Tomsk – eine europäische Stadt in Sibirien
Von Horst Rübke
Tomsk ist die europäischste Stadt in Sibirien und zugleich mit über 400 Jahren die älteste Stadt. Wie es zur Gründung dieser Stadt gekommen ist, können wir einer Urkunde entnehmen:
Gründungs-Urkunde der Stadt Tomsk auf einer Birkenrinde:
„Im Winter 1604 ist nach Moskau zum Zaren Boris Godunow ein Kleinfürst des Stammes Euschta Tojan von den Ufern des Dunklen Flusses* angekommen, hat als Verbeugungsgeschenk Zobel und Hermeline, gute Bieber vorgelegt“ und bat den Zaren, sein friedliches Volk, Jäger und Fischer gegen nahe und ferne Eroberungsvölker und vor allem gegen Nomaden des Fürstentums Altyssar zu schützen.
Gnädig hat der Zar Godunow den Sibirak empfangen und erteilte gleich einen Befehl, eine Urkunde zusammenzustellen. Darin steht es: „Der große Zar …ließ bei ihnen in ihrem Land am Tom eine Stadt aufbauen und sie von den Feinden aus fernen Ländern schützen, damit sie nirgendwo der Gewalt oder den Beleidigungen ausgesetzt werden können, wobei keine Abgaben entrichtet werden müssen. Der Zar ließ sie schützen und räumte ihnen allerlei Vergünstigungen ein!“
* Der Dunkle Fluss heißt auf russisch Tjemnyj, daraus entstand der Name Tom, ein großer Nebenfluss des Ob.
Eine kleine befestigte Ansiedlung, das war die Stadt Tomsk
Bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts wurden in Tomsk die Häuser vorwiegend aus Holz gebaut. 1810 gab es in der ganzen Stadt nur 5 Häuser aus Stein. Mehrere große Brände in der Stadt haben einen großen Schaden angerichtet. In keiner anderen Stadt Russlands kann man so viele prachtvolle Holzbauten bewundern. Erstaunt bleibt man immer wieder stehen und ist beeindruckt von der künstlerischen Qualität. Selbst Fachleute bewundern diese Gebäude des Holzklassizismus und Empirevillen. Gerade von den reichlich dekorierten Renditehäusern, die Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, sind noch viele gut erhalten.
Etwa 200 dieser Häuser sind offiziell als geschützte Baudenkmäler erklärt worden.. Inzwischen ist erkannt worden, dass dieses kulturelle Erbe zum nationalen Gemeingut Russlands gehört. Das historische Tomsk muß in seiner Eigentümlichkeit erhalten und geschützt bleiben. Man möchte erreichen, dass diese Holzbaudenkmäler von Tomsk in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen werden.
In diesem Haus am Tomsker Ufer wohnte in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts der Tomsker Professor für Zoologie Hermann Johansen.
Das russisch-deutsche Haus wurde mit Geldern aus Deutschland so restauriert, wie man es sich auch für die anderen Holzhäuser wünschen würde.
Wer nicht genau weiß, wo in dem riesigen Russland Tomsk liegt, der hält die linke Hand an der polnisch-russischen Grenze und die rechte im Osten am Pazifik. Wenn man dann in die Hände klascht, ist Tomsk dort, wo es „klascht“. Vom Kreuzworträtsel kennen wir den Fluss mit zwei Buchstaben, den Ob. Er teilt das Tomsker Gebiet in eine östliche und westliche Hälfte. Es ist der
bekannteste Fluß, obwohl es ca. 18000 Flüsse in diesem Gebiet gibt, das fast so groß ist wie Deutschland ist. Wie überall in Sibirien gibt es viele Wälder und Sümpfe. Fast 60% des Territoriums sind mit Wäldern und 40% mit Sümpfen bedeckt. Wer eine ungestörte Natur erleben will, ist hier richtig. In den Wäldern gibt es viele Pilze und Beeren und die Tiere und Vögel werden vom Menschen kaum gestört. Die Flüsse und Seen sind sehr fischreich, darunter
auch seltene Fische wie den Stör und den Sterlet.
Im Museum der Klassischen Universität wird der Professor Hermann Johansen
gezeigt, umrahmt von einigen Vögeln, die er präpariert und erforscht hat
Auf die Forschungen der Tomsker Professoren Hermann Johansen (Ornithologe) und Bodo Johansen (Ichthyologe) ist die Stadt Tomsk heute noch sehr stolz, denn sie haben die Vögel und Fische in diesem Gebiet wie kein anderer zuvor untersucht und erforscht. Verwiesen wird an dieser Stelle auf die Berichte im Internet von Dr. Johansen-Rübke „Erinnerungen an meinen Großvater“ (Hermann Johansen) und „Erinnerungen an meinen Vater“ (Bodo Johansen): http://www.dap-hamburg.de/html/russisch.html. So hat Hermann Johansen die Vögel beringt und konnte damit nachweisen, wohin die Vögel im Herbst und Frühjahr ziehen.
Einen Großteil nur in diesem Gebiet lebender Vögel hat er entdeckt und viele davon präpariert. Eine eigene Abteilung ist diesem Professor im Museum der Klassischen Universität gewidmet.

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