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Artikel der Kategorie November 7th, 2015

Hunger und Durst – auch heute ein zeitkritisches Stück Hans-Peter Kurr inszeniert Ionesco im Hamburger „Theater im Zimmer

November 07, 2015 Von: Falbe Kategorie: Pressemitteilungen Kommentare deaktiviert für Hunger und Durst – auch heute ein zeitkritisches Stück Hans-Peter Kurr inszeniert Ionesco im Hamburger „Theater im Zimmer

 Hans-Peter Kurr Regissuer Foto Tobias Gloger

Hans-Peter Kurr
Regissuer
Foto Tobias Gloger

Es geschieht nicht oft in einem langen Schauspielerleben, dass man nach einem halben Jahrhundert an die Stätte zurückkehren kann, an der man einmal als junger Schauspieler und Regisseur seine Meriten erwarb. Und dazu noch mit dem Stück, das ihn schon damals als Protagonisten des Avantgardistischen Theaters auswies. Der Hamburger Hans-Peter Kurr setzt mit der Neuinszenierung des Ionesco-Dreiteilers „Hunger und Durst“ in dem wieder zum Leben erwachten „Theater im Zimmer“ eine für das kulturelle Leben der Hansestadt bedeutende Tradition fort, die sich in das aktuelle Weltgeschehen gerade mit diesem – 1964 geschriebenen – zeitkritischen Stück einfügt. Der Bogen spannt sich ohne Brüche vom Einst zum Heute und der nun 79jährige Regisseur weiß das gekonnt in Szene zu setzen: Es sind die Ängste, Sehnsüchte und Träume eines Menschen, die ihn zwingen, aus dem ihm trostlos erscheinenden Alltag zu entfliehen, um nach langer Wanderung in einer „guten Herberge“ von einer nach ihren eigenen Gesetzen lebenden Brüdergemeinschaft aufgenommen zu werden
Ein schwieriges Stück im Novembergrau des Hamburger Theaterlebens, dessen Wirkung durch die räumliche Gestaltung noch verstärkt wird. Das in einem klassizistischen Bau an der Alsterkrugchaussee gelegene Zimmertheater bietet nicht mehr die Intimität einer kleinen Privatbühne mit erhöhter Bühne und ausgerichteten Stuhlreihen. Das Spiel findet auf einer podestartigen Erhöhung mitten im Publikum statt – auf wechselnden Flächen, die dem Zuschauer auch eine Änderung der Blickrichtung abverlangen. Das ist für manche Liebhaber dieses kleinen Theaters schon gewöhnungsbedürftig, trägt aber zur intensiven Beschäftigung mit d
Lena Ahlreip Co- Regissuerin Foto Christoph Mannhard

Lena Ahlreip Co- Regissuerin
Foto Christoph Mannhard

Jedenfalls schien das 100köpfige Premierenpublikum sehr angetan von dem Gebotenen, wie der lebhafte Beifall bewies. Gerda Gmelin, die frühere Intendantin, die nach dem Tod ihres Gründervaters Helmuth Gmelin dem Theater zu seinem weit über Hamburg geltenden guten Ruf verhalf, hätte wohl eingedenk der Tatsache, dass Hans-Peter Kurr einst unter ihrer Ägide das Ionisco-Stück als Hamburger Erstaufführung inszenierte, ihre Freude an der Weiterführung dieser traditionellen Theaterarbeit gehabt, die nun in neue Bahnen gelenkt wird. Gerda Gmelin hatte das Theater bis kurz vor der Jahrtausendwende geführt, dann sah sich die damals 80jährige genötigt, den Spielbetrieb einzustellen. Das gepflegte Anwesen befindet sich heute im Besitz der Familie Kunicki, die daran interessiert ist, die kulturelle Tradition weiter zu führen. Martha Kunicki, Tochter des Eigentümerpaares Richard und Bianca Kunicki, zeichnet für das Produktionsmanagement verantwortlich.

Auch eine andere Tradition wird weitergeführt. Als Helmuth Gmelin 1948 eine „Zimmerbühne“ in dem damals kulturhungrigen Hamburg der Nachkriegszeit ins Leben rief, fanden die ersten Aufführungen in seiner in einem Mietshaus gelegenen Wohnung statt. Das Ensemble stellte er aus den Absolventen seiner eigenen Schauspielschule zusammen.

Metehan Güner und Dominique Aref als Marie Foto Jannik Jürss

Metehan Güner und Dominique Aref als Marie
Foto Jannik Jürss

Ähnlich verfuhr 30 Jahre später die Dramaturgin Elke Diekmann-Kurr, als sie das Hamburgische Kulturkultur gründete, das jungen ausgebildeten Nachwuchskräften die Chancen bieten sollte, sich in einem Ensemble zu profilieren. Das geschieht auch heute, denn durch die professionelle Nachwuchspflege, die Hans-Peter Kurr als jetziger Leiter mit großem Engagement betreibt, ist das Hamburgische Kulturkontor zu einer festen Größe in Theaterlandschaft der Hansestadt geworden. Und so bilden auch junge Schauspielerinnen und Schauspieler aus seinem Team die Besetzung für das Ionesco-Stück, das an die Darsteller besondere Anforderungen stellt, da sie nicht auf der Bühne sondern mitten im Publikum agieren. Vor allem an Metehan Günter, der die Hauptfigur, den jungen Vater Hans Behringer spielt, der seinen Hunger nach einem besseren Leben durch die verschiedenen Stationen seiner Wanderung trägt, die ihn aus der Enge einer Kellerwohnung mit Frau und Kind in die von ihm ersehnte Freiheit führen soll, die er aber nirgends findet, auch nicht in der freien

Natur, auch nicht bei einer anderen Frau

Hans Behringer als Metehan Güner mit den Museumswächtern

Hans Behringer als Metehan Güner mit den Museumswächtern

Den Schwerpunkt des Stückes bildet der dritte Teil – „Schwarze Messe in der guten Herberge“ – ein Kloster, in dem die Flucht des Unsteten nach fünfzehnjähriger Wanderung in einer absurd anmutenden Kongregation von „Brüdern“, die ihm Hunger und Durst stillen, einen Endpunkt findet. Auch den weiteren Darstellern – hier seien stellvertretend für das gesamte Ensemble Dominique Aref, Ines Nieri und Kimberly Hohn genannt – wird im Rahmen dieser auf mehreren Aktionsräumen im Saal stattfindenden eigenwilligen Inszenierung viel abverlangt. Hans-Peter Kurr steht als Co-Regisseurin Lena Ahlreip zur Seite, die Dramaturgie liegt in den Händen von Daria Lüken. Vorstellungen bis 7.November täglich 20 Uhr im Theater im Zimmer, Alsterkrugchaussee 30 in 20149 Hamburg, www.theater-im-zimmer.de)

Am 7. Nov. spielt für Dominique Aref  –  Sonja Hurani      Die Tochter wir gespielt von Daria Lüken