Der Baikalsee – die Perle Sibiriens
Von Horst Rübke
Liebevoll wird der Baikalsee oft die „Perle Sibiriens“ oder auch „Brunnen der Erde“ genannt. Nahe der russisch-mongolischen Grenze liegt er im Süden Sibiriens und ist 636 km lang
und zwischen 27 und 80 km breit. Durch seismografische Bewegungen wird er immer tiefer und breiter und mit 1637 m ist er der tiefste See der Erde. Er hat nur einen Abfluss, den Angara, aber 337 Flüsse und Bäche, die ihn speisen. Mit dem Trinkwasser, könnte man 50 Jahre lang die gesamte Bevölkerung der Erde versorgen oder würde man das Wasser in Würfel mit einer Kantenlänge von 1km füllen und aneinanderreihen, würde die Entfernung Nordpol-Südpol nicht ausreichen.
Die Urbevölkerung setzt sich aus der Abstammung mongolischer Volksgruppen zusammen. In erster Linie sind dies Burjaten, Jakuten und Ewnken. Im 17. Jahrhundert siedelten sich auch die Russen dort an. Erst nach dem Bau der transsibirischen Eisenbahn vor etwas mehr als 100 Jahren, wurde der See vollständig besiedelt.
Wer aus anderen Teilen Sibiriens kommt, stellt fest, dass diese Menschen dort sehr ärmlich leben und erheblich kleiner sind. Ein Vergleich mit westeuropäischem Lebensniveau, wäre fast vermessen. Die meist sehr ärmlichen Holzhäuser würden dafür aber kleineren und mittleren Erdstössen, mit denen in dieser Region gerechnet werden muss, ohne Schaden standhalten.
„Ich dachte immer, wir leben in Sibirien schlecht“, hörte ich jemanden aus unserer Reisegruppe sagen, die aus Nowosibirsk und Tomsk kamen, „aber jetzt weiß ich erst, wie gut wir es wirklich haben.“
Tiefe Temperaturen im Winter und heiße Temperaturen im Sommer prägen in vielen Teilen Sibiriens das Wetter. Die großen Wassermassen des Baikalsees sorgen in dieser Region für wesentlich mildere Temperaturen. Trotzdem friert der See an der ganzen Oberfläche komplett zu. Während des russisch- japanischen Krieges wurde sogar über dem See auf dem Eis eine Eisenbahnlinie gebaut.
Am Baikalsee hat man durchschnittlich mehr Sonnentage, als am Schwarzen Meer. Viele Wolken, die vom Festland kommen, regnen sich bereits vorher an den Bergregionen ab und die über das ganze Jahr hindurch niedrige Temperaturen des Sees, lassen kaum Wasser verdunsten. Im Sommer erreicht die Lufttemperatur durchaus Werte von 40 Grad, aber das Wasser ist mit etwas mehr als 10 Grad sehr kalt für ein Bad. Durch die klimatischen und geologischen Besonderheiten haben sich hier eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt angesiedelt, die es nur in dieser Region gibt. Das wohl bekannteste Baikaltier ist die „Nerpa“, eine Robbe, die sich an das Süßwasser gewöhnt hat. Für den Menschen ist jedoch der Omul das wichtigste Tier. Es ist ein lachsähnlicher Speisefisch, der überall am Baikal verzehrt wird und an den Straßenständen den Touristen geräuchert angeboten wird. Als Schaschlikfisch, im Ganzen oder in der Suppe, man begegnet ihn überall. Er ist ein wirklich sehr schmackhafter Fisch, den man unbedingt probieren sollte.
Überall am Baikal kann man die Tradition und Bräuche erleben. Die Menschen waren und sind Anhänger von Burkhan, dem Gott der Burjaten. An Bäumen sieht man Papierstreifen wehen. Gebete wurden auf diese Streifen geschrieben und man band sie an Baumäste, damit der Wind die Gebete forttragen sollte.
Ein anderer Brauch ist es, von jeder Flasche Wodka einen Schluck dem Erdboden oder dem See zu opfern. Unterwegs hielten wir an einer heiligen Quelle an. Unser Busfahrer bat uns, dass sich jeder an dieser Quelle die Augen waschen sollte, denn sonst könnte es unerwartet zu Nebelbänken und Unwetter kommen.
Um heilige Opferfelsen, die von Touristen, Frauen und Kindern nur durch einen besonderen Zugang betreten werden durften, ranken sich auch heute noch viele geheimnisvollen Bräuche. Ein Geldstück sollte man an dieser Stelle dem See opfern und auf keinen Fall von dieser Stelle Steine oder andere Gegenstände entfernen und mitnehmen.
Wer eine interessante Reise kombiniert mit ein wenig Abenteuer und Verzicht auf den westlichen Hotel- und Verpflegungsluxus einmal machen möchte, dem kann man eine solche Reise unbedingt empfehlen. Wer in Deutschland die Reise bucht, muss tief ins Portemonai greifen und findet selten ein Angebot unter 3000€, aber etwas mehr Luxus kann er dafür auch erwarten. Ich habe die Reise in einem russischen Reisebüro mit Fahrt ab Novosibirsk gebucht und die Luxusklasse gewählt. Einschließlich Bahnfahrt und 7tägiger Rundreise mit dem Bus und einem Schiff habe ich pro Person 300€ gezahlt.

Ad libitum – Elvira Kartseva
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