Bacardi feiert 150jähriges Jubiläum
erschienen in der PAZ vom 4. Februar 2012
Von Angelika Fischer
Politik im Zeichen der Fledermaus: Bacardi feiert 150jähriges Jubiläum
Größtes Familienunternehmen der Spirituosenbranche/ Geheimer Kampf gegen Castro

In Cataño auf Puerto Rico steht die größte Rumfabrik der Welt. Das Besucherzentrum informiert über die Geschichte und die Produkte des Konzerns
Der Name Bacardi steht weltweit nicht nur für eine Rummarke, sondern für karibisches Lebensgefühl: Sommer, Sonne, Strand und Meer, dazu ein tropischer Cocktail… Diese Werbebotschaft zieht bis heute und hat Bacardi zum meistverkauften Rum der Welt gemacht. Allerdings steht der Name auch für ein starkes politisches Engagement.
Vor genau 150 Jahren, am 4. Februar 1862, wurde die Brennerei in Santiago de Cuba gegründet von Facundo Bacardi y Mazó und hat sich bis heute zum größten Familienunternehmen der Spirituosenbranche und „Global Player“ entwickelt. Der Firmensitz befindet sich seit 1992 auf den Bermudas, Chairman ist seit 2005 Facundo L. Bacardi, ein direkter Nachfahre des Firmengründers.
Facundo Bacardi y Mazó ist Katalane und stammt vom Land. Geboren 1814 unweit von Barcelona als eines von acht Kindern, träumt er wie viele seiner Generation von einem besseren Leben in Amerika. Kuba ist damals dank seiner Zuckerproduktion eine der reichsten überseeischen Kolonien Spaniens und verspricht Einwanderern Glück und Wohlstand. Facundo ist gerade einmal 16 Jahre alt, als er 1830 mit seinen beiden älteren Brüdern nach Kuba auswandert. Sie gründen in Santiago einen Krämerladen, der jedoch nicht wie erwartet läuft. Nach zehn Jahren kehren die beiden Brüder gescheitert und enttäuscht zurück, Facundo hingegen bleibt und eröffnet allein einen Wein- und Spirituosenhandel, der mehr schlecht als recht floriert. 1843 heiratet er seine Frau Amalia Moreau, die ihm nicht nur sechs Kinder schenkt, sondern auch 10.000 Pesos mit in die Ehe bringt – nicht etwa als Mitgift, sondern als Darlehen: Der Schuldschein ist bis heute erhalten!
Doch erst das Erbe der kinderlosen Patentante seines ältesten Sohnes, einer wohlhabenden Kreolin, versetzt Facundo in die Lage, eine pleite gegangene Rumbrennerei zu erwerben und sie 1862 unter eigenem Namen ins Handelsregister eintragen zu lassen. Zwar hat Facundo keine Erfahrung mit dem Brennen von Rum, doch sein Ziel ist ehrgeizig: Er will den billigen Schnaps der Arbeiter und Seeleute so veredeln, dass er sich in punkto Milde und Geschmack mit den hochprozentigen Getränken der feinen Kreise messen kann: französischem Cognac und spanischem Brandy. Nach vielem Experimentieren mit der Rezeptur, der Destillation und der Reifung in Eichenholzfässern gelingt schließlich der qualitative Durchbruch. Die Nachfrage nach dem „Rum mit der Fledermaus“ steigt nicht nur in den besseren Kreisen, sondern auch in den Läden und Kneipen der Insel.
Die Idee mit der Fledermaus als Firmenlogo stammt der Familienlegende nach von Doña Amalia. Unter dem Dach der Rumbrennerei lebte eine Fledermauskolonie, deren Anwesenheit sie als gutes Omen interpretiert, da die Tiere in der Karibik als Glücksbringer gelten. Sie besteht darauf, die Tiere nicht zu verjagen und macht den Vorschlag, eine Fledermaus auf das Flaschenetikett zu malen als Wiedererkennungszeichen für die vielen Analphabeten, die damals rund zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen. So wird die Fledermaus zum Wahrzeichen und setzt von Kuba aus langsam, aber stetig zum Flug über die ganze Welt an.
