Kohle raus, Touristen rein – Kulturstadt Newcastle
Dieser Artikel erschien am 7. November 2010 in Schleswig-Holstein am Sonntag
und am 22. Januar 2011 in der Rheinischen Post
Von Uta Buhr
Auf die Minute genau um 17.30 Uhr sticht die „Princess of Norway“ der DFDS-Seaways im Hafen von Amsterdam in See in Richtung Newcastle upon Tyne. Ein munteres Völkchen tummelt sich an Bord – Studenten, Schüler und Touristen aller Altersklassen aus Deutschland, Skandinavier und Briten, die von einem ausgedehnten Wochenende aus den Niederlanden nach Hause zurück kehren. Etwas erstaunt seien sie schon über den Zustrom vom „Kontinent“, erklärt ein junger Mann in seiner ausgeprägten nordenglischen Mundart. Newcastle sei zwar eine sehenswerte Stadt das Klima jedoch gewöhnungsbedürftig. “You know, real English weather. But the rain keeps us all young and fresh,” fügt er in britischer Selbstironie hinzu. Entgegen dieser düsteren Prophezeiung landen wir am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein im Hafen von NewcastleGateshead. Ein azurblauerHimmel spannt sich über der Stadt, dem ehemals schmutzigsten Kohlerevier Großbritanniens! Und das wie unser Guide Alex stolz berichtet – bereits zwanzig Jahre vor der Sanierung des Ruhrgebiets. Aus dem hässlichen Entlein an den Ufern des Tyne wurde ein makellos schöner Schwan. Und dies gleich in doppelter Hinsicht. Die Stadt hat nicht nur die Fassaden ihrer im georgianischen und viktorianischen Stil errichteten Gebäude liebevoll restauriert, sondern auch stets dafür gesorgt, dass kein Graffiti die strahlende Pracht verunziert.
Newcastle upon Tyne, vor über zweitausend Jahren von den Römern als Pons Aeilus gegründet und später von Robert, dem ältesten Sohn Wilhelm des Eroberers in Newcastle umgetauft, atmet Geschichte. Der von Imperator Hadrian erbaute Trutzwall gleichen Namens ist noch überall sichtbar und teilweise in seiner Originalform erhalten. Auch die prächtige gotische Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert, die imposante Guildhall oder die lediglich einen Steinwurf entfernten Schlösser und Burgen sind Zeugen einer glorreichen Vergangenheit. Dennoch – nirgendwo im Vereinigten Königreich verschmelzen Geschichte und Moderne zu einer so unvergleichlichen Synthese wie hier.
Wer am Fluss entlang spaziert, weiß gar nicht, welchem architektonischen Kunstwerk er zuerst seine Aufmerksamkeit schenken soll – der wie das Innere einer Ohrmuschel vom Stararchitekten Lord Norman Foster geformten The Sage Gateshead - einem gigantischen Musik- und Konferenzzentrum – oder der kühn geschwungenen Gateshead Millennium Bridge, die an ein offenes Auge erinnert. Doch auch die gegen Ende des 19.Jahrhunderts erbaute Swing Bridge und die elegante Tyne Bridge aus dem Jahr 1928 sind echte Hingucker.
„Obgleich Newcastle mit knapp 200.000 Einwohnern eine relativ kleine Stadt ist, rangiert sie in punkto Kultur gleich hinter London“, erklärt Alex und weist auf die gewaltige ehemalige Keksfabrik jenseits des Tyne, in der sich heute eine Kunstgalerie von Weltrang befindet. Mehrere Theater gibt es in der Stadt, in denen regelmäßig die legendäre Royal Shakespeare Company gastiert. Bei der Aufzählung so vieler Superlative bleibt dem Gast schier die Luft weg. Aber den größten Trumpf behält Alex bis zum Schluss im Ärmel. Der Tyne, einst der – Zitat –„versiffteste“ Fluss im ganzen Land, ist jetzt so sauber, dass sich in ihm wieder Lachse und Forellen in großer Anzahl tummeln. Auch Delphine spielen gelegentlich am Bug der Schiffe. Und manchmal verirrt sich sogar ein kleiner Wal aus der Nordsee in das Gewässer.
