Das Alte Land
Von Horst Rübke
Zur Blüte im Frühjahr, aber auch zur Kirsch- und Apfelernte ist das Alte Land ein lohnendes Ausflugsziel. Nicht nur die Hamburger, sondern viele Busse und Pkws aus ganz Deutschland sieht man dann auf den Straßen. Das Alte Land erstreckt sich von Hamburg elbabwärts bis Kehdingen. Es ist das alte Urstromtal der Elbe. Meterdicke Ablagerungen dieses Flusses bilden hier einen fruchtbaren Boden. Wer heute ins Alte Land fahren will, sollte nicht über die Bundesstraße 73 fahren, sondern auf dem parallel dazu verlaufenden Obstmarschenweg.
Der Obstmarschenweg führt quer durchs Alte Land und ist mit diesem Schild gekennzeichnet.
Diese schöne Prunkpforte steht in Osterjork und gehört zum Hof Rieper
Gepflegte Höfe, endlose Plantagen säumen den Weg und gepflegte Hotels und Gasthäuser laden zum Verweilen ein. Noch heute wird dies sehr eindrucksvoll durch die schmucken Fachwerkhäuser dokumentiert. Eine Prunkpforte vor dem Haus zeugte von besonderem Reichtum. Von den echten Altländer Prunkpforten gibt es nur noch sieben im ganzen Alten Land. Wenn man von Hamburg kommt, ist die erste Prunkpforte in Neuenfelde. Sie gehört zum Hof Quast und da dieser Name oft im Alten Land anzutreffen ist, wird diese Familie auch „Purten-Quast“ genannt.
Passend zum Alten Land: Das Rathaus von Jork
Er wurde stets darauf geachtet, dass die Häuser und die Gärten gut gepflegt wurden. Eine gewisse Zeit war von der Gemeindeverwaltung verordnet worden, dass am Wochenende vor dem Haus roter Kies liegen musste und dieser geharkt werden sollte. Die reich verzierten Fachwerkhäuser mit ihren versetzten Steinen in den Fächern zeugen noch heute von dem einstigen Reichtum der Obstbauern. Deshalb wurde es auch nie gerne gesehen, wenn der Sohn eines reichen Marschbauern ein Mädchen von der Geest heiraten wollte.
Der Eingang der Esteburg in Jork-Estebrügge
Der erster Obsthof im Alten Land wurde urkundlich 1320 erwähnt. Sonst lebten vorwiegend Kleinbauern, Handwerker, Kaufleute, Schiffer und Fischer in diesem Gebiet. Zur Urbarmachung dieses Landes holte man sich die Holländer, die darin große Erfahrung hatten. Viele Namen und Bauwerke lassen noch heute den holländischen Einfluss und die holländischen Wurzeln erkennen.
Die Brücke in Höhen dokumentiert eindrucksvoll die Spuren der Holländer
Der Obstanbau war anfangs als gern gesehener Nebenverdienst ausgeübt worden. Als jedoch Hamburg als interessanter Absatzmarkt für das Obst entdeckt wurde und auf dem Wasserweg die Ware zu den Großmärkten gebracht werde konnte, erlebte der Obstanbau einen großen Aufschwung. Ganz ohne Rückschläge ging diese Entwicklung jedoch auch nicht vonstatten. Kriege, insbesondere der 30jährige Krieg, verwüsteten die Höfe und das Land. Was die Kriege nicht schafften, holte sich die Natur mit ihren Sturmfluten und Überschwemmungen zurück. Einige Gebiete liegen unterhalb des Meeresspiegels und wenn dann innerhalb von122 Jahren 12 Sturmfluten das Land verwüstet haben, hat so mancher Bauer aufgegeben. Trotzdem ging es den Obstbauern im Vergleich zu den Geestbauern sehr gut. Durch die ständige Erweiterung der Obstanbauflächen mussten weitere Absatzmärkte erschlossen werden. So wurde schon bald das Obst auch nach Bremen, nach Holstein, Mecklenburg und sogar ins Ausland nach Holland und Skandinavien geliefert.
Cord Lefers aus Osterjork verkauft nicht nur in seinem Hofladen Obst und alles was die Gäste sonst noch so erwarten, gerne erklärt er auch durch Schautafeln den Gästen alles rund um den Obstanbau. Wer will, kann sich gerne davon überzeugen, welcher Apfel ihm besonders gut schmeckt. Wenn Gruppen kommen, werden sogar Führungen durch die Plantagen gemacht. Ist man dann so richtig vollgestopft mit dem Wissen über den Obstanbau, kann auch dort das „Altländer Apfeldiplom“ ablegen werden.
