Autos, die schmutzig waren, durften nicht ins Stadtzentrum fahren
Horst Rübke nahm als akkreditierter Journalist an den 8. deutsch-russischen Konsultationen teil und hat einige Hintergrundinformationen zusammengetragen.
„Es war nicht einfach, die 8. deutsch-russischen Konsultationen nach Tomsk zu bekommen“, sagte der Gouverneur der Stadt Tomsk, Victor Kress. Um den Kontakt mit Deutschland hat sich Tomsk bereits seit Jahren bemüht. So nimmt die Region seit 1997 jährlich an der Industriemesse in Hannover teil.
Bei der Durchsetzung, die Regierungskonsultationen nach Tomsk zu bringen, half dem Gouverneur Victor Kress (rechts), dass er einen guten Kontakt zum Kremel-Chef, Wladimir Putin (links), hat.
Mit vielen europäischen Ländern hat die Stadt Kontakt, aber Deutschland ist der wichtigste Handelspartner und der wichtigste strategische Partner der Region Tomsk. Da Deutschland eng mit allen anderen EU-Staaten wirtschaftlich verzahnt ist und die größte Wirtschaftmacht in der EU darstellt, hat derjenige, der mit Deutschland enge wirtschaftliche Beziehungen hat, automatisch auch mit vielen anderen Staaten in Europa gute wirtschaftliche Beziehungen.
Victor Kress hat deshalb die Verwaltung der Region Tomsk und der Stadt Tomsk, sowie der Departments für Außenbeziehungen an den Universitäten und Abteilungen für Außenwirtschaft angewiesen, die erfolgreiche Entwicklung dieser kooperativen Zusammenarbeit weiter auszubauen. Für Unternehmen und Firmen der Region Tomsk soll alles getan werden, um die Zusammenarbeit mit Deutschland zu erleichtern. Deutsche Produkte haben in Tomsk einen guten Ruf. Deshalb arbeitet man gerne mit deutschen Firmen zusammen. So wurden Anlagen aus Deutschland in Tomsker Betrieben installiert. Dort wo es möglich ist, werden partnerschaftliche Beziehungen mit Deutschland aufgebaut.
Jeder fünfte Einwohner der Stadt Tomsk ist heute ein Student. Es ist die älteste Universitätsstadt in Asien und die größte in Sibirien. Die Studienbedingungen sind allerdings im Vergleich zu Deutschland sehr schlecht. Die Gebäude sind fast so alt wie die Stadt selbst. Modern eingerichtete Hörsäle sind deshalb noch eine Rarität. Durch den sehr guten Ruf der Universitäten in Tomsk und den vielen hervorragende Professoren wird das aber größten Teils wieder ausgeglichen.
Da Tomsk die größte Universitätsstadt östlich des Urals ist, ist eine enge Verflechtung zwischen der forschenden und lehrenden Universität und den Tomsker Betrieben vorhanden. Verglichen mit der Anzahl der Bevölkerung hat Tomsk den höchsten Prozentsatz von an der Universität ausgebildeten Menschen. Eine Ausbildung über den in Deutschland bekannten Weg der Lehre gibt es in Russland nicht.
Die Klassische Universität ist die älteste Universität in Tomsk
Wenn es möglich ist, versucht jeder eine Universitätsausbildung zu erlangen. In Tomsk gilt nur derjenige als ausgebildet, der eine Universitätsausbildung hat. Dadurch haben selbst Verkäuferrinnen oft eine Universitätsausbildung. Gerne begleiten die Universitäten in einer kooperativen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit Unternehmen, die sich in Tomsk niederlassen. Als Beispiel sei hier das deutsche Unternehmen Carl Zeiss AG genannt. Diese Firma war einer der Gründer des Instituts für Mikrochirurgie in Russland. Aber auch umgekehrt, so arbeitet das Institut für Petrolchemie mit Wissenschaftlern in Hannover zusammen. In Karlsruhe hat die polytechnische Universität Tomsk eine Vertretung eröffnet. Wo es möglich ist, kooperieren die staatlichen Universitäten Tomsk eng mit deutschen Wissenschaftlervereinigungen, Organisationen, Stiftungen, dem DAAD und dem Goethe-Kulturzentrum.
Der größte Reichtum der Stadt ist das intellektuelle Kapital. Besonders in den alten Gebäuden der Universitäten gibt es immer noch Auditorien, die modernisiert werden müssen. Die neueren Gebäude und nach und nach wird das auch für die älteren Gebäude realisiert werden, sind modern mit Computern und anderen Geräten eingerichtet. Die wissenschaftliche Forschungstätigkeit haben sich besonders auf folgenden Gebieten einen großen Namen gemacht: Neue Stoffe und Nanotechnologien, Biotechnologien, digitale Technologien, der medizinische Gerätebau, die Telekommunikation und Präzisionsgerätebau und die Petrolchemie. Wo eine geballte intellektuelle Bevölkerung vorhanden ist, ist auch die Nachfrage nach Printmedien und auch den elektronischen Medien groß. Bezogen auf die Einwohnerzahl nimmt Tomsk einer der ersten Plätze ein.
