Mit Webteppichen in Afrika zum Erfolg
Marie-Luise Parkhause verbindet preußische Disziplin mit namibischem Kunsthandwerk
Von Angelika Fischer
In einer historischen Fabrikhalle im Hinterhof der Alten Brauerei von Windhuk hat die Firma .Woven Arts of Africa” ihren Sitz. 1979 gegründet, ist sie die einzige Weberei dieser Art. In der aus ungefärbter Wolle Teppiche, Läufer und Wandbehänge mit Darstellungen von Landschaften und Tieren oder geometrischen Mustern nach Motiven namibischer Volksgruppen hergestellt werden. Inhaberin dieser mittlerweile erfolgreich am Markt etablierten Manufaktur ist eine gebürtige Berlinerin: Marie-Luise Parkhouse.
„Wir sind die einzige Weberei In Windhuk, die Teppiche aus der naturbelassenen Wolle des Karakulschafes von Hand fertigt”, berichtet Frau Parkhouse, .dieses ursprünglich aus Zentralasien stammende Schaf wurde 1907 nach Afrika eingeführt und wird seitdem im trockenen Süden Namibias gezüchtet.“ Wie sie weiter erzählt scheren die Farmer die Tiere jedes Jahr im August I September und sortieren die Wolle grob nach den Naturfarben Weiß, Beige, Braun, Grau und Schwarz. In abgeparkten Ballen wird die Wolle danach zur Auktion nach Windhuk gebracht. „Unsere Mitarbeiterinnen sortieren die Wolle nochmals nach ihren vielen feinen Farbschattierungen, zupfen und kämmen sie zu Vliesen, um sie anschließend zu Fäden zu spinnen. Nach dem Waschen und Trocknen der Wolle beginnt dann das Weben unserer Teppiche und Wandbehänge.“
Der Größe dieser Web-Kunstwerke sind nur durch Dimensionen der riesigen hölzernen Webstühle Grenzen gesetzt. „Wir können auf Bestellung bis zu zwölf Meter lange und drei Meter breite Teppiche weben“, so Marie-Luise Parkhouse, „unsere Designs werden dabei individuell mit den Wünschen unserer Kunden abgestimmt, beispielweise können Embleme oder Firmenlogos eingewebt werden. Der Versand erfolgt weltweit per Post oder Spedition.“
Dass die Weberei als reiner Frauenbetrieb seit nahezu 30 Jahren existiert, ist der unerschöpflichen Energie, sowie der preußischen Disziplin von Marie-Luise Parkhouse zu verdanken. Denn was 1979 einstmals als „Webschule Karibib” gegründet wurde, zog danach dreimal um, änderte zweimal seinen Namen und stand 2004 nach 25 Jahren quasi vor dem Aus. „An ihrem damaligen Standort musste die Weberei im Juli 2004 der Erweiterung eines Kinos weichen“, erzähltMarie Luise Parkhouse, „die damalige Besitzerin sah keine Perspektive mehr und entschloss sich schweren Herzens den Betrieb zu schließen. So bin ich eingesprungen, habe die Webstühle erworben, im Hinterhof der Old Brewery einenneuen
Standort gefunden und konnte bereits im August 2004 unter dem neuen Namen Woven Arts of Africa wieder eröffnen.“ Wie sie auf Nachfrage betont, sei sie zur Übernahme des Betriebs vor allem motiviert worden durch die 14 einheimischen Mitarbeiterinnen ans den Volksgruppen der Ovambo, Herero und Damara., deren Arbeitsplätze sie erhalten und auf deren zum Teil über Jahrzehnte erworbenes Wissen sie zurückgreifen konnte. „Ohne diese tollen Frauen ginge hier praktisch nichts”, erklärt sie. Ihre eigene Aufgebe sei es, den Betrieb am Laufen zu halten und sich um Marketing und Verkauf zu kümmern.
„Unsere Spinnerinnen und Weberinnen stehen heute und In Zukunft für die handwerklich erstklassige Qualität, für die schon die Webschule Karibib bekannt war.“
Seit Marie-Luise Parkhouse den Betrieb übernommen hat, ist er von einer reinen Weberei zusätzlich zu einer touristischen Attraktion geworden: Denn bei ihr kann man nicht nur Teppiche bestellen oder fertig kaufen, sondern darüber hinaus auch den Frauen bei der Herstellung dieser Webkunstwerke zuschauen und sich die Fertigung Schritt für Schritt erklären lassen.
Wie sie auf diese Idee gekommen ist? „Ganz einfach”, sagt sie, .schließlich war ich bevor ich die Weberei übernommen habe, in der Tourismusbranche tätig!”

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