Als erstes Zeichen internationaler Anerkennung gibt es für Bacardi eine Goldmedaille bei der Weltausstellung 1877 in Spanien. Das bringt zwar Ruhm, aber noch lange nicht das große Geld. Als Patriarch Don Facundo 1886 stirbt, hinterlässt er, rein finanziell gesehen, kein bedeutendes Erbe. Doch hat er den Grundstein gelegt, auf dem seine Kinder und Kindeskinder das weltweit größte im Familienbesitz befindliche Spirituosenunternehmen aufbauen können.
Entscheidende Erfolgsfaktoren in den folgenden Jahren und Jahrzehnten sind Kubas Unabhängigkeit von Spanien und das politische Heranrücken an die USA um die Wende zum 20. Jahrhundert, was neue Absatzmärkte erschließt. Nach 1910 in Barcelona, errichtet Bacardi 1916 eine Abfüllanlage in New York und wird zum ersten international tätigen Unternehmen Kubas. In den 20er Jahren kurbelt die Prohibition in den USA Kubas Wirtschaft an: Zum einen blüht der Schmuggel, zum anderen entdecken reiche US-Amerikaner die Insel als Paradies für Alkohol und Glücksspiel direkt vor ihrer Haustür. Bacardi steuert weiter auf internationalem Kurs: 1934 wird nicht nur eine Destillerie in Mexiko gebaut, sondern auch ein Werk in Cataño auf Puerto Rico, um die drastischen Einfuhrzölle in die USA zu umgehen.
Nach der kubanischen Revolution 1959 und der entschädigungslosen Enteignung 1960 durch Fidel Castro erweisen sich die internationalen Niederlassungen des Unternehmens als überlebenswichtige Standbeine. Der in die USA emigrierten Familie gelingt es, ihre internationalen Markenrechte zu behalten und ihren Wachstumskurs erfolgreich fortzusetzen. Durch den Zukauf zahlreicher weiterer Marken wird aus dem einstigen Rumfabrikanten ein internationaler Spirituosenkonzern und „Global Player“.
Sich politisch zu engagieren, hat in der Familie Bacardi eine lange Tradition. Emilio Bacardi y Moreau, der älteste Sohn des Firmengründers, kämpft zum Ende des 19. Jahrhunderts gegen die spanische Kolonialherrschaft. Dafür wird er zunächst von der Insel verbannt und nach seiner Rückkehr zum ersten frei gewählten Bürgermeister von Santiago de Cuba.
Auch den Kampf der Castro- Revolutionäre gegen das korrupte Batista- Regime unterstützen die Bacardis zunächst. Als sich jedoch ein kommunistischer, pro- sowjetischer Kurs abzeichnet, gehen sie auf Distanz, werden enteignet und emigrieren. Seitdem bekämpft die Familie Bacardi das kubanische Regime politisch und wirtschaftlich mit allen Mitteln.
In den 90er Jahren bringt Bacardi durch intensive Lobbyarbeit den „Helms- Burton Act“ durch den US- Kongress, ein umfassendes Handelsembargo gegen Kuba. Der Senator Jesse Helms und der Abgeordnete des Repräsentantenhauses Dan Burton, auf deren Entwurf das Gesetz basiert, erhielten zuvor Wahlkampfgelder von Bacardi, deren Hausanwälte auch die Gesetzesvorlage formulierten. Deshalb wird es auch spöttisch „Bacardi- Gesetz“ genannt.
Nach Recherchen des Journalisten Hernando Calvo Ospina flossen bereits in den 60er Jahren erhebliche Summen vom damaligen Bacardi- Chef José Pepín Bosch an die CIA zur Finanzierung von Anschlägen auf Castro. Ospinas 2002 unter dem Titel „Im Zeichen der Fledermaus“ erschienenes Buch liefert dafür hinreichend Anhaltspunkte. Bacardi bezeichnete diese zwar als Fälschungen, doch ist es nie zu einem Prozess gegen das Buch oder einzelne Passagen gekommen. Das gibt zumindest zu denken, geht doch die Armada der Bacardi- Anwälte sonst kaum einem Rechtsstreit aus dem Weg.
Fotos: Angelika Fischer


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