditionellen Mantel und zeittypischer Kopfbedeckung über die Straßen, indische Sikhs im Turban regeln den Verkehr, der Liniendampfer Scharnhorst verbindet das damals noch unendlich ferne China mit Europa. Die Silhouette von Hongkong Island lässt die heutigen Stahlbetonriesen genauso wenig erahnen wie ein Blick in den Hafen von Shanghai. Zum Weihnachts- Familienporträt thronen Fotograf und Gattin neben dem lamettageschmückten Weihnachtsbaum, während die Kinder hübsch drapiert neben der Krippe hocken – das Mädchen mit züchtig gesenktem Kopf, der Junge weltoffen in die per Selbstauslöser gesteuerte Kamera blickend. (weiterlesen …)

Afrika – Ein Kontinent im Wandel

Juni 17, 2010 Von: Tekook Kategorie: Ausland, Buchrezension, Politik Noch keine Kommentare →


Von Dr. Wolf Tekook

Afrika – das sind die “3 K”, die dem Kontinent oft angehängt werden: “Krieg, Korruption und Krankheit”!

Mit dieser These beginnt das Buch Afrika – Ein Kontinent im Wandel von Ludger Schadomsky. Lässt man sich auf das Leseabenteuer mit diesem Buch, das in der Arena Bibliothek des Wissens erschienen ist, ein, so wird der schwarze Kontinent farbenfroh, problembeladen und äußerst überraschend vorgestellt. Der Autor hat sein Wissen nicht aus Sekundärliteratur erworben; erhat in Köln und Kapstadt Afrikanistik und Politikwissenschaften studiert, erkundete den Kontinent 1994 mit dem Fahrrad und bereist ihn auch heute regelmäßig. Heute leitet er die amharische (äthiopische) Sprachredaktion der Deutschen Welle in Bonn.

126 Seiten plus Glossar plus einer Zeittafel der afrikanischen Geschichte – das erscheint nicht viel, um einen so heterogenen Erdteil vorzustellen. Und doch bringt Schadomsky in lockerer, auch für Jugendliche fassbarer Sprache sowohl die historische Entwicklung als auch die aktuellen Probleme pointiert zum Leser. (weiterlesen …)