Kein Zweifel, Newcastle ist eine Stadt zum Staunen und Genießen. Denn auch an urigen Pubs und guten Restaurants herrscht kein Mangel. Sehr zu empfehlen ist ein zünftiger Snack im Blackfriars Café Bar B 4. Ein Ort, der das Mittelalter heraufbeschwört. 1239 diente der schöne Speisesaal den „Schwarzen Mönchen“ noch als Refektorium. Heute werden hier würziges Bier vom Fass und eine Reihe typisch britischer Spezialitäten angeboten, unter anderem Lammbraten mit Mintsauce und jede Menge leckerer Pies. Als nostalgisches Kleinod gilt der Grainger Market, eine Einkaufsarkade, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts von weitsichtigen Kaufleuten modern gestaltet wurde. Viele Eingänge sorgen für eine optimale Belüftung. Die Mischung aus bunten Gemüse- und Fleischständen und flippigen Modeboutiquen ist von unwiderstehlichem Charme.
Vor der Abreise winkt ein weiterer Leckerbissen. Der „Rostige Engel“ – eine riesige Athletenskulptur mit weit ausgebreiteten Flügeln aus rostrotem Metall – blickt auf die Besucher herab. „Der Künstler wollte seinerzeit darauf hinweisen, dass wir auch noch da sind“, erklärt Alex. Das ist ihm gelungen. Denn heute ist die schöne Stadt am Tyne wieder in aller Munde. Auch ohne Kohle.
Anreise: Mit KLM oder dem PkW bis Amsterdam, weiter mit einer Fähre von DFDS Seaways bis
NewcastleGateshead (Preis ab € 129 für zwei Personen plus PkW)
Unterkunft: Hilton NewcastleGateshead, mit Pano-
ramablick auf den Tyne, Preise auf Anfrage unter
www.hilton.co.uk/newcastlegateshead
Hotel Du Vin & Bistro, Blick auf den Tyne. Preise über Wochenendpakete und Sonderan-
gebote unter
www.hotelduvin.com/hotels/newcastle/hotel-information
Hotel Malmaison Newcastle, am Ufer des Tyne
Preise unter: www.malmaison-newcastle.com
Restaurants: Gusto Restaurant, schön gelegen
a.d. Gateshead Millenium Bridge. Klassische und moderne
italienische Küche, www.gustorestaurants.uk.com/resturants/gusto-newcastle
Caffe Vivo, gute einfache Kost zum Lunch, www.caffevivo.co.uk
Six@Baltic auf dem Dach des Baltic Kunstzentrums mit Blick auf den Tyne.
Wunderbares Essen und gute Bedienung, www.sixbaltic.com
Pubs&Clubs: The Crown Posada, der berühmteste Pub in Tyneside,
Tokyo, schicke von Kerzen erhellte Bar. Modern mit orientalischem Flair,
Tup Tup Palace, Boutique Nachtclub mit Wasserfall und surealem
Intérieur, www.tuptuppalace.com
Digital, die Ikone unter den Nachtclubs mit Tanz, Hip Hop und Indie,
Service
Auskunft und Reiseplanung:
Northern Secrets Ltd., 11 Garden Crescent – Ebchester Consett –
County Durham –DH8 OPT, Telefon: 0044/1207 560 455
E-Mail: alex@northern-secrets.co.uk., www.nothern-secrets.co.uk
Alex Jacobs spricht perfekt Deutsch und gestaltet Ihre Reise ganz
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Ad libitum – Elvira Kartseva
Buch.WolfTek
Edition Kova
EGGart
Emina Kamber
Johanna Renate Wöhlke
MusikTräume-Hartmuth Seitz
Uschi Tisson
WolfTek
Februar 1st, 2011 at 12:44
Obwohl ich ja, liebe Uta, wie Du weisst, grundsätzlich gegen diese Art der Kommentierung bin, “reisst” es mich, Dir zu sagen: Das ist eine hochprofessionelle Reise-Reportage, exemplarisch nachgerade. Danke. Dein H.-P. Kurr
März 12th, 2012 at 16:44
Liebe Uta,
‘Etwas’ verspaetet: Sehr schoener Artikel ueber eine sehr schoene Stadt!
Ich hoffe, bis bald.
Liebe Gruesse,
Alex