Obwohl in Tomsk 120 Nationalitäten zusammenleben und 18 Konfessionen vorhanden sind, muss das Gebiet als politisch stabil betrachtet werden. Dies ist ein wichtiger Punkt für Investoren. Viele Sonderrechte, Vergünstigungen und Steuererleichterungen werden als Anreiz den Investoren für eine begrenzte Zeit eingeräumt.
Kress, der außer dem Gouverneur in Jekaterinburg der einzige ist, der deutsche Wurzeln nachweisen kann, hat große Anstrengungen unternommen, um seine Stadt zum Gipfeltreffen in einem guten Licht erscheinen zu lassen. So hat die Polizei die Fahrzeuge kontrolliert und wenn das Fahrzeug zu schmutzig war, durfte es nicht in die Innenstadt fahren. Zur Verschönerung des Stadt wurden 300 Mio. Rubel (knapp 10Mio. Euro) bewilligt. Das regionale Budget steht auf einer soliden Basis, da neben der Wissenschaft die Öl- und Gasvorkommen Geld in die Kassen spült.
Auf die Frage, welcher Faktor ausschlaggebend gewesen sein könnte, dass der Kreml-Chef überzeugt werden konnte, die 8. deutsch-russischen Konsultationen in Tomsk durchzuführen, gab es viele kleine Mosaiksteine.
Gouverneur Victor Kress ist mit dem Gipfeltreffen zufrieden.
Speziell für die Pastorentochter Merkel hat man für die evangelische Gemeinde der deutschstämmigen Minderheit in Tomsk eine Holzkirche innerhalb von zwei Monaten gebaut.
Der wichtigste Grund wird vermutlich in dem riesigen Gasvorkommen des Tomsker Gebietes liegen, das auf 1,5 Bio. Kubikmeter geschätzt wird. Als wichtigstes Abkommen wurde die Gaslieferung eben aus diesem Gebiet erwartet. Auch war nicht ganz unwichtig, dass mehrere hohe Regierungsbeamte in Moskau aus Tomsk stammen. Ein weiterer Grund war sicherlich auch, dass es in Tomsk nach wie vor noch viele Russlanddeutsche gibt. Speziell für die Pastorentochter Merkel hat man für die evangelische Gemeinde der deutschstämmigen Minderheit in Tomsk eine Holzkirche innerhalb von zwei Monaten gebaut.
Der Pfarrer erklärte, dass er stets einen Gottesdienst in Deutsch und einen in Russisch abhält.
Bei der Durchsetzung die Regierungskonsultationen nach Tomsk zu bringen half dem Gouverneur, dass er einen guten Kontakt zum Kremel-Chef hat. Für Victor Kress war das wichtigste Ziel des Gipfeltreffens, den Bekanntheitsgrad von Tomsk in der Welt zu steigern und die Geschäftsbeziehungen mit Deutschland weiter auszubauen. In einem persönlichen Gespräch betonte der Gouverneur des Gebietes Tomsk Victor Kress, dass dieses Gipfeltreffen der bisher größte politische Höhepunkt der Stadt war. Er möchte sich aber nicht darauf ausruhen. Sein Ziel sei es, ein Gipfeltreffen zwischen Russland und Japan und Russland und China in Tomsk durchzuführen. Tomsk soll als wirtschaftliche Drehscheibe zwischen den großen Märkten in Asien, also Japan und China und dem wichtigsten Handelspartner Russlands mit Deutschland dienen. Hemmnisse, die dem im Wege stehen, sollen zügig abgebaut werden. Dass sich Ausländer drei Tage nach der Einreise registrieren lassen müssen, ist mehr als überflüssig, betonte Kress. Auch möchte er Außenstellen einiger Konsulate in Tomsk errichten. Kress bleibt dennoch realistisch und erwartet durch das Gipfeltreffen keinen Goldregen, aber wenn die Stadt erst einmal bekannter ist, muss man nur noch deutlich machen, warum es sich lohnt, dort zu investieren. Bis in die 90er Jahre war Tomsk eine geschlossene Stadt. Ein Ausländer konnte nur mit einer Sondergenehmigung die Stadt betreten. „Das waren nach der Wende keine guten Startbedingungen“ erklärte der Gouverneur. Heute möchte man von Deutschland lernen, wie man noch besser und schneller vom Sozialismus zur Marktwirtschaft gelangen kann. Gerade Deutschland hat durch die Wiedervereinigung auf diesem Gebiet eine große Erfahrung.