Liebevoll werden die Obstverkaufsstände an der Straße dekoriert
Herr E. Riepen aus Jork-Hove hat einen gut sichtbaren Verkaufsstandin einer Kurve
Auch wenn es nicht immer billiger bei den Bauern an der Straße ist, es ist aber frischer. Wenn das Obst an die Genossenschaft verkauft wird, erhält der Bauer nur 20 bis 30% von dem, was der Endverbraucher nachher im Laden bezahlen muss. Die Verbraucher sind aber auch anspruchsvoller geworden. Der Apfel darf keine schwarzen Flecken, den Schorf, haben, aber eigentlich sollte das Obst kaum oder gar nicht gespritzt sein. Das Obstbau-Versuchs- und Beratungszentrum in Jork hat den Obstbauern durch den integrierten Obstanbau gezeigt und erklärt, wie mit wenig Chemie ein gut aussehender Apfel erzeugt werden kann. Es ist ein Weg zur Reduzierung chemischer Pflanzenschutzmittel
Unter Einbeziehung biologischer Schädlingsbekämpfung. Man hat sich an sogenannte Wohlstandsschädlinge (Raubmilben, Marienkäfer, Ohrwürmer, Blutlauszehrwespe usw.) wieder erinnert und die Spritztermine und die Chemie so verändert, dass diese biologischen Helfer geschützt bleiben und nur noch ein Minimum an Chemie erforderlich machten. Immer häufiger sieht man Sitzstellen für Greifvögel zur Mäusebekämpfung, sowie Nisthilfen für andere Vögel. Auch wird wieder ein Grünstreifen mit Wildblumen oder Windschutzhecken als Zuflucht und Überwinterungsmöglichkeit der biologischen Nützlinge stehen gelassen. Ebenfalls spielt der Baumschnitt, die Bodenbearbeitung und Bodenbeschaffenheit in diesem Zusammenhang eine Rolle. Ganz ohne Chemie geht es nicht, aber es ist erheblich weniger geworden und es wird vorgeschrieben, welche Mittel noch genommen werden dürfen.
Hermann Marquardt aus Jork-Osterladekop erklärt die Frostschutzberegnung
Welchen Fortschritt der Obstanbau genommen hat, ist alleine an der Frostschutzberegn ung im Frühjahr während der Blüte zu sehen. Früher wurden die Plantagen eingeräuchert, um die Blüten vor den Nachtfrösten zu schützen. Heute beregnet man die Plantagen. Es bildet sich ein Eispanzer um die Blüten und Zweige. Der Frost lässt das Beregnungswasser gefrieren, wodurch das Vordringen der Kälte bis zur Blüte verhindert wird. Der Eispanzer schadet der Blüte nichts.
Der Obstanbau ist sehr arbeitsintensiv. Dafür ist aber auch der Ertrag je Hektar größer als in der Landwirtschaft. Früher hatte man große Bäume, aber Äpfel waren nur außen am Baum, das Pflücken war nur mit langen Leitern möglich und das Sprühen und die Baumpflege waren sehr aufwendig. Heute werden fast ausschließlich Apfelbäume auf schwachwachsenden Unterlagen gepflanzt. Dadurch bleiben die Bäume klein und müssen immer einen Pflanzstab haben. Der Ertrag je Hektar ist erheblich größer und die Ernte kann bereits 2 bis 3 Jahre nach der Neupflanzung beginnen. Bei neuen Sorten ist dies ein sehr wichtiger Faktor. Der Obstbauer kann sich auf die veränderten Wünsche des Endverbrauchers schneller einstellen. Bei Neuzüchtungen, ein Apfel soll gut aussehen, lässt sich lange lagern und schmeckt auch gut, ist nicht so Anfällig gegenüber Schädlingen, beim dem sollte auch der Baum pflegeleicht sein und wenig Arbeit machen. Immer wieder kommen deshalb Neuzüchtungen auf dem Markt, bei dem sich z. B. der Stein einer Pflaume mühelos vom Fruchtfleisch lösen lässt, ja er sollte fast von alleine herausfallen, wenn die Pflaume geöffnet wird. Die Kirsche sollte einen möglichst kleinen Stein haben, viel Fruchtfleisch und bei Regen nicht platzen.
Wer dieses Gebiet kennen lernen möchte, hat auch die Möglichkeit, hier seinen Urlaub zu verbringen. Gästebetten und Ferienwohnunge n werden überall an der Straße angeboten.

Ad libitum – Elvira Kartseva
Buch.WolfTek
Edition Kova
EGGart
Emina Kamber
Johanna Renate Wöhlke
MusikTräume-Hartmuth Seitz
Uschi Tisson
WolfTek