Wie gefährlich sind Röntgenstrahlen?
Von Horst Rübke
Wie bei uns ein Arzt einem Patienten ein Rezept verschreibt, wird in anderen Ländern ein Patient erst einmal geröntgt. Durch das gewachsene Umweltbewusstsein sind viele von uns auch gegenüber den Röntgenaufnahmen skeptisch geworden und fragen: Muss das wirklich sein, und wie gefährlich sind eigentlich Röntgenstrahlen?
Bei einem Verdacht auf Herzinfarkt kann nur mit einer Röntgenuntersuchung schnell und durch Einsetzen eines Stands (Stabilisierung von verengten Adern) geholfen werden.
Röntgenstrahlen sind selbstverständlich gefährlich, denn viele der Pioniere der Röntgentechnik und der Röntgendiagnostik sind an Strahlenschäden gestorben, und wir wissen, welche furchtbaren Wirkungen Kernwaffenstrahlen auf Menschen haben können. Auf der anderen Seite sind wir ständig Röntgenstrahlung oder physikalisch gleichartiger Strahlung ausgesetzt, die entweder von der Erde oder aus dem Weltraum zu uns kommt und mit der sich unser Körper seit Menschengedenken auseinandersetzen muss. Unsere Lufthülle ist jedoch ein sehr effektives Schild gegen kurzwellige Strahlung aus dem Weltraum, und das hat natürlich zur Konsequenz, dass wir einer größeren Dosis dieser Strahlung ausgesetzt sind, wenn wir uns ins Gebirge begeben oder einen längeren Flug in größerer Höhe machen.
Jedoch kann man diese Strahlenbelastung nicht mit einer Röntgenaufnahme direkt vergleichen. Im Flugzeug oder im Gebirge wird der ganze Körper dieser Strahlenintensität ausgesetzt, und es ist ein ganzes Spektrum von unterschiedlicher Strahlung. Auf der Zugspitze würde man, verglichen mit dem norddeutschen Flachland, in der gleichen Zeit etwa die doppelte Menge an Strahlendosis verabreicht bekommen. Dagegen kann sie in größeren Höhen im Flugzeug um ein zweistelliges Vielfaches höher sein. Bei einer Röntgenaufnahme wird jedoch gezielt nur ein kleiner Körperbereich bestrahlt, dann allerdings kurzzeitig mit einer relativ hohen Strahlenleistung.
Deutlich sind auf einem Röntgenbild die Blutgefäße und mögliche Verengungen zu sehen.
Wenn früher einige Wissenschaftler an Röntgenstrahlen gestorben sind, muss dies heute nicht mehr befürchtet werden. Seit den ersten Pioniertagen von Röntgen und Müller sind die Strahlendosen drastisch herabgesetzt worden. Dies ist erreicht worden durch die Anwendung von Techniken, wie Bildverstärker, Fernsehen, digitale Röntgenbilder, Impulsdurchleuchtung und hochverstärkende Verstärkerfolien für Filme, statt der Direktbelichtung von Filmen.
Röntgenstrahlen schädigen die Erbinformationen, und da sind natürlich alle Organe, die der Fortpflanzung dienen, besonders gefährdet. Wenn es um hohe Strahlendosen geht, sind die Organe der Blutbildung betroffen.
Die Darstellung eines Skeletts und einer möglichen Anomalie können durch Röntgenstrahlen sehr gut dargestellt werden.
Dank der Gesetzgebung müssen wir uns heute bei einer Röntgenuntersuchung keine großen Sorgen mehr machen. Es gibt die Röntgenverordnung, die in ihrer neuesten Fassung sehr strenge Forderungen auch hinsichtlich der Qualitätssicherung stellt. Die Geräte, die zu einer Diagnose benutzt werden, müssen nicht nur eine Abnahmeprüfung hinter sich bringen. Sie müssen in regelmäßigen Abständen auch durch qualifiziertes Personal daraufhin untersucht werden, ob wirklich mit der geringstmöglichen Strahlendosis ein Röntgenbild erstellt wird. Unberücksichtigt bleibt jedoch, ob die entsprechende Zahl von Aufnahmen wirklich erforderlich war oder bei einer Überweisung zu einem Facharzt oder in ein Krankenhaus erneut Röntgenaufnahmen durchgeführt werden müssen. Auch der Einsatz bestimmter Geräte wird in diese Betrachtung nicht mit einbezogen: Bei einer Computertomographieaufnahme wird etwa die zehnfache Dosis im Vergleich zu einer normalen Röntgenaufnahme verabreicht. Eine Ultraschalluntersuchung oder eine Aufnahme mit einem Magnetresonanztomographen, also völlig ohne Röntgenstrahlen, ist in einigen Fällen durchaus eine Alternative zur herkömmlichen Röntgenaufnahme.
Letzten Endes stellt sich jedoch die Frage, ob der Arzt auch ohne eine Röntgenaufnahme eine einwandfreie Diagnose stellen kann. Mit einer falschen Behandlung und falschen Medikamenten kann möglicherweise der Patient mehr geschädigt werden, als es durch eine Röntgenaufnahme möglich gewesen wäre.

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