Durch das Gipfeltreffen in Tomsk kennt man jetzt diese Stadt und weiß auch wo sie liegt.
In dem Gebiet Tomsk wird intensiv Erdöl und Erdgas gefördert. Riesige Summen werden jährlich zur Unterstützung des Haushalts nach Moskau überwiesen.
Tomsk hat zwei wichtige Vorteile: diese Stadt ist das Zentrum für Bildung und Wissenschaft und des Innovationsbusiness in Sibirien. Außerdem sind in diesem Gebiet riesige Rohstoffreserven vorhanden. Wenn die verantwortlichen Politiker und Wirtschaftsfachleute es verstehen, die Rohstoffressource und den Intellekt zu kombinieren, werden sich diese Stadt und das Gebiet rasch zu einer dynamischen Region entwickeln.
Durch den Bau der Transsibirischen Eisenbahn wurde Novosibirsk zur Millionenstadt und Tomsk blieb links liegen. Aus dieser geschichtlichen Entwicklung hat Kress gelernt. Das heutige Transportmittel ist nicht mehr die Eisenbahn, sondern das Flugzeug. Während des Gipfeltreffens landeten auf dem Tomsker Flughafen 35 Flugzeuge, während es sonst 1 bis 2 pro Tag sind. Das war eine große Herausforderung, sagte Victor Kress. Sein Wunsch ist es deshalb auch, den Flughafen auszubauen, die Start- und Landebahnen zu verlängern und zu einem internationalen Flughafen zu machen. Am Flughafen Tomsk sollen Grenzpolizisten stationiert werden, damit eine Direktverbindung ins Ausland möglich ist. Weiterhin soll eine Schnellbahn direkt zum Flughafen gebaut werden. Das Tomsker Gebiet, das fast so groß ist wie die Bundesrepublik, ist nicht nur reich an Erdgas- und Ölvorkommen, sondern auch viele andere Bodenschätze warten auf ihre Erschließung. Deshalb sollen auch wieder zu den einzelnen kleineren Städten des Gebietes Flugverbindungen aufgenommen werden, wie dies vor der Wende vorhanden war. Dadurch soll es Investoren erleichtert werden, sich auch für das Hinterland zu interessieren, aber es stellt auch eine soziale Komponente für die Menschen in diesem Gebiet dar. Da für Massengüter der Wasserweg nur begrenzt möglich ist, denn alle Wasserwege führen in Richtung Norden ins ewige Eis, setzt sich Tomsk auch für den Ausbau des Schienenverkehrs ein. Eine nördliche Fernverkehrsverbindung wird gebaut, die das Territorium des mittleren Urals mit Tomsk verbindet und weiter verlängert wird und den Namen der zweiten transsibirischen Eisenbahn bekommen hat.

Im Stadtzentrum pulsiert das Leben vorbei an prachtvollen Häusern
Auch hat er verstanden, dass mit dem Tourismus Geld verdient werden kann, wenn die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind. Ein nach europäischen Maßstäben gutes Hotel soll gebaut werden, Stadtführungen organisiert werden und auch sonst den Touristen ein Angebot unterbreitet werden, damit sie gerne in die Stadt kommen. Wer sich jedoch in einem deutschen Reisebüro umschaut, wird nirgendwo in einem Prospekt ein Angebot nach Tomsk finden. Durch das Gipfeltreffen zwischen der deutschen Bundeskanzlerin Merkel und dem russischen Präsidenten Putin im April 2006 haben viele das erste Mal den Namen dieser Stadt gehört und durch die Medien erfahren, wo sie liegt. Geworben wird mit 6 professionellen Theatern, 12 Museen, sehr vielen Bibliotheken, der Philharmonie und dergleichen, also alles, was andere bekanntere Städte wie z. B. Wien auch oder noch besser bieten können. Etwas hat Tomsk, was wirklich sehenswert ist und keine andere Stadt bieten kann. Es sind die reichlich verzierten Holzhäuser. Der Wiederaufbau der historischen Bezirke in Tomsk kostet sehr viel Geld, eröffnet aber eine große Möglichkeit für den Tourismus interessant zu werden. Diese wunderschönen Holzhäuser zu restaurieren, liegt im Interesse vieler Tomsker Bürger. Das wäre wirklich etwas, was man zeigen kann und andere Städte nicht zu bieten haben. Die endlose Weite der Taiga ist ebenfalls typisch für Sibirien und damit auch für Abenteuerurlauber die nach Tomsk kommen, interessant. Den verantwortlichen Politikern wird empfohlen, sich mit Werbefachleuten und Touristikmanagern in Deutschland in Verbindung zu setzen, um gemeinsam zu überlegen, was gemacht werden muss, um Tomsk und das Tomsker Gebiet für die Touristen zu erschließen und damit diese Region in den Katalogen der großen Reiseveranstalter als interessantes Ziel aufgenommen wird.

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