Der Heider Marktfrieden
Von Horst Rübke
Mittelalterlicher Geschichtsunterricht hautnah erleben, das ist der Heider Marktfrieden.Alle zwei Jahre findet dieses Volksfest in Heide statt. Man hat den Eindruck, dass jeder Einwohner dieser Stadt direkt oder indirekt an diesem kulturellen Höhepunkt beteiligt ist.
Der größte Marktplatz in Deutschland ist während dieser Zeit Kulisse für das Leben, den Handel, die Tradition, die Waren, die Kleidung usw. des Mittelalters.
Dabei stellen viele fest, dass die Kleidung von damals auch heute wieder sehr modern ist. Weite Gewänder und statt Reißverschluss und Knöpfe wurde damals viel geschnürt. Historische Bauten und Schiffe werden in mühevoller Kleinarbeit naturgetreu in einem entsprechenden Maßstab nachgebaut.
Die Akteure geben gerne Auskunft und erläutern die Besonderheit vieler inzwischen fast ausgestorbener Berufe. Da gibt es den Hufschmied der seine Künste zeigt, der Kettenschmied, der erklärt wie ein Kettenhemd hergestellt wird, aber auch der Schmuckschmied, der Korbflechter sind genau so interessant wie die Rezepte von Marmelade, Obstwein
und anderen kulinarischen Genüssen. Man sitzt auf Strohballen und probiert das eine oder andere Angebot und genießt die Atmosphäre und Kulisse. In einer original alten Postkutsche kann man sich auch ein wenig von der Stadt zeigen lassen. Ob Jung oder Alt und sogar die Kinder laufen in den Kleidungen des Mittelalters herum. „Uppe de Heyde“ wird 1404 zum ersten Male Heide urkundlich erwähnt. Schnell wurde dieser zentrale Ort zum Mittelpunkt und Versammlungsort der Dithmarscher. Bis zum Jahre 1559 war
Dithmarschen mit Heide als Mittelpunkt eine selbständige Bauernrepublik. Diese Unabhängigkeit und Selbständigkeit war für den dänischen König wie ein Dorn im Fleisch.
Der Rat der Bauern von Dithmarschen versucht einen Ausweg aus dem Krieg zu finden. Auf einem abgetrennten Teil des Marktplatzes wird deshalb sehr anschaulich und eindrucksvoll während dieser Tage des Heider Marktfriedens ein Freilichttheater aufgeführt. Das Theaterstück spielt im Jahre 1500. Die Übermacht der Dänen ist den Bauern gegenwärtig. Sie versuchen durch Verhandlungen den Frieden zu erhalten. Die Freiheit der Bauern ist jedoch größer als sich den Dänen kampflos zu ergeben. Die Dänen sind sich durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit und ihre bessere Ausbildung ihres Sieges sicher und schicken die Verhandlungsdelegation der Bauern mit Hohn und Spott wieder weg. Mit der Schwarzen Garde, einem gut ausgebildeten wehrhaften Heer, glauben die Dänen einen leichten Sieg zu erringen. Dieser Übermacht begegnen die Dithmarscher mit Bauernschläue. Während die Dänen überheblich waren und sich auf ihre Überlegenheit verlassen haben, öffneten die Dithmarscher die Schleusen. Nebel trug zur Orientierungslosigkeit bei und die schwer gepanzerten Dänen ertranken in den Fluten. Während dieses Kampfes treibt die Jungfrau Telse die Bauern immer wieder an. Durch die Inszenierung von Hans-Peter Kurr wird alles so professionell dargestellt, dass man kaum glauben kann, dass alles nur Laienspieler sind.
„Sag dem König Gute Nacht“ ist ein Theaterstück, das sehens- und erlebenswert ist.
Wer es versäumt hat sich anzuschauen, hat in zwei Jahren erneut die Gelegenheit, sich dieses Theaterstück anzusehen, der Termin: 10. bis 13. Juli. 2